Lösungsansätze für die C-Teile Beschaffung
Ein Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Rainer Kämpf und
Johannes Boivin
1 Beschaffung der C-TeiIe über Desktop
Purchasing Systeme
Eine Alternative für die Optimierung der C-Teile
Beschaffung liegt in der Anwendung von Desktop Purchasing Systemen (DPS). Bei diesen
Systemen wird die Beschaffung von Nicht-Produktionsmaterialien mit Hilfe eines
elektronischen Produktkatalogs durchgeführt.
Desktop Purchasing Systeme ermöglichen Mitarbeitern
mit Intranet- bzw. Internetzugang und einem Web-Browser, z.B. Netscape oder Microsoft
Internet Explorer selbständig Bestellanforderungen von ihrem Arbeitsplatz aus über den
eigenen PC zu generieren. Die benutzerfreundliche graphische Oberfläche erlaubt eine
einfache Bedienung durch jeden Mitarbeiter bei minimalem Schulungsaufwand. Kommt es zu
einer Überschreitung von Bestell- oder Budgetgrenzen, so setzen zentral im System des
jeweiligen Unternehmens hinterlegte Berechtigungskonzepte und ein definierter Workflow
ein. Ein Tracking-Modul erlaubt dem Mitarbeiter sich jederzeit nach dem Stand
seiner Bestellung zu erkundigen.
Besitzt ein Mitarbeiter die notwendigen
Berechtigungen kann er seinen C-Teile Bedarf im Rahmen eines im Vorfeld definierten
Budgets selbst decken. Desktop Purchasing Systeme stellen somit die am weitesten
entwickelte Form der Verbindung Internet und Materialmanagement dar.
Kernstück der Desktop Purchasing Systeme ist ein
Multi-Lieferanten-Katalog (MLK) auch bezeichnet als Multi-Supplier Product Catalog (MSPC),
die insbesondere bei der Beschaffung von C-Teilen geeignet sind. Dabei ist zu
klären, wer den Katalog betreut. In diesem Zusammenhang unterscheidet man für die
Realisierung eines Desktop Purchasing Systems zwischen 3 verschiedenen Lösungsvarianten:
Buy-Side Kataloge, Sell-Side Kataloge und die Kombination aus beiden, Buy/SelI-Side
Kataloge.
In diesem Fall übernimmt der Kunde die Artikeldaten
der Lieferanten und pflegt diese, gemäß im Vorfeld getroffener Vereinbarungen, in einen
Katalog ein, der in das unternehmenseigene Intranet integriert ist. Vorteile
dieser Variante liegen im selbständigen Betrieb des Katalogsystems. Das Unternehmen hat
nun die Möglichkeit, die Produktkataloge der Lieferanten nach Belieben aufzubereiten, zu
vereinheitlichen und hinsichtlich Produkte, Preise und Layout selbst anzupassen. Die
Produkte werden so leichter vergleichbar. Außerdem kann der Multi-Lieferanten-Katalog
gezielt an die Bedarfsstruktur des Unternehmens angepasst werden, indem er hauptsächlich
nur die vom Unternehmen benötigten Artikel enthält. Der Umgang mit dem
Multi-Lieferanten-Katalog wird für den Anwender dadurch erleichtert, da er nur mit einer
Darstellungsweise vertraut sein muss. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit,
den Produktkatalog in die unternehmenseigene EDV zu integrieren.
Der wesentliche Nachteil dieser Variante liegt im
Aktualisierungsaufwand der Produktkataloge auf Kundenseite, welcher erhebliche Kosten
verursacht. Je größer die Anzahl der von den Lieferanten zu vernetzenden elektronischen
Produktkataloge, desto größer ist der Aufwand. Hinzu kommen noch Kosten für die
Implementierung sowie für die benötigte Software.
