Kommissionierung
Ein Beitrag von
Rainer Kämpf und Stefanie Fenchel
Warenausgänge aus einem Lager
folgende Ursachen:
- Abruf von Material durch die Fertigung
- Kundenlieferungen
- Auffüllen des Verkauflagers
- Rücklieferungen an den Lieferanten
- Umlagerung in ein anderes Lager
- Bereitstellen von Material für Prüf- bzw. Wartungszwecke
- Verschrottung alter und verdorbener Teile
Auf alle Fälle hängen sowohl die Lieferzeit als
auch die Lieferbereitschaft von der Verfügbarkeit der Ware im Lager ab. Dabei wird jeder
Auftrag an das Lager als Kommission bezeichnet. "Unter Kommissionieren versteht man
das Zusammentragen verschiedener Artikel nach einem vorgegebenen Auftrag" (Vgl.:
Baumann / Lewerenz: Fachkunde für Berufe der Lagerwirtschaft, S. 120). Dabei erfolgt
die Kommissionierung meist manuell durch eindimensionale Fortbewegung des Kommissionierers
(er geht mit einem Sammelwagen das Lager ab und entnimmt den Lagerfächern die
entsprechenden Artikel) oder zweidimensionale Fortbewegung des Kommissionierers (er
befindet sich auf einem gleichzeitig fahr- und hubfähigen Regalfahrzeug, mit dem er sich
somit horizontal und vertikal bewegen kann).
Kommissioniersysteme
Es ist hierbei zu
entscheiden, ob die Artikel direkt aus dem eigentlichen Lager bezogen werden sollen oder
ob ein Kommissionierlager eingerichtet wird. Generell lassen sich folgende
Kommissioniersysteme unterscheiden:

Arten der Kommissoniersysteme
Mann-zur-Ware / statische
Bereitstellung
Dabei lagern die Artikel in
einem Kommissionierlager und der Kommissionierer entnimmt den entsprechenden Lagerplätzen
die gewünschte Menge eines Artikels. Bei einer festen Lagerordnung kennt der
Kommissionierer die entsprechenden Lagerplätze. Bei freier Lagerordnung muss der
Lagerplatz auf dem Kommissionierauftrag angegeben sein. Die statische Bereitstellung ist
somit von Vorteil, wenn ein geringer Investitionsaufwand betrieben werden soll, wenn die
Entnahmezeit am Regalfach nur gering ist und wenn die Abwicklung von Eilaufträgen
erforderlich ist. Als Nachteil können die langen Wegzeiten des Kommissionierers
aufgeführt werden.
Ware-zum Mann / dynamische
Bereitstellung
Hier wird der benötigte
Artikel über ein Regalförderzeug aus dem Lager zum Kommissionierer gebracht. Nach
Entnahme der gewünschten Menge erfolgt der automatische Rücktransport ins Lager.
Vorteile Ware-zum-Mann |
Nachteile Ware-zum-Mann |
| Hohe Kommissionierleistung aufgrund entfallender Wegzeiten für den Arbeiter |
Hohe Investitionskosten für Fördermittel und Steueranlagen |
| Automatische Entnahmehilfsmittel möglich |
Mangelnde Flexibilität bei schwankenden Anforderungen |
| Optimale Gestaltung der Entnahmeplätze |
Stillstand bei Maschinenausfall |
Leichter Abtransport leerer Ladehilfsmittel |
|
Vor- und Nachteile eines
dynamischen Kommissioniersystems
Kommissionierautomaten und
roboter
Sie erzielen eine hohe
Kommissionierleistung unter einer sehr geringen Fehlerquote. Voraussetzung sind allerdings
sehr hohe Investitionskosten. Aufgrund der "Greifschwierigkeit" können sie nur
bei vereinheitlichter Ware eingesetzt werden.
Kommissioniermethoden
Da
täglich eine Vielzahl von Kundenaufträgen bearbeitet werden und jeder Auftrag meistens
aus mehreren Artikelnummern besteht, ergeben sich drei Möglichkeiten der
Kommissionierung:
auftragsorientierte, serielle
Kommissionierung
Die Aufträge werden in den
verschiedenen Lagerzonen nacheinander bearbeitet. Dabei können alle Lagerzonen von einem
einzigen Kommissionierer pro Auftrag durchschritten werden, oder aber von einem
Kommissionierer pro Lagerzone. Dies ist eine häufig praktizierte Methode der
Kommissionierung, da sie eine leichte Einarbeitung gewährleistet, schnell Verantwortliche
festlegen kann und wenig organisatorischer Vorbereitung bedarf. Problematisch sind jedoch
die damit verbundenen langen Auftragsdurchlaufzeiten, die langen Kommissionierwege und das
Problem der Übergabe eines Auftrags an den Kommissionierer der nächsten Lagerzone.
