| Total Quality Management
Rainer Kämpf und Helmuth Gienke
1.
Ziel TQM
Der Begriff Qualität bezog sich in der
Vergangenheit auf die Produktqualität, was sich in der Definition des Begriffs Qualität
ausdrückt:
| Der Qualitätsbegriff nach DIN 55350: |
| Qualität ist die Beschaffenheit einer Einheit
bezüglich ihrer Eignung festgesetzte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen. |
Dies schließt zwar eine Erweiterung auf
organisatorische Einheiten und andere Bereiche als die Produktqualität nicht unbedingt
aus, jedoch ist unseres Erachtens der Begriff Qualität nicht ausreichend definiert.
Die Unzufriedenheit mit der Zielsetzung wird
sichtbar in den diversen verschiedenen Methoden zum Thema Qualität, die über diese
Definition hinausgehen. Die älteste populäre Methode ist Zero Defect, deren Ziel ist,
die Produktion "ohne Fehler" durchzuführen. Eine weitere Methode ist in der
Zielsetzung der meisten Vorschlagswesen implementiert, in der die Mitarbeiter durch ein
Anreizsystem mit materiellen Vorteilen und Anerkennung aufgefordert werden Vorschläge zur
Verbesserung der Produktion zu machen. Aus dem Toyota Production System, das im
atlantischen Raum als Schlanke Produktion populär wurde ist die Methode der ständigen
Verbesserung KAI ZEN bekannt, mit der jeder Mitarbeiter angeregt wird, sich ständig
Gedanken über die Verbesserung seiner Arbeitsweise und seines Produktes zu machen.
Weitere, individuellere Methoden sind von Unternehmen und Beratungsinstituten entwickelt
worden.
Ein Ansatz der neben der eigentlichen
Qualitätserfüllung stärker mit der Erfüllung der Kundenanforderungen befaßt ist, ist
das Quality Function Deployment ( nach Yoji Akao). Die Kundenanforderungen werden
systematisch in einem Analyseverfahren erarbeitet. In Baumdiagrammen werden sie
systematisch in Teilaspekte zerlegt. In einer Mehr-Punkte-Abfrage werden die Gewichte der
einzelnen Aspekte ermittelt. Das Ergebnis ist eine gewichtete Auflistung der
Qualitätsattribute der die angestrebten Qualitätsmerkmale entgegengestellt werden. In
einem weiteren Schritt werden Realisierbarkeit einschließlich Kosten ermittelt und dann
hat man die Möglichkeit, nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Qualitätsziele zu
definieren. Diese Methode kann nicht nur auf "externe" Kunden, sondern ebenso
auf die Kunden-/Lieferantenbeziehungen im Unternehmen angewandt werden.
Die Qualitätsverfahren müssen sich an den
Untenehmenszielen orientieren. Diese sind in vielen Unternehmen im Prinzip definiert als
- Erhalt des Unternehmens
- Erzielung einer angemessenen Kapitalrendite
Diese Zielsetzung bedingt Erwerbung oder Erhalt
eines angemessenen Marktanteiles durch Kundenzufriedenheit und Kundennähe hinsichtlich
Liefer- und Betreuungservice sowie einen angemessenen Marktwert der Produkte durch
Qualität, Funktionalität und Nutzernähe. Diese Ziele erreicht man nur, wenn alle
Aktivitäten des Unternehmens auf Erfüllung der Anforderungen ausgerichtet sind, wodurch
sich der Begriff "Total Quality Management (TQM)" erklärt, der nach ISO 8402
definiert ist als:
| Der Begriff Total Quality Management (TQM)
nach ISO 8402 |
| TQM ist definiert als eine auf die Mitwirkuzng
aller Mitarbeiter beruhende Führungsmethode einer Organisation, die Qualität in den
Mittelpunkt stellt und durch Zufriedenstellung der Kunden auf langfristigen
Geschäftserfolg sowie auf Nutzen für die Mitglieder der Organisation und für die
Gesellschaft zielt |
Das bedeutet also nicht, daß man sich nur auf
Produkt- und Sevicequalität beschränkt, sondern daß die Bedienung der Kundenwünsche im
Mittelpunkt steht und implizit, daß dieses Ziel nur erreicht wird, wenn alle Mitglieder
der Organisation, also im Normalfall alle Mitarbeiter des Unternehmens in die Erfüllung
des Zieles eingebunden sind.
| Die Hauptobjekte eine Total Quality Management |
| Funktionalität, das sind die
Funktionen, die einen echten Marktwert haben, entweder weil sie vom Benutzer gewünscht
werden, weil sie dem Benutzer Möglichkeiten bieten, die ihm echte Vorteile bringen und
überzeugen oder, weil sie an das Prestigebedürfnis des Kunden apellieren. |
Nutzernähe, die
sich durch einfache oder gut nachvollziehbare Bedienung, durch verständliche
Dokumentation, einfache Auslieferungsformen und gute Unterstützung zur Inbetriebnahme
sowie schnelle und pünktliche Verfügbarkeit des Produktes darstellt. |
| Kundenservice, der einfache,
termingetreue Auftragsabwicklung und Flexibilität hinsichtlich der Kundenwünsche,
Zuverlässigkeit sowie einfache und zuverlässige Wartung des Produktes umfaßt |
Lieferantenbeziehungen,
die es ermöglichen, die Erfüllung der Kundenwünsche durch Synergieeffekte aufgrund
zuverlässiger und offener Zusammenarbeit mit den Zulieferern zu verbessern. |
| Prozeßgestaltung, die den
gesamten Prozeß der Auftragsabwicklung hinsichtlich Aufwand und Ergebnisse optimal
auslegt. Dieses betrifft sowohl die Produktion als auch die Administration und die
übrigen Akivitäten. |
Die European Foundation for Quality Mangement (EFQM)
hat diese Erkenntnisse zusammengefaßt und vergibt jährlich den European Quality Award
(EQA), wofür die Unternehmen nach folgenden Kriterien und Gewichtung bewertet werden:
| Enablers (Befähiger): |
Wie werden die Ergebnisse erzielt ? |
| Führung (10 %) |
Der Punkt Führung umfaßt das Engagement zur
Durchsetzung des TQM als grundlegenden Prozeß. Von den Führungskräften wird beständige
TQM-Kultur mit Bereitstellung der Ressourcen und Anerkennung der Ergebnisse sowohl im
eigenen Hause, als auch bei Kunden und Lieferanten erwartet. |
| Mitarbieterorientierung (9 %) |
Die Mitarbeiterorientierung soll zeigen, wie die
Organisation ihre Mitarbeiter befähigt, die Geschäftstätigkeit ständig zu verbessern
durch Auswahl und Förderung sowie Zielvereinbarung, Information und Beteiligung an den
Entscheidungsprozessen. |
Politik und Strategie
(8 %) |
In der Politik und Strategie der Organisation soll
sich widerspiegeln, wie TQM umgesetzt wird. Das umfaßt, wie weit TQM Basis für die
Strategie ist, wie relevant und umfassend die Informationen zur Entscheidungsfindung sind,
den Durchsetzungsgrad dieser Ideen extern und intern sowie die Art, ob und wie die
Methoden ständig aktualisiert und verbessert werden. |
| Ressourcen (9 %) |
Der Punkt Ressourcen soll zeigen, wie finanzielle
Ressourcen und Informationen zur ständigen Verbesserung der Geschäftstätigkeit
eingesetzt werden. Das umfaßt Materialien, Ausrüstungsgüter und auch die Beziehungen zu
Lieferanten. |
| Prozesse (14 %) |
Die Prozesse definieren alle wertschöpfenden
Tätigkeiten in der Organisation. Die Prozesse müssen identifiziert, ständig überprüft
und deren Ziele angepaßt und nachgehalten werden. Dazu zählt der Anreiz, durch
Innovation und Kreativität die Prozesse ständig nutzenorientiert zu verbessern. |
Zur Beurteilung der Ergebnisse werden die
Kennzeichen Mitarbeiterzufriedenheit, Kundenzufriedenheit, gesellschaftliche Verantwortung
und Geschäftsergebnisse herangezogen. Die Meßwerte zur Beurteilung beschreiben die
konkreten Leistungen, den Grad der Zielerreichung und im Rahmen des Benchmarkings den
Vergleich mit dem Wettbewerb.
