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Der Leitstand der Zukunft ist multimedial Ein Beitrag von Helmuth Gienke und Rainer Kämpf Taylor hat nahezu ausgedient. In den Produktionsstätten breiten sich neue Strukturen
aus. Die Mitarbeiter werden zur eigenverantwortlichen Tätigkeit motiviert, um das
Engagement und die Kreativität zu steigern. Die dabei gewonnenen Reserven werden zu
besserer Reaktion auf die Anforderungen eines geänderten Marktes führen, der
gekennzeichnet ist durch individuellere Kundenforderungen und Erwartungen der Kunden nach
kürzeren Reaktionszeiten, sowohl bei den Lieferungen als auch der Erfüllung ihrer
besonderen Anforderungen. Diese Art der Gruppenarbeit unterscheidet sich wesentlich von
der Art, die z.B. bei Volvo durchgeführt wurde. Die moderne Gruppe ist unabhängiger und
hat mehr Eigenverantwortung, bis hin zu den Funktionen, die bisher von der
Arbeitsvorbereitung wahrgenommen wurden, also Arbeitsplanung, Werkstattsteuerung und
Materialbeschaffung. Voraussetzung ist, daß die Mitarbeiter sich mit den Zielen des
Unternehmens identifizieren, autonom ihre Aufgaben mit optimalem Einsatz und ständigem
Streben nach Verbesserung erfüllen. Dazu müssen sie neben ausreichendem Anreiz auch
über ausreichend Information verfügen, um ihre Aktivitäten entsprechend der Zielsetzung
des Unternehmens zu steuern.
Die Komplexität der Abläufe in einem modernen Industriebetrieb erfordert eine übergreifende Kommunikation, weil sich natürlich nach wie vor alle Tätigkeiten zu einem Ganzen formen sollen. Diese Kommunikation beinhaltet
Diese Kommunikation wird sich aber, wie oben bereits angedeutet, nicht nur auf den Austausch von Informationen im eigenen Bereich beschränken. Besonders wenn Zulieferer, aber auch schon wenn andere Werke betroffen sind, ist ein umfassender Informationsaustausch auch über den eigenen Garten- bzw. Werkszaun hinaus erforderlich. Dabei ist besonders auf das Attribut "umfassend" zu achten, was für viele Unternehmen, aber auch für die Zulieferer ein neuer Aspekt ist. Ebenfalls dient dieser Informationsaustausch dazu, die zeitliche Synchronisation bei unterschiedlichen Anwesenheitszeiten vorzunehmen. Neben ausreichendem Speicherplatz ist ein System erforderlich, mit dem Nachrichten sicher dem Empfänger präsentiert werden können. Für ein modernes VVW sollte zusätzlich die Möglichkeit integriert werden, Verbesserungsvorschläge (Skizzen, Texte und Ablaufdiagramme) direkt eingeben zu können. Durch schnelles Feed Back von Ideen und deren Akzeptanz wird die Kreativität der Mitarbeiter somit auf die Verbesserung der Produktion (im umfassenden Sinne) gelenkt. Durch den Aufbau eines geeigneten Briefkasten- und Wiedervorlagesystems wird die Spontanität des Mitarbeiters durch Verfahren nach dem Motto Fire and Forget wesentlich erhöht. Der Mitarbeiter muß eine Idee schnell loswerden können und sicher sein, daß sie nicht verloren geht, um sich danach wieder ungestört der Durchführung seiner Aufgaben widmen zu können. Eine Analyse hat aufgezeigt, daß folgende Funktionen für den Arbeitsplatz der Zukunft erforderlich sind: - Textverarbeitung (Nachrichten, Anweisungen und Vorschriften) - Zeichnungsdarstellung ( Fertigungs- , Konstruktions-, Funktionszeichnungen und Skizzen) - Diagrammerstellung und -anzeige - Anzeige von Ergebnisblättern - Ein- und Ausgabe von Sprache - Funktionen zur Tabellenerstellung, -bearbeitung und -anzeige - Darstellung von Fotos mit der Möglichkeit, ergänzende Angaben dazu einzugeben - PPS-Ergebnisse - Balkendiagramme - Netze - Simulationsergebnisse - bewegte Bilder - Videokonferenzen - Videos und zur Verbesserung der zwischenmenschlichen Kommunikation auch Spielmöglichkeiten, zum Beispiel Fernschach. Da die Planung und Steuerung in solchen autonomen Fertigungsstrukturen nicht mehr durch Zentralfunktionen (z.B. Fertigungssteuerung) oder zentral organisierte Systeme (z.B. PPS) erfolgt, sind für jeden autonomen Fertigungsbereich dezentrale Instrumente notwendig, die auf seine spezifischen Anforderungen hin ausgelegt sind und einen interaktiven Planungs- und Steuerungsprozeß durch die