1. Kennzahlen
1.1 Begriff und Bedeutung von Kennzahlen
In Vahlens Großes Logistik Lexikon werden
Logistik-Kennzahlen als Zahlen definiert, "mit denen die quantitativ erfassbaren
Sachverhalte des Logistikbereiches in konzentrierter Form wiedergegeben werden
können". Sie zählen zu den "zentralen Instrumenten des Logistikcontrolling und
dienen der Vermittlung eines schnellen und komprimierten Überblicks über die komplexen
Logistikstrukturen,...". Charakterisiert werden Kennzahlen durch ihren "Informationscharakter,
die Quantifizierbarkeit und ihre spezifische Form". Neben absoluten
Kennzahlen-Größen (Summe oder Differenz) werden relative Größen in Form von
Beziehungs-, Gliederungs- oder lndexzahlen unterschieden. Da Kennzahlen aggregierte
(verdichtete) Informationen abbilden, dienen sie meist dazu, "schnell
und prägnant über ein ökonomisches Aufgabenfeld zu informieren". Daneben
werden Kennzahlen auch dazu verwendet, um "bewusst auf eine detaillierte
Informationserfassung zu verzichten, [und] nur einen kleinen Ausschnitt des insgesamt
Erfassbaren tatsächlich auch abzubilden". "Kennzahleninhalte und -werte
orientieren sich an den jeweiligen Analysezielen" (Soll-IstAbweichungsanalysen,
Zeitreihenanalysen etc.). Das Ziel der Abbildung unternehmenslogistischer Prozesse
durch Logistikkennzahlen besteht darin, die Bereitstellung der benötigten Güter in der
richtigen Menge und der richtigen Qualität zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort
(technische Zielausrichtung der Logistik) mit den optimalen Kosten-Leistungs-Relationen
sicherzustellen (wirtschaftliche Zielausrichtung der Logistik).
Einen weitern Beitrag zur Klärung des Begriffs "Kennzahl"
liefert das RWK Handbuch Logistik, wonach Kennzahlen Verhältniszahlen über die
Relation von einer oder mehreren betrieblichen Funktionen und deren Zuordnung sind. "Sie
können als entscheidendes Instrument der Unternehmensführung [...] dazu beitragen, die
Planung, Steuerung und Kontrolle mit dem Ziel optimierter Zuordnungen und möglichst
wirtschaftliche Abläufe sichern zu helfen". Das Ziel des Einsatzes von
Kennzahlen ist hier also die Optimierung der Rentabilität, der Wirtschaftlichkeit und der
Produktivität.
Kennzahlen können dabei im gesamten operativen Planungs-, Steuerungs- und
Kontrollprozess als wichtiges Hilfsmittel herangezogen werden, beginnend bei
Zieloperationalisierung bis zum Aufzeigen von Soll-Ist-Abweichungen für einzelne
Leistungsstellen.
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Funktionen von
Kennzahlen
Operationalisierungsfunktion
Bildung von Kennzahlen zur Operationalisierung von Zielen und Zielerreichung
(Leistungen)
Anregungsfunktion
Laufende Erfassung von Kennzahlen zur Erkennungvon Auffälligkeiten und Veränderungen
Vorgabefunktion
Ermittlung kritischer Kennzahlenwerte als Ziel-
größen fur unternehmerische Teilbereiche
Steuerungsfunktion
Verwendung von Kennzahlen zur Vereinfachung von Steuerungsprozessen
Kontrollfunktion
Laufende Erfassung von Kennzahlen zur Erkennung von Soll-Ist-Abweichungen |
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Abb. 1: Bedeutung von Kennzahlen in unterschiedlichen Funktionen
(vgl. Weber, Logistik-Controlling, S. 188)
1.2 Arten von Kennzahlen
Das RKW Handbuch Logistik unterscheidet Kennzahlen in
- Zuordnungskennzahlen
und
- Ablaufkennzahlen
.
Bei Zuordnungskennzahlen handelt es sich um solche Kennzahlen,
die durch Zuordnung zu betrieblichen Funktionen Aussagen über die Wirtschaftlichkeit und
Effektivität zum Ziel haben. Ablaufkennzahlen helfen die Fluss- und
Teilflusssysteme pro Zeiteinheit in ihren Abläufen zu beobachten und zu kontrollieren.
Diese Kennzahlen werden auch zur Messung und Beobachtung von Verbesserungen im Flusssystem
eingesetzt.
