C-Teile Management
Ein Beitrag von Rainer Kämpf und Johannes Boivin
1. Einführung
Der Einkauf ist heute verantwortlich für einen
Kostenblock, der einschließlich der Logistikkosten zwischen 50 % und 80 % der
Herstellkosten umfasst. Die Tendenz ist weiterhin steigend. Dadurch
vergrößert sich auch der Aufgabenumfang für den Einkäufer sowie die an ihn
gerichteten Anforderungen.

Abb.1: Definition C-Teile
Speziell die Beschaffung von sogenannten
"C-Teilen" verursacht einen hohen administrativen Aufwand für Kontrolle,
Genehmigung und Abwicklung, der in keiner Relation zum erzielten Nutzen steht. Der Begriff
,,C-Teile" hat seinen Ursprung in der ABC-Analyse, die eine Klassifizierung des
Beschaffungsobjekts nach Beschaffungs- bzw. Verbrauchswert ermöglicht. C-Teile
sind dadurch gekennzeichnet, dass sie einen hohen Anteil am Teilespektrum eines jeweiligen
Unternehmens darstellen (ca. 50%) und nur ein geringes Einkaufsvolumen ausweisen (ca.
10%). Bedingt durch die große Anzahl an Lieferanten in diesem Bereich (ca. 80%), die
geringe Anzahl von Abrufen aus Rahmenverträgen (ca. 10%) und dem großen Anteil an
Einzelbestellungen (ca. 50%) entsteht bei C-Teilen der größte Bestellaufwand (ca. 80%).
Dieses Phänomen führt zu unverhältnismäßig hohen administrativen Kosten, d.h. zu
überproportional hohen Prozesskosten im Verhältnis zum Einkaufspreis. Aufgrund des
geringen Einkaufsvolumens sind C-Teile oftmals für den strategischen Einkauf wertbedingt
uninteressant. Die zunehmende Vielfalt und die steigende Komplexität der C-Teile
verursachen hohe Beschaffungskosten, die häufig selbst das Einkaufsvolumen übersteigen.
So verursacht eine Bestellung von 10,- Euro für ein C-Teil annähernd genauso hohe
Prozesskosten wie die Bestellung eines A-Teils von 10.000,- Euro, nämlich im Durchschnitt
ca. 150,- Euro. Dabei beträgt die durchschnittliche Bearbeitungszeit des
Beschaffungsprozesses etwa zwei bis drei Stunden.

Abb.2: Charakteristiken der C-Teile
2. Der konventionelle Beschaffungsprozess von
C-Teilen
Für jedes Produktsegment ist es essentiell,
geeignete Beschaffungsprozessvarianten zu finden. Daraus resultiert, dass es keinen
verallgemeinerbaren Beschaffungsprozess für alle Materialien geben kann, wie am Beispiel
Büromaterial ersichtlich wird, welches der jeweiligen Fachabteilung direkt zugeht. Im
Unterschied zum privaten Endkonsumenten sind bei Unternehmen meist mehrere Personen im
Beschaffungsprozess involviert. Wie man in der folgenden Abbildung sehen kann, handelt es
sich bei der Beschaffung um einen crossfunktionalen, d.h. abteilungsübergreifenden
Prozess, der jeden Mitarbeiter eines Unternehmens berührt und von verschiedenen
funktionalen Organisationseinheiten abgewickelt wird.

Abb.3: Der konventionelle Beschaffungsprozess
Der konventionelle Beschaffungsprozess von C-Teilen
besteht dabei aus folgenden Abläufen:
Zunächst meldet der Bedarfsträger bzw. Besteller
seinen Bedarf an. Jener erstellt in der Fachabteilung eine Bestellanforderung (BANF),
indem er ein Formular ausfüllt oder seinen Bedarf im EDV-System einpflegt. Die
Bestellanforderung wird an den Vorgesetzten des Bestellers zur Genehmigung weitergeleitet.
Zusätzlich ist die Zustimmung der zuständigen Controllingabteilung und die Vorkontierung
der Positionen erforderlich. Bei C-Teilen wie z.B. EDV-Zubehör kann auch die Genehmigung
der Fachabteilung notwendig sein. Wurde die Bestellung vom Vorgesetzten geprüft und von
ihm und der Controllingabteilung genehmigt, wird diese weitergeleitet an den Einkauf. Dort
erfolgt dann die Lieferantenauswahl, d.h. der Einkauf wählt, in Bezug auf Preis,
Qualität, Lieferbedingungen u.a.m., unter verschiedenen Lieferanten den günstigsten aus,
der entweder bereits als Vertragspartner existiert oder noch kurzfristig ermittelt werden
muss. Das bedeutet, dass die Anfrage den betreffenden Lieferanten übermittelt und die
abgegebenen Angebote geprüft und verglichen werden müssen. Die Bestellung wird nochmals
im Einkauf geprüft und bearbeitet, bevor sie im System erfasst und als Bestellschreiben
per DFÜ, Fax oder per Post an den Lieferanten übermittelt wird. Im Anschluss daran wird
sie abgelegt.