Ist es der Lieferant, der seinen Kunden einen
Katalog über Internet oder Extranet anbietet, auf den diese personalisiert zugreifen
können, so spricht man von einem Sell-Side Katalog. Dieser ist vergleichbar mit
Produktkatalogen in Shop-Systemen. Autorisierte Mitarbeiter des Kunden, können
mittels eines Standard-Browsers und eines Login-Passwortes Produktkataloge aufrufen. In
jedem dieser Kataloge sind kundenspezifische Rahmenverträge, Sonderkonditionen und
besondere Einkaufsbedingungen, die zuvor mit dem Einkauf des Kunden vereinbart wurden, im
System hinterlegt. Der wesentliche Vorteil dieser Desktop-Purchasing Variante
liegt darin, dass der Kunde weder Aufwand mit dem Betrieb noch mit der Aktualisierung des
Katalogs hat, d.h. keine bzw. geringe Investitionskosten anfallen. Dieser Aufwand liegt
bei dem Lieferanten. Neben dieser Kostenersparnis ist ein leichterer Lieferantenwechsel
möglich.
Dennoch ergeben sich bei dieser Variante erhebliche
Nachteile: Der einzelne Mitarbeiter auf Kundenseite hat einen wesentlich höheren Aufwand,
da er, um Preisvergleiche durchzuführen, mehrere verschiedene Web-Adressen (URL's) der
betreffenden Lieferanten aufrufen muss. Die uneinheitliche Darstellung der
lieferantenspezifischen Produktkataloge erschwert das Zurechtkommen; die Markttransparenz
fehlt. Die Bestellungen müssen zusätzlich im unternehmenseigenen ERP-System erfasst
werden, da die Integration der Produktkataloge in die unternehmenseigene Datenverarbeitung
fehlt. Standardisierungen können aufgrund der großen Anzahl an Lieferanten kaum
realisiert, interne Genehmigungsprozeduren nur schwer unterstützt werden.
Bei dieser Variante, übernimmt ein Dienstleister,
der auch als Cyberintermediär bezeichnet werden kann, den Betrieb und die
Pflege des Produktkatalogs. Er erstellt dabei einen sog. Hyperkatalog oder Master-Katalog
für den Kunden, der zahlreiche Produktkataloge von Lieferanten in einem Produktkatalog
vereint und der einer Vielzahl von Bedarfsträgern den Zugang ermöglicht. Diese Form des
Produktkatalogs findet ihre Anwendung hauptsächlich bei elektronischen Marktplätzen.
Hierbei liegen die Vorteile im sog. Pooling-Effekt, d.h. in der Bündelung von
Bedarfen, die zu Preisvorteilen, sowohl durch economies of scale als auch economies of
scope, beitragen. Dabei entsteht eine virtuelle Einkaufskooperation; der
Cyberintermediär wird zu einem Großhändler oder Betreiber eines virtuellen
Marktplatzes. Die Umsetzung des E-Procurement wird dadurch wesentlich vereinfacht und
beschleunigt.
Diese Form des Katalogs vereint die vorteilhaften
Funktionalitäten der beiden zuvor beschriebenen Katalogtypen. Dabei übernimmt der
Dienstleister die Aufbereitung der Kataloge d.h. generell das Content Management und wird
somit zum Content-Provider. Aus unzähligen 1:1-Beziehungen zwischen Kunden und
Lieferanten wird durch die Zwischenschaltung des Dienstleisters eine n:1:m-Beziehung, die
den Aufwand für Kunden und Lieferanten erheblich reduziert. Dieser bleibt
somit auf Kunden- wie auch auf Lieferantenseite im Rahmen. Für die Dienstleistung
berechnet der Cyberintermediär entweder eine Transaktionsgebühr oder einen gewissen
Prozentsatz des realisierten Umsatzes. Über dies bieten Dienstleister auch die
Möglichkeit der Zahlungsabwicklung oder Preisvergleiche an. Als Zahlungsinstrument
können Purchasing Cards, Sammelrechnungen oder Gutschriftverfahren eingesetzt werden.
Der wesentliche Vorteil der Anwendung eines Desktop
Purchasing Systems liegt darin, dass der Einkauf, durch die Übertragung der
Einkaufsverantwortung an den Bedarfsträger, von Routineaufgaben entlastet wird und sich
Aufgaben höherer Wertschöpfung wie die Beschaffung von A- und B-Teilen kümmern kann.