| Results (Ergebnisse): |
Was erreicht die Organisation ? |
| Mitarbeiterzufriedenheit
(9 %) |
Die Kundenzufriedenheit wird durch die Beurteilung
der Produkte, der Dienstleistungen und der Beziehungen zwischen den Kunden und dem eigenen
Betrieb beschrieben. Zusätzlich können spezifische Meßgrößen entwickelt werden. |
Kundenzufriedenheit
(20 %) |
Die Mitarbeiterzufriedenheit beschreibt die
Identifizierung der Mitarbeiter mit dem Unternehmen, dessen Zielen und Führung. |
| Gesellschaftliche Verantwortung (6 %) |
Die gesellschaftliche Verantwortung soll
demonstriert werden durch die Einstellung der Organisation zur Lebensqualität, Umwelt und
Erhaltung der globalen Ressourcen. |
| Geschäftsergebnisse (5 %) |
Die Geschäftsergebnisse werden durch die
finanziellen und nichtfinanziellen Meßgrößen zum Unternehmenserfolg beschrieben. |
Zwei Besonderheiten fallen auf, zum einen wird
unterschieden zwischen den Potentialfaktoren (Befähiger) und den Ergebnissen, die beide
gleichmäßig bewertet werden, womit herausgestellt ist, daß Qualität nicht nur am
Ergebnis zu messen ist, sondern auch am Weg dahin, als Resultat der Erkenntnis, daß
Qualität nicht gemessen sondern erzeugt wird.
Zum andern werden Einzelausprägungen betrachtet,
die im herkömmlichen Begriff des Qualitätswesens nicht berücksichtigt werden, wie
Führung, Mitarbeiterorientierung und Mitarbeiterzufriedenheit. Dieses ist die Erkenntnis,
daß optimale Ergebnisse eines Unternehmens das Engagement aller Beteiligten bedingen.
Bestimmendes Ziel ist auch nicht die Qualität, sondern das Geschäftsergebnis, und dieses
wiederum nicht ausschließlich als finanzielles Ergebnis, sondern die Zielerfüllung auf
allen im Zielkatalog definierten Gebieten. Das ein Zielkatalog (mit quantifizierten und
meßbaren Zielen) vorhanden ist, wird für ein modernes Unternehmen stillschweigend
unterstellt.
Weiterhin bedeutend ist, daß den Prozessen eine
hohe Bedeutung beigemessen wird.
| Definition Prozeß |
| Ein Prozeß ist die Gesamtheit der Vorgänge, um
einen Zustand eines Objektes (z.B. eines Auftrages bei seiner Erteilung) in einen
definierten Zielzustand umzuwandeln (z.B. die eines Auftrages zu einem erfüllten
Auftrag). |
Diese Definition kann man sowohl auf
gegenständliche Umwandlung (mechanische Bearbeitung) als auch auf den Zustandstransfer
immaterielle Objekte anwenden (wie am Beispiel Auftrag). Diese Prozesse setzten sich meist
aus eine Vielzahl von Teilprozessen zusammen. Da der Gesamtprozess zielorientiert ist,
müssen auch die Teilprozesse im selbstähnlichen Aspekt dieses Ziel verfolgen. Dieser
Aspekt verstärkt die Betrachtung der Führungsqualität. Zur Realisierung der Führung
müssen die Prozesse auf ein überschaubares Maß verdichtet und reduziert werden. Ein
wesentliches Hilfsmittel ist dabei die Fähigkeit, die Entscheidungen über die Art und
Kontrolle der Prozesse auf die ausführende Ebene zu verlagern. Zusätzlich gilt es aber,
- die für den Unternehmenserfolg entscheidenden Prozesse zu
identifizieren,
- Verfahren zu erarbeiten, mit denen diese Prozesse systematisch
geführt werden,
- die Prozesse zu überprüfen und Verbesserungsziele zu definieren und
zu quantifizieren,
- die Mitarbeiter zu Innovationen und Kreativität bei der
Prozessverbesserung anzuregen
- Prozessveränderungen zu ermöglichen und hinsichtlich der Kosten und
des Nutzens zu bewerten.
2.
Vorgehen
2.1 Gespräche mit der
Geschäfsleitung
Prozesse und Ihre Umstrukturierung betreffen das
gesamte Unternehmen. Da die wichtigste Konsequenz der Prozeßbetrachtung nach Franz eine
Anpassung der Organisationsstrukturen ist, sollte das Projektteam bzw. Beraterteam die
Geschäftsleitung über ihre Bereitschaft, organisatorische oder struturelle
Veränderungen durchzuführen, befragen. In diesem Gespräch sollten auch die wesentlichen
Problemfelder aus Sicht des Managements erfragt und Ansprechpartner für die
unterschiedlichen Bereiche benannt werden.
Die Führung hat, laut Kühlechner, ein recht gut
fundiertes Gespür in welchen Gebieten Handlungsbedarf besteht, da sich auf der
Management-Ebene Informationen verdichten und somit eher auf Wirkungsfelder hindeuten. Es
besteht jedoch die Gefahr des Vorfilterns durch vorgefaßte Meinungen. Das Management
sollte spätestens zu diesem Zeitpunkt eine Vision für das Unternehmen formulieren.
| Definition Unternehmensvision |
| Eine Unternehmensvision ist eine
unternehmensspezifische generelle Leitidee in verschiedenen Dimensionen mit szenarischem
Ziel- und Orientierungscharakter. Mit einem klaren Realitätsbezug stellt sie ein in der
Gegenwart verankertes, in der Zukunft liegendes konkretes Bild des Unternehmens und dessen
Märkte, Produkte sowie Kultur dar. Durch das bewußte Vorleben des Managements füllt die
Unternehmensvision eine sowohl intern als auch extern sinngebende und bindende Funktion
und bündelt die Energie der Unternehmensmitglieder auf ein gemeinsames Ziel. |
Die Vision hat also eine Sinngebungs-,
Koordinations-, Orientierungs- und vor allem eine Motivationsfunktion. Sie stellt damit
die notwendige Basis für jedes Zielsystem dar.
Um zu verhindern, daß das Projekt durch mangelnde
Achtung und ein mangelndes Vertrauensverhältnis fehlschlägt, sollten die Mitarbeiter
rechtzeitig vor der Erfassung des Ist-Zustandes über Sinn und Zweck des Projektes
informiert werden. Die Mitarbeiter sollten die Möglichkeit haben, über das bevorstehende
Projekt zu diskutieren und ihre Vorbehalte zu äußern.
2.2 Schulungen
Ein weiterer vielfach unterschätzer Aspekt sind
Schulungen. Die Vorbereitung der Mitarbeiter auf ihre neuen Aufgaben und die an sie
gestellten erweiterten Anforderungen reduzieren die natürliche Angst vor Veränderungen.
Eine mögliche Vorgehensweise ist die kaskadenartige Schulung eines Unternehmens.
Zunächst werden die Führungskräfte geschult, die wiederum ihre Abteilungsleiter und
diese wiederum ihre Mitarbeiter schulen. Diese Form der Schulung wirkt dem
Autoritätsverlust der Führungskräfte entgegen und etabliert sie in ihrer neuen Rolle
als "Couch". "Zudem hat sich gezeigt, daß die größte Identifikation mit
einer neuen Idee und den Schungsinhalten dann erreicht wird, wenn die Schulung durch die
Führungskräfte selbst erfolgt".
Neben der Vermittlung der Bedeutung des Kunden und
einer hohen Qualität für den eigenen Arbeitsplatz ist in den Schulungen deutlich zu
machen, daß ein TQM Konzept eine Chance und ein Angebot ist, eigene Ideen zu
verwirklichen und den Arbeitsplatz selbst zu gestalten. Unterstützung bei dieser
herausfordernden Aufgabe sollte durch die Inhalte der Schulung wie z. B.
Präsentationstechniken, Methoden der Entscheidungsfindung, Problemlösungstechniken und
Kreativitäts- sowie Moderationstechniken geboten werden.
Als vierte Stufe des Mitarbeitertrainings ist nach
der Informationsveranstaltung, dem Vermitteln von Werten und Einstellungen sowie den
Techniken und Methoden eine kontinuierliche Unterstützung des Mitarbeiters zur
Identifizierung von Schwachstellen und ihrer Eliminierung sinnvoll.
