2. Logistik2.1
Der Begriff "Logistik"
Der Begriff Logistik kommt ursprünglich aus dem Militärwesen, es war damit die
Versorgung und Ausrüstung der Streitkräfte gemeint. Soll der Begriff
"Logistik" definiert werden, so muss man feststellen, dass es keine einheitliche
Definition gibt, sondern verschiedene Ausprägungen des Begriffs mit unterschiedlichen
Schwerpunkten unterschiedlich umfassend.
Im weitesten Sinne soll die Logistik die physische Versorgung eines Unternehmens mit
Ressourcen sicherstellen, das umfasst Güter, Dienstleistungen und Informationen. Diese
Begriffserklärung berücksichtigt zwar alle Aspekte, ist aber dabei sehr abstrakt und
vage. Daher hat sich zum Teil zur Verdeutlichung der Integrations- und
Koordinationsaktivitäten die Definition nach den sieben "r"s durchgesetzt:
"Das richtige Produkt soll in der richtigen Menge, der richtigen Qualität, am
richtigen Ort, zur richtigen Zeit, zu den richtigen Kosten, für den richtigen Kunden
verfügbar sein."
Diese praxisorientierte, einprägsame "Formel" verdeutlicht einerseits die
Vielzahl der Aufgabenstellungen und Bereiche, die der Logistik zugesprochen werden,
andererseits aber auch, dass es sich nicht um punktuelle Aufgaben, sondern Aufgaben im
ganzen Unternehmen handelt.
Bei der Betrachtung der vielen Ausprägungen des Begriffs "Logistik" lässt
sich feststellen, dass als Gemeinsamkeit vor allem der "Fluss von Stoffen und
Waren" zu finden ist. Das nordamerikanische Council of Logistics Management bietet
eine derartige Definition des Begriffs:
"Logistik ist der Prozess der Planung, Realisierung und Kontrolle des effizienten,
kosteneffektiven Fließens und Lagerns von Rohstoffen, Halbfabrikaten und Fertigfabrikaten
und der damit zusammenhängenden Information vom Liefer- zum Empfangspunkt entsprechend
den Anforderungen des Kunden."
2.2 Erläuterung zu dem Begriff "Logistikkosten"
Bereits erwähnt wurden die Logistikkosten als wesentlicher Einflussfaktor auf die
Erreichung der Logistikziele. Sollen Logistikkosten optimiert werden müssen, so muss
analysiert werden, aus welchen Kostenarten sich der Betrag zusammensetzt:
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Steuerungs- und Systemkosten; sie umfassen die Kosten für die
Planung und Steuerung des Materialflusses sowie der Fertigung, Kosten für
Informationslogistik und Personaleinsatz sowie Kontrollfunktionen. Bestandskosten,
die durch das Vorhalten von Beständen entstehen. Dazu gehören zum Beispiel Kapitalkosten
zur Finanzierung der Bestände, Versicherungen, Abwertungen und Verluste.
Lagerkosten, die sich aus einem fixen Teil für die Bereitstellung von
Lagerkapazitäten und einem variablen Teil für die Ein- und Ausgangsprozesse
zusammensetzen.
Transportkosten sowohl für externen als auch für konzerninternen Werksverkehr.
Es fallen kosten für die Bereitstellung an (fix) und für die Operation der
Transportmittel (variabel)
Handlingkosten, die ebenfalls in Bereitstellungskosten und volumenabhängige
Betriebskosten unterteilt werden können.
Kosten mangelnder Prozesssicherheit, die sich ergeben können aufgrund
mangelnder Qualität der Logistikprozesse, zum Beispiel für Nachbearbeitung, Stillstand,
Konventionalstrafen. |
Dennoch muss erwähnt werden, dass Kostenreduzierungen einer Art, die
Kostenerhöhungen einer anderen Art zur Folge haben, im Sinne des Gesamtkostendenkens
nicht angestrebt werden.
Empirische Untersuchungen beziffern den Anteil der Logistikkosten am Umsatz eines
Unternehmens zwischen 4,4% und 32%. Diese enormen Unterschiede lassen verschiedene
Interpretationen zu, die alle in der Praxis zu finden sind:
Über die Zusammensetzung von Logistikkosten bestehen verschiedene Auffassungen. Je
nach Geschäftsfeld des Unternehmens fallen Logistikkosten in unterschiedlichem Umfang an.
2.3 Spezifische Einflussfaktoren der Logistik
Eine Pauschalierung bei der Betrachtung von Logistik ist nicht immer angebracht, da
Faktoren wie zum Beispiel Beschaffenheit der Produkte, die Produktart, die
Sortimentsbreite, die Variantenvielfalt, die Produktlebenszyklen, die Kundenbeziehungen,
der Wert der Endprodukte oder die Art der Fertigung (anonym oder auftragsbezogen) die
Anforderungen an die Logistik maßgeblich beeinflussen.
