Anhand
geeigneter Methoden gilt es die Kriterien zu einer aufschlussreichen Bewertung eines
Lieferanten zu formen. Sowohl in der Literatur als auch in der Praxis existiert eine
Vielzahl von verschiedenen Methoden von Portfolio-Analysen über Wertanalysen bis hin zur
Balance Scorecard. In dieser Arbeit im Rahmen des Lieferantenmanagements soll jedoch die
Untersuchung dreier Bewertungsmethoden genügen, die Bezug nehmen auf die bereits
vorgestellten Kriterien.
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Methoden
der Lieferantenbewertung |
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Einfaktorenvergleich
- Beschränkung auf ein Kriterium
- Voraussetzung: Unterschiede bei anderen Kriterien vernachlässigbar
- Praktissch für Normteile und C-Teile
- wenig Aufwand, Kosten sparend |
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Mehrfaktorenvergleich
- Gleichzeitiger Vergleich mehrere Kriterien
- Genauerres Ergebnis
- Zeitintensiver, aufwendig
- K.O.-Kriterien hilfreich |
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Ratingmatrix
- Bewertung verschiedener Kriterien
- Notenvergabe
- Bewertungsrasteer definieren
- Individuelle Anpassung dur Gewichtsfaktoren
- Weitere Unterkriterien möglich |
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Abb.1: Methoden der Lieferantenbewertung
1. Einfaktorenvergleich
Die Methode des Einfaktorenvergleichs ist mit relativ wenig
Aufwand verbunden und in Folge dessen kostensparend und schnell. Hierbei
beschränkt man sich auf ein Kriterium bei gleichzeitiger Vernachlässigung aller anderen
Kriterien. Häufig handelt es sich um ein Preis-, Lieferzeit- oder Qualitätsvergleich.
Voraussetzung hierfür muss sein, dass man davon ausgehen kann, dass sich das vom den
Lieferanten zu beschaffende Produkt hinsichtlich der anderen Kriterien nicht bzw. kaum
unterscheidet. Dies ist hauptsächlich auf die Beschaffung von C-Teilen oder Normteilen
zutreffend. Beim Einkauf von Schrauben zum Beispiel ist es wahrscheinlich, dass ein
Maschinenhersteller auf die Preisunterschiede der einzelnen Lieferanten achtet, da er
davon ausgehen kann, dass die Qualität in allen Fällen identisch ist.
2. Mehrfaktorenvergleich
Der Mehrfaktorenvergleich produziert ein genaueres Ergebnis im
Vergleich zum Einfaktorenvergleich. Hier wird nicht nur ein Kriterium verglichen, sondern
gleichzeitig werden mehrere Vergleiche, wie zum Beispiel im Bereich Preis, Lieferzeit,
Qualität, Lieferzuverlässigkeit, angestellt. Daraus wird ein Gesamtergebnis für die
einzelnen Lieferanten abgeleitet.
Es wird schnell deutlich, dass diese Methode
zeitintensiver und aufwendiger ist, als der Einfaktorenvergleich, da mehr Information
beschafft und abgewogen werden müssen. Deshalb ist es wichtig K.o.-Kriterien festzulegen,
die helfen einen Lieferanten schnell ausschließen zu können, falls er dagegen
verstößt.
3. Ratingmatrix
Bei der Ratingmatrix werden alle potentiellen Lieferanten für
eine Ware oder eine
Dienstleistung gegenübergestellt und in den einzelnen Kategorien
bewertet. Dabei werden Noten von 1 bis 4 vergeben, wobei 1 die beste und 4 die
schlechteste Note darstellt. So können Stärken und Schwachstellen der einzelnen
Lieferanten aufgezeigt werden.
Um möglichst objektiv bewerten zu können, ist es sinnvoll zu
Beginn ein Bewertungsraster für die Kategorien festzulegen. Als Beispiel kommt jeder
Lieferant, der das zu beschaffende Teil für unter 10 anbieten kann, die Note 1.
Die Note 2 erhalten die Lieferanten, die bis 5 anbieten, die Note 3 für bis zu
20 und schließlich für über 20.