Diese, so schlägt Tollinson vor, "should be
provides on a just-in-time-basis". Er unterstützt diese Ansicht durch die
Behauptung, daß eine Schulung am effektivsten ist, wenn ihre Inhalte sofort angewendet
und ausprobiert werden können.

Abbildung 1: Informationsveranstaltungen und Schulungen
3.
Einstellung eines Zielsystems
3.1 Anforderungen an ein
Zielsystem
Ein Ziel ist ein gedanklich vorweggenommener
Soll-Zustand, der in der Zukunft liegt, real sein soll, bewußt gewählt wird, dessen
Erreichen wünschenswert ist und der nur durch Handlung erreicht werden kann. In einem
Unternehmen spricht man von einem Zielsystem, da Bereichsziele in Abteilungszeile
detailliert werden und Abteilungen wiederum indivuduelle Ziele für Ihre Mitarbeiter
formulieren. Somit entsteht ein System von vielseitigen, unterschiedlichen Zielen.
Ziele haben eine Motivationsfunktion, denn nur durch
identifizierte Ziele kann es Erfolge und durch diesen Anerkennung geben. Neben der
Motivationsfunktion haben Ziele aber auch noch eine Orientierungsfunktion. Das Erreichen
eines unbekannten Ziels ist fraglich, da Abweichungen nicht korrigiert werden können,
wenn nicht bekannt ist, was eine Abweichung darstellt. Auch ist die Koordination der
einzelnen Aktivitäten ohne explizites Ziel fast unmöglich.
| Anforderungen an ein Zielsystem |
| Unternehmen-, Marktorientierung:
Visionen, Mission und Ziele müssen aufgrund von relevanten externen und internen
Informationen festgelegt werden. |
| Operationalisierung: Die Vision
muß vermittelt und für jeden Mitarbeiter faßbar in operationale Ziele übersetzt
werden. |
| Mitwirkung der Mitarbeiter: Diese
Übersetzung muß in Abstimmung mit dem Mitarbeiter geschehen, da er interner Kunde und
Spezialist für seinen Bereich ist. Weiterhin liegt es an ihm, diese Ziele zu
verwirklichen, er sollte sie deshalb akzeptieren und sie unterstützen können. |
3.2 Methodische
Ansätze zur Zielfestlegung
Unternehmens- und Marktorientierung setzen sich
aus einer Vielzahl von Elementen zusammen und bedingen unmittelbar die Kontinuität eines
Zielsystems. Unter anderem geben unternehmensinterne Leistungen und Möglichkeiten einen
Rahmen für die Visionen und Ziele vor. Vergleiche mit anderen Firmen schaffen die
Voraussetzung für Anregungen und eine Zukunftsorientierung.

Abbildung 2: Informationsquellen des Zielsystems
Weitere Elemente sind die Kundenanforderungen
und Marktentwicklungen. Die Bewertung der Konkurrenz und die dadurch bedingte Anregung
oder Repositionierung für das eigene Unternehmen sowie die Beobachtung der
Marktentwicklung und die Unternehmensanalyse sind wichtige Bestandteile der Positionierung
für jedes Unternehmen.
Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen jedoch die
Kundenanforderungen. Diese müssen jedem Mitarbeiter bekannt und präsent sein, damit er
zur Prozeßoptimierung beitragen kann. Zur Identifizierung der Kundenanforderungen müssen
zunächst die Kunden identifiziert und dann deren Bedürfnisse erfaßt werden. Kunden des
Unternehmens sind im Rahmen eines Total Quality Managements alle Personen, "die von
der zur Erreichung der Qualitätszeile erforderlichen Produkte und Prozesse in irgendeiner
Weise betroffen" sind. Folglich müssen nicht nur externe Kunden sondern u. a. auch
Mitarbeiter, Lieferanten und natürlich auch das Management, welches Effizienz und
Effektivität der Prozesse verantworten muß, als Kunden definiert werden. Interne Kunden
lassen sich durch den Ablaufplan bei jeder Verantwortungsübergabe erkennen.
Um die Ergebnisse einer Anforderungsanalyse nicht zu
verfälschen, sollte man die Grundregeln der Marktforschung beachten. Dies impliziert eine
Konzentration auf die wichtigsten Kunden z. B. durch eine ABC-Analyse. Weiterhin sollten
die befragen Kunden klassifiziert werden, z. B. Umsatz, Produkt, Lieferzeiten usw. Dies
ermöglicht eine bessere und differenziertere Auswertung der Ergebnisse.
Im Unternehmen herrschen sehr oft Mutmaßungen über
die Einstellung und Gewohnheiten der Kunden vor, die teilweise für die einzelnen
Mitarbeiter zusätzlich noch verschieden sein können. Somit beginnt die Identifizierung
von Kundenanforderungen, nach der Konzentration und Klassifizierung der Kunden, mit
offenen Fragen innerhalb eines Interviews bzw. innerhalb eines Workshops. Die
Identifizierung der Kundenbedürfnisse durch Einzelinterviews oder innerhalb eines
Workshops ist etwas komplexer als man zuerst annehmen mag. Kunden sind meist nicht in der
Lage ihre Bedürfnisse zu äußern, denn sie sind sich ihrer nicht in vollem Umfang
bewußt oder sie wollen bzw. können sie nicht äußern. Unterstützend helfen hier
Assoziativfragen oder die Anwendung von Methoden wie z. B. die Critical-Incident Methode.
Zur Erfassung der tatsächlichen Kundenanforderungen
existiert eine sehr komplexe Methode, die sogenannte GAP-Analyse. Sie ist ein
ganzheitlicher Ansatz, der die Diskrepanzen aufzeigt zwischen tatsächlichen und
wahrgenommenen Kundenerwartungen,
- wahrgenommenen Erfolgsfaktoren und deren Umsetzung in
Spezifikationen,
- gesteckten Zielen und tatsächlicher Leistungserstellung
- der tatsächlichen und vom Kunden wahrgenommenen sowie
- der erwarteten und real erlebten Leistung.
Mitarbeiterbefragungen sind trotz der
eingangs beschriebenen Probleme durch die Theorien der Mitarbeiter als Ergänzung einer
Anforderungsanalyse von unschätzbarem Wert. Durch die intensive Interaktion mit dem
Kunden und den Einblick in die Möglichkeiten des Unternehmens sind sie in der Lage
Vorschläge für zukünftige Qualitätsziele zu machen und momentane Kundenbedürfnisse zu
benennen. Sie können sich meist in die Lage des Kunden versetzen und dessen Bedürfnisse
artikulieren. Nach Meffert und Bruhn ist die umfassende, regelmäßige
Mitarbeiterbefragung von besonderer Wichtigkeit für die Entwicklung und Umsetzung eines
Qualitätsmanagements im Unternehmen.
3.3 Operationalisierung
"Ein gemeinsames Zielsystem bildet die
Voraussetzung für eine effektive sowie effiziente Unternehmensführung sowie für deren
Umsetzung. Grundlage dafür ist die durchgängige Verankerung der Ziele auf allen
Hierarchieebenen. Dies kann nur gelingen, wenn die formulierten Ziele für den Mitarbeiter
"faßbar", verständlich, transparent gemacht werden". Die Operationalität
ist dann gegeben, wenn konkrete meßbare Ziele realisiert und die Zielrichtung geprüft
werden kann. Die Voraussetzung dafür ist die Bezeichnung des Zielinhaltes und de
Bemessungsgrundlage.
Der Operationalisierung des Zielsystems muß hohe
Bedeutung beigemessen werden, um eine Kongruenz zwischen Unternehmenspolitik, Gesamtziel
des Unternehmens und Zielen einzelner Entscheidungsträger sicherzustellen. Ein Modell,
das in diesem Zusammenhang immer wieder Erwähnung findet und in unterschiedlichen
Ausprägungen auch in der betrieblichen Praxis große Verbreitung findet, ist das
Management by Objectives (MbO).
MbO ist ein Führungsmodell, bei dem durch vertikale
Top-down-/Bottom-up-Prozesse die Visionen und Unternehmensziele mit den individuellen
Vorstellungen der Mitarbeiter in Einklang gebracht werden sollen. Das Konzept ist eine
verbesserte Identifikation mit den Unternehmenszielen, eine Objektivierung der
Leistungsbeurteilung, Forderung der Eigeninitiative, Handlungsverantwortung,
Leistungsmotivation und Verantwortungsbereitschaft der Mitarbeiter im Sinne des TQM zum
Ziel. Das Management by Objectives fördert jedoch auch die funktionale Abgrenzung durch
das Herunterbrechen eines Zieles innerhalb eines bestimmten Bereiches.
