Das Supply Chain Management
beruht auf drei grundlegenden Bausteinen: der Kooperation, der Prozessorientierung und der
Informationstechnologie. Die Informationstechnologie übernimmt die Rolle des
"Enablers" und sorgt für die Transparenz über alle Aufträge, eine
beschleunigte Planung der Kapazitäten und Bestände entlang der gesamten Supply Chain,
die schnelle Prognose des Kundenbedarfs und eine übergreifende Steuerung der Prozesse. Im
Rahmen der Planung einer Supply Chain ist vor allem die logistische Infrastruktur
festzulegen, wie z.B. die Standorte von Produktionsstätten und Distributionszentren, die
Gestaltung des Zulieferernetzwerkes oder die Auswahl der Logistikdienstleister, mit denen
eine Zusammenarbeit angestrebt wird. Es ergeben sich viele operative Planungsaufgaben, die
einer integrativen Lösung bedürfen. Beispielhaft sei hier die kostenminimierende
Anpassung der Supply Chain an saisonale Nachfrageschwankungen erwähnt, bei der zwischen
Lagerkosten und Bereitstellungskosten für Zusatzkapazitäten abgewogen werden muss oder
die Aufteilung des Produktionsprogramms auf bestehende Produktionsstandorte. Grundlage
vieler SCM-Tools sind die folgenden Software-Gruppen:
- PPS-Systeme (Produktionsplanung- und Steuerungsysteme)
- APS (Advanced Planning Systems)
- Optimierungstools
- Simulationswerkzeuge
Die Internationalisierung und Globalisierung der Märkte übt zunehmend Druck auf
Unternehmen aus, die am Produktions- oder Dienstleistungsprozess beteiligt sind. Jedoch
reichen die jetzigen Strukturen nicht aus, um die nötige Transparenz und Information zu
beschaffen. Klassische PPS-Systeme stoßen schnell an ihre Grenzen, wenn ungeplante
Engpässe auftreten. Betrachtet man die Wertschöpfungskette eines Unternehmens, so ist
ersichtlich, dass nur 5-10% der Zeit zu Mehrwert des Produktes führt, während 90-95% in
der Regel Warte- Transport- oder Distributionszeiten darstellen. Deshalb gilt es dieses
Einsparungspotenzial zu nutzen, indem man den Prozess optimiert. Mit dem Internet als
neuem schnellen Medium für die Kommunikation zwischen Endkunden, Produzenten und
Lieferanten erlangt das Thema E-Business eine überragende Bedeutung für viele
Unternehmen. Die Entwicklung des E-Business hängt eng mit dem Supply Chain Management
zusammen, sodass die Verbindung der beiden Konzepte, E-Supply Chain Management, einen
weitergehenden Schritt der Entwicklung darstellt. Neue Systementwicklungen versuchen die
Integration von internetbasierten Informationsdiensten, E-Procurement, E-Commerce,
E-Fulfillment und der Planung und Steuerung entlang der Supply Chain miteinander zu
verknüpfen. Diese Integration schafft neuen Dienstleistungen wie die eines APS-Providers
oder eines 4th Party Logistic Service Providers. Neue technologische Möglichkeiten
erfordern neue Denkmodelle. Nach der Euphorie der ersten Internet-Startup-Welle und ihrem
dramatischen Niedergang, beginnen die Firmen der Old Economy nun allmählich realistisch
die Möglichkeiten des Internets zu schätzen und für sich umzusetzen. Dabei investieren
manche Unternehmen massiv in der Entwicklung eine E-Business Strategie. Eine Umfrage des
B2B-Trend Panels im März 2001 ergab, dass die Zahl der elektronischen Marktplätze sich
innerhalb eines Jahres in Deutschland vervierfacht hat. Für den Bereich Supply Chain
Management liegt ein Anwendungsschwerpunkt in der direkten Anbindung der eigenen Prozesse
an die Prozesse der Kunden und Lieferanten.