Weber differenziert in seinem Buch Logistik-Controlling die
unterschiedlichen Kennzahlenarten nach ihrer statischen Form: Dabei werden zwischen relativen
und absoluten Kennzahlen unterschieden. Obwohl relative Kennzahlen meist eine
höhere Aussagefähigkeit haben (z.B. Logistikkostenanteil, Umschlagsgeschwindigkeit,
Auslastungsquoten von Fördermitteln) so können auch absolute Kennzahlen (z.B.
durchschnittlicher Lagerbestand der Erzeugnisse einer Sparte, Zahl von
Fehlmengensituationen, Kontrollspanne eines Vorgesetzten) als wichtiges Hilfsmittel im
gesamten operativen Planungs-, Steuerungs- und Kontrollprozess herangezogen werden.
Wenn sich Kennzahlen auf eine spezielle Zielausrichtung
beziehen, so werden Rentabilitäts- bzw. Erfolgskennzahlen (z.B. "Return on
lnvestment") von den Liquiditätskennzahlen (z.B. Liquidität 1. Grades)
unterschieden. Neben der Trennung in normative und deskriptive Kennzahlen
nach dem Handlungsbezug werden Kennzahlen auch danach differenziert, ob sie nur
für einen bestimmten, abgegrenzten betrieblichen Sektor gelten oder aber für jeden
betrieblichen Bereich gebildet werden und damit unternehmensbezogen verdichtbar sind (lokale
versus globale Kennzahlen). Ein weiteres Differenzierungskriterium bei Weber
ist der Objektbezug. Wird das Gesamtunternehmen betrachtet, sind Kennzahlen gefordert, die
sich auf gesamtbetriebliche Zusammenhänge beziehen, während teilbetriebliche Analysen,
Vorgaben und Kontrollen Kennzahlen erfordern, die funktionale, divisionale bzw.
organisatorische Gegenstandsbereiche abbilden.
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Arten von Kennzahlen
Unterscheidung nach dem Verdichtungsgrad
Relative Kennzahlen versus absolute Kennzahlen (Kenngrößen)
Unterscheidung nach dem Bezugsrahmen
Lokale Kennzahlen versus globale Kennzahlen
Unterscheidung nach dem Zweck
Kennzahlen als vereinfachte Abbildung der Realität als Mittel zur
Erkenntnisgewinnung(deskriptive Kennzahlen versus Kennzahlen als Mittel zur Beeinflussung
(normative Kennzahlen)
Unterscheidung nach der Bildungsrichtung
Kennzahlen als Verdichtung komplexer Details (bottom-up-Bildung von Kennzahlen) versus
Kennzahlen als logisch abgeleitete Abbildung komplexer Realität
(top-down-Bildung von Kennzahlen) |
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Abb.2: Arten von Kennzahlen
Schulte (Logistik, 1995) unterscheidet zwischen vier Kennzahlentypen.
Dabei geht er als Einstieg in die Kennzahlenanalyse von sog. Struktur- und Rahmenkennzahlen
aus, die sich auf
- den zu erfüllenden Aufgabenumfang (Leistungsvolumen und -struktur)
- die Anzahl und Kapazität der Aufgabenträger und
- die im Betrachtungszeitraum angefallenen Kosten beziehen.
Auf der Basis des so verfügbaren Zahlenmaterials können Kennzahlen zur Steuerung der
Logistik gebildet werden und zwar
- Produktivitätskennzahlen, welche die Produktivität der Mitarbeiter und der
technischen Betriebseinrichtungen messen sollen
- Wirtschaftlichkeitskennzahlen, bei denen genau definierte Logistikkosten zu
bestimmten Leistungseinheiten ins Verhältnis gesetzt werden sowie
- Qualitätskennzahlen, die jeweils der Beurteilung des Grades der Zielrichtung
dienen.
