- Einführung
Die zunehmende weltwirtschaftliche Verflechtung fordert von
Unternehmen, sich sowohl mit heimischen als auch mit ausländischen Konkurrenten zu
messen. Die Orientierung am globalen Markt beeinflusst dabei innerhalb der
Wertschöpfungskette neben der Produktion und dem Absatzmarkt auch die Beschaffung. Gerade
in Deutschland spielt die internationale Beschaffung und damit auch der Importanteil eine
immer wichtigere Rolle. So betrug die allgemeine Importsumme 2000 in Deutschland 444,8
Mrd. und für das Jahr 2002 wird eine Summe von 522,1 Mrd. geschätzt. Trotz
eines leichten Handelseinbruchs von 2001 auf 2002 hat die Importquote von 2000 bis 2002
somit um 17,4% zunehmen können, während die Exportquote in demselben Zeitraum lediglich
eine Steigerung von 8,5% verzeichnen konnte. Hierbei muss natürlich angemerkt werden,
dass diese Importsumme auch fertige Erzeugnisse einbezieht, die in Deutschland nicht mehr
weiter bearbeitet werden. Allerdings lässt sich an diesen Zahlen gut belegen, dass der
Import generell an Bedeutung zunimmt.
Die zunehmenden Lohnnebenkosten und damit hohen Produktionskosten im
deutschen Wirtschaftsraum schlagen sich in den Produktpreisen nieder. Einen Ausweg aus
dieser Kostenfalle bieten für viele Unternehmen die internationale Beschaffung und
Produktion. Gerade in der globalen Beschaffung sehen die Unternehmen eine Möglichkeit,
Teilprodukte kostengünstiger einzukaufen. Daher ist eine Ausrichtung auf den
internationalen Beschaffungsmarkt verständlich und auch nötig, um weiterhin
wettbewerbsfähig zu sein. Oftmals wird mit dem internationalen Einkauf auch der Begriff
Global Sourcing verwendet.
2.Von der Beschaffung zum Global Sourcing
2.1 Beschaffungsarten
Die Beschaffung versorgt das Unternehmen mit Leistungsfaktoren, welche
"zur erforderlichen Zeit, in der erforderlichen Menge und Qualität" im
Unternehmen bereitstehen sollen, um Rohmaterialien durch einen wertschöpfenden Prozess in
kundenorientierte Produkte umzuwandeln. Dem Unternehmen bieten sich zwei Arten des
Materialbezugs. Zum einen können vor- und nachgelagerte Aktivitäten in die
Unternehmensorganisation aufgenommen, also eigengefertigt werden (Insourcing). Der
Eigenfertigung steht der Fremdbezug gegenüber. Dass die Warenbeschaffung von Lieferanten
schon immer zu den Prozessen eines Unternehmens gehört, ist verständlich. In den letzten
Jahren sahen sich die Unternehmen jedoch oftmals gezwungen, die eigene Produktion zu
verschlanken. Dies führte dazu, dass die Fremdbeschaffung und damit die Ausgliederung der
Teilproduktion auf Lieferanten und eine Konzentration auf eigene Kernkompetenzen immer
wichtiger wurde.
Zur Einführung soll im folgenden eine kurze Übersicht über die
Beschaffungsmöglichkeiten gegeben werden. Innerhalb dieses Fremdbezugs lassen sich nach
bestimmten Kriterien Begriffe zuordnen, die sich jedoch nicht gegenseitig ausschließen
müssen:
Bezugsquellenanzahl: Abhängig von der Lieferantenanzahl kann
zwischen Single Sourcing, Dual Sourcing und Multi Sourcing (oft auch als Multiple Sourcing
bezeichnet) unterschieden werden. Single Sourcing bedeutet, dass ein Beschaffungsteil von
einem Zulieferer bezogen wird. Wenn man nun für ein Beschaffungsteil nicht nur einen
Zulieferer hat, spricht man je nach deren Anzahl von Dual Sourcing oder Multi(ple)
Sourcing. Durch eine geringe Anzahl an Beschaffungsquellen kann ein Unternehmen sehr stark
von seinen Zulieferern abhängen, was somit unter Umständen ein größeres
Beschaffungsrisiko bedeutet. Allerdings kann gerade beim Single Sourcing die engere
Zusammenarbeit mit dem Lieferanten auch Vorteile bringen. Darauf soll an späterer Stelle
noch einmal eingegangen werden.