Doch damit endet die Arbeit im Einkauf nicht. Es
müssen vereinbarte Anlieferungstermine überwacht, Störungen, d.h. eventuelle
Modifikationen von Seiten des Bestellanforderers sowie Rückfragen der Lieferanten
bearbeitet, Rechnungen geprüft und erledigte Bestellvorgänge aussortiert werden. Hat der
Lieferant den Auftrag bestätigt und die Ware geliefert, so muss diese nun vom
Wareneingang entgegengenommen werden. Die Ware wird dort quittiert, ausgepackt, auf
Qualität und Menge geprüft, im Lager eingelagert und der Eingang im System verbucht.
Intern erfolgt nun die physische Warenverteilung an die jeweilige Fachabteilung, welche
die Ware entgegennimmt. Der Bedarfsträger bzw. Besteller erhält die Ware und
kontrolliert gegebenenfalls nochmals auf Vollständigkeit und korrekte Lieferung. Handelt
es sich um Dienstleistungen, so entfallen die Tätigkeiten des Wareneingangs. Allerdings
muss der Erhalt der Leistung vor der Rechnungsverbuchung zusätzlich durch die betroffenen
Stellen bestätigt werden.
In der Zwischenzeit hat die vom Lieferanten
gestellte Rechnung oftmals schon die unternehmenseigene Buchhaltung erreicht, noch bevor
die bestellte Ware dem Bedarfsträger zugegangen ist. Die Rechnung wird hier gesichtet und
sortiert, geprüft, im System verbucht, d.h. dem Kostenträger oder der Kostenstelle
zugeteilt und schließlich abgelegt. Daraufhin erfolgt die Freigabe der Zahlung an den
Lieferanten.
In der Literatur werden unterschiedliche
Prozesskosten für diesen konventionellen Beschaffungsprozess angeführt. Während die
Kosten für einen Beschaffungsvorgang bei manchen Unternehmen mit 75,- Euro bis 125,- Euro
angegeben werden, liegen sie in anderen Analysen zwischen 135,- Euro und 150,-
Euro bzw. teilweise sogar bis weit über 400,- Euro. In den USA und der Schweiz
liegen die Prozesskosten für einen Beschaffungsvorgang ähnlich hoch wie in Deutschland:
Ein Beschaffungsprozess kostet demnach 80 US$ bis 120 US$, bzw. 80 CHF bis 160 CHF.
In einer 1997 von KPMG im Auftrag der Lufthansa
AirPlus erstellten Studie, wurden die Prozesskosten im Bereich der Beschaffung von
C-Teilen in verschiedenen Unternehmen gegenübergestellt. Befragt wurden bei dieser
Studie150 Unternehmen aus verschiedenen Industrie- und Dienstleistungszweigen mit einer
Belegschaft von 50 bis 10.000 Mitarbeitern. Erfragt wurden Details zur Ermittlung
existierender Beschaffungsabläufe wie auch Parameter zur Ermittlung der Prozesskosten. 14
Unternehmen nahmen an der Prozesskostenanalyse teil. Das Ergebnis waren ermittelte
Prozesskosten von durchschnittlich 89,- Euro für einen C-Teile Beschaffungsprozess,
unabhängig vom Einstandspreis, vom Warenwert und der Branchenzugehörigkeit des
Unternehmens. Dabei gab es extreme Abweichungen in den nach gleichen Kriterien bewerteten
Prozesskosten.
3. Potentiale und Ziele eines erfolgreichen
C-Teile-Managements
Einsparungspotentiale lassen sich in einer
Vielzahl von Bereichen identifizieren. Dazu gehören nicht nur Kosteneinsparungen im
Bereich der Prozesskosten sondern auch Reduzierungen der Materialeinstandspreise. Darüber
hinaus lassen sich durch effizientere Beschaffungsprozesse Lagerbestände reduzieren und
Durchlaufzeiten optimieren.
Der elektronischen Beschaffung über das Internet
wird sogar eine Verringerung um bis zu 70% der Beschaffungskosten der Unternehmen
zugebilligt. Marktforschern der Aberdeen Group zufolge ermöglicht die Automatisierung der
Prozesse Verwaltungs- und Prozesskosteneinsparungen von durchschnittlich 73% pro
Bestellung. Führende Fachleute halten in Einzelfällen 90%-ige Einsparungen in der
C-Teile-Beschaffung für reaIistisch.
Die Ziele für ein erfolgreiches C-Teile Managements
liegen im Wesentlichen in:
- der Optimierung der Beschaffungsprozesse insbesondere durch die
Reduzierung der Beschaffungskosten, der Teilevielfalt und der Lieferantenanzahl;
- der Transparenz über die Beschaffungsvorgänge;
- der Verkürzung der Gesamtdurchlaufzeit, d.h. Beschleunigung des
Informations-austauschs;
- der Dezentralisierung des Bestellwesens;
- der Reduzierung des Maverick-Buying;
- der Reduzierung der Einkaufspreise;
- der Optimierung des Lieferservices und
- dem Abbau von Lagerbeständen.