Abb: Branchenbezogene Anwendungen von E-Commerce (B2B)
Mit Supply Chain Management und E-Business treffen zwei zukunftsweisende Konzepte
aufeinander, die sich an vielen Stellen ergänzen, aber auch wechselseitig optimieren
lassen. Während in der Supply Chain der Fokus auf die Planung und Steuerung der Prozesse
gelegt wird, werden durch das E-Business die Prozesse des Verkaufs, der Beschaffung, der
Auftragsabwicklung und der generellen unternehmensübergreifenden Zusammenarbeit ergänzt.
Betrachtet man die verbundenen Geschäftsprozesse der Supply Chain und des E-Business
genauer, erkennt man, dass Prozesse wie Beschaffung, Auftragssteuerung, Produktion,
Lagerung, Distribution und Vertrieb nicht mehr aus einer isolierten, unternehmensinternen
Sicht betrachtet werden können; viel mehr ergibt sich daraus die Forderung nach
integrierten, unternehmensübergreifenden Prozessketten von den Lieferanten bis zu den
Kunden. Hierbei spielt die Anwendung der Internet-Technologie eine zunehmend bedeutendere
Rolle; es entstand der Begriff des "E-Supply Chain Managements" als "Datenaustausch
bzw. Kopplung der IT-Systeme der Supply Chain Partner über das Internet, um Information
schnell, asynchron, flexibel und angepasst auszutauschen und die Geschäftsprozesse der
Wertschöpfungskette unternehmensübergreifend zu planen und zu steuern" (vgl. Kuhn)
Einerseits konzentrieren sich die Unternehmen mehr auf ihre jeweilige Kernkompetenz
und Stärke, andererseits erhöht der Ein- und Verkauf von
Leistungen über elektronische Handelsplätze und schließlich auch die Nutzung
internetbasierter gemeinsamer Plattformen die Flexibilität der Unternehmen. Die
Vorstellung eines ganzheitlichen Supply Chain Management steht damit im Zusammenhang mit
E-Business für eine effiziente Verflechtung der kompletten Wetschöpfunskette von
Unternehmen, Zulieferern, Logistikern und Kunden über alle Unternehmensgrenzen hinaus.
Die neuen Geschäftsmodelle des E-Business, bekannt unter den Schlagwörtern Business-Webs
oder Kollaborative Webs, erhöhen den Grad der Vernetzung und verbreiten das Spektrum der
betroffenen Unternehmensbereiche.
Potentielle Optimierungen können durch das E-Supply-Chain-Management überall dort
eingesetzt werden, wo sich Material- Informations- und Lieferflüsse koordinieren und
synchronisieren lassen. Allerdings wird es in der Praxis schwer diese Theorie umzusetzen,
denn die IT-Infrastruktur vieler Unternehmen ist noch nicht auf eine
unternehmensübergreifende Steuerung und Kommunikation vorbereitet. Außerdem müsste die
Kooperationstruktur nachhaltig verändert und an die neuen Bedingungen angepasst werden.
Viele Unternehmen sind nicht dazu bereit, sich in solchem Maß zu öffnen. Die Öffnung
der Prozesse und Systeme bedeutet für die Mitarbeiter einer Supply Chain den Verlust der
uneingeschränkten Verfügung über Informationen und Prozesse. Deshalb sind im Vorfeld
einer E-Supply-Chain-Managment Einführung strategische Vorarbeiten notwendig.
Schließlich folgt die internetbasierte logistische Kette einem
unternehmensübergreifenden Geschäftsprozess-Gedanken. Eine Prozessoptimierung, die sich
nur intern ausrichtet, wirkt sich im Kontext des E-Business negativ und kontraproduktiv
aus.
Durch eine Analyse der Prozesse muss entschieden werden welcher Prozess zur
Kernkompetenz des Unternehmens zählt und welche Prozesse man outsourcen kann. Aus diesem
Grund gewinnt die Gestaltung der Partnerbeziehungen an Bedeutung. In Zukunft werden
zunehmend sich dynamisch wandelnde Konfigurationen von Logistiknetzwerken gegeneinander
konkurrieren und nicht einzelne Unternehmen wie bisher. Die Kooperationsbeziehungen sind
demzufolge teilweise enger und langfristig, teilweise wechselnd und kurzfristig. Letzteres
gilt zum Beispiel für leicht substituierbaren Dienstleistungen oder Produkte.