auftragsorientierte, parallele
Kommissionierung
Jeder Kundenauftrag wird
entsprechend den Lagerzonen in Teilaufträge getrennt, so dass die Kommissionierung in den
einzelnen Lagerzonen parallel erfolgen kann. Danach erfolgt eine Zusammenführung der
Teilaufträge. Obwohl hier die Auftragsdurchlaufzeiten wesentlich kürzer sind, ergibt
sich das Problem einer aufwendigen Auftragsteilung und Zusammenführung, sowie eine
ungleichmäßige Belastung der einzelnen Kommissionierbereiche.
serienorientierte, parallele
Kommissionierung
Die Auftragseingänge werden
zu Serien zusammengefasst und innerhalb einer Serie auf die Positionen der einzelnen
Lagerzonen aufgeteilt. Somit kann ein Artikel, der in mehreren Aufträgen vorhanden ist,
gesammelt entnommen werden. Daraufhin werden die einzelnen Artikel wieder den
Einzelaufträgen zugeteilt.
Serienweise entnehmen auftragsweise zusammenführen
Der wesentliche Vorteil besteht darin, das ein
Lagerplatz nur einmal pro Serie und nicht pro Kundenauftrag angelaufen werden muss. Es
ergeben sich jedoch trotzdem relativ hohe Auftragsdurchlaufzeiten sowie eine aufwendige
Vorbereitung und Zusammenführung der Aufträge, die ohne EDV Einsatz nicht zu
bewältigen ist.
Generell können die Kommissionierwege durch die
Stichgangsstrategie verkürzt werden, d.h., alle Artikel mit hoher Gängigkeit werden in
der Nähe des Versandplatzes gelagert. Selten benötigte Artikel werden weiter hinten im
Regal gelagert.
Kommissionierzeiten
Die Kommissionierzeit, die für eine
schnelle Ausführung eines Kundenauftrags möglichst gering gehalten werden muss, setzt
sich zusammen aus:
Kommissionierzeit = Basiszeit + Wegzeit +
Greifzeit + Totzeit + Verteilzeit
Basiszeit: Zeit für organisatorische
Tätigkeiten vor bzw. nach der Kommission, z.B. Aufnehmen, Lesen und Ordnen der
Kommissionierbelege, Suchen und Bereitstellen von Hilfsmitteln (Paletten, Behälter,
Kommissionierwagen).
Wegzeit: Zeit für die Bewältigung des Weges
zwischen zwei Entnahmen.
Greifzeit: Sie enthält die Tätigkeiten der
Entnahme des Artikels aus dem Regal (Hinlangen, Greifen, Herausnehmen) und dem Hineinlegen
in den Sammelkorb. Sie ist abhängig von der Greifhöhe, -tiefe, dem Gewicht und dem
Volumen.
Totzeit: Sie beinhaltet die Suche des Lagerplatzes
eines Artikels, das Kontrollieren, Zählen und Vergleichen sowie die Beschriftung der
Lagerfachkarte.
Verteilzeit: Sie erfasst die Zeiten, in denen nicht
produktiv gearbeitet wird. Man unterscheidet zwischen persönlichen Verteilzeiten
(Toilette, Nase putzen, Scheinarbeiten) und sachlichen Verteilzeiten (Mangel an Arbeit,
Warten auf Transportmittel oder auf eine Information).
Die Kommissionierleistung ist die Entnahme pro Zeiteinheit
bezogen auf die durchschnittliche Auftragsgröße. Sie drückt die Produktivität eines
Lagers aus und ist abhängig von der Kommissioniermethode, den Fahrzeugen, dem
Auftragsumfang, dem Kommissioniersystem, der Artikelgröße und ihrem Gewicht, dem
Sortimentsumfang und der Art der EDV- Unterstützung.
Literatur:
Baumann, G. / Lewerenz, W.: Fachkunde für Berufe der Lagerwirtschaft, 11. Neu
bearbeitete Auflage, Verlag Gehlen, Bad Homburg vor der Höhe, 2000
- Ebeling, F. / Lörner, E.: Die betriebliche Berufsausbildung Industriekaufmann /
Industriekauffrau, Band 1 Materialwirtschaft, Feldhaus Verlag, Hamburg, 1993
- Lahde, H.: Neues Handbuch der Lagerorganisation und Lagertechnik, Verlag Moderne
Industrie, Augsburg, 1967
- Domschke, W. / Scholl, A. / Voß, S.: Produktionsplanung Ablauforganisierte Aspekte,
Springer Verlag, Heidelberg, 1993
- Bartmann, D. / Beckmann, M.J.: Lagerhaltung Modelle und Methoden, Springer Verlag,
Berlin / Heidelberg, 1989
- Jünemann, R.: Transport-, Lager- und Kommissioniersysteme für die 90er Jahre, Verlag
TÜV Rheinland GmbH, Köln, 1990
- Haussmann, G.: Automatisierte Läger, mit Beiträgen von V.E. Bateman, H. Friedrich, D.
Hartmann, .I.V. Idelson, W. Krieg, F. Podswyna, W. Schaab, N. Waletzeck, W. Wind, Otto
Krausskopf Verlag GmbH, Mainz, 1972
|