Komplexität der Bezugsobjekte: Erhält ein Unternehmen kleinere
und wenig komplexe Teile vom Lieferanten, so spricht man vom Element Sourcing. Diesem
steht das Modular Sourcing gegenüber, in dem komplexere Module oder Bausysteme durch den
Lieferanten vorgefertigt und dann an den Kunden verschickt werden.
Ausdehnung der Märkte: Im Gegensatz zur lokalen, also
heimischen, Beschaffung (Local Sourcing) soll diese Arbeit auf die weltweite Beschaffung
(Global Sourcing) fokussiert sein.
Das traditionelle Beschaffungsverhalten beinhaltete hauptsächlich
kostenrelevante Kriterien und das Unternehmen sah keine Notwendigkeit, sich aufgrund von
vielen Bezugsquellen längerfristig an einen Lieferanten zu binden. Aufgrund der heutigen
Mentalität von Lean Production und Outsourcing hat sich diese Sichtweise jedoch
geändert. Das Unternehmen baut zunehmend eine starke Vertrauensbindung mit dem
Lieferanten auf und ist von der pünktlichen Lieferung kleiner Losgrößen abhängig.
2.2 Global Sourcing ist mehr als reine Beschaffung
Eine einheitliche Definition des Global Sourcing gibt es nicht. So
vertreten viele die Meinung, dass Global Sourcing mit der weltweiten Beschaffung
gleichzusetzen ist, da hier hauptsächlich Kostengründe als Entscheidungskriterium
angewendet werden. Dies scheint auch für viele Unternehmen der Fall zu sein. Es gibt
allerdings auch weitere Motive des Global Sourcing. Es beinhaltet demnach mehr als das
traditionelle Beschaffungsverhalten, in dem nur die rein operative Einkaufsabsicht aus
Kostengründen im Vordergrund steht.
Global Sourcing ist das "systematische Beschaffungsmarketing auf
den Weltmärkten" und die "strategische Ausrichtung des Versorgungsmanagements
auf die Nutzung weltweiter Beschaffungsquellen". Unter einem Beschaffungsmarketing
versteht man die Anwendung eines Instrumentariums zur Durchsetzung von Unternehmenszielen
wie kostengünstige und qualitativ hochwertige Beschaffung. Vergleichbar mit dem
Absatzmarketing verfolgt das Beschaffungsmarketing das Ziel, den Geschäftspartner
längerfristig an das eigene Unternehmen zu binden, sofern es für das Unternehmen von
Vorteil ist. Deshalb ist zu beachten, dass das Beschaffungsmarketing nicht nur den Einkauf
per se, sondern auch die Beziehungen zwischen Anbieter (Lieferant) und Nachfrager
(Unternehmen) berücksichtigen muss.
Im Unterschied zum operativen internationalen Einkauf, in dem die
Beschaffungs-kostenminimierung primäres Ziel ist, beinhaltet Global Sourcing demnach die
Idee, die internationale Beschaffung als strategisches Element zur Generierung von
Wettbewerbsvorteilen zu verwenden. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die drei
Elemente Internationalität, Strategie und Beschaffung die Kerninhalte des Global Sourcing
sind.
In der Fachliteratur lässt sich der Begriff des Global Sourcing, wie
bereits erwähnt, nur schwer vereinen. Oftmals ist die Meinung vertreten, Global Sourcing
sei häufig mit Multiple Sourcing verbunden, da hier aufgrund räumlicher aber auch
sprachlicher und kultureller Distanz eine hohe Bindungsintensität nur erschwert möglich
ist. Andererseits muss hier auch betont werden, dass es auch Global Sourcing-Strategien
gibt, in denen die Beziehung zu wenigen wichtigen Lieferanten gepflegt wird, um somit
langfristige Unternehmensziele zu unterstützen.
3. Strategische Entscheidungskriterien des Global Sourcing
Wie bereits erläutert geht Global Sourcing über den internationalen
Einkauf hinaus und beinhaltet neben der reinen Sicherstellung der Materialversorgung eines
Unternehmens auch einen strategischen Ansatzpunkt, in dem versucht wird, zukünftige
Potenziale frühzeitig zu erkennen und somit die Sicherstellung von Wettbewerbsvorteilen
zu gewährleisten. Aufgrund dieses strategischen Ansatzpunktes erscheint es angebracht, im
folgenden verschiedene Entscheidungskriterien des Global Sourcing näher zu erläutern.