Schnittstellenprobleme bleiben ungelöst oder vergrößern sich. Auch wurde bis zum
jetzigen Zeitpunkt nicht erläutert, wie man die erarbeiteten Anforderungen der Kunden in
ein funktionales Ziel übersetzen kann.
"Der Erfolg eines Produktes (Dienstleistung),
und damit das gesamte Qualitätsmanagement hängt davon ab, wie gut die Anforderungen des
externen Kunden verstanden und umgesetzt werden". Zur Umsetzung der Anforderungen in
konkrete Kennzahlen für die einzelnen Bereiche bedient man sich im Produktionsbereich
häufig des Quality Function Deployment (QFD. Dieses Verfahren ermöglicht eine
Fokussierung der gesamten qualitätsbezogenen Planungsprozesse auf die Wünsche und
Anforderungen des Kunden.
Zum Erarbeiten des House of Quality bieten sich
Workshops mit abteilungs- und hierarchieübergreifenden Teams an. Diese Kombination von
Erfahrungen liefert den Informationspool, der für eine so komplexe Aufgabenstellung
benötigt wird. Zunächst werden dem Workshop die Vision des Unternehmens und die
Ergebnisse der Kundenanalyse vorgestellt.

Abbildung 3: House of Quality
Anfangs werden die Kundenanforderungen
systematisch analysiert, gruppiert und in eine Tabelle eingetragen. Dabei sollten die
Kundenanforderungen möglichst stark differenziert werden. Hilfreich bei der
Spezifizierung der einzelnen Anforderungen sind das Baumdiagramm und die
Mehr-Punkt-Abfrage. Das Baumdiagramm ermöglicht eine systematische Zerlegung einer
Kundenanforderung in ihre Teilaspekte und die Mehr-Punkt-Abfrage determiniert die
Gewichtung der einzelnen Aspekte einer Anforderung sowie die einzelnen Anforderungen.
Wahlweise ist weiterhin eine Beurteilung der Eigen- und Konkurrenzleistung möglich.
Qualitätselemente einer Leistung sollten ebenfalls in einer Tabelle aufgelistet werden.
Die Qualitätselemente sollten mit Hilfe der abteilungs- und hierarchieübergreifenden
Teams in einem Workshop mit meßbaren Attributen, den Qualitätsmerkmalen, konkretisiert
werden.
Die beiden erstellten Tabellen werden in einer
Matrix gegenüber gestellt und die Intensität der Beziehung zwischen Anforderung und
Merkmal durch Zahlen dargestellt. Die Ergebnisse der Analyse der Matrix werden auf
Korrelationen untersucht. Dadurch erhält man eine gewichtete Auflistung meßbarer
Qualitätsattribute, den Qualitätsentwurf. Wahlweise können über die Fremdanalyse hier
bereits deren Erreichbarkeit und der zur Realisierung notwendige Aufwand bewertet werden.
Nun werden die Prozesse mit Hilfe eines Baumdiagrammes in Teilprozesse, eventuell sogar in
Aktivitäten untergliedert und diese in einer Matrix dem Qualitätsentwurf gegenüber
gestellt. Diese zweidimensionale Graphik identifiziert die für den Leistungsprozeß
relevanten Teilleistungen sowie die Qualitätsmerkmale, die in diesen Teilleistungen
erfüllt werden müssen. Somit können die Kundenanforderungen in operative Ziele für
einzelne Bereiche übersetzt werden.
4.
Partizipation der Mitarbeiter
Mitarbeiter sind die wertvollste Ressource eines
Unternehmens, da sie mit dem Kunden interagieren und ihren Fachbereich und dessen
Möglichkeiten sowie die Anforderungen der vorgelagerten Bereiche kennen. Wie bereits
erwähnt, kann durch eine Beteiligung der Mitarbeiter an der Zielfindung eine höhere
Akzeptanz der Ziele und somit eine bessere Voraussetzung für deren Durchsetzung erreicht
werden. Die Position des Mitarbeiters in einem TQM geführten Unternehmen als interner
Kunde und die dadurch begründete Mitarbeiterorientierung sowie die Bedeutung der
Mitarbeiterzufriedenheit untermauern diesen Ansatz.
Die Erweiterung des Kundenbegriffs auf interne
Kunden hat aber noch weitere Absichten. Zunächst werden durch die Betrachtung des
Arbeitsverhältnisses als eine Kunden-Lieferantenbeziehung, Abteilungsschranken, die durch
Konkurrenzdenken entstanden, abgebaut. Weiterhin erhöht die persönliche Bekanntschaft
mit dem "Kunden" die Qualität der Arbeit. Die Wünsche des Endkunden werden
besser kommuniziert und erfüllt.
Generell läßt sich die Partizipation des
Mitarbeiters bei der Zielfindung in eine horizontale und eine vertikale Partizipation
unterteilen. Horizontal stellt der Mitarbeiter Ziele an die ihm vorgelagerten Bereiche. Um
die Übersicht zu wahren sammeln Abteilungen ihre Anforderungen und geben diese an ihre
"Lieferanten" weiter. Die Lieferanten haben ihrerseits die Gelegenheit ihre
spezifischen Möglichkeiten mit den gesteckten Zielen zu vergleichen und ihre direkten
Kunden auf unrealistische Forderungen bzw. Probleme hinzuweisen. Vertikal überprüfen und
modifizieren Mitarbeiter gegebenenfalls die an ihre Abteilung gestellten Ziele. Dies
funktioniert nach dem Catch-Ball Prinzip, bei dem die Ziele mit der jeweils
übergeordneten Ebne abgesprochen werden. Die geforderten Ziele werden in Abbildung 6
"Interaktiver Zielfindungsprozeß" durch breite, graue Pfeile dargestellt. Der
mögliche Review der Anforderungen wird durch die dünnen schwarzen Pfeile dargestellt .
5.
Kontinuität
Die regelmäßige Erfassung von Kundenbedürfnissen
und die Aktualisierung bzw. Modifizierung von Zielen ist ein wesentlicher Bestandteil
einer TQM-Umsetzung. Da Kundenanforderungen und Qualitätsbegriff sowie die Positionierung
des Unternehmens einem konstanten Wandel unterliegen, ist es notwendig, diese
Veränderungen wahrzunehmen und sie bei der Führung des Unternehmens einzukalkulieren.
Vernachlässigt wird oft die Überprüfung der Werte und der Zusammensetzung von Zielen,
die sich bedingt durch interne und externe Faktoren konstant verändern. Intern sind bei
Erreichung der Zielvorgabe neue herausfordernde Ziele zu definieren. Extern verändern
sich Markt, Ansprüche und die Konkurrenz. Der kontinuierliche Verbesserungsprozeß wird
somit einerseits durch die Nichterfüllung der Sollwerte der Kennzahlen und andererseits
die Modifizierung der Ziele bedingt.
Folgende Darstellung versucht diesen Regelkreis als
Basis für eine wirksame Qualitätsverbesserung darzustellen. Der Vergleich zwischen
Zielen und Ist-Werten ist ein kontinuierlicher Prozeß und wiederholt sich mindestens
einmal im Monat. Der Vergleich zwischen definierten Zielen und den Anforderungen des
Marktes sowie den Anforderungen, welche durch die Unternehmenspotentiale vorgegeben
werden, sollte einmal jährlich erstellt werden. Die jährliche Überprüfung der
operationalen Ziele bietet sich an, da Budgets normalerweise einmal jährlich vergeben
werden und man zur Festlegung von Zielen die dafür zur Verfügung gestellten finanziellen
Mittel kennen sollte. Auch sollten die aufwendigen Analysen des Marktes aus
wirtschaftlichen Gründen nicht allzu oft durchgeführt werden. Eine Prüfung und
eventuelle Modifizierung der Kennzahlen oder Kennzahlenwerte ist jedoch zu jedem Zeitpunkt
möglich. Sie wird ausgelöst durch unrealistische Werte oder unzuverlässige bzw. sich
widersprechende Indikatoren.