Außerdem werden Durchlaufzeiten durch die Abschaffung und die Automatisierung einiger
Prozessschritte drastisch verkürzt. Lieferanten können besser integriert, die
Planungssicherheit erhöht und ein gezieltes Lieferantenmanagement betrieben werden. Die
integrierte Berichtsfunktionalität ermöglicht eine bessere Kontrolle der Lieferanten bei
gleichzeitiger Kontrolle des Kaufverhaltens der Mitarbeiter im beschaffenden Unternehmen.
Der Return on lnvestment wird durch den kostengünstigen elektronischen Handel schnell
erreicht. Die niedrige Investitions- und Einstiegshürde ermöglicht auch kleineren und
mittleren Unternehmen, Desktop Purchasing Systeme einzusetzen und von dieser Technologie
zu profitieren. Diese bleibt somit nicht nur eine Domäne großer Unternehmen. Die hohe
Benutzerfreundlichkeit und die geringen lmplementierungszeiten (< 1 Jahr) sprechen für
dessen Einsatz. Die Kosten der Teilnahme an einem solchen System entsprechen einem
Bruchteil der Kosten für ein eigenes EDI-System (EDI - Electronic Data Interchange).
Voraussetzung einer wirtschaftlichen Nutzung vor EDI ist der Austausch von sehr großen
Informationsmengen. Da kleine und mittlere Unternehmen nie ein ausreichend hohes
Transaktionsvolumen erreichen, und schon gar nicht im Bereich der C-Teile, und die
Einführung mit einem hohen zeitlichen Aufwand und hohen Kosten für die Installation des
Systems verbunden ist, ist diese Technologie für kleine und mittlere Unternehmen nicht
geeignet. Darüber hinaus entfallen aufwendige Abstimmungen unterschiedlicher Technologien
und Standards.
2. Beschaffung der C-TeiIe über
Echtzeitausschreibungen
Echzeitausschreibungen, Reverse Auctions oder auch
Bidding genannt, stellen eine weitere Möglichkeit der Optimierung der C-Teile Beschaffung
dar. Auch hier ist die vorteilhafte Verbindung zwischen Internet und dem
Beschaffungsprozess des Unternehmens gegeben.
In Bezug auf die Beschaffung von C-Teilen, die
Nicht-Produktionsmaterial darstellen, bietet sich die Echtzeitausschreibung an, um
Rahmenverträge auszuhandeIn. Voraussetzung ist allerdings ein ausreichend großes
Volumen, das den zu betreibenden Aufwand rechifertigt. Es müssen zuerst die zu
beschaffenden C-Teile identifiziert, die Einkaufsmärkte vom Einkauf analysiert und die in
Frage kommenden Lieferanten und der Zielpreis ermittelt werden. In einer
Echtzeitausschreibung besteht die Möglichkeit, nur die im Vorfeld ausgewählten
Lieferanten über ein ,,privates" Netzwerk, oder aber sämtliche in
Betracht kommende Lieferanten zuzulassen.
Die Echtzeitausschreibung erfolgt anschließend im
Internet über einen Auktionator, wie z.B. die Trade2B-PIattform, in einem vordefinierten
Zeitfenster, dies kann einige Stunden bis einige Tage sein, unter Angabe des zu kaufenden
C-Teils, der Menge, des Einstiegspreises, der Lieferkonditionen, der
Qualltätsanforderungen, der Zahlungs-bedingungen etc. Dabei können sich die potentiellen
Lieferanten bis zu deren Vollkosten unterbieten, in manchen Fällen sogar bis zu deren
Grenzkosten. Der Preis ,,verauktionierte" Güter lässt sich regelmäßig um 10-20%
gegenüber dem historischen Wert reduzieren. Das kaufende Unternehmen kann dabei die
Angebote der jeweiligen Lieferanten online mitverfolgen. Die Lieferanten hingegen sehen
nur das zuletzt abgegebene Angebot ohne Nennung des Konkurrenten. Nach Beendigung der
Echtzeitausschreibung vergibt das kaufende Unternehmen in der Regel dem günstigsten
Lieferanten den Auftrag.
Der entscheidende Vorteil der Echtzeitausschreibung
liegt in der Synchronisation der Preisverhandlungen mit zahlreichen Lieferanten.