1.2 Grenzen der Anwendbarkeit von Kennzahlen
Obwohl sich Kennzahlen als wichtige Planungs- und
Entscheidungsgrundlage erweisen können, ist zu berücksichtigen, dass sie mit einer Reihe
von Problemen behaftet sein können, die ihre Anwendung einschränken oder sogar
unmöglich machen. Dem großen Vorteil von Kennzahlen, große und schwer überschaubare
Datenmengen zu wenigen aussagekräftigen Größen verdichten zu können, steht die
Schwierigkeit gegenüber, aus der Menge der zur Verfügung stehenden Informationen das
Optimum herauszuholen.
a) Erzeugung einer Kennzahleninflation
Es werden zu viele Kennzahlen gebildet, deren Aussagewert im
Verhältnis zum Erstellungsaufwand letztlich zu gering ist bzw. schon von anderen
Kennzahlen abgedeckt wird.
b) Fehler bei der Kennzahlenaufstellung
Die zur Bildung der Kennzahlen herangezogenen Basisdaten sind genau zu
spezifizieren und exakt abzugrenzen. Eine Standardisierung von Kennwerten ist
erforderlich, um deren Vergleichbarkeit im Zeitablauf zu gewährleisten. Sich im
Zeitverlauf möglicherweise ergebendes falsches Zahlenmaterial könnte ansonsten zu
Fehlentscheidungen führen.
c) Mangelnde Konsistenz von Kennzahlen
Die Verwendung mehrerer Kennzahlen in einem Kennzahlensystem darf
keinen Widerspruch auslösen. Es sollten nur solche Größen zueinander in Beziehung
gesetzt werden, zwischen denen ein Zusammenhang besteht. Fehlende Konsistenz kann
ansonsten zu gravierenden Entscheidungsfehlern führen.
d) Probleme der Kennzahlenkontrolle
Generell sollten nur solche Kennzahlen gebildet werden, deren Werte bei
Abweichungen beeinflusst werden können. Dabei wird zwischen direkt und indirekt
kontrollierbaren Kennzahlen unterschieden. Im erst genannten Fall kann ein Soll-Wert durch
die Wahl einer oder mehrerer Aktionsvariablen beeinflusst werden, während dies bei
indirekt kontrollierbaren Kennzahlen nicht der Fall ist.
2. Kennzahlensysteme
2.1 Begriff und Bedeutung von Kennzahlensystemen
Aus den angesprochenen Grenzen der Anwendbarkeit von Einzelkennzahlen
(hier insbesondere die Möglichkeit vieldeutiger Interpretationen), ergab sich die
Notwendigkeit einer integrativen Erfassung von Kennzahlen. Ziel einer solchen integrativen
Erfassung ist es, mittels einer umfassenden Systemkonzeption Mehrdeutigkeiten in der
Interpretation auszuschalten und Abhängigkeiten zwischen den Systemelementen zu erfassen.
(vgl. Reichmann, T. Controlling mit Kenzahlen, 1985, S.18)
Als Kennzahlensystem bezeichnet man die systematische
Zusammenstellung von quantitativen Einzelkennzahlen, die in einer sachlich
sinnvollen Beziehung zueinander stehen, sich ergänzen und insgesamt auf ein übergeordnetes
Gesamtziel ausgerichtet sind.
Unter einem Logistikkennzahlensystem versteht man ein System,
das die entscheidungsrelevanten Sachverhalte und Prozesse in der Logistik systematisch
abbildet.
Ausgehend von der begrenzten Aussagefähigkeit logistischer (Einzel-)
Kennzahlen dient die systematische Zusammenstellung von Logistikkennzahlen dazu, in
knapper und konzentrierter Form alle wesentlichen Informationen für eine umfassende
Planung und Kontrolle logistischer Entscheidungen bereitzustellen. Als Ziele werden
mit Hilfe eines Kennzahlensystems für die Logistik unter anderem verfolgt:
- optimale Lösung logistischer Zielkonflikte
- eindeutige Vorgabe von Zielen für die Logistik und ihre einzelnen
Verantwortungsbereiche
- frühzeitige Erkennung von Abweichungen
- systematische Suche nach Schwachstellen und ihren Ursachen
- Erschließung von Rationalisierungspotentialen.
Deshalb sind Logistikkennzahlensysteme neben der Logistikkosten- und -leistungsrechnung
das zentrale Instrument des Logistikcontrollings.
2.2 Bestehende Kennzahlensysteme
Bevor wir die Frage klären, ob Kennzahlensysteme aufgrund ihrer
Komplexität überhaupt sinnvoll in der Realität in der Logistik eingesetzt werden
können soll zunächst unterschiedliche Kennzahlensysteme im Hinblick auf die
modelltheoretischen Grundlagen, d.h. die Beziehung der Einzelkennzahlen des
Logistikkennzahlensystems zueinander, erläutert werden:
a) Mathematisch verknüpftes Kennzahlensystem
Ein solches Kennzahlensystem liegt vor, wenn die Einzelkennzahlen des
Logistikkennzahlensystems durch mathematische Operationen miteinander verbunden werden.