Wie bereits erwähnt beginnt der Zyklus mit einer
Markt- und Unternehmensanalyse. Die aus ihr ermittelten Anforderungen werden mit den
momentanen Zielen verglichen und diese, wenn nötig, modifiziert. Die in dieser Weise
erstellten Ziele werden mit den Ist-Werten verglichen und so beginnt ein sich ewig
erneuernder Kreislauf.
6. Grobanalyse und Auswahl
wesentlicher, kritischer Prozesse
In der Grobanalyse werden zunächst die Prozesse
eines Unternehmens erfaßt und dargestellt. Mit Hilfe des Zielsystems werden nun die
wesentlichen Prozesse darunter identifiziert. Diesen wird ein
Prozeßverantwortlicher zugeteilt, welcher für die langfristige kontinuierliche
Verbesserung und die regelmäßige Analyse, Erfassung des Prozesses zuständig ist. Aus
den wesentlichen Prozessen werden einige, für den Verbesserungsprozeß geeignete mit
Hilfe der Kriterien des Leistungsdefizits und der Realisierbarkeit ausgewählt. Somit
erfolgt eine Selektion von wenigen wesentlichen Prozessen, was die weitere Vorgehensweise
vereinfacht und ihren Aufwand reduziert. Die anderen wesentlichen Prozesse werden jedoch
nicht vernachlässigt, da sie durch die ernannten Prozeßverantwortlichen ebenfalls
bearbeitet und kontinuierlich verbessert werden.
6.1 Grobanalyse des
Ist-Zustandes
Die wichtigste Aufgabe der Ist-Aufnahme ist die
Schaffung von Transparenz bei existierenden Abläufen fr Projektleiter, Mitarbeiter,
Fachbereiche und Management. Die Ist-Aufnahme soll die existierenden Abläufe sowie die
Schnittstellen zu anderen Bereichen dokumentieren. Um den Überblick nicht zu verlieren,
sollte die Betrachtung nicht zu detailliert erfolgen. Es genügt zu wissen,
"Was" benötigt oder geleistet wird, somit In- und Output eines Prozesses. Das
"Wie" spielt dabei (noch) keine Rolle. Die genaue Erfassung des Ist-Zustandes
ist die Basis für eine erfolgreiche Prozeßoptimierung. Mit der Relevanz und Genauigkeit
der erhobenen Daten steht und fällt ein Projekt. Aus diesem Grund gibt es eine Vielzahl
unterschiedlicher Methoden zur Informationsbeschaffung. Sie beziehen sich nicht nur auf
die Grobplanung, sondern sind auch bei der Feinplanung essentiell.

Abbildung 4: Methoden zur Informationsbeschaffung im Überblick
Die Wahl der Methode hängt von den
erforderlichen Informationen und der Dimension des untersuchten Bereichs ab. In Bezug auf
die Vollständigkeit der Information gilt es zu klären, welchen Umfang der zu erfassende
Bereich hat bzw. in wieweit genaue Fakten wie Zeit, Kosten etc. ermittelt werden müssen.
Hier stellt sich vor allem die Frage, ob die Erhebungselemente bereits identifiziert
wurden, man somit genau weiß, wonach man fragt (Genauigkeit) oder detaillierte
Informationen wünscht ohne diese genau zu spezifizieren (Detaillierung). Auch sollte das
herrschende Betriebsklima als weitere Voraussetzung untersucht werden. Bei einem
schlechten Betriebsklima bieten sich zunächst interaktive Methoden an, die Ängste und
Bedürfnisse auszuräumen. Auch sind Methoden, die nur eine geringe Verfälschung der
Aussagen durch den Mitarbeiter zulassen, hierbei vorzuziehen. Vorteilhaft sind Methoden,
welche sowohl einen großen Umfang, als auch genaue und detaillierte Informationen bei
einem schlechten Betriebsklima ermitteln können, also eine hohe Bewertung dieser
Kriterien und die Möglichkeit, Rückfragen zu stellen und durch diese Unklarheiten zu
beseitigen sowie die mögliche Verifizierung der Ergebnisse durch sich bestätigende bzw.
sich widersprechende Aussagen ist wünschenswert. Im Rahmen des EQA Modells sollte bei der
Auswahl einer Erhebungsmethode auch die Partizipation der Mitarbeiter und deren
Horizonterweiterung durch die Methode berücksichtigt werden. Unter Partizipation wird
hierbei sowohl die Anzahl der Mitarbeiter, die am Prozeß beteiligt sind als auch die
Interaktion des Informationsbeschaffers mit dem Mitarbeiter bewertet. Eine hohe Bewertung
der zweiten Sektion ist somit ein Indikator für die Eignung der bewerteten Methoden.
Die Informationen sollten weiterhin mit möglichst
geringem Aufwand für den Ermittler und geringen Störungen des Betriebsablaufs erfaßt
werden. Weiterhin sollte die Verfälschung bzw. Beeinflussung der Information durch den
Mitarbeiter und durch den Informationsbeschaffer möglichst gering sein. Die Bewertung der
dritten Sektion sollte aus diesen Gründen möglichst niedrig sein.
In der nachfolgenden Tabelle werden die
vorgestellten Methoden vom Autor mit Hilfe der bereits erwähnten Literatur und anhand der
von ihm aufgestellten Kriterien bewertet.
Abbildung 5: Bewertung der Methoden
zur Informationsbeschaffung
Diese Bewertung ist stark von der Gewichtung der
einzelnen Kriterien, den Anforderungen der Situation und der konkreten Version der
jeweiligen Methode abhängig. Dennoch lassen sich einige Schlußfolgerungen aus ihr
ziehen. So sind komplexe Methoden, wie z. B. die Multimomentaufnahme und die
Selbstbewertung nur bei stark eingegrenzten Bereichen und bei der Anforderung an sehr
genaue, bereits festgelegte Informationselemente empfehlenswert. Interaktive Methoden wie
die schriftliche Befragung und die Aktive Mitarbeiten, bieten sich trotz ihres hohen
Aufwandes zur Informationserfassung an. Auch Fragebogen und die Berichtsmethode wurden mit
gut bewertet.
Eine bestimmte Technik kann nicht empfohlen werden,
da die Wahl, wie bereits gesagt, stark von den Voraussetzungen und den Anforderungen der
Aufgabe abhängt. Generell ist jedoch eine interaktive Informationserfassung zu
bevorzugen, da sich der Mitarbeiter dabei eher in den Veränderungsprozeß integriert
fühlt. Die vorgestellten Methoden sollten nach Meinung des Autors in einer Kombination
angewendet werden. So können interaktive Methoden durch eine Dokumentenauswertung oder
die Auswertung von Fragebögen ergänzt, bzw. vorbereitet werden.
Für die Grobanalyse bietet sich z. B. eine
Auswertung der im Gespräch mit der Geschäftsleitung erhaltenen Dokumente zur
Vorbereitung für Einzelinterviews oder einen funktionsübergreifenden Workshop an.
6.2 Identifizierung, Erfassung
und Auswahl wesentlicher Prozesse
Die Identifikation der Vision, Mission und Ziele
wurde bereits ausdrücklich besprochen. Somit muß bei der Identifikation der wesentlichen
Prozesse sinnvollerweise bei den bis zu diesem Zeitpunkt definierten Zielen angesetzt
werden. Um die Erfolgsfaktoren der Ziele zu bestimmen, sollte man in einem
interdisziplinären Workshop, bei dem alle Bereichsleiter anwesend sind, die Frage stellen
"Auf was müssen wir uns konzentrieren, um unsere Ziele zu erreichen?" bzw.
"Was steht in direktem Zusammenhang mit unseren Zielen?". Um den Teilnehmern die
Antwort zu erleichtern, sollten die Ziele in klarer, einfacher Form nochmals artikuliert
und für jeden sichtbar aufgeschrieben werden. Auch sollte man die Erfolgsfaktoren der
einzelnen Ziele nacheinander bestimmen, um sie systematisch zu erfassen. Die Fülle der
Antworten sollten hinsichtlich ihrer Beziehung zueinander betrachtet und innerhalb des
Workshops mit Hilfe eines Affinitätsdiagrammgruppiert und strukturiert werden. Die
Antworten werden dabei für alle sichtbar gesammelt und mit Hilfe der Gruppe eng verwandte
Faktoren unter eine Überschrift zusammengeführt. Somit erhält man aus einer Fülle von
individuell bestimmten Erfolgsfaktoren ein Gemeinschaftsprodukt, welches wenige wichtige
Erfolgsfaktoren hervorhebt.