Aufwendige Einzelverhandlungen, die sich bei mehreren Lieferanten über mehrere Wochen
erstrecken können, werden durch eine zeitlich begrenzte Echtzeitausschreibung (Auktion)
abgelöst. Darüber hinaus sind keine zusätzlichen Investitionen bei der Durchführung
von Echtzeitausschreibungen notwendig. Die niedrigen Einkaufskosten ermöglichen die
Schaffung von Wettbewerbsvorteilen; die Lieferantenbasis kann zudem erweitert werden.
Dennoch stellt die Echtzeitausschreibung nur einen
Ausschnitt des gesamten Beschaffungs-prozesses dar, nämlich die Preisverhandlungsphase.
Auch hier dominiert die Einzelbetrachtung anstelle einer ganzheitlichen Optimierung der
Supply Chain. Wird nur die Preisverhandlungsphase optimiert und der restliche
Beschaffungsprozess im bisherigen Zustand belassen, bleiben erhebliche
Optimierungspotentiale unausgeschöpft.
3 Beschaffung der C-TeiIe über
Dienstleister
Nicht alle C-Teile Bedarfe können aufgrund des
Aufwands über einer Produktkatalog abgebildet und dezentral von einem Mitarbeiter
bestellt werden Nur bei regelmäßig wiederkehrenden Bedarfen ist die Beschaffung übe
Produktkataloge wirtschaftlich vertretbar. Doch was geschieht mit der Einmalbestellungen
oder zeichnungsgebunden und anderen wenig standardisierbaren C-Teilen?
Bei all denjenigen C-Teilen, die aus technischen
oder wirtschaftlichen Gründer nicht in einem elektronischen Produktkatalog angeboten
werden können, muss die Beschaffung auch weiterhin über den Einkauf erfolgen, sofern
kein Dienstleister dafür eingeschaltet wurde. Der Nachteil, der sich bei einem
Katalogeinsatz für 50% der Bedarfe und konventioneller Beschaffung für die restlichen
50% ergibt, ist, dass die auf der einen Seite gewonnenen Bündelungseffekte auf der
anderen Seite wieder veloren gehen (Preisaspekt). Außerdem ist die Umschichtung von fixen
Kosten zu variablen nur unvollständig (Prozesskostenaspekt).
Die Erwägung, produktionsfremde C-Teile über
Dienstleister zu beschaffen, sollte nicht vernachlässigt werden, da diese über ein hohes
warengruppenspezifisches Know-how verfügen. Die als C-Teile von einem Unternehmen
bezeichneten Güter können für den Dienstleister A-Teile und somit dessen Kernkompetenz
darstellen. Durch die Konzentration der Bestellungen von produktionsfremden C-Teilen auf
einen Dienstleister können so zusätzliche Bündelungseffekte erzielt werden. Liegen die
bisherigen Einkaufspreise plus Prozesskosten außerhalb der Verkaufspreise des
Dienstleisters plus Schnittstellenkosten, dann lohnt sich die Auslagerung der Beschaffung
(Outsourcing) an einen Dienstleister, insbesondere wenn die vorgegeben Qualitätskriterien
erfüllt werden und Vorteile aus der Summe aus Preisen und Prozesskosten entstehen.
Ein zentraler Aspekt beim Einsatz eines
Dienstleisters liegt in der Frage der Bezahlung. Dabei sind mehrere Varianten denkbar: Die
Dienstleistung kann über Einkaufspreise abgerechnet oder als Dienstleistung separat
bezahlt werden, z.B. in Form einer Transaktionsgebühr. Bei der Abwicklung der Bezahlung
über die Einkaufspreise verliert das beschaffende Unternehmen die Markttransparenz, da es
nicht weiß, wie sich der Einkaufspreis zusammensetzt und, ob Preisvorteile weitergegeben
wurden oder nicht. Bei separater Ausweisung der Dienstleistung ist ein besserer Vergleich
möglich. Dabei sollten kontrollierbare Preisreduzierungsvereinbarungen über das
Beschaffungsprogramm getroffen und jedes Jahr neu verhandelt werden. Dies kann durch einen
sog. ,,aktiven Warenkorb", d.h. eine repräsentative Warengruppe von C-Teilen,
erfolgen. Verbrauchsgewohnheiten dienen dabei als Grundlage für die Ermittlung von
Preisindizes, die Rückschlüsse auf Preisentwicklungen zulassen.