Hervorzuheben ist, dass die Ratingmatrix individuell abgestimmt
werden kann auf die Prioritäten eines Unternehmens, indem die verschiedenen Kategorien
eine Gewichtung erhalten. So kann beispielsweise ein Unternehmen, welches den Anspruch hat
im Markt Kostenführer zu sein, besonders das Kriterium Preis / Kosten betonen. Ebenso
kann ein Nutzenführer die Kriterien "Qualität, Innovationskraft und eventuell
sozial, ökologische und gesellschaftspolitische Kriterien" hervorheben.
Die folgende Tabelle stellt ein Beispiel einer
solchen Ratingmatrix dar mit unterschiedlicher Gewichtung der verschiedenen Kriterien.
Rating Lieferant A |
Gewichtung |
Bewertung (1 =
niedrig, 4 = hoch) |
Gesamtnote |
|
|
1 |
2 |
3 |
4 |
|
| Preise/ Kosten |
0,25 |
x |
|
|
|
0,25 |
| Qualität |
0,30 |
|
x |
|
|
0,60 |
| Lieferservice |
0,15 |
|
|
x |
|
0,45 |
| Innovationspotenz |
0,10 |
|
|
x |
|
0,30 |
| Kooperationsfähigkeit |
0,05 |
x |
|
|
|
0,05 |
| Finanzkraft |
0,05 |
|
|
x |
|
0,15 |
| Versorgung |
0,05 |
|
x |
|
|
0.10 |
| Soziale, ökologische politische
Kritererien |
0,05 |
|
x |
|
|
0,10 |
| Bewertung Lieferant A |
1,00 |
|
|
|
|
2,00 |
Abb.2: Beispiel einer Rating-Matrix für
Lieferant A mit Gewichtungsfaktor
Hinter den Hauptkriterien kann sich eine große Vielzahl von
weiteren Subkriterien verbergen, wie sie zuvor vorgestellt wurden. Somit ergibt sich eine
sehr detaillierte und umfassende Bewertung der verschiedenen Lieferanten.
4. Lieferantenaudit
Unter Lieferantenaudit versteht man "ein
bei einem Lieferanten durchgeführtes Qualitätsaudit". Diese Firmenbesuche sind eine
wichtige Methode im Rahmen des Lieferantenmanagements. Sie sind für die
Geschäftsbeziehungen mit dem Lieferanten sehr förderlich und sind vor allem auch ein
Instrument, um die zuvor festgelegte Lieferantenbewertung vor Ort zu überprüfen. Die
Bewertungen einzelner Kriterien können bestätigt oder gegebenenfalls korrigiert werden.
Natürlich darf nicht außer Acht gelassen werden, dass der
Lieferant sich bei einem Besuch möglichst gut darstellen wird, um ein möglichst
positiven Eindruck zu hinterlassen.
Aufgrund des hohen Zeitaufwands eines Lieferantenaudits und den
damit verbundenen Kosten, können sie nur für einzelne, aber sehr wichtige, Lieferanten
durchgeführt werden. Dieser Kreis wird sich auf die A-Lieferanten und möglicherweise
noch auf ein paar der leistungsstarken B-Lieferanten beschränken.
Am Ende eines Lieferantenaudits ist es wichtig die Ergebnisse zu
reflektieren und anschließend zu dokumentieren, um sie dann "anhand eines
Besuchsberichts direkt in das praktische Lieferantenmanagement einfließen" zu
lassen.
5. Zertifizierungen
Eine weitere Methode zur kontinuierlichen Untersuchung der
Qualitätsfähigkeit
eines Lieferanten ist die Prüfung auf Vorhandensein einer
Zertifizierung nach DIN EN ISO 9000 oder einer neueren. Mit Zertifizierung ist in diesem
Zusammenhang eine amtliche Bescheinigung über die Implementierung eines
Qualitätssicherungssystems gemeint.
"Ein Qualitätssicherungssystem umfasst alle Tätigkeiten und
Zuständigkeiten im gesamten Unternehmen und zielt auf eine bessere Unternehmensqualität
ab."