Um die Prozesse, welche die Erfolgsfaktoren
beeinflussen, zu bestimmen bietet sich das Ishikawa Diagramm an. In Kombination mit
einem Baumdiagramm stellt es eine effiziente Möglichkeit dar, Einflußgrößen zu
ermitteln und in optisch ansprechender Form darzustellen. Die vorgegebene Struktur des
Ishikawa-Diagramms verhindert dabei Versäumnisse und zwingt zur Konzentration auf die
wesentlichen Prozesse. Das Baumdiagramm ermöglicht eine einfache, systematische und
übersichtliche Sammlung aller an den wesentlichen Prozessen beteiligten Teilprozesse. Um
ihre Beziehung genauer zu analysieren bieten sich Beziehungsdiagramme an, deren eine Achse
die Erfolgsfaktoren und deren andere Achse die Prozesse auflistet. Ein Zusammenhang
zwischen Faktor und Prozeß wird innerhalb der Matrix durch ein Kreuz markiert und anhand
der Summe der Kreuze pro Prozeß die wesentlichen Prozesse determiniert. Diese
Vorgehensweise ist mit wenig Aufwand verbunden und liefert schnell nachvollziehbare
Ergebnisse. Das bereits vorgestellte modifizierte Quality Function Deployment kann
diese Methode noch differenzieren, indem sie durch eine quantitative Bewertung der
Beziehung und eine Gewichtung der Erfolgsfaktoren, die relativen wesentlichen Prozesse
identifiziert. Sie wird jedoch bei einer zu großen Anzahl von Erfolgsfaktoren und
Prozessen unübersichtlich und stellt einen beträchtlichen Aufwand dar.
Sind die wesentlichen Prozesse erstmals erfaßt,
gilt es Schnittstellenprobleme, die durch den abteilungsübergreifenden Charakter der
wesentlichen Prozesse entstehen, auch langfristig zu lösen. Die wesentlichen Prozesse
müssen regelmäßig identifiziert, analysiert und visualisiert werden um eine
zeitgemäße Gestaltung zu gewährleisten.
Ausgangslage für die Prozeßgestaltung ist oftmals
ein stark funktional gegliedertes Unternehmen. Um einen optimalen Prozeß zu ermöglichen
müssen Hürden, die den Arbeitsfluß unterbrechen oder verzögern, beseitigt werden. Die
Prozesse müssen abteilungsübergreifend organisiert sein, damit der Arbeitsfluß
reibungslos ablaufen kann; dies gilt besonders für die wesentlichen Prozesse. In diesem
Zusammenhang entwickelte sich das Konzept des "process owner" oder übersetzt
Prozeßverantwortlichen. Es erwies sich als vorteilhaft, die Verantwortlichkeiten für
komplexe Abläufe organisatorisch in eine Hand zu legen, um die Identifikation mit der
erstellten Leistung zu fördern. Weiterhin werden durch dieses Konzept
Schnittstellenprobleme bei ganzheitlicher Betrachtung erkannt und können behoben werden.
Die Aufgabe des Prozeßverantwortlichen besteht
zunächst in der Unterstützung der Prozeßoptimierung und später in der kontinuierlichen
Verbesserung und regelmäßigen Analyse, Erfassung und Dokumentation seines Prozesses. Um
diese Aufgabe zu erfüllen, kann er sich ein funktionsübergreifendes Team
zusammenstellen. Das Management sollte regelmäßig über die Veränderungen in den
Prozeßabläufen informiert werden und den Prozeßverantwortlichen bzw. das Team bei der
visionsorientierten Ausrichtung der Prozesse unterstützen. Um die Prozeßinteressen auch
entsprechend vertreten zu können, ist die Position des Prozeßverantwortlichen in der
Hierarchie entsprechend hoch anzusiedeln. Bei der Auswahl des Prozeßverantwortlichen
sollten die Kenntnis des Bewerbers über den Prozeß sowie sein abteilungsübergreifender
Einblick berücksichtigt werden. Potentielle Prozeßverantwortliche sind auch interne
Endkunden, die ein direktes Interesse an dem reibungslosen Ablauf eines Prozesses haben
und die externen Kundenwünsche am besten einschätzen können.
Nachdem die wesentlichen Prozesse identifiziert und
langfristig durch die Ernennung von Prozeßverantwortlichen stabilisiert wurden, gilt es
herauszufinden, welche der wesentlichen Prozesse sich am besten für eine Verbesserung
eignen. Hierbei werden zwei Kriterien berücksichtigt. Zunächst wir die Notwendigkeit der
Verbesserung und somit die Größe des Leistungsdefizits evaluiert. Weiterhin muß die
Realisierbarkeit der Verbesserung und der damit verbundene Aufwand abgewägt werden
Bereits in den Ausführungen der QFD-Technik wurde angemerkt, daß die Identifikation der
wesentlichen Prozesse nicht ausreicht und eine weitere Klassifizierung durch einen
Leistungsvergleich erforderlich ist.
Es empfiehlt sich, die Leistung eines Prozesses mit
der erwarteten Leistung, gegebenenfalls auch der Leistung der Konkurrenz zu vergleichen.
So können mögliche bzw. notwendige Leistungssteigerungspotentiale evaluiert werden.
Leistungsdefizite lassen sich durch SWOT-Tabellen und Spinnwebdiagramme einfach
veranschaulichen. Nachteil dieser Visualisierungsmethoden ist, daß die Gewichtung keine
Berücksichtigung findet

Abbildung 6: Beispiel für eine SWOT-Tabelle
Eine Alternative dazu stellt das
Leistungs-Bedeutungs-Diagramm dar, bei dem der Prozeß an sich jedoch schlecht
identifizierbar ist.

Abbildung 7: Beispiel für ein Leistungsdiagramm

Abbildung 8: Beispiel für ein
Spinnwebendiagramm
Nachdem die Bedeutung der Prozesse für den Kunden
und die Leistungsdefizite betrachtet wurden, ist es wichtig die Erfolgschancen eines
Verbesserungsprojektes und den damit verbundenen Aufwand zu hinterfragen.
Aus den schon vorselektierten wesentlichen
kritischen Prozessen, sollten zunächst diejenigen verbessert werden, welche einen
überschaubaren Umfang und eine gute Aussicht auf eine erfolgreiche Verbesserung
möglichst geringer Ressourcen bedürfen. Ein weiters Kriterium sind personalbezogene
Faktoren. Es sind Prozesse vorzuziehen, bei denen die involvierten Organisationsmitglieder
sich durch eine hohe Änderungsbereitschaft auszeichnen und eine Kulturprägung nahe der
Vertrauenskultur aufweisen.
Gerade in der Anfangsphase der Prozeßoptimierung
sollten diese Kriterien nicht vernachlässigt werden. Hier ist es besonders wichtig, da
frühzeitige Erfolge der Mitarbeiter die Kooperation der Geschäftsleitung mit den
Mitarbeitern und ihr Vertrauen in ihre Fähigkeiten steigert. Auch hat Erfolg einen stark
motivierenden Effekt auf die beteiligten Mitarbeiter.
7. Prozeß der
Verbesserung
Nachdem die zu verbessernden wesentlichen und
kritischen Prozesse genau erfaßt und mit aussagekräftigen Kennzahlen bewertet wurden,
gilt es nun die Probleme dieser Prozesse zu entdecken und zu minimieren. Zum Prozeß der
Verbesserung gibt es unzählige Ansätze und Methoden. Grundsätzlich werden bei allen
Methoden zunächst die Probleme identifiziert, wonach die Ursachen für das Problem
ermittelt, Lösungen gesucht und ausgewählt sowie diese selektierten Problemlösungen
implementiert und evaluiert werden. Das förmliche Durchlaufen dieses Zyklus wird unter
anderem PDCA-Kreislauf (Deming), FADE-Prozeß (Organisational Dynamics) oder
IMPROVE-Prozeß (Ernest & Young) genannt.
7.1 Identifikation der Probleme
Defizite können durch die Auswertung von
erstelltem Material (datenorientierte Defizitsuche) erkannt oder mit Hilfe von
Mitarbeitern und Kunden gesammelt werden (Partizipative Defizitsuche). Schlafende Probleme
müssen hingegen gesucht und erarbeitet werden.