Vorteile der Übertragung der Beschaffung von
produktionsfremden C-Teile an Dienstleister liegen in der Verkürzung des
Beschaffungsprozesses, der zu kürzeren Durchlaufzeiten und einem geringeren
Verwaltungsaufwand beiträgt. Durch die Analyse des Teilespektrums wird das Teilesortiment
standardisiert und die Anzahl der Lieferanten und die Kapitalbindung reduziert. Zudem kann
der Dienstleister Bedarfe bündeln, was zu verbesserten Einkaufskonditionen führt.
Dennoch lassen sich auch einige Probleme identifizieren, wie z.B. die Anzahl der
Bestellvorgänge von gleichen C-Teilen. Die Kostenreduzierungen im Bereich der
Prozesskosten auf der einen Seite können durch einen übermäßigen Anstieg der
Bestellfrequenz und der daraus zusätzlich entstehenden Transportkosten neutralisiert
werden.
Hat ein Unternehmen seine C-Teile Beschaffung
ausgelagert (Outsourcing), so ist es oftmals nicht mehr in der Lage, kurzfristig selbst
die Beschaffung wieder aufzunehmen oder einen Ersatz-Dienstleister zu finden. Fehler, die
im Outsourcing-Prozess, d.h. bei der Auswahl der Outsourcing-Teile, der Auswahl des
Dienstleisters und der Vertragsgestaltung begangen werden, können fatale Folgen für das
gesamte Unternehmen haben.
4. Der optimierte C-Teile
Beschaffungsprozess
Eine Optimierung der Geschäftsabläufe ist zwingend
erforderlich, um die aufgezeigten Probleme beseitigen und die Einsparpotentiale erzielen
zu können. Prozesskosteneinsparungen sind nur dann realisierbar, wenn der
Beschaffungsprozess als Ganzes im Rahmen eines Business Process Reengineering oder
Business Process Redesign (BPR) neu überdacht wird. Werden lediglich alte
Beschaffungsprozesse z.B. mit Desktop Purchasing Systemen abgebildet, so entstehen keine
oder nur geringe Prozesskosteneinsparungen. Die Anwendung eines einzelnen Lösungsansatzes
führt hierbei nur zu einer suboptimalen Lösung.
Die zusätzlichen Einsparungsmöglichkeiten im
Bereich der Materialeinstandspreise sollten nicht übersehen werden. Es gilt, den
Beschaffungsprozess für C-Teile auf beiden Ebenen zu optimieren.
Nachfolgend soll der optimierte C-Teile Beschaffungsprozess für Nicht-Produktionsmaterial
dargestellt werden.
Aus der Analyse des konventionellen
Beschaffungsprozesses ergibt sich das größte Einsparpotential durch Weglassen oder
Automatisieren von nicht wertschöpfenden Tätigkeiten. Weglassen betrifft Tätigkeiten
wie unsinnige Freigaberegelungen, wo selbst für Kleinbestellungen ein Abteilungsleiter
immer noch gegenzeichnen muss. Weglassen kommt aber auch für unnötige
Verbuchungstätigkeiten in Frage, bei denen Hunderte von Buchungssätzen durch den
Übergang zu monatlichen Sammelrechnungen eingespart werden könnten. Automatisieren
betrifft Tätigkeiten wie die umständliche Übermittlung der Bestellungen, die bisher per
Fax oder Post an den Lieferanten verschickt wurden. Automatisieren kommt auch bei der
Zahlungsabwicklung in Frage. Anstatt unzählige Überweisungen zu tätigen, kann ein
Unternehmen bei der Warenannahme durch den Bedarfsträger die Zahlung über ein
Gutschriftverfahren auslösen.