Für einen erfolgreichen Start in das Global Sourcing muss untersucht werden, in wie weit
ein Land, ein Lieferant und das zu beschaffende Produkt dafür geeignet sind.
3.1 Produkte
Nicht alle Teile eignen sich für eine Beschaffung auf internationaler
Ebene. Vor allem in Hinblick auf Qualität und Transportkosten sollte man genau
differenzieren, welche Produkte man wirklich global einkaufen möchte. Jedes Unternehmen
muss dabei für sich die individuellen Entscheidungskriterien setzen. Oftmals wird in
Fachbüchern die Meinung vertreten, dass sich besonders die Beschaffungsgüter für ein
Global Sourcing eignen, die standardisierbar und in großen Mengen produzierbar sind und
eine niedrige Komplexität besitzen. Vor dem Hintergrund, dass viele Unternehmen auch
aufgrund des ausländischen Know-hows international einkaufen und dies auch Bestandteil
eines Global Sourcing sein kann, erscheint es jedoch angebrachter, nach diversen
Gesichtspunkten zu unterscheiden. Gruschwitz gibt dabei eine Hilfe mit der allgemeinen
Beschreibung einer Portfolio-Darstellung:
In der Portfolioanalyse werden die Beschaffungsgüter nach
verschiedenen Gesichtspunkten zusammengefasst. Die Skalen unterscheiden die zu
beschaffenden Produkte einerseits nach ihrem Erfolgspotenzial für das Unternehmen und
andererseits nach ihrer technologischen Attraktivität.

Global Sourcing Porfolio
Je nach der technologischen Eigenschaft des zu kaufenden Produkts kann
es sehr interessant und attraktiv für das Unternehmen und somit von hoher Wichtigkeit
für die qualitative Unternehmenspolitik sein.
Die zweite Einteilung beurteilt die Produkte nach ihrem
Erfolgseinfluss, wobei dies mittels einer ABC-Analyse nach Kriterien wie Menge, Volumen
oder Anwendungsbereich erfolgen kann. Häufig wird hierbei die Analyse nach dem
Beschaffungswert durchgeführt, wobei die A-Teile den wichtigsten Beitrag zum Erfolg
leisten. Diese A-Teile bieten laut Gruschwitz die Basis für Global Sourcing. Je nach
Technologieattraktivität können die A-Teile nun in technologieinduziertes Global
Sourcing und in kosteninduziertes Global Sourcing unterteilt werden, wobei sie sich in der
Beschaffungsweise unterscheiden. Bei kosteninduziertem Global Sourcing versucht man,
Kostensenkungspotentiale auszuschöpfen wie zum Beispiel durch niedrigere Stückkosten bei
größerer Bestellmenge. Das technologieinduzierte Global Sourcing versucht, mit einem
Lieferanten eine langfristige Partnerschaft einzugehen, da der Lieferant ein Know-how
besitzt, welches für das beschaffende Unternehmen einen potenziellen Wettbewerbsvorteil
liefern kann. Global Sourcing vereint somit das traditionelle (kosteninduzierte)
Beschaffungsverhalten und die strategische Zusammenarbeit mit den Lieferanten.
Diese Unterscheidung erscheint sinnvoll, da es zum einen internationale
Geschäftsbeziehungen gibt, die gerade Standardteile in großen Mengen aus dem Ausland
beziehen, andererseits aber auch Beschaffungsstrategien durchgeführt werden, um am
internationalen Know-how teilhaben zu können. Als Beispiel könnte hierbei die asiatische
Elektronikindustrie genannt werden, wo einerseits einfachere Bauteile aus Kostengründen
bestellt werden, andererseits aber auch technisches Know-how und Innovationen der High
Tech-Industrie als Einkaufsmotive anzusehen sind.
3.2 Länder- und Lieferatenanalyse
Bei der Lieferantenauswahl spielen gerade im internationalen
Beschaffungsmarkt eine einwandfreie Lieferzuverlässigkeit zu minimierten Kosten und
geforderter Qualität eine wichtige Rolle. Dabei hängen beim Auswahlprozess die
länderspezifischen sowie lieferantenbezogenen Kriterien zusammen und können nicht
separat betrachtet werden. Dies lässt sich darin begründen, dass nur ein Land mit
politischer und wirtschaftlicher Stabilität den Rahmen für eine zuverlässige
Beschaffungsquelle gewährleisten kann.
