Beispiele von CAP-Anwendungen
In folgenden sind vier Beispiele für CAP-Anwendungen gezeigt. Das erste betrifft die Transportbandfertigung in einem Industrieunternehmen.
Transportbänder sind abhängig von der Art des zu transportierenden Materials, der Länge der einzelnen Transportbandsektionen und der Menge, die zu transportieren ist sowie der Geschwindigkeit unterschiedlich aufgebaut. Dieses betrifft nicht nur die Festigkeitsträger, die die Zugkräfte und die Flächenbelastungen übernehmen sollen sondern gleichermaßen die Oberfläche des jeweiligen Bandes, wie verschleißfest oder beständig gegen chemische Einflüsse sein muß, sowie die zulässigen Biegeradien über die Leitrollen. Dieses System wurde bei einem Transportbandhersteller aufgebaut und ist noch im Einsatz. Es zeigte sich aber, daß seitens des Managements ständiger Druck auf die Arbeitsvorbereitung ausgeübt werden mußte, um das System auf dem laufenden Stand zu halten. Die Ursache war, daß sie nicht zwangsmäßig in den Auftragsablauf integriert war. Die Arbeitsvorbereiter hatten die Möglichkeit, in den Unterlagen per Hand Korrekturen vorzunehmen und waren darum nicht gezwungen, auch marginale Änderungen sofort zu übertragen.
Eine weitere Anwendung war die programmierte Akkordzeitermittlung in einem Reifenwerk.
Die Reifen bestehen aus einer Vielzahl von Elementen, die geometrisch ähnliche Gruppen bilden. Der Aufwand der getrieben wurde, war die vorgelegten und im Betriebsrat abgesprochenen Zeitermittlungstabellen in ein System zu übertragen, mit dem die Vorgabezeiten und Kalkulationszeiten für die einzelnen Arbeitsgänge ermittelt werden konnten. Dieses System ist sehr lange im Einsatz und wird durch die konsequente Pflege der Arbeitsvorbereitung, die hier ein eigenes Interesse hat, auch weiter entwickelt und auf dem neuesten Stand gehalten.
Drittes Beispiel ist die Auslegung von Klimageräten. Der Aufbau von Klimageräten ist abhängig von den Anforderungen an die abzuführende Wärme, an die Luftmenge und an den Austritts- und Eintrittszustand der Luft. Im ersten Schritt wurde aufgrund dieser Anforderungen ermittelt, welche Einzelaggregate für die Erstellung des Luftzustandes erforderlich sind. Dieses sind im einzelnen Ventilatoren, Luftbefeuchter, Erhitzer, Kühler und Filter. Als diese Arbeit abgeschlossen war, ging man einen Schritt weiter und baute über Entscheidungstabellen um diese Klimageräte herum Gehäuse, die aus Streben und Wänden bestanden, wobei die Festigkeit der einzelnen Wände abhängig vom Luftdruck und der Fläche ermittelt werden mußte, um eventuell weitere Verstärkungen in die Platten hineinzuziehen. Die Bohrbilder für die Befestigung der einzelnen Geräte waren abgespeichert, die Bohrbilder für die Streben und die Befestigungsverfahren für die Wände ebenfalls. Damit war es möglich, das Klimagerät auch konstruktiv auszulegen und aufgrund dieser konstruktiven Auslegung bereits die Arbeitspläne, die Vorgabezeit, Materialwirtschaft und die übrigen Unterlagen zu erstellen. Während der erste Teil dieses Systems, nämlich die Auslegung des Gerätes lange Zeit im Einsatz war, wurde der zweite Teil schnell vernachlässigt, weil die Motivation der Mitarbeiter zu einer wirtschaftlichen Fertigungsweise nicht sehr hoch war und auch die Mitarbeiter, die für die Pflege dieser Tabellen verantwortlich waren, kein Interesse an dieser Arbeit hatten.
Hier zeigt es sich - genau wie am Beispiel des Transportbandes - daß es wichtig ist, die Ergebnisse des CAP-Systems auch automatisch für die gesamte Produktion und Materialwirtschaft heranzuziehen.
Das vierte Beispiel betraf die Zeitkalkulation bei einem Anlagenbauer. Die Ablauforganisation hatte ein EDV-System erstellt, über das mit einem Metasprache, die mit einem eigenerstellten Interpretierer interpretiert wurde, die Arbeitsvorbereiter in der Lage waren, in einer sehr einfachen Form die Tabellen zu definieren und auch seine Tabellenwerte in das System einzugeben. Der Aufwand für die Erstellung dieses Systemes war enorm. Da Standardsysteme zu dieser Zeit auf dem Markt noch nicht verfügbar waren, war das Unternehmen zu diesem Aufwand aber gezwungen. Das Ergebnis war verblüffend. Mit dem Vorteil der Zeitkalkulation konnten die direkten Lohnkosten um 7 % gesenkt werden, weil nicht nur die Zeitvorgaben exakter waren, sondern auch durch die freiwerdende Kapazität in der Arbeitsvorbereitung die Vorgaben auch auf weitere Anwendungen und weitere Arbeitsplätze ausgedehnt werden konnten, die bisher im Zeitlohn arbeiteten. Die 7 % direkte Lohnkosteneinsparung glichen den Aufwand und den Betrieb für dieses System sehr schnell aus. Die pay-off-Rate des Systems betrug etwa zehn Monate nach Einführung des Systems. Aufgrund dieser Erfolge wurde leider der zweite Teil des Vorhabens vernachlässigt, nämlich die eigentliche Arbeitsplanung, weil man alle Anstregungen machte, die Zeitkalkulation zu verbessern. Damit verzichtete man aber aufgrund einer isolierten Optimierung auf einen weiteren Vorteil durch das CAP-System.

Integration eines CAP-Systems im Anlagenbau