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EBZ Beratungszentrum GmbH   
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Unser Know How ist skizziert in:
Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-41025-1

Kommissionierung

Ein Beitrag von Rainer Kämpf und Stefanie Fenchel

Warenausgänge aus einem Lager folgende Ursachen:

  • Abruf von Material durch die Fertigung
  • Kundenlieferungen
  • Auffüllen des Verkauflagers
  • Rücklieferungen an den Lieferanten
  • Umlagerung in ein anderes Lager
  • Bereitstellen von Material für Prüf- bzw. Wartungszwecke
  • Verschrottung alter und verdorbener Teile

Auf alle Fälle hängen sowohl die Lieferzeit als auch die Lieferbereitschaft von der Verfügbarkeit der Ware im Lager ab. Dabei wird jeder Auftrag an das Lager als Kommission bezeichnet. "Unter Kommissionieren versteht man das Zusammentragen verschiedener Artikel nach einem vorgegebenen Auftrag" (Vgl.: Baumann / Lewerenz: Fachkunde für Berufe der Lagerwirtschaft, S. 120). Dabei erfolgt die Kommissionierung meist manuell durch eindimensionale Fortbewegung des Kommissionierers (er geht mit einem Sammelwagen das Lager ab und entnimmt den Lagerfächern die entsprechenden Artikel) oder zweidimensionale Fortbewegung des Kommissionierers (er befindet sich auf einem gleichzeitig fahr- und hubfähigen Regalfahrzeug, mit dem er sich somit horizontal und vertikal bewegen kann).

Kommissioniersysteme

Es ist hierbei zu entscheiden, ob die Artikel direkt aus dem eigentlichen Lager bezogen werden sollen oder ob ein Kommissionierlager eingerichtet wird. Generell lassen sich folgende Kommissioniersysteme unterscheiden:

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Arten der Kommissoniersysteme

Mann-zur-Ware / statische Bereitstellung

Dabei lagern die Artikel in einem Kommissionierlager und der Kommissionierer entnimmt den entsprechenden Lagerplätzen die gewünschte Menge eines Artikels. Bei einer festen Lagerordnung kennt der Kommissionierer die entsprechenden Lagerplätze. Bei freier Lagerordnung muss der Lagerplatz auf dem Kommissionierauftrag angegeben sein. Die statische Bereitstellung ist somit von Vorteil, wenn ein geringer Investitionsaufwand betrieben werden soll, wenn die Entnahmezeit am Regalfach nur gering ist und wenn die Abwicklung von Eilaufträgen erforderlich ist. Als Nachteil können die langen Wegzeiten des Kommissionierers aufgeführt werden.

Ware-zum Mann / dynamische Bereitstellung

Hier wird der benötigte Artikel über ein Regalförderzeug aus dem Lager zum Kommissionierer gebracht. Nach Entnahme der gewünschten Menge erfolgt der automatische Rücktransport ins Lager.

Vorteile Ware-zum-Mann

Nachteile Ware-zum-Mann

Hohe Kommissionierleistung aufgrund entfallender Wegzeiten für den Arbeiter Hohe Investitionskosten für Fördermittel und Steueranlagen
Automatische Entnahmehilfsmittel möglich Mangelnde Flexibilität bei schwankenden Anforderungen
Optimale Gestaltung der Entnahmeplätze Stillstand bei Maschinenausfall

Leichter Abtransport leerer Ladehilfsmittel

 

Vor- und Nachteile eines dynamischen Kommissioniersystems

Kommissionierautomaten und –roboter

Sie erzielen eine hohe Kommissionierleistung unter einer sehr geringen Fehlerquote. Voraussetzung sind allerdings sehr hohe Investitionskosten. Aufgrund der "Greifschwierigkeit" können sie nur bei vereinheitlichter Ware eingesetzt werden.

Kommissioniermethoden

Da täglich eine Vielzahl von Kundenaufträgen bearbeitet werden und jeder Auftrag meistens aus mehreren Artikelnummern besteht, ergeben sich drei Möglichkeiten der Kommissionierung:

auftragsorientierte, serielle Kommissionierung

Die Aufträge werden in den verschiedenen Lagerzonen nacheinander bearbeitet. Dabei können alle Lagerzonen von einem einzigen Kommissionierer pro Auftrag durchschritten werden, oder aber von einem Kommissionierer pro Lagerzone. Dies ist eine häufig praktizierte Methode der Kommissionierung, da sie eine leichte Einarbeitung gewährleistet, schnell Verantwortliche festlegen kann und wenig organisatorischer Vorbereitung bedarf. Problematisch sind jedoch die damit verbundenen langen Auftragsdurchlaufzeiten, die langen Kommissionierwege und das Problem der Übergabe eines Auftrags an den Kommissionierer der nächsten Lagerzone.

