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Beitrag erscheint in ähnlicher Form in
Helmuth Gienke, Rainer Kämpf (Hrsg.): Praxishandbuch Produktion,
Carl Hanser Verlag, München, Loseblattausgabe, ISBN 3-446-40196-2
Aufgrund der Kostenintensität der Lieferantenbewertung und des
Lieferantencontrollings ist es sinnvoll, die Lieferanten ihrer Bedeutung für den Abnehmer
nach in eine Rangfolge zu bringen. Es gilt, Schwerpunkte zu bilden und nur solche
Lieferanten einem intensiven Lieferantenmanagement zu unterziehen, die für den eigenen
Unternehmenserfolg eine entscheidende Rolle spielen. Hierbei angewandte Methoden werden im
Folgenden kurz erläutert.
1. Die ABC-Analyse
In der Betriebswirtschaft ist die ABC-Analyse
ein traditionelles Verfahren zur
Bestimmung der Wichtigkeit eines Objektes. Mit ihrer Hilfe ist es
möglich ein realistisches Bild der Ist-Situation zu erstellen, welches das Verhältnis
von Aufwand und Ertrag widerspiegelt. Die ABC-Analyse hilft Wesentliches von
Unwesentlichem zu trennen, Rationalisierungsschwerpunkte zu erkennen, die
Wirtschaftlichkeit zu steigern und wichtige Entscheidungen zu untermauern.
Bei der ABC-Analyse im Lieferantenmanagement ist der prozentuale
Anteil am gesamten Einkaufsvolumen entscheidend für die Klassifizierung der
Zuliefererunternehmen in A- B- und C-Lieferanten:
A-Lieferanten: A-Lieferanten gelten als die
wichtigsten, weil umsatzstärksten Lieferanten. Aufgrund ihres hohen Anteils am
Gesamteinkaufsvolumen müssen sie bevorzugt behandelt werde. Die Beziehung zwischen
Hersteller und Lieferant ist meist sehr eng. Alle Systemlieferanten fallen in diese
Kategorie, da sie dem weiterverarbeitenden Unternehmen oft durch Übernahme von
zusätzlichen Aufgaben einen besonders großen Nutzen bringen. Nach dem
"Pareto-Prinzip" werden idealer weise mit nur 20% der Lieferanten 80% des
Umsatzes erzielt.
- B-Lieferanten:
Ca. 20% bis 30% der Zulieferer eines Unternehmens
entfallen auf diese Klasse. B-Lieferanten zeichnen sich durch eine mittlere Wichtigkeit
für das abnehmende Unternehmen und mittlere Umsatzstärke aus. Die Beziehung zwischen
Abnehmer und Lieferant ist hier weniger intensiv als zwischen Geschäftspartnern der
A-Gruppe. Der Anteil der B-Lieferanten am gesamten Einkaufsumsatz liegt in der Regel
zwischen 10% und 25%.
- C-Lieferanten:
Die Gruppe der C-Lieferanten ist die mengenmäßig
stärkste Fraktion. In Klasse C sind 70% bis 80% der Zulieferer enthalten. Entsprechend
gering ist der Umsatz, den sie generieren, welcher nur bei etwa 5%-15% am
Gesamteinkaufsvolumen liegt. Aufgrund des niedrigen Umsatzbeitrags gilt es die Zahl an
C-Lieferanten möglichst gering zu halten und die Beziehungen zu ihnen kostenarm zu
gestalten.

Abb.1: Idealtypische Verteilung der Lieferanten
bei der ABC-Analyse Quelle: Optimales Lieferantenmanagement
Die graphische Auswertung der ABC-Analyse ergibt die Lorenzkurve:

Abb. 2: Graphische Darstellung der
ABC-Analyse: Lorenzkurve Quelle: Optimales Lieferantenmanagement
2. Die Wertigkeits-Risiko-Matrix
Zusätzlich zur ABC-Analyse, welche ausschließlich die
Wertigkeit eines Lieferanten ermittelt, kann es sinnvoll sein, bei der Klassifizierung der
Zulieferer zusätzlich die Höhe des Einkaufs- bzw. Versorgungsrisikos zu
berücksichtigen. Versorgungsrisiken sind zum Beispiel regelmäßige Verspätungen oder
extrem lange Lieferzeiten. Lieferanten gelten immer dann als risikoreich, wenn sie zu
einem bestimmten Zeitpunkt einziger Anbieter am Beschaffungsmarkt sind und es für sie
keine Alternative gibt. Das Einkaufsrisiko ist immer dann gering, wenn es viele
vergleichbare Anbieter für ein Produkt gibt und so ein natürlicher Wettbewerb unter den
Lieferanten besteht.
Mit Hilfe der Wertigkeits-Risiko-Matrix wird der Lieferantenkreis in
"Potential-, Wagnis-, Standard- und Flaschenhalslieferanten" eingeteilt. Die
Matrix zeigt, dass ein A-Lieferant, der einen hohen Gewinneinfluss (=Wertigkeit) hat,
gleichzeitig ein Wagnis-Lieferant sein kann, wenn das Risiko, bei ihm einzukaufen, als
hoch eingeschätzt wird. In diesem Fall wird eine vertikale Zusammenarbeit mit dem
Lieferanten empfohlen, welche durch längerfristige Verträge abgesichert ist. Favorisiert
wird der Potential-Lieferant, der sich neben einem hohen Gewinneinfluss durch ein
niedriges Risiko auszeichnet. Hier sind viele leistungsfähige Anbieter auf dem Markt und
es gilt, Marktpotentiale systematisch auszuschöpfen. Dieses Ausnutzen der Nachfragemacht
und die Stimulierung des Wettbewerbs werden als aktives Beschaffungsmarketing bezeichnet.
Effizient abgewickelt werden sollten Bestellungen von Normteilen beim
Standard-Lieferanten, welcher sich durch geringes Versorgungsrisiko, sowie geringen
Einfluss auf den Gewinn auszeichnet. Das Versorgungsrisiko bei Flaschenhals-Lieferanten
kann durch Lagerhaltung abgefangen werden. Dieses Mittel ist hier angesichts der niedrigen
Wertigkeit der Güter (= geringe Kapitalbindung) zu vertreten. So kann diese
Klassifizierungsmethode dem Einkäufer als strategischer Handlungsleitfaden dienen und ihm
helfen, effizienter und zielgerichteter zu agieren.

Abb. 3: Wertigkeits-Risiko-Matrix Quelle: in
Anlehnung an Holtmann, 2002 und Arnold, 1995 |