Durch die Ausweitung der Bezugsquellen und -märkte eröffnet sich
einem Unternehmen nun ein große Auswahl an potenziellen Lieferanten. In Form einer
Umweltanalyse werden die Lieferanten und der ausländische Beschaffungsmarkt geprüft und
nach allmählicher Eingrenzung kristallisiert sich ein geeigneter Auslandsmarkt und
-lieferant heraus. Grob skizziert könnte eine Lieferantenauswahl in Form des dreistufigen
Auswahlverfahrens nach Schneider/Müller aussehen: Aus der Vielzahl an Ländern wird in
drei Schritten der geeignete Markt und die relevanten Lieferanten ausgewählt, wobei die
Informationsansprüche je nach Einengung der Entscheidungskriterien für potenzielle
Bezugsquellen steigt.
In der ersten Selektionsstufe (Grobselektion) wird der globale
Beschaffungsmarkt aufgrund von unternehmenspolitischen Kriterien eingeengt. Diese
Kriterien beinhalten unter anderem Eigenschaften wie Unternehmensgröße, geographische
Prioritäten bis hin zu Konkurrenzsituation und gesellschaftspolitischen Gegebenheiten.
Auch wird hierbei geprüft, welche Zielländer von vornherein aufgrund von rechtlichen
Vorschriften wie Ausfuhrbeschränkungen ausgeschlossen werden können. Eine Möglichkeit,
ein Land im ersten Schritt nach politischen Gesichtspunkten zu evaluieren, bieten
verschiedene Indizes, die einen guten, schnellen und kostengünstigen Überblick über die
gegenwärtige Situation eines Landes geben. Beispielhaft kann hier der Beri-Index
(Business Environment Risk Index) erwähnt werden. Er umfasst eine Zusammenfassung
verschieden gewichteter Bewertungskriterien und berücksichtigt dabei neben der
politischen Stabilität und der Transferrisiken auch das Geschäftsklima eines Landes.
Im zweiten Schritt wird eine Bewertung der verbliebenen Länder
aufgrund von Kriterien durchgeführt, die einen detaillierteren Aufschluss über die
politische und volkswirtschaftliche Lage geben. Auch die strategische Position sowie
Exportregulierungen werden hierbei näher untersucht und Risikopotenziale aufgedeckt. Da
genauer auf ein Land eingegangen werden muss, sollte ein Unternehmen hierbei eine gute
Recherche betreiben. Als Beispiel sollen hier Gespräche mit anderen Unternehmen und
Verbänden genannt werden, die Aufschluss über die Risiken und Vorteile eines jeweiligen
Landes geben können. Ebenfalls helfen die Industrie- und Handelskammern in Zusammenarbeit
mit den jeweiligen Auslandshandelskammern.
Im letzten Schritt, der Feinselektion, werden nun in dem
Zielmarkt/Zielmärkten die potentiellen Lieferanten genauer untersucht. Die Analyse
ausländischer Lieferanten unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der inländischer,
da die relevanten Beurteilungsanforderungen wie Qualität, Lieferbereitschaft und Preis in
beiden Fällen identisch sind. Hierbei sollte wahrscheinlich auch überlegt werden,
welchen Grund das Global Sourcing beinhaltet, da ein technologieinduziertes Global
Sourcing nach einer partnerschaftlichen und langfristigen Geschäftsbeziehung verlangt.
4. Organisation des Global Sourcing
Innerhalb des Global Sourcing gibt es unterschiedliche Möglichkeiten,
wie ein Unternehmen sich auf dem internationalen Beschaffungsmarkt bewegen kann. Die
Entscheidung, welche der folgenden Einkaufsmöglichkeiten die beste ist, muss individuell
nach Kriterien wie zum Beispiel Einkaufsvolumen, Unternehmensgröße oder
Finanzierungsmöglichkeiten, aber auch entsprechend der Global Sourcing-Strategie gefällt
werden.
4.1 Einkaufen aus dem Stammland
Um die Beschaffungskosten niedrig zu halten, kann man durch zentrales
Einkaufen aus dem Stammland, dem Land des Firmensitzes und der Hauptproduktionsstätten,
die Kosten auf die Auftragsanbahnung und -durchführung begrenzen. Dabei sind vor allem
einfachere Güter für diese Beschaffungsweise geeignet, da ihre Komplexität gering ist
und eine hohe Standardisierung der eingekauften Ware vorherrscht. Zudem benötigt man bei
Ihnen keinen hohen Abstimmungsbedarf mit dem Lieferanten.