Die bereits in der Feinanalyse erstellte Darstellung
des Prozesses vereinfacht die folgenden Vorgehensweisen, da Beziehungen aufgezeigt und
Zusammenhänge klarer werden. Beispielsweise ermöglichen Ablaufdiagramme einen schnellen
Überblick über die Einflüsse eines Problems Die möglichen Ursachen werden
visualisiert, so daß man systematisch die einzelnen Faktoren untersuchen kann. Die
vorgestellten Methoden werden größtenteils in Workshops angewendet. Der Workshop sollte
dabei aus von dem Problem Betroffenen und möglichen Produzenten des Problems
zusammengesetzt sein.
Methodische Ansätze zur Ursachenermittlung sollen
die Ursache eines Problems möglichst schnell und ohne großen Aufwand ermitteln. Die
Ursache soll jedoch so verläßlich wie möglich und tunlichst präzise identifiziert
werden. Das Erarbeiten der Ursache mit Hilfe des Mitarbeiters ist wünschenswert, da es
seine Bereitschaft fördert, an einer Verbesserung mitzuwirken und ihn für die Probleme
in seinem Bereich sensibilisiert. Weiterhin wird er in Zukunft die Probleme selbst
herausfinden und eliminieren können, somit stellt eine Partizipation des Mitarbeiters in
einem Ursachenworkshop eine Investition in die Zukunft dar.
| Anforderungen an die Methoden: |
| Geringer Aufwand: Zu dem mit der
Methode verbundenen Aufwand zählt dabei sowohl die zur Vorbereitung benötigte Zeit z. B.
Datensammlung, als auch der Aufwand der konkrete Ermittlung der Ursache mit Hilfe der
Methode |
| Zuverlässigkeit: Dieses
Kriterium beurteilt, in wieweit die Methode auch spekulative Schlüsse zuläßt und
Gründe identifiziert, die nicht den tatsächlichen Ursachen entsprechen. |
| Genauigkeit: Hier wird bewertet
wie eng eine mögliche Ursachenquelle eingegrenzt, bzw. wie präzise diese formuliert
werden kann. |
| Partizipation des Mitarbeiters:
Die Partizipation bewertet nicht die Stunden, die ein Mitarbeiter bei der Anwendung dieser
Methode investieren muß, sondern in wieweit er mit Kollegen ein Problem gemeinsam
identifizieren und erarbeiten kann. |
In Abbildung 9 wurden die vorgestellten Methoden
anhand der beschriebenen Kriterien vom Autor mit Hilfe der erwähnten und zitierten
Literatur bewertet.
Wie aus der Bewertungsmatrix hervorgeht ist die
Fünf-Warum-Methode eine relativ sichere und einfache Methode. Auch die Fehlerbaumanalyse
ermöglicht ein systematisches Vorgehen, welches sicher und mit geringem Aufwand zu einem
hilfreichen Ergebnis führt. Die beiden Methoden liegen in ihrem Bekanntheitsgrad weiter
hinter den anderen zurück. Dies liegt wahrscheinlich vor allem an ihrer unspektakulären
und nicht besonders präsentationsfähigen Art und ihrem einfachen Namen. Sind die
Ursachen identifiziert müssen Lösungen zur Beseitigung oder Reduzierung der Ursachen
entwickelt werden.

Abbildung 9: Bewertung der Methoden zur Förderung von Innovation und Kreativität bei der
Erstellung von Verbesserungsvorschlägen
7.2 Ideengeneration zur
Verbesserung
Bevor man mit Hilfe von Mitarbeitern beginnt
Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung zu erarbeiten, sollte man den Teilnehmern bewußt
machen, daß auch Vorschläge zur Reduzierung der Problembedeutung eine Hilfe darstellen
können. Zur Einleitung von Maßnahmen der Qualitätsverbesserung bzw. der Lösung des
zugrunde liegenden Problems bieten sich prinzipiell verschiedene Ansätze an die hier nach
ihrer Priorität chronologisch geordnet sind:
Vermeidung der Fehlerursache(n)
Reduzierung der Wahrscheinlichkeit des Auftretens
eines Fehlers
Reduzierung der Bedeutung des Fehlers
Erhöhung der Wahrscheinlichkeit der
Fehlerentdeckung
Das Bild gibt eine Übersicht der gebräuchlichsten
Kreativitätstechniken zur Ideenfindung.

Abbildung 10: Methoden zur Förderung von Innovation und Kreativität
Die Ideenfindung sollte in möglichst kurzer
Zeit, bei geringem Aufwand und ohne Konflikte zu erzeugen eine hohe Quantität und
Qualität an Lösungsvorschlägen ermöglichen. Weiterhin sollte eine Methode auch in der
Lage sein, die Lösung komplexer Probleme zu unterstützen. Bei den drei zuerst genannten
Kriterien wird eine möglichst geringe Punktzahl angestrebt. Bei den drei folgenden
Kriterien hingegen, wäre eine hohe Punktzahl wünschenswert. In der nebenstehenden Tabelle
wurden die vorgestellten Methoden anhand der genannten Gesichtspunkte durch den Autor mit
Hilfe der erwähnten und zitierten Literatur bewertet.

Abbildung 11: Bewertung der Methoden zur Förderung von Innovation und Kreativität bei
der Etwicklung von Verbesserungsvorschlägen
Gewichtet man die Kriterien nicht, so stellt
sich die PC-gestützte Ideengeneration als wirksamste Technik heraus. Sie wird jedoch
dicht gefolgt von den meisten anderen Techniken, deren Vor- und Nachteile sich in etwa
ausgleichen. Die Wahl der Methode wird damit von der Komplexität des Problems abhängig,
denn nur bei komplexen Problemen lohnt sich die Anwendung von komplexen Methoden, die
wiederum die einzigen sind, welche komplexe Probleme wirkungsvoll bearbeiten können. Die
schlechte Bewertung des Betrieblichen Vorschlagswesens resultiert aus der vorausgesetzten
Komplexität und der Konfliktmöglichkeiten dieser Methode. Garantiert das BVW eine
systematische, wirksame Bewertung der Vorschläge und deren Umsetzung, bietet sie sich als
ergänzende Methode zur Entwicklung von Verbesserungsvorschlägen an.
7.3 Evalulation der
unterschiedlichen Verbesserungsvorschläge
Bei einigen der Kreativitätstechniken werden
eine Fülle von Verbesserungsvorschlägen kreiert. Diese gilt es zu gruppieren und in eine
übersichtliche Darstellungsweise zu überführen. Ein dafür hilfreiches Werkzeug ist das
bereits erwähnte Affinitätsdiagramm. Nachdem die Verbesserungsvorschläge sortiert
wurden, gilt es den geeignetsten auszuwählen. Hierbei sollten Aufwand, Chancen auf
Erfolg, der Grad der potentiellen Verbesserung und eventuell problemspezifische Kriterien
berücksichtigt werden.
Bevor man jedoch die einzelnen Vorschläge bewertet,
sollte geprüft werden in wieweit die Vorschläge Auswirkungen auf andere Bereiche haben.
Man sollte innerhalb des Teams die Konsequenzen durchdenken. Dabei geht es noch nicht um
die detaillierte Erfassung aller Nachwirkungen, sondern lediglich um eine vernetzte und
ganzheitliche Sichtweise. Um die Vor- und Nachteile einer Maßnahme zur Verbesserung
besser abwägen zu können, bietet sich die Kräftefeld-Analyse (Force-Field-Analysis) an.
Die Kräftefeld-Analyse ist ein Hilfsmittel
zur Entscheidungsfindung und Vor bereitung von unterstützenden Maßnahmen für die
Entscheidungsfindung. Sie beruht auf der These, daß es für die Durchführung von
Veränderungen immer positiv und negativ treibende Kräfte gibt. Diese werden in einer
Gegenüberstellung aufgelistet und somit für jeden überschaubar.
Die anschließende Bewertung sollte möglichst auch
bei einer Vielzahl von Verbesserungsvorschlägen überschaubar bleiben. Hierbei ist die
optische Darstellung hilfreich, da sie einen Überblick ermöglicht. Ein Mittel zur
Veranschaulichung ist ein Porfolio-Diagramm.