Die Übersichtlichkeit und Aussagefähigkeit dieses Kennzahlensystems wird aber dadurch
stark eingeschränkt, dass bei dieser Vorgehensweise sehr viele Hilfskennzahlen als
"mathematische Brücken" in Kauf genommen werden (vgl.
"ZVEI-Kennzahlensystem" unten). Sobald die Summe der Einzelkennzahlenwerte über
die gesamte Logistikkette zu berechnen ist, stößt für logistische Sachverhalte ein
solches mathematisch verknüpftes Kennzahlensystem an seine Grenzen: So entspricht z.B.
die Summe der Teildurchlaufzeiten in der Materialwirtschaft, der Produktionslogistik und
der Distributionslogistik nicht automatisch der Gesamtdurchlaufzeit, da
Materialflussunterbrechungen vorkommen.
b) Systematisch verknüpftes Kennzahlensystem
Hier wird von einem Oberziel ausgehend ein System von
Kennzahlen gebildet, das lediglich die wesentlichen Entscheidungsebenen mit ein bezieht.
Die Ergebnisse aus diesen wesentlichen Entscheidungssystemen lassen die
Erfolgsauswirkungen auf das Oberziel erkennen. (vgl. Vahlens Grof3ens Logistik Lexikon)
Bezogen auf den Logistikbereich bedeutet dies, dass das Oberziel in
Log istik(sub)zielsetzungen heruntergebrochen wird und dann für alle Logistik(sub)systeme
entsprechende Kennzahleninhalte und -werte definiert werden. Im extremen Fall aber ist
hierbei auf jeden logistisch relevanten Planungs- und Kontrollinhalt eine Kennzahl zu
setzen.
Beispiel eines solchen systematisch verknüpften Kennzahlensystems ist
das Rentabilitäts-Liquiditäts-Kennzahlensystem (RL-System) (vgl. Reichmann, T.,
Controlling mit Kennzahlen 1985, S.28-33)
c) Empirisch begründetes Kennzahlensystem
Noch genauer als beim systematisch verknüpften Kennzahlensystem wird
beim empirisch begründeten Kennzahlensystem vorgegangen: Denn es wird sich lediglich auf
diejenigen Logistikfunktionen beschränkt, die das Erfolgsziel auch tatsächlich
beeinflussen. Dieses System zeichnet sich dadurch aus, dass man bei komplexen
Logistikentscheidungen durch einen zweifachen Reduktionsprozess von der
logistischen Realität zur modellmäßigen Abbildung durch aggregierte Kennzahlen gelangt
und sich bei der Kennzahlenbildung auf die erfolgsrelevanten Bestandteile konzentriert.
Als erfolgsbestimmende, sog. Spitzenkennzahlen der Logistik, bieten sich die
"Gesamtumschlagshäufigkeit aller Bestände", die "Gesamtlogistikkosten pro
Umsatzeinheit" und der "Lieferbereitschaftsgrad" an. (vgl. Vahlens
Großes Logistik Lexikon)
Aus den drei vorgestellten modelltheoretischen Grundlagen eines
Logistikkennzahlensystems ergibt sich, dass in einem aussagefähigen
Logistikkennzahlensystem die Kennzahlen für die unterschiedlichen Analyse- und
Kontrollzwecke differenziert gebildet werden müssen. Deshalb sollten die oben genannten
Spitzenkennzahlen, die sich an der Logistikkette des Unternehmens orientieren, zumindest
die zentralen Logistikbereiche Materialwirtschaft, Fertigung und Absatz abbilden und
darüber hinaus bei Bedarf bis auf die einzelnen Logistikkostenstellen innerhalb der
Logistikbereiche heruntergebrochen werden. Die einzelnen Material-, Produktions- und
Distributionslogistikkennzahlen werden dann in einem entsprechenden
Logistikkennzahlen-system aggregiert erfasst.
3. Einsatzfelder logistischer Kennzahlensysteme
Generell betreffen logistische Unternehmen als Subsysteme von
Unternehmen den gesamten Material- und Warenfluss in Unternehmen von der Beschaffung bis
zum Kunden. Hauptziel eines logistischen Kennzahlensystems ist es, mit geeigneten
Kennzahlen ein Höchstmaß an Kostenminimierung, Wirtschaftlichkeit und
demzufolge Produktivität im logistischen Bereich zu erreichen und zu
sichern. Die Problematik der Schaffung eines funktionierenden logistischen
Kennzahlensystems für die Praxis hat zur Folge, dass die meisten Kennzahlensysteme oft
nur der statistischen Analyse zum Zeitpunkt x dienen, oder aber, dass sog.