Mitarbeitergruppe unterstützen. Nur so können die Entscheidungsfreiräume eines autonomen Fertigungsbereichs zielgerichtet und effizient für die Produktion nutzbar gemacht werden. Die zu lösenden Aufgabenstellungen ergeben sich entsprechend des zu fertigenden Teils und des durchzuführenden Fertigungsprozesses auf den Gebieten der Konstruktion, Fertigungsplanung, Terminplanung, Ressourcenbelegung oder Arbeitszuteilung. Deshalb ist die umfassende Informationsbereitstellung in problemorientierter Form ausschlaggebend für die Qualität der Entscheidungsfindung. Hinsichtlich der Planungsmethodik, der Informationsdarstellung und der Kommunikationsunterstützung sind dazu neue Techniken und Verfahren notwendig, die unter dem Begriff GROUP-PLANNING zusammengefaßt werden. Planungsstationen für GROUP-PLANNING müssen deshalb die unmittelbare Kommunikation mit anderen autonomen Fertigungsbereichen oder zentralen Stellen des Unternehmens in Text, Bild und Ton, sowie den Zugriff auf alle vorhandenen gespeicherten Informationen im Unternehmen ermöglichen. Für die Visualisierung dieser Informationen werden Graphiken, Bildsequenzen, Photos, Tabellen, Texte oder Belege in elektronischer Form über geeignete Kommunikationsdienste (ISDN) ausgetauscht und mit Hilfe parallel dazu übermittelter Sprachinformationen online diskutiert.
Abbildung 2: Angebot einer multimedialen Arbeitsplanung
Zur Durchführung der verschiedenen Aufgaben innerhalb des GROUP-PLANNING sind Methoden und Algorithmen in die multimediale Plannungsstation zu integrieren, die zielgerichtet Vorschläge zum Fertigungsablauf, zu notwendigen Ressourcen oder sonstigen technischen Randbedingungen ermitteln. Die Zielvorgaben können dabei entweder von anderen Fertigungsbereichen oder zentralen Stellen vorgegeben sein bzw. werden darauf aufbauend innerhalb der Mitarbeitergruppe des autonomen Fertigungsbereichs entwickelt. Durch Integration der Zielverfolgung gekoppelt mit geeigneten Visualisierungstechniken in der Planungsstation ist der Grad der Zielerreichung für alle Gruppenmitglieder transparent und unterstützt den Selbstoptimierungsprozeß der Gruppe und damit des autonomen Fertigungsbereichs. Ein Werkstattsteuerungssystem für autonome Fertigungsstrukturen, das allen Anforderungen von GROUP-PLANNING gerecht werden soll, wird zukünftig nicht mehr auf hierarchisch geprägten Zielvorgaben aufbauen, sondern eigene Erkenntnisse und Einsichten der Mitarbeiter bei der Zieldefinition miteinfließen lassen, um damit deren Motivation und Konzentration auf die optimale Zielerreichung zu erhöhen. Eine Planungstation für GROUP-PLANNING stellt deshalb in erster Linie ein umfangreiches, multimediales Informationssystem für die Gruppenmitarbeiter eines autonomen Fertigungsbereiches dar, das über zusätzliche unterstützende Funktionen und Algorithmen verfügt. Einzelfunktionen einer multimedialen Werkstattsteuerung 1. Produktionstechnische Abstimmungen - Zeichnungen, auch Bearbeitungszeichnungen, soweit sie der Abgrenzung der einzelnen
Verrichtungen dienen. Zeichnungen aktuell zu halten und bereitzustellen ist immer noch ein
sehr aufwendiges Verfahren in einem Produktionsbetrieb. Da aus Qualitätsgründen meist
nur ein gültiges Exemplar in der Produktion umläuft, ist es schwer, sich auf eine Arbeit
vorzubereiten, solange die Zeichnung noch beim Vorläufer ist. Wird die Zeichnung aus
einer Datenbank aktuell erstellt und angezeigt, entfällt diese Einschränkung. 2. Qualitätstechnische Informationen - Zeichnungen mit Maßen, Toleranzen und Oberflächenangaben. 3. Informationen zu Terminen und Prioritäten. Diese Funktionen erfordern erhebliche Dialogfähigkeit. - PPS-Ergebnisse (Termine und Prioritäten) mit der Möglichkeit zur Simulation. 4. Information zur Betrachtung von Verlagerung von Arbeitsgängen und Verrichtungen - Zeichnungen zur Ermittlung alternativer Bearbeitungsreihenfolgen. 5. Informationen zum Kapazitätsausgleich - Grafiken. 6. Übergreifende Zielabsprachen - TexteTabellen 7. Absprachen zur Funktionalen Verbesserung - Zeichnungen 8. Zwischenmenschliche Kommunikation - Möglichkeiten zur Videokonferenz |