Basis eines jeden solchen Systems ist das
Qualitätssicherungshandbuch, in dem Prozesse, Zuständigkeiten und Tätigkeiten
dokumentiert werden. Die Zertifizierungen werden von offiziellen Prüfstellen
durchgeführt und verliehen. Die Vorteile des Lieferanten, der eine Zertifizierung nach
DIN EN ISO 9000 oder einer ähnlichen Norm besitzt, sind, dass neue Mitarbeiter leichter
eingelernt werden können und bestehende Mitarbeiter aufgrund der dokumentierten Prozesse
besser geschult sind. Weiterhin hat ein Lieferant mit Zertifizierung einen
Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten ohne Zertifizierung und kann so einfacher
potentielle Neukunden gewinnen.
Für den Abnehmer ist es von Vorteil, dass er nicht mehr jeden
Lieferanten selbst auditieren muss und so Kosteneinsparungen erreicht werden können, da
dies nun von einem unabhängigen Dritten vorgenommen wird. Weiterhin ist mit der
Zertifizierung eine kontinuierliche Kontrolle der Qualitätssicherung eines Lieferanten
garantiert, da die "Erneuerung des Zertifikates durch eine erneute
Auditorenprüfung" in einem Abstand von drei Jahren erforderlich ist.
6. Lieferanten des Jahres
Eine weitere Methode, um fortwährend die Beziehungen zwischen
Lieferant und
Abnehmer zu optimieren, ist den Lieferanten für
seine guten Leistungen und seine Kooperationsfähigkeit zu würdigen und auszuzeichnen.
Dies ist in der Praxis sehr gängig und erfolgt meistens mit der
Auszeichnung "Lieferant des Jahres" (engl. Supplier of the year' award) Diese
Auszeichnungen stützen sich auf die zuvor erläuterten Bewertungskriterien und sollen
für den Lieferanten Anreiz sein, auch in Zukunft diese überdurchschnittlich gut zu
erfüllen. Die Auszeichnung kann in Form von einer Urkunde oder gar eines Pokals verliehen
werden, meist von der Geschäftsleitung des Abnehmers.
Diese Art der Auszeichnung ist bei Zulieferern sehr beliebt, da sie
das öffentliche Image positiv beeinflussen und gleichzeitig eine gute Referenz für
zukünftige Geschäftsbeziehungen darstellt.
Wichtig ist, dass bei dieser Methode darauf geachtet wird, dass
parallel zur Auszeichnung auch "die Lieferanten angeschrieben werden, welche nicht
Lieferant des Jahres geworden sind". Dies soll bezwecken, den anderen Lieferanten
ihre Schwächen und Verbesserungspotentiale zu erläutern, welche ihnen die Auszeichnung
verwehrt haben. Neben der konstruktiven Kritik soll versucht werden, den Lieferanten zu
einer besseren Leistung im Folgejahr zu motivieren.
| Lieferantenaudit |
Zertifizierung |
Lieferant des Jahres |
- Überprüfung der Lieferantenbewertung
- Hohe Kosten und Zeitaufwand
- Ergebnisse reflektieren und dokumentieren
- Eindruch realistisch?
|
- Prüfung auf Zertifizierung nach DIN EN ISO 9000 (+)
- Audifizierung durch Dritten (Kostensenkung)
- Kontinuierliche Kontrolle des Qualitätswesen
- Wettbewerbsvorteil für Lieferant
|
- Auszeichnungen für die besten Lieferanten
- Imagesteigerung und gute Referenz für Lieferant
- Benachrichtigung der Unterlegenen
Ziel: Konstruktive Kritik und Motivation
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Abb.17: Weitere Methoden zur Lieferantenbewertung
Literaturempfehlung:
Arnold, U.: Beschaffungsmanagement, Stuttgart, 1997.
Bain & Company: Einkaufsstrategien
Herausforderungen für Top-Manager, 2002.
Disselkamp,M.; Schüller, R.: Lieferantenrating
Instrumente, Kriterien, Checklisten, Wiesbaden, 2004.
Holtmann, J.: Erfolgreiche Einkaufspraxis, Renningen, 2002.
Janker, C.G.: Multivariante Lieferantenbewertung, Wiesbaden
2004. |