Unterscheidung: Logistik-Unternehmen , Logistik im Konzern, Logistik als Prozess
Nachdem nun der Begriff der Logistik eingegrenzt wurde, muss noch die
"Beziehung" der Logistik zum Unternehmen beziehungsweise die
"Position" der Logistik im Unternehmen erläutert werden. Es geht aus dem
Unternehmen selbst hervor. Grob lässt sich folgende Einteilung vornehmen:
Die Logistik-Unternehmung beziehungsweise der Logistik-Dienstleister
Logistik-Unternehmungen bzw. Logistik-Dienstleister sind Unternehmnehmen, die
vorwiegend logistische Prozesse für andere Marktteilnehmer in verschiedenen Ausprägungen
auf dem Markt anbieten. Logistik ist also die Kernkompetenz der Unternehmung, es existiert
keine Produktion im klassischen Sinne, sondern es handelt sich ausschließlich um
Unternehmen des dritten Sektors. Als Beispiele für derartige Unternehmungen sind
Speditionen und Kurierdienste zu nennen (z.B. UPS).
Aber auch im produzierenden Gewerbe, das auf den ersten Blick nicht über ausgeprägte
Kompetenzen in der Logistik verfügen muss, lassen sich um die Produktion herum eine
Vielzahl von Prozessen identifizieren, die dem Bereich Logistik zuzuordnen sind.
Wird in diesem Zusammenhang von Kunden gesprochen, so können das im Falle des
Logistikdienstleisters externe Kunden sein, aber auch innerbetrieblich spricht man von den
Kunden der Logistikleistungen auch dann, wenn es sich um andere Abteilungen oder
Geschäftsbereiche handelt.
Es muss also eine Analyse stattfinden, wie die "Beziehung" der Logistik zu
dem Unternehmen charakterisiert werden kann das sollte im allgemeinen keine
Schwierigkeiten bereiten, hat aber weiterführende Auswirkungen auf den Einsatz der
Balanced Scorecard als Management Werkzeug.
2.4 Abgrenzung von Logistik gegenüber Produktion
Eigentlich versteht man im technischen Sinne unter dem Begriff Produktion alle
Aktivitäten, die ein Gut in mindestens einer der drei Eigenschaften Raum, Zeit und
Qualität verändert. Dieser Transformationsprozess ist durch fertigende, bewegende und
ruhe Vorgänge beschreibbar. Bewegung bedeutet Transport, ein ruhender Vorgang bedeutet
Lagerung, während der man der Fertigung Bearbeitung und Prüfung von Werkstoffen
zuordnet. Logistik umfasst also ruhende und bewegende Vorgänge der Produktion.
2.5 Logistik als "Enabler", Logistik als "Driver"
Einerseits schafft die Logistik die Voraussetzungen, dass an die Kunden geliefert
werden kann und dass innerhalb des Betriebes entlang der Wertschöpfungskette der Waren-
und Informationsfluss funktioniert. Logistik fungiert dann also als "Enabler" im
System.
Logistische Prozesse können aber ebenso die komperativen Wettbewerbsvorteile
ausmachen, die besonders in der "New Economy" besonders an Bedeutung gewinnen,
denn der Großteil aller E-Commerce-Plattformen bedeutet Versandhandel und zwar besonders
schnell, besonders fehlerfrei, besonders kundenangepasst inklusive besonderer
Serviceleistungen. Ein erheblicher Teil des Produktnutzens basiert auf
Logistik-innovationen; in dem Fall sind die logistischen Prozesse als "Driver"
(für neue Produkte, die sich durch ihre innovativen Zusatzleistungen im Markt abheben,)
einzuschätzen.
2.6 Kennzahlen in der Logistik
Bei Kennzahlen in der Logistik unterscheidet man zwischen Struktur- und
Rahmenkennzahlen sowie Kennzahlen zur Steuerung der Logistik. Bei Struktur- und
Rahmenkennzahlen unterscheidet man drei Arten von Bezugsgrößen:
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Aufgabenumfang (Leistungsvolumen und struktur) Aufgabenträger
(Mitarbeiter und Sachmittelkapazität)
die angefallenen Kosten (aufgespalten nach operativer, administrativer, dispositiver
Logistik) |
Die Struktur- und Rahmenkennzahlen bilden die Basis für die Kennzahlen zur Steuerung,
die drei verschiedene Zielsetzungen haben können, nämlich die Messung von:
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- Produktivität
- Wirtschaftlichkeit
- Qualität |
Weiterhin ist zu beachten, dass bei der Auswahl von Logistikkennzahlen für die
Balanced Scorecard auch vorlaufende Indikatoren berücksichtigt werden müssen.
2.6 Aktuelle Herausforderungen an die Logistik
2.6.1 Einführung
Die aktuellen Trends und Entwicklungen, denen sich die Unternehmen generell
anpassen müssen und die häufig immer wieder neue Herausforderungen an die Unternehmen
stellen, haben auch für den mit Logistikaufgaben verknüpften Teil des Kerngeschäfts
weitreichende Auswirkungen. Sie beschleunigen die ständig präsenten Forderungen nach
Optimierung der Geschäftsprozesse.
