Erfolg im Unternehmen durch zielorientiertes Management
mit Hilfe der Balanced Scorecard
Ein Beitrag von Rainer Kämpf
Erfolg im Unternehmen ist als positives Ergebnis
unternehmerischen Handelns definiert, das in qualitativer oder quantitativer Form gemessen
wird. Die Bewertung des Erfolges unterstellt einen nach bestimmten Kriterien definierten
quantitativen Erfolgsmaßstab, der branchen- und unternehmensspezifisch variiert und
zusätzlich noch einer historischen Entwicklung unterliegt. In der vom Strategic Planning
Institute in den 70er Jahren durchgeführten PIMS-Studie wurden Marktanteil und
Marktwachstum als wesentliche Cash-Flow-Treiber gefunden; heute erweitert man die
Erfolgsfaktoren um qualitative Kriterien wie z.B. Kundenstruktur und Unternehmensimage
(Performance Measurement).
Für jedes Unternehmen ist eine spezifische
Definition der Erfolgsfaktoren notwendig, um die aktuellen Situation des Unternehmens,
seine produkt-, markt- und ressourcenbezogenen Besonderheiten zu berücksichtigen. Für
ein Unternehmen der Konsumgüterindustrie mag eine Erhöhung des Marktanteils um 0,2 % im
eng umkämpften Markt ein Erfolg darstellen, während im Anlagenbau dieses Ergebnis sicher
kaum Beachtung findet. Hierbei ergibt sich auch die Frage, in wie weit Erfolge
verschiedener Unternehmen vergleichbar gemacht werden können bzw. übertragbare
Erfolgsmaßstäbe existieren ? Nur die Anwendung solcher Maßstäbe garantiert den
Unternehmen, daß der eigene Erfolg auch von der Konkurrenz oder dem Markt als Erfolg
angesehen wird.
Der Erfolgsfaktoren und der Erfolgsmaßstab werden
meist in der Vision oder der Mission des Unternehmens definiert. Aussagen wie z.B.
"Wir verkaufen Qualität zu günstigen Preisen" (Handelshaus) zeigen aber auch,
daß sehr oft die Erfolgsfaktoren zwar genannt werden ("Qualität" und
"Preis"), der Erfolgsmaßstab jedoch oft nur sehr ungenau formuliert ist.
("hohe Qualität" und "günstiger Preis"). Diese fehlende
Quantifizierung erschwert die Festlegung von operationalisierbaren Zielvorgaben für die
verschiedenen Hierarchieebenen und Mitarbeiterteams bzw. macht dort eine nachfolgende
Quantifizierung des Erfolgsmaßstabs erforderlich. Nur auf dieser Basis lassen sich
erfolgversprechende Strategien ableiten und alle daraus resultierenden Entscheidungen und
Aktivitäten der Mitarbeiter hinsichtlich ihrer Zielorientierung bewerten. Für die
Bewertung der Zielerreichung werden die operationalisierbaren Zielvorgaben durch
Kennzahlen abgebildet. Hierbei ist zwischen eindeutig quantifizierbaren Kennzahlen und
rein qualitativen, vergleichenden Kennzahlen zu unterscheiden. Bewertet werden unter
anderem
- kundenorientierte Aspekte
, sie beschreiben die Sicht des Kunden
auf das Unternehmen. (z.B. Kundenzufriedenheit, Kundentreue, Neukundenakquisition,
Marktanteil);
- prozeßorientierte Aspekte
, sie sollen die Identifikation und
Umsetzung von Kundenwünschen, die betriebliche Leistungserstellung, die
Kundendienstaktivitäten und die Kommunikation nach innen und außen charakterisieren
(z.B. Durchlaufzeit, Bearbeitungszeit, Reaktionszeiten, Erfolgsrate im ersten Durchlauf,
Nachbesserungsanteil);
- mitarbeiterorientierte Aspekte
, sie beschreiben die Fähigkeiten
und Potentiale der Mitarbeiter (z.B. Zufriedenheit, Produktivität, Motivation,
Qualifikation);
- betriebswirtschaftliche Aspekte
, sie übersetzen die
strategischen Zielsetzungen des Unternehmens in die Sprache der Anteilseigner und
ermöglichen Aussagen über die finanzielle Situation des Unternehmens (z.B.
Rentabilität, Liquidität, Stabilität).
Zu berücksichtigen ist auch, daß sich der
Unternehmenserfolg nur als Folge einer "Win-Win"-Situation ergeben kann, d.h.
daß Unternehmenserfolg wesentlich von den Erfolgen der Mitarbeiter abhängt. Aus den
persönlichen Erfolgen erwächst die Motivation für das Engagement des Mitarbeiters im
Unternehmen. Sie schafft die Basis für eine langfristige Erfolgssicherung, da sie eine
Konzentration aller Kräfte im Unternehmen ermöglicht, die Synergien schafft,
Fehlentwicklungen reduziert, Akzeptanz erzeugt und Rollenkämpfe verhindert.