auftragsorientierte, parallele Kommissionierung

Jeder Kundenauftrag wird entsprechend den Lagerzonen in Teilaufträge getrennt, so dass die Kommissionierung in den einzelnen Lagerzonen parallel erfolgen kann. Danach erfolgt eine Zusammenführung der Teilaufträge. Obwohl hier die Auftragsdurchlaufzeiten wesentlich kürzer sind, ergibt sich das Problem einer aufwendigen Auftragsteilung und Zusammenführung, sowie eine ungleichmäßige Belastung der einzelnen Kommissionierbereiche.

serienorientierte, parallele Kommissionierung

Die Auftragseingänge werden zu Serien zusammengefasst und innerhalb einer Serie auf die Positionen der einzelnen Lagerzonen aufgeteilt. Somit kann ein Artikel, der in mehreren Aufträgen vorhanden ist, gesammelt entnommen werden. Daraufhin werden die einzelnen Artikel wieder den Einzelaufträgen zugeteilt.

  • Serienweise entnehmen – auftragsweise zusammenführen

Der wesentliche Vorteil besteht darin, das ein Lagerplatz nur einmal pro Serie und nicht pro Kundenauftrag angelaufen werden muss. Es ergeben sich jedoch trotzdem relativ hohe Auftragsdurchlaufzeiten sowie eine aufwendige Vorbereitung und Zusammenführung der Aufträge, die ohne EDV – Einsatz nicht zu bewältigen ist.

  • Generell können die Kommissionierwege durch die Stichgangsstrategie verkürzt werden, d.h., alle Artikel mit hoher Gängigkeit werden in der Nähe des Versandplatzes gelagert. Selten benötigte Artikel werden weiter hinten im Regal gelagert.

 

Kommissionierzeiten

Die Kommissionierzeit, die für eine schnelle Ausführung eines Kundenauftrags möglichst gering gehalten werden muss, setzt sich zusammen aus:

Kommissionierzeit = Basiszeit + Wegzeit + Greifzeit + Totzeit + Verteilzeit

Basiszeit: Zeit für organisatorische Tätigkeiten vor bzw. nach der Kommission, z.B. Aufnehmen, Lesen und Ordnen der Kommissionierbelege, Suchen und Bereitstellen von Hilfsmitteln (Paletten, Behälter, Kommissionierwagen).

Wegzeit: Zeit für die Bewältigung des Weges zwischen zwei Entnahmen.

Greifzeit: Sie enthält die Tätigkeiten der Entnahme des Artikels aus dem Regal (Hinlangen, Greifen, Herausnehmen) und dem Hineinlegen in den Sammelkorb. Sie ist abhängig von der Greifhöhe, -tiefe, dem Gewicht und dem Volumen.

Totzeit: Sie beinhaltet die Suche des Lagerplatzes eines Artikels, das Kontrollieren, Zählen und Vergleichen sowie die Beschriftung der Lagerfachkarte.

Verteilzeit: Sie erfasst die Zeiten, in denen nicht produktiv gearbeitet wird. Man unterscheidet zwischen persönlichen Verteilzeiten (Toilette, Nase putzen, Scheinarbeiten) und sachlichen Verteilzeiten (Mangel an Arbeit, Warten auf Transportmittel oder auf eine Information).

  • Die Kommissionierleistung ist die Entnahme pro Zeiteinheit bezogen auf die durchschnittliche Auftragsgröße. Sie drückt die Produktivität eines Lagers aus und ist abhängig von der Kommissioniermethode, den Fahrzeugen, dem Auftragsumfang, dem Kommissioniersystem, der Artikelgröße und ihrem Gewicht, dem Sortimentsumfang und der Art der EDV- Unterstützung.

 

Literatur:

  • Baumann, G. / Lewerenz, W.: Fachkunde für Berufe der Lagerwirtschaft, 11. Neu bearbeitete Auflage, Verlag Gehlen, Bad Homburg vor der Höhe, 2000
  • Ebeling, F. / Lörner, E.: Die betriebliche Berufsausbildung Industriekaufmann / Industriekauffrau, Band 1 Materialwirtschaft, Feldhaus Verlag, Hamburg, 1993
  • Lahde, H.: Neues Handbuch der Lagerorganisation und Lagertechnik, Verlag Moderne Industrie, Augsburg, 1967
  • Domschke, W. / Scholl, A. / Voß, S.: Produktionsplanung Ablauforganisierte Aspekte, Springer Verlag, Heidelberg, 1993
  • Bartmann, D. / Beckmann, M.J.: Lagerhaltung Modelle und Methoden, Springer Verlag, Berlin / Heidelberg, 1989
  • Jünemann, R.: Transport-, Lager- und Kommissioniersysteme für die 90er Jahre, Verlag TÜV Rheinland GmbH, Köln, 1990
  • Haussmann, G.: Automatisierte Läger, mit Beiträgen von V.E. Bateman, H. Friedrich, D. Hartmann, .I.V. Idelson, W. Krieg, F. Podswyna, W. Schaab, N. Waletzeck, W. Wind, Otto Krausskopf Verlag GmbH, Mainz, 1972