In der Entwicklungsphase der Balanced Scorecard, wenn die Ziele für die Logistik
festgelegt werden, die Kernprozesse identifiziert, Kennzahlen benannt und Maßnahmen
formuliert werden, dürfen folgende Entwicklungen, die auf alle Perspektiven wirken, nicht
außer acht gelassen werden. Ohne die Berücksichtigung würde an der Realität vorbei
"gemanagt" werden.
2.6.2 Standardisierung versus Individualisierung
Einerseits sorgt die Globalisierung für die Einführung von weltweiten Produkten
und auch Produktstandards dies ist eine langsame Entwicklung. Aber zugleich werden
die Kundenbedürfnisse differenzierter, weil es nicht nur noch um die Befriedigung von
grundsätzlichen Bedürfnissen geht, sondern vor allem um Produktlösungen für
individuelle Problemstellungen. Der Kunde wird anspruchsvoller, auch bezüglich der
Zusatzleistungen rund um den Produktkern; verschiedene Kunden stellen vor allem bei den
Zusatzleistungen verschiedene Ansprüche.
Folgt man der Argumentation, dass die Globalisierung eine Angleichung von Produkten
fördert, würde es für die Logistik bedeuten, dass große Mengen weltweit befördert
werden müssen.
Andererseits würden infolge der Individualisierung der Produkte eher eine
Typenvielfalt entstehen bei kleineren Losgrößen in der Produktion. Auch dadurch würden
sich Herausforderungen für die logistischen Prozesse ergeben. Zudem gilt es zu
berücksichtigen, dass viele der Zusatzleistungen um einen Produktkern herum logistischer
Art sind, es kommt also auch im Bereich der Logistik zu Individualisierung. Andersen
Consulting hat in diesem Bereich einen neuen Begriff eingeführt und spricht jetzt nicht
mehr von der Supply Chain aus der Sicht der produzierenden Unternehmen sondern von einer
"New Demand Chain", das heißt die Produktion wird in Zukunft übergeordnet von
den Kundenbedürfnissen gesteuert.
2.6.3 Informationstechnologie
Der enorme Fortschritt in der Informationstechnologie hat ebenfalls große
Auswirkungen auf die Logistik, da informationstechnische Anwendungen die Steuerung
logistischer Prozesse übernimmt, diese also automatisiert werden.
Computergestützt sind aufwendige optimale Planungen möglich, daher verkürzen sich
Durchlaufzeiten dramatisch; komplexe Systeme werden transparenter. Die Vernetzung
ermöglicht eine andere Art der umfassenden Kommunikation und Information, die entlang der
Wertschöpfungskette die Abstimmung und Anpassung stark vereinfacht und individueller
reagieren lässt.
Zudem hat die Informationstechnologie den ganzen Bereich des E-Commerce angeschoben,
der erneut durch eine zunehmende Zahl an Versendern, die sich hohen Ansprüchen gegenüber
sehen, umfangreiche logistische Prozessketten verursacht.
Das Transportwesen profitiert ebenfalls von der Informationstechnologie, die ganz neue
Perspektiven eröffnet, wenn sie auch noch mit Satelliten kombiniert werden und so
individuelle Optimierungen vorgenommen werden können.
2.6.4 Verringerung der Fertigungstiefe / Konzentration auf die Kernkompetenzen
An der Wertschöpfungskette eines Produktes ist nicht nur eine Unternehmung beteiligt,
sondern als Trend ist zu erkennen, dass immer mehr Unternehmen an der Wertschöpfung
teilhaben, jedes konzentriert sich dabei auf seine Kernkompetenz. Eine Verringerung der
Fertigungstiefe bedeutet aber auch mehr logistischen Aufwand in der Kette: eine
Vervielfachung logistischer Aufgaben vor allem zwischenbetrieblicher Art.
2.6.5 Neue Beschaffungsstrategien
Auch in der Beschaffung sollen langfristig Optimierungen vorgenommen werden, sodass
individuell auf das Unternehmen und seinen Beschaffungsmarkt Strategien abgestimmt werden.
Die Ausrichtung der Strategie kann eine Ortskomponente haben (Beschaffung weltweit bis
regional), kann die Lieferantenzahl reduzieren, kann Beschaffungswege mit vermehrtem
Einsatz von Informationstechnologie einschlagen oder kann vermehrt Module oder ganze
Systeme einkaufen und zugleich die Eigenfertigung reduzieren. Nicht nur das Transportwesen
sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber, sondern das Beschaffungswesen, die
Produktionssteuerung, die Bereitstellungslogistik und die Lagerlogistik werden sich den
neuen Gegebenheiten anpassen und neue Lösungen finden müssen.
2.6.6 Unternehmenskooperationen und -zusammenschlüsse
Viele Unternehmen gehen langfristige Partnerschaften (z.B. Einkaufskooperationen)
ein oder fusionieren mit anderen Unternehmen beziehungsweise werden aufgekauft. Ebenso
finden horizontale Integrationen statt, das heißt Zuliefererunternehmen lassen sich an
ihren Kunden anbinden. Damit müssen logistische Prozesse angepasst werden beziehungsweise
zumindest koordiniert werden - eine weitere Entwicklung, die berücksichtigt werden muss.