Damit ergeben sich folgende Voraussetzungen
für die Umsetzung des zielorientierten Management im Unternehmen:
- akzeptierte Unternehmensziele
, die auf eigene Ziele der Teams
bzw. Mitarbeiter heruntergebrochen sind,
- Zielverfolgungssysteme
, die es jedem einzelnen Mitarbeiter
erlauben, nachzuvollziehen, wieweit er und sein Team die eigenen Ziele erreicht haben,
- Zielanreizsysteme
, die das Team bzw. den einzelnen Mitarbeiter
dazu motivieren, alle Entscheidungen ausgerichtet auf die Unternehmensziele zu treffen,
- Informationskultur
, die eine offene Zusammenarbeit der einzelnen
Mitarbeiter und Teams ermöglicht.
Die operative Umsetzung des zielorientierten
Managements im Unternehmen erfolgt auf der Basis der Balanced Scorecard. Sie
beinhaltet eine Methode zur Erarbeitung und unternehmensweiten Kommunikation von Vision,
Mission und daraus abgeleiteten Strategien des Unternehmens. Sie soll allen Beteiligten
mit Hilfe geeigneter Kennzahlen konkret vermitteln, wie die Unternehmensziele mit der
Mission und der Vision des Unternehmens zusammenhängen und wie sie praktisch umzusetzen
sind. Die Kennzahlen müssen in kommunikativer Zusammenarbeit aller Beteiligten daher so
dargestellt werden, daß sie allen Mitarbeitern verständlich sind. Die Balanced Scorecard
ist in diesem Sinne ein Management-System zur strategischen Führung eines Unternehmens
mit Kennzahlen. Führung durch Kennzahlen setzt dabei voraus, jede Kennzahl mit IST und
SOLL, mit Maßnahmen zur Erreichung des SOLL, mit Verantwortlichkeit für die Maßnahmen
und mit Regelungen zur Motivation der Verantwortlichen zu verbinden.
In der Organisation der Unternehmen hat in den
letzten Jahren ein spürbarer Wandel eingesetzt. Flexible Strukturen, kurze
Entscheidungswege, Dezentralisierung und Eigenverantwortung gewinnen zunehmend an
Bedeutung. Dies ist bei der Definition der Balanced Scorecard für das Unternehmen zu
berücksichtigen. Denn in dem Maße, wie flache, dezentralisierte und eigenverantwortliche
Strukturen geschaffen werden sollen, benötigen diese Strukturebenen auch ihre
eigenständigen strategischen Orientierungen. Selbstverständlich im Rahmen der
strategischen Orientierung des Gesamtunternehmens. Deshalb arbeitet jede Strukturebene mit
eigenen Balanced Scorecards. Ausgehend von der Mission und Vision erhalten die
strategischen Kennzahlen des Gesamtunternehmens den Charakter von Richtzahlen. Diese
Richtzahlen stecken den Rahmen ab für die eigenständigen Entscheidungen der dezentralen
Einheiten. Auf ihrer Basis erarbeiten sie ihre eigenen Scorecards. Im Endeffekt entsteht
ein "Netz" über die Unternehmens-Scorecard miteinander verwobener
Struktur-Scorecards. Auf diese Weise kann die Arbeit an und mit der Balanced Scorecard den
Aufbau moderner Führungsstrukturen wirksam unterstützen. Außerdem erhält die oberste
Unternehmensführung die Möglichkeit, die dezentralisierten Strukturebenen mit wenigen
Kennzahlen zu führen.
Beispiel einer Balanced
Scorecard für ein Automobil-Zulieferbetrieb
(aus Friedag,R.; Schmidt, W.: Balanced Scorecard, Haufe Verlag, Freiburg 1999)
Mission |
- Good vibrations mit XYZ |
Vision |
- Weltmarktführer für Schwingungstechnik |
Strategien |
- Umsatzverdoppelung in 4 Jahren
- 50 % Umsatzanteil von neuen Produkten |
Kundenperspektive |
-
Wachstum des Marktanteils an
Dieselmotoren-Schwingungstechnik
- Gemeinsame Kontakte von Vertrieb und Entwicklung
zu Kunden, um Beziehungspartnerschaften
aufzubauen |
Geschäftsprozessperspektive |
-
Zeitbedarf bis zur Produktionsreife
- Anzahl Patente
- Automatisierungsgrad |
Mitarbeiterperspektive |
- teamübergreifende technische Schulungen
- Teilnehmer an firmenübergreifenden
Qualifizierungsmaßnahmen
- Kundendurchdringung eines Schwingungskongresses |
Finanzperspektive |
- Wachstum
mit neuen Produkten
- Gewinnspanne in bestehenden Märkten |
Lieferantenperspektive |
- DV-Integration mit Zulieferern |
Kommunikationsperspektive |
- Teilnahmequote an betriebsinternen Veranstaltungen |
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