4.2 Einkaufen im Gastland
Wie bereits erwähnt, muss das einkaufende Unternehmen sich nicht nur
auf standardisierte und wenig komplexe Güter beschränken, sondern kann auch durch die
internationale Beschaffung ein gewisses Know-how des Lieferanten importieren. Dabei ist es
vorteilhaft, eine engere Bindungsintensität zum ausländischen Lieferanten aufzubauen.
Diese intensive Zusammenarbeit aus dem fernen Stammland durchzuführen ist schwierig.
Daher bietet es sich eher an, durch ein eigenes Einkaufsbüro (International Purchasing
Office IPO) im Gastland, dem Land mit dem Firmensitz des ausländischen
Zulieferers, einzukaufen. Im Gegensatz zum erstgenannten kosteninduzierten Global Sourcing
aus dem Stammland beinhaltet daher das Einkaufen im Gastland technologieinduzierte
Gründe.
Aufgrund der hohen Komplexität der Güter ist ein hoher
Abstimmungsbedarf nötig. Ein Einkaufsbüro im Gastland kann dieser Notwendigkeit durch
den engeren Kotakt zum Lieferanten nachkommen und den Zulieferer besser betreuen und auch
kontrollieren. Dass dieses dezentrale Einkaufsbüro mit höheren Kosten verbunden ist,
braucht hier nicht weiter erläutert zu werden. Allerdings bietet ein Einkaufsbüro im
Gastland noch weitere Vorteile für ein Unternehmen. So kann sich das Einkaufsbüro
intensiv mit Themen wie Vertragsrecht oder Qualitätssicherung befassen, aber auch
kulturelle und politische Gegebenheiten beobachten und analysieren. Aufgrund der
intensiveren Zusammenarbeit mit dem Lieferanten kann nicht nur die derzeitige Beschaffung
verbessert, sondern auch gemeinsam nach innovativeren Produkten oder
Rationalisierungsmöglichkeiten gesucht werden. Als weitere Option kann das Einkaufsbüro
auch als Auslandsvertretung des beschaffenden Unternehmens fungieren und somit auch als
Ansprechpartner für lokale Unternehmen dienen. Hierbei gibt es je nach Ziel und
Einkaufsvolumen verschiedene Formen dieser internationalen Einkaufsbüros, die zu
empfehlen sind. Zum einen kann man ein eigenes Einkaufsbüro gründen. Auch besteht die
kostengünstigere Möglichkeit, zusammen mit weiteren Unternehmen ein Einkaufsbüro zu
errichten. Vorteile einer Beteiligung an solchen eigenen Einkaufsbüros sind neben einer
direkten Kontrolle und einem Erfahrungsaustausch der beteiligten Unternehmen auch
Synergieeffekte und Kostenminimierung durch Bedarfsbündelung.
4.3 IPO-Dienstleister
Gerade durch die internationale Komponente des Global Sourcing können
sich viele Unternehmen, allen voran Klein- und Mittelständische Unternehmen, sowohl aus
finanziellen Gründen als auch durch fehlendes Wissen über internationale
Geschäftsbedingungen überfordert fühlen, eine Geschäftsbeziehung ins Ausland
aufzubauen. Um ihnen dennoch die Möglichkeit zu geben, am globalisierten Einkauf
teilzunehmen, bieten IPO-Dienstleister ihren Service an.
Wie bereits erwähnt können IPOs entweder die zuvor genannten
Einkaufsbüros sein, die von Unternehmen zu eigenen Zwecken gegründet wurden,
andererseits aber auch als Einkaufsagenturen oder Händler existieren, die neben der
Überwachung der Auftragsabwicklung auch Dienste wie zum Beispiel Lieferantenmanagement
und Länderinformationen anbieten. Aufgrund Ihres Wissens um die länder- und
kulturspezifischen Gegebenheiten eines Landes können diese Mittler eine starke Hilfe für
Unternehmen sein, internationale Lieferanten zu akquirieren. Diese externen Dienstleister
bieten dabei sogar an, die komplette Beschaffungsabwicklung durchzuführen.
Sofern ein Unternehmen sich vor der kostenintensiven eigenständigen
Ausweitung des Beschaffungsmarktes scheut, ist dies bestimmt ein Weg, durch das
professionelle Know-how eines IPOs erfolgreich international einzukaufen und erste
Erfahrungen zu sammeln. Allerdings bleibt hier die Frage zu klären, inwieweit durch die
Vergabe von Aufträgen an Drittunternehmen der strategische Aspekt des Global Sourcing
berücksichtigt werden kann.