4. Optimierungspotentiale für die C-Teile Beschaffung mit
E-Commerce
Electronic Commerce auch EC oder E-Commerce
genannt, bedeutet elektronischer Handel und ermöglicht eine umfassende und elektronische
Abwicklung von Geschäftsprozessen zwischen Unternehmen und deren Kunden über
öffentliche Netze (Internet) und unternehmensinterne Netze (Intranet).
E-Commerce wird an anderer Stelle auch bezeichnet als Unterstützung von
Handelsaktivitäten über Kommunikationsnetze. Eine weitere Möglichkeit des
E-Commerce ist die Abwicklung von Geschäftsprozessen über das Extranet, das auf
der gleichen Technologie wie das Internet bzw. das Intranet, dem TCP/IP-Standard, aufbaut
und ebenfalls z.B. die Übertragung von e-mails im World Wide Web (WWW) zulässt.
Extranets ermöglichen einen kontrollierten Zugriff für autorisierte Geschäftspartner,
wie z.B. Lieferanten. Es handelt sich dabei um ein geschlossenes Netz, über
das Unternehmen via Internet verbunden sind.
Man unterscheidet vier Einsatzbereiche für
E-Commerce: E-Commerce kann innerhalb eines Unternehmens (intra-business), zwischen
Unternehmen (Business-to-Business, B2B), zwischen Unternehmen und Endverbrauchern
(Business-to-Consumer, B2C), sowie zwischen Endverbrauchern (Customer-to-Customer, C2C)
durchgeführt werden. Electronic Commerce beschreibt also die Verzahnung unterschiedlicher
Wertschöpfungsketten auf der Grundlage des schnellen und plattformunabhängigen
lnformationsaustauschs über Informations- und Kommunikationstechnologien.
Häufig werden die Begriffe E-Commerce,
E-Business, und E-Procurement synonym verwendet. E-Business wird dabei bezeichnet als
kontinuierliche Optimierung der elektronischen Kommunikation innerhalb eines Unternehmens
und zwischen Unternehmen für Verkauf, Bestellung, Lieferung, Informationsaustausch etc.
unter Einsatz digitaler Technologien und des lnternets als hauptsächliches
Kommunikationsmittel. Unter Electronic Procurement oder E-Procurement versteht man die
Nutzung von Informations und Kommunikationstechnologien, wie z.B. dem Internet zur
Unterstützung und Optimierung von elektronischen Beschaffungsprozessen in Unternehmen.
E-Business ist heute einer der am schnellsten
wachsenden Geschäftsbereiche. Die größten Potentiale im E-Business werden dabei den
Business-to-Business Anwendungen zugesprochen. Bereits heute werden 80 Prozent des
gesamten E-Business-Umsatzes im Bereich Business-to-Business erwirtschaftet. Schätzungen
zufolge wird sich dieser Anteil in Zukunft sogar noch auf etwa 90 Prozent erhöhen.
Forrester Research prognostiziert bis 2003 ein
E-Commerce Geschäft in Europa mit einem Volumen von 1.600 Mrd. US$. Dies würde 6,3% der
gesamten Handelsumsätze entsprechen. Im Jahr 2004 soll das Wachstum des B-Handels 2.700
Mrd. US$, d.h. 3% des Welthandelsvolumens erreichen.
Die Boston Consulting Group prognostiziert parallel
dazu ein E-Commerce Volumen in den USA bis 2003 von 2.800 Mrd. US$. 25% aller
industriellen Einkäufe werden dann im Internet realisiert. 1998 erzielte der
amerikanische B2B-E-Commerce~Markt mit 92 Mrd. Internet-basierter und 579 Mrd.
EDI-Transaktionen 671 Mrd. US$. Mit 2000 Mrd. Internet und 780 Mrd. EDI-Transaktionen soll
im Jahr 2003 das Verhältnis umgekehrt werden.
Zahlreiche Beispiele aus der Praxis belegen
zusätzliche Einsparungen, die mit der Bestellabwicklung über Internet zu realisieren
sind. Cisco konnte beispielsweise seine Prozesskosten von 125,- Euro auf 23,- Euro, d.h.
um 82%, und der Flughafen Frankfurt von 140,- Euro auf 18,- Euro, d.h. um 87% senken.
Durch die Automatisierung konnten zusätzlich die Bestellzeiten sowie die Lagerbestände
verbessert werden. Cisco's Bestellzyklen sanken von 13 auf 3 Tage, beim Flughafen
Frankfurt sogar von 30 auf 2 Tage. Zudem ermöglicht der Wegfall wiederholter
Dateneingaben eine Verringerung der Fehlerrate z.B. von 25% auf 2% bei Cisco.
(Fortsetzung: Lösungsansätze
für C-Teile Beschaffung) |