Abb.4: Der optimierte Beschaffungsprozess
Im optimierten Beschaffungsprozess erfolgt die
Bestellanforderung durch den Bedarfsträger über Internet oder Extranet mittels Desktop
Purchasing System. Dabei wählt der Bedarfsträger aus dem elektronischen Produktkatalog
die von ihm benötigten C-Teile aus und legt sie in einen elektronischen Warenkorb ab. Mit
der Freigabe des Warenkorbes geht die Bestellanforderung, unter automatischer
Genehmigungsroutine, d.h. unter im System hinterlegter Prüfung von Berechtigung und
Budget, direkt an den Dienstleister und den Lieferanten weiter. Der Mitarbeiter beschafft
somit seine C-Teile dezentral und übernimmt die Beschaffungs- und Kostenverantwortung vom
Einkauf. Aufgrund der im Vorfeld veränderten Kontrollmechanismen kann das
Genehmigungsverfahren vereinfacht werden. Dabei bedarf es keiner Zustimmung des
Vorgesetzten oder der Controllingabteilung mehr. Der Mitarbeiter kann über ein ihm
zugeteiltes Budget, im Rahmen seines Artikelspektrums, frei verfügen. Die vorhandenen
Daten wie Artikel, Artikelnummer, Preise, Bestelldatum etc. ermöglichen dem Unternehmen
über ein Controlling-TooI genaue Auswertungen der Ausgaben des Mitarbeiters, der
Bestellhäufigkeit etc. durchzuführen. Missbräuchen wird so weitestgehend vorgebeugt.
Bei Überschreitung des Budgets leitet das Desktop Purchasing System die
Bestellanforderung an den Vorgesetzten zur Absegnung weiter. Autorisiert dieser die
Bestellanforderung, geht sie direkt an den Dienstleister und anschließend an den
Lieferanten weiter. Bei Ablehnung wird die Bestellung gestoppt.
Auch der Aufwand für die Lieferantenauswahl im
Einkauf wird reduziert. Durch die Bestellung über einen Dienstleister, der bereits über
einen Pool von Lieferanten sowie über zahlreiche angeschlossene Kunden verfügt, können
bessere Konditionen erzielt werden, als dies durch aufwendige Lieferantenauswahl und
Verhandlungen im Bereich der C-Teile durch das Unternehmen selbst möglich wäre. Auch die
bisherigen Lieferanten können in diesen Verbund aufgenommen werden. Dennoch sollten
Preisentwicklungen z.B. über einen aktiven Warenkorb verfolgt werden, um zu
gewährleisten, dass erzielte Preisreduzierungen vom Dienstleister auch weitergegeben
werden.
Da es sich bei C-Teilen zumeist um Standard-Teile
handelt, ist lediglich der Preis das ausschlaggebende Einkaufskriterium. Die Aufgabe des
Einkaufs liegt jetzt in der Übermittlung der erforderlichen Daten an den Dienstleister,
damit dieser den elektronischen Multi-Lieferanten-Katalog erstellen kann, in der
Überprüfung der Aktualität der Daten und in der Verhandlung der Konditionen mit dem
Dienstleister. Die Tätigkeiten der Bestellung und der Ablage durch den Einkauf entfallen.
Auch bei dem Lieferanten reduziert sich der Aufwand.
Er muss Aufträge vom Kunden nicht mehr zusätzlich bestätigen. Diese werden online vom
Kunden über den Dienstleister an ihn weitergeleitet. Der Lieferant bearbeitet nun den
Auftrag und kümmert sich um die termingerechte Fertigung bzw. Bereitstellung der C-Teile.
Nach erfolgter Kommissionierung wird anschließend das Unternehmen über einen
Paketdienst, wie z.B. UPS, beliefert, da es sich bei C-Teilen überwiegend um
Kleinbestellungen handelt und Belieferungen durch den Lieferanten zu kostenintensiv
wären. Die aufwändige papierbasierte Rechnungsstellung entfällt ebenfalls, da sie bei
der Bestellauslösung automatisch vom System generiert wird.
Im Unternehmen nimmt der Bedarfsträger die
Lieferung an seinem Arbeitsplatz entgegen. Um unnötige Verzögerungen zu vermeiden,
müssen die Anlieferungspunkte im Vorfeld definiert werden. Dadurch sind Fehllieferungen
nahezu ausgeschlossen. Die aufwendigen Tätigkeiten der Prüfung der Ware im Wareneingang
und der Einlagerung, sowie des internen Transportes entfallen. Der Bedarfsträger
überprüft die Sendung auf Vollständigkeit, qualitative Mängel, Preis etc. und
bestätigt die korrekte Ausführung im System. Ferner kümmert sich dieser auch um
eventuelle Reklamationen. Darüber hinaus kann der Bedarfsträger mittels eines
Tracking-Moduls jederzeit den Status seiner Bestellung über das Internet verfolgen.