Ablaufkennzahlen nur partielle Aussagen zu Detailbereichen zulassen.
Es fehlt also an der Darstellung des gesamten logistischen Systems und
seiner Zusammenhänge bzw. dessen Erfassung in Kennzahlensystemen, die als Instrument für
die Planung, Steuerung und Kontrolle dieser logistischen Funktionen geeignet sind (vgl.
RKW Handbuch Logistik sowie von Lilienstern: Möglichkeiten und Grenzen der Optimierung
logistischer Systeme durch Kennzahlen).
a) Planung, Steuerung und Kontrolle logistischer Systeme durch
Kennzahlen
Kennzahlen können als entscheidendes Instrument der
Unternehmensführung dazu beitragen, der Planung, Steuerung und Kontrolle mit dem Ziel
optimierter Zuordnungen und möglichst wirtschaftlicher Abläufe zu sichern helfen. Wie
auch im Gesamtsystem der Unternehmen dienen die Kennzahlen insbesondere mit ihren
Querfunktionen und Zuordnungen der exakten Verfolgung der Vorgänge, ihrer Beurteilung
nach Rentabilität sowie der optimalen Zuordnung von Teilvorgängen im Gesamtsystem mit
den anderen Bereichen und Funktionen.
b) Verknüpfung von Funktionen im logistischen System durch
Kennzahlen
Das Flusssystem logistischer Bewegungen vom Einkauf über Produktion,
Absatz und Vertrieb muss dabei zunächst in seine Teilelemente zerlegt werden. Hierbei ist
es aber unbedingt erforderlich, den Transportweg innerhalb der einzelnen Funktionsbereiche
in Teilabschnitte zu zerlegen und zu untersuchen, ob bei Stauungen und Warteschlangen
schnellere Durchläufe möglich sind. Die Verknüpfung der einzelnen Funktionsbereiche
kann dann so erfolgen, dass Kennzahlen, die Teile des Flusssystems in der Zeiteinheit
ausweisen, in Relation gesetzt werden zu anderen Teilfunktionen des Unternehmens,
beispielsweise der Lagerfluss mit der Anzahl der im Lagerbereich Beschäftigten oder die
Zeit der Zuführung von Waren und Gütern aus dem Einkaufslager zu den Kosten dieses
Bereichs vor und nach vollzogener Mechanisierung oder Automatisierung der betreffenden
Abläufe.
Bevor man aber ein solches Kennzahlensystem für den logistischen
Ablauf vorbereitet, ist es notwendig, das exakte Flusssystem der Güter und Waren
aufzuzeichnen und vor allem die wichtigsten Verknüpfungspunkte fest zu legen.
Aufgabe der Logistik ist es, innerhalb des gesamten Flusssystems eine
Optimierung der Durchläufe nach Raum, Zeit, Zuordnung der Kapazitäten und damit die
Rentabilität, Wirtschaftlichkeit und Produktivität des Flusssystems zu sichern bzw.
durch entsprechende Maßnahmen zu erreichen.
c) Erfassung und Beseitigung von Störgrößen und Engpässen im
logistischen Bereich durch Kennzahlen
Das Instrument der Kennzahlensysteme hat hierbei drei Aufgaben zu
erfüllen:
- die Analyse des Ist-Zustands im logistischen System und die
Festlegung der Schwachstellen
- die Entwicklung einer neuen Soll-Position gegenüber der bisherigen Ist-Position
- die Entwicklung von entsprechenden Maßnahmen und die Kontrolle des Aktionsplans
durch Kennzahlen bis zu einer optimalen Lösung.
d) Laufender Soll-Ist-Vergleich als Instrument der Unternehmenspolitik
Um einen laufenden Vergleich von Soll- und Ist-Werten zu
ermöglichen ist es zunächst erforderlich, in der Planung Sollgrößen zu erarbeiten, die
in einem Zeitraum x anzustreben sind. Hierzu gehört, realistisch für die nächsten Jahre
kalkuliert anstrebbare Verbesserungen im Flusssystem der Logistik einzusetzen und diese
mit den gegebenen Ist-Größen laufend im Rahmen der Unternehmensplanung zu vergleichen
Solche Vergleichspaare von Soll und Ist können z.B. sein
- Kontrolle des Gesamtdurchlaufs von Waren und Gütern im
Unternehmen pro Zeiteinheit
- Eine Flusszahl von der Beschaffung von Waren und Produkten bis zur Lagerung im
Beschaffungslager
- Eine Kennzahl zum Lagerumschlag der Hauptproduktgruppen pro Zeiteinheit oder
- Eine Wirtschaftlichkeitskennzahl über die Logistikleistung im Beschaffungslager.