In einem Matrix-Diagramm werden die
unterschiedlichen Lösungsvorschläge den gewichteten Kriterien gegenübergestellt. Ihre
Bewertung pro Kriterium wird mit den Gewichtungen multipliziert und die einzelnen
Bewertungen summiert. Somit erhält man eine Liste von Lösungsmöglichkeiten, die nach
ihrer Zweckmäßigkeit sortiert sind (vgl. REFA 1996).
7.4 Prozeßverbesserung
Um ein Projekt erfolgreich durchzuführen, maß
man zuvor seine Parameter festlegen. Ein genauer Zeitplan (Milestones) sollte erstellt
werden, in dem alle notwendigen Ressourcen, Aktivitäten und die Verantwortlichen für die
einzelnen Aktivitäten festgehalten werden. Ein wesentlicher Bestandteil des Plans sind
Schulungen und Weiterbildungsprogramme. Das Motto dieser Phase: "Jemand m u ß sich
verantwortlich und vorbereitet fühlen, wissen was er erreichen will und mit welchen
Mitteln und in welchem Zeitraum er es erreichen sollte".
Zunächst muß das Ziel in Teilziele und Maßnahmen
zerlegt werden. Dies geschieht mit Hilfe eines Baumdiagramms . Bei einem
Baumdiagramm werden Maßnahmen, Tätigkeiten oder Ursachen, die zu einem Gesamtziel
führen, untergliedert. Das Gesamtziel der Betrachtung wird in verschiedenen Ebenen
untersucht, wobei die Genauigkeit von Ebene zu Ebene zunimmt. Die dabei ermittelten
Teilvorgänge werden mit Hilfe eines Netzplans gesteuert und in Beziehung gesetzt (vgl.
REFA 1996).
Netzpläne, die in modifizierter Form auch
als Softwareprogramme angeboten werden, reduzieren den Planungsaufwand und machen auf
mögliche Schwachstellen innerhalb des Plans aufmerksam. Hierbei werden in einer Tabelle
die einzelnen Teilvorgänge erfaßt. Die Vorgänge werden hinsichtlich ihrer
Anordnungsbeziehungen untersucht. Dabei ergibt sich, daß einige Vorgänge nur
nacheinander, andere hingegen parallel ausgeführt werden können. Weiterhin werden die
für die Vorgänge benötigten Ressourcen ( z. B. Mensch, Material, Maschinen) diesen
zugeordnet. Somit erhält man sofort einen Überblick über mögliche Überbelastungen.
Die Dauer der einzelnen Aktivitäten, ihr frühester und spätester Anfangszeitpunkt und
Endzeitpunkt werden nach vorgegebenen Regeln ermittelt. Dadurch erhält man die
Projektdauer und den kritischen Pfad sowie die Pufferzeiten. Eine Absicherung des
Projektes durch Sicherheitsmaßnahmen für den kritischen Pfad erhält man auf der Basis
des Problem-Entscheidungs-Plans.
An der Erstellung des Netzplans sollten möglichst
viele der beeinflußten Mitarbeiter beteiligt sein. Dies fördert nicht nur die Akzeptanz
und verhindert unrealistische Ziele, sondern ermöglicht eine sofortige Verifizierung des
Plans. Es ist essentiell, die Eignung des "neuen" Prozesses im Vorfeld so weit
wie möglich abzuklären.
Bei größeren Projekten sollte ein Pilotprojekt in
Erwägung gezogen werden, um die Wahrscheinlichkeit der erfolgreichen Implementierung des
gesamten Projekts zu fördern. Das Pilotprojekt sollte die gleichen Rahmenbedingungen
stellen und dieselbe Vorgehensweise fordern.
Die Implementierung eines jeden Vorschlags setzt
sich aus vier wesentlichen Bestandteilen zusammen das bereits erwähnte Schulungs- und
Weiterbildungsprogramm, die konkrete Ausführung des Plans, die regelmäßige
Überprüfung des Fortschrittes bzw. der Annäherung an das Ziel sowie gegebenenfalls
Korrekturen in der Ausführung oder Planung. Nach dem bereits angesprochenen Konzept
"Hilfe zur Selbsthilfe" bzw. Training "ON a just-in-time-basis"
sollten in dieser Phase vor allem Kontrollmöglichkeiten und der Umgang mit dem erstellten
Kennzahlensystem trainiert werden. Erhöhen sich die Anforderungen an bestimmte Personen,
sollten diese durch Fallbeispiele in einer Simulation auf die neue Situation vorbereitet
werden.
Verantwortlich für die Verbesserung des Prozesses
ist der jeweilige Prozeßverantwortliche, bzw. sein überfunktionales Team. Da es die
Probleme, Ursachen und auch Lösungen gemeinsam erarbeitet hat, besitzt das Team den
besten Einblick in das Projekt und da es sich um einen Prozeß handelt, von dem die
Teammitglieder ein Teil sind, bzw. von dem sie direkt beeinflußt werden, auch das meiste
Interesse an seinem Gelingen.
Es ist daher ihre Aufgabe die Abweichungen vom
Projektplan möglichst gering zu halten. Auch müssen sie regelmäßig die Konsequenzen
der Veränderung überprüfen und somit das Projekt bzw. den Lösungsvorschlag noch
während der Implementierung evaluieren. Dies ermöglicht eine gegebenenfalls notwendige
Modifizierung des Plans bzw. der Ausführung.
Der Erfolg oder Mißerfolg des Fortschritts eines
Projektes sollte kommuniziert werden. Im Falle des Erfolges ist es eine Anerkennung, die
die beteiligten Mitarbeiter motiviert und zu weiterer Projektarbeit anregt, im Falle eines
Mißerfolges hat jeder die Möglichkeit, eventuelle logische Fehlschlüsse in dem Projekt
und der Planung oder Fehler in der Ausführung zu benennen. Auch werden Mitarbeiter
dadurch auf eigene unbewußte Versäumnisse aufmerksam gemacht.
7.5 Langzeitstabilisierungs-
und Weiterentwicklungsphase
Eine Prozeßverbesserung durch die beschriebene
Vorgehensweise garantiert leider keine langfristige Verbesserung. Die Mitarbeiter und auch
das Management verlieren mit der Zeit ihren Enthusiasmus. Dieses Phänomen wird nach Slack
et al von Oakland mit "quality disillusionment" und von Slack mit "quality
drop" bezeichnet. Um dies zu verhindern, gilt es eine kontinuierliche
Prozeßverbesserung durch eine konsequente Förderung und Unterstützung des Mitarbeiters
sowie durch systematische Abläufe auch langfristig zu garantieren.
Der Mitarbeiter ist der Motor des kontinuierlichen
Verbesserungsprozesses. er allein muß sich verantwortlich für "seinen" Prozeß
fühlen, motiviert seine potentiellen Probleme zu entdecken und zu beseitigen. Die
Bedeutung der Vision und der gemeinsamen Ziele in diesem Zusammenhang wurde bereits
erläutert. Aber Mitarbeiter zu motivieren und sie für etwas zu begeistern reicht nicht
aus. Wie schon Schuster bemerkte, "there is nothing more dangerous than a gihly
motivated, truly dedicated incompetent person". Für die Geschäftsleitung wird es
somit zur essentiellen Aufgabe, ihre Mitarbeiter in jeder Hinsicht zu fördern und zu
unterstützen. Dies reicht von der Verfügbarkeit von angemessenen IT-Ressourcen und
Informationen bis zu einem gewissen persönlichen Spielraum. Faßt man die Kriterien, die
einen leistungsfähigen Mitarbeiter ausmachen zusammen, erhält man die dargestellten
Kategorien. Diese Kategorien interagieren sehr stark, so ist z. B. ein durch Aus- und
Weiterbildung qualifizierter Mitarbeiter meist auch ein motivierter Mitarbeiter.
8.
Literatur
Imai, Masaaki: KAI ZEN, Wirtschaftsverlag Langen
Müller Herbig, München 1992
Akao, Yoji: QFD - Quality Function Deployment,
Verlag Moderne Industrie, München 1992
European Foundation for Quality Management:
Bewerbungsbroschüre zum European Quality Award, Brüssel (Anschrift: Avenue des Pléiades
19, B-1200 Brüssel)
Carolin Friederich: Entwicklung eines
Instrumentariums zielorientierten Optimierung von Prozessen, Wissenschafliche Arbeit am
ESB, Reutlingen 1997
H.J.Warnecke: Aufbruch zum Fraktalen Unternehmen,
Springer Verlag, Berlin und Heidelberg,1995 |