Hat der Bedarfsträger die Warenannahme im System
bestätigt, löst dieses automatisch die Freigabe der Zahlung via Gutschriftverfahren,
d.h. die durchgängige Zahlungsabwicklung vom Kunden an den Dienstleister und vom
Dienstleister an den Lieferanten aus. Diese Vorgehensweise geht noch einen Schritt weiter
als die Bezahlung über eine monatliche Sammelrechnung, die der Dienstleister ins
ERP-System des Kunden schickt und worauf sämtliche Einzelpositionen ausgewiesen sind, da
zeitliche Verzögerungen in der Bezahlung des Dienstleisters und der Lieferanten
wegfallen. Durch das Gutschriftverfahren verfügen diese somit schneller über ihr Geld.
Die Anbindung der Zahlungsabwicklung an das unternehmenseigene ERP-System schafft den
Vorgang der Rechnungsprüfung in der Buchhaltung quasi ab. Lediglich Stichprobenkontrollen
sollten durchgeführt werden.
Auch die Alternative der Purchasing Card kann die
Zahlungsabwicklung nachhaltig unterstützen und ist in Kombination mit Desktop Purchasing
Systemen in Erwägung zu ziehen.
6. Fazit
Der so optimierte Beschaffungsprozess reduziert die
manuellen Tätigkeiten erheblich und somit die Prozesskosten. Auch die Teilevielfalt, die
Lieferantenanzahl und die Fehleranfälligkeit im Beschaffungsprozess werden reduziert.
Gleichzeitig behält das beschaffende Unternehmen die Kontrolle über den
Beschaffungsvorgang. Der optimierte Beschaffungsprozess ermöglicht die dezentrale
Bestellung über den Bedarfsträger. Die Durchlaufgeschwindigkeit wird durch den
durchgängigen Informationsfluss und die Beseitigung der Schnittstellen wesentlich erhöht
und führt zur Abschaffung des Maverick Buying. Lagerbestände werden durch die
verbrauchsgerechte Beschaffung und die Lieferung an den Arbeitsplatz des Bedarfsträgers
abgebaut, die Einkaufspreise durch die Zwischenschaltung des Dienstleisters reduziert und
der Lieferservice optimiert. Jetzt ist es möglich von einem transparenten
Beschaffungsprozess zu sprechen. Die Ziele für das C-Teile Management werden vollkommen
erreicht.
7. Literatur
Andersen: Neue Chancen im Einkauf durch
e-Procurement.
Internetquelle: http://www.arthurandersen.com/resource2.nsf
Arnold, U.: Beschaffungsmanagement,
Schäfer-Poeschel Verlag, Stuttgart, 1995.
Baumgarten, H.: Logistik im E-Zeitalter Die
Welt der globalen Logistiknetzwerke, Frankfurter Allgemeine Verlagsbereich Buch,
Frankfurt, 2001.
Cap Gemini/Ernst&Young: Supply Chain Management
Kostenreduzierung im Einkauf durch effizientes C-Teile Management.
Internetquelle: http://www.ernst-young.de/scm/c_teile.cfm
C-Teile-Manager.de:
Internetquelle: http://www.c-teile-manager.de
Dolmetsch, R.: e-Procurement - Sparpotential im
Einkauf, Addison-Wesley Verlag, München, 2000. KPMG: Electronic
Commerce Status quo und Perspektiven 99.
Internetquelle: http://www.kpmg.de/library/surveys/satellit/e_com_99.pdf
KPMG: Electronic Procurement Neue
Beschaffungsstrategien durch Desktop Purchasing Systeme.
Internetquelle: http://www.kpmg.de/forum/management_summary.htm
Sackstetter, H.; Schottmüller, R.:
C-Teile-Management Umsetzung von C-Teile-management-Projekten, Deutscher
Betriebswirte-Verlag, Gernsbach, 2001. |