4. Entwicklung eines individuellen Kennzahlensystems
Die Entwicklung eines individuellen Kennzahlensystems umfaßt nach Grochla
folgenden Schritte (vgl. Grocha u.a. 1983, S.78):
- Festlegung und Gewichtung der logistischen Ziele
- Festlegung der Kennzahlen zum Logistik-Controlling
- Auswahl der Kennzahlen-Empfänger
- Sicherung der Informationsquellen und Vergleichsgrundlagen
- Festlegung der Erhebungszeitpunkte bzw. räume
- Auswahl der Mitarbeiter für die Erstellung der Kennzahlen
- Festlegung der Darstellung der Kennzahlenergebnisse
Will ein Unternehmen eine effiziente Arbeit mit Logistik-Kennzahlen
erreichen, so muss es diese an seinen Bedürfnissen ausrichten. Unter Berücksichtigung
der Qualifikationsstruktur seiner Mitarbeiter, seiner Größe und Materialintensität usw.
stellt das Unternehmen sehr unterschiedliche Anforderungen an ein
Logistik-Kennzahlensystem. Anhand einer sog. Checkliste zur Gestaltung eines individuellen
Kennzahlensystems (vgl. Schulte, S.388) kann ein Unternehmen unter sehr vielen
Kennzahlen die für sie am besten geeigneten auswählen, um so auf ein
"maßgeschneidertes Kennzahlensystem" zu kommen.
Nach der getroffenen Auswahl an Kennzahlen bieten sich dem Unternehmen
Gestaltungsspielräume hinsichtlich der Gliederung der einzelnen Kennzahlen sowie bei der
Festlegung der Erhebungszeitpunkte bzw. -räume.
5. Logistik-Controlling-Kennzahlensystem
Als kleinen Abstecher ins Logistik-Controlling wollen wir im folgenden
aufzeigen, welche Möglichkeiten sich durch den Einsatz eines Logistikkennzahlensystems
eröffnen. Mit Hilfe eines Logistikkennzahlensystems können neben einer
umfassenden Wirtschaftlichkeitskontrolle auch die Möglichkeiten der Anpassung an
veränderte Beschäftigungslagen und die Abstimmung gegenläufiger Tendenzen zwischen
Logistik-, Produktions- und Absatzerfordernissen gewährleistet werden:
Für den Logistikbereich werden dabei als zentrale Kenngrößen die
Umschlagshäufigkeit aller Bestände, die Gesamtlogistikkosten pro Umsatzeinheit und der
Lieferbereitschaftsgrad herangezogen. Da die Logistikkette im Unternehmen
die Bereiche Materialwirtschaft, Fertigungs- und Absatzlogistik umfasst,
können analog für diese Bereiche dann noch tiefergehende Kennzahlen für Analyse- und
Kontrollzwecke ermittelt werden.
So stellen z.B. die Umschlagshäufigkeit, die Logistikkosten je
Umsatzeinheit und der Lieferbereitschaftsgrad die wichtigsten Kenngrößen der
Materialwirtschaft dar. Diese Kennzahlen können wiederum weiter differenziert werden
(z.B: Warenannahme, Wareneingangskontrolle,...), so dass die Bewegungen in der
Materialwirtschaft möglichst genau abgebildet werden.
Kennzahlen wie die Erfassung der Umschlagshäufigkeit der unfertigen
Erzeugnisse, sowie die Termintreue oder die Kapazitätsauslastung empfehlen sich für den
Bereich der Fertigungslogistik.
Werden dann noch die Kennzahlen der Absatzlogistik wie die
Umschlagshäufigkeit der Fertigprodukte oder der Lieferbereitschaftsgrad in ein
Kennzahlensystem mit den Kennzahlen der Materialwirtschaft und der Fertigungslogistik
zusammengefasst, so erhält man ein Logistk-Controlling-Kennzahlensystem.
(Vgl. Reichmann, T., Controlling mit Kennzahlen 1985, S.311) |