| Die
Bedeutung des Lieferantenmanagements wurde in einem vorhergehenden Betrag diskutiert.
Zentraler Aspekt des kompletten Prozesses des Lieferantenmanagements ist die
Lieferantenbewertung, wobei in der Literatur auch häufig von Lieferantenrating gesprochen
wird. Der Begriff Rating drückt noch deutlicher aus, dass es um eine "objektive
Bewertung und Klassifizierung geht, an welche die Vergabe einer Note geknüpft ist." In der jüngeren Vergangenheit, vor allem mit der Diskussion um Basel II,
tauchte der Begriff Rating meist in Zusammenhang mit der Kreditwürdigkeit von Unternehmen
und der Bonität von Schuldnern auf.
In Bezug auf das Lieferantenmanagement bedeutet der Begriff
allerdings die kritische, strukturierte und regelmäßige Überprüfung und Bewertung
bestehender und potentieller Lieferanten unter Betrachtung verschiedener Kriterien.
Unterschiedliche Voraussetzungen müssen dabei von diesen Kriterien erfüllt werden. Zum
Ersten dürfen keine Lieferanten bevorzugt behandelt werden, sondern für alle müssen
gleiche Regeln gelten. Des Weiteren müssen die Kriterien transparent und vor allem auch
nachvollziehbar sein. Außerdem muss festgelegt werden, dass gewisse K.o.-Kriterien nicht
durch andere Kriterien kompensiert werden können. Zuletzt sollen die Kriterien die
Kooperation zwischen Lieferant und Abnehmer fördern und zu Verbesserungen führen und
deshalb von beiden Seiten akzeptiert werden und nicht ein Instrument der
Machtdemonstration darstellen.
Ein weiterer Aspekt, der bei der Aufstellung eines
Kriterienkataloges zu beachten ist, ist die Anzahl an eingesetzten Kriterien. Falls der
Zulieferer auf zu wenige Kriterien untersucht wird, läuft man automatisch Gefahr, dass
Eigenschaften des Lieferanten, im positiven wie im negativen Sinne, verdeckt werden
können und man kein aufschlussreiches Bild erhält. Auf der anderen Seite bereitet die
Verwendung von zu vielen Kriterien Schwierigkeiten bei der Informationsbeschaffung und
verursacht zudem hohe Kosten. Deshalb sollte von Anfang an bei der Erstellung eines
Kriterienkataloges die Möglichkeit der Informationsbeschaffung berücksichtigt werden.
Ein weiterer Punkt, der beachtet werden sollte, ist die Korrelation
von Kriterien. Zwei oder auch mehrere Kriterien können sich untereinander beeinflussen,
sodass sie möglicherweise mehrfach gewichtet werden.
Meist sind in der Praxis die Parameter Preis, Qualität und
Lieferservice von vorrangiger Bedeutung. Sie bilden jedoch nur einige eines umfassenden
Katalogs verschiedener Kriterien, die im Folgenden näher betrachtet werden sollen.
Für alle Kriterien gilt, dass man sie in subjektive und objektive
Kriterien unterteilen kann. Als Beispiel eines objektiven Kriteriums ist der
Durchschnittspreis eines zu beschaffenden Teiles zu nennen. Schwieriger verhält es sich
zum Beispiel mit der zukünftigen Kooperationsfähigkeit des Lieferanten. In diesem Fall
ist die Bewertung viel stärker subjektiv gefärbt, da eine genaue Vorhersage nicht
getroffen werden kann.
Es ist zu beachten, dass für subjektive Kriterien mehrere
verantwortliche Personen zur Bewertung des Lieferanten eingesetzt werden sollten, um
möglichst viele Meinungen zu erhalten. Hierzu sollte ein Team zusammengestellt werden,
das möglichst aus verschiedenen Bereichen im Unternehmen besteht, d.h. Mitarbeiter aus
dem Einkauf, der Fertigungsplanung, der Produktion, und dem Qualitätsmanagement etc.
sollten integriert werden.
| Preis |
|
| Qualität |
- Vergleich von angebotener und erbrachter Leistung
- Qualität hat direkten Einfluß auf
- Kostenreduzierung
- Kundenempfinden des Endproduktes
- Absatzchancen des Endproduktes
|
| Lieferservice |
- Anforderung an Lieferanten
- Lieferzuverlässigkeit
- Lieferzeit
-Lieferhäufigkeit
- Flexibilität
- Hohe Bedeuteung von LIeferservicce bei produktionssnchronem
Beschaffungssystem
- Bei Lieferant erhöhte Kosten und Kapitalbindung
|
Abb.1: Produktbezogene Kriterien der
Lieferantenbewertung
Wie bereits genannt, spielte in der
Vergangenheit, aber auch heute noch, im
Einkauf der Einkaufspreis die vorwiegende Rolle bei der Auswahl von
Lieferanten.
Um Preise verschiedener Lieferanten vergleichbar machen zu können,
darf man sich nicht auf den Listenpreis beschränken. Denn kaum ein Unternehmen kauft in
der Praxis Waren oder Dienstleistungen zu Listenpreisen ein. Vielmehr wird in den meisten
Fällen eine Preisreduzierung durch besondere Rabatte oder Konditionen erreicht, die den
letztendlichen Einkaufspreis ergeben.
Solche Rabatte oder Konditionen können in verschiedenen Arten
auftreten. Bei Funktionsrabatten werden dem Abnehmer der Waren Preisreduzierungen dafür
gewährt, dass er bestimmte Funktionen wie z.B. Barzahlung oder Selbstabholung übernimmt.
Sehr verbreitet sind ebenfalls Mengenrabatte, die aufgrund der
Abnahme von großen Mengen bei einem bestimmten Auftrag oder mehreren Aufträgen über
eine Zeitperiode hinweg ausgesprochen werden. Ziel des Lieferanten ist es Stammkunden zu
gewinnen, die langfristig mit ihm planen.
Auch Lieferbedingungen können einen starken Einfluss auf den
Einkaufspreis haben. Denn hier entscheidet es sich, auf welche Art die Ware geliefert wird
und wer für die Transport- und Versicherungskosten aufzukommen hat. Diese Eigenschaften
werden für gewöhnlich vertraglich zwischen Lieferant und Abnehmer in den Incoterms
(International Commercial Terms) geregelt.
Neben dem Einkaufspreis spielen für viele Einkäufer auch die
Zahlungsbedingungen eine wesentliche Rolle. Bei einer angespannten Liquiditätslage in
einem Unternehmen mag der Kauf auf Zahlungsziel besonders positiv bewertet werden, um die
finanziellen Notlage zu überbrücken. Dem entgegen kann ein liquides Unternehmen durch
schnelle Überweisung oder gar Barzahlung der Waren eine Preisreduzierung durch
Skontokonditionen erhalten.
Anhand der eben aufgezeigten Konditionen und Rabatte kann der
letztendliche Netto-Preis von einer Ware oder Dienstleistung errechnet werden, zu dem sie
vom Lieferanten eingekauft wird. Die Abb.9 stellt ein Beispiel einer solchen
Nettopreiskalkulation für ein Kleinprodukt mit einem Brutto-Listenpreis von 4 dar.
|
Konditionen in
Prozent |
Preiskalkulation |
Prozent vom
Bruttopreis |
| Bruttopreis |
|
4,00 |
100,00 |
| - Mehrwertsteuer |
16,00 |
0,64 |
|
| = Nettopreis |
|
3,36 |
84,00 |
- Skonto
- Mengenrabatt
- Frühbezugsrabatt
- Gewährleistungsbonus |
3,00
3,50
1,25
1,00 |
0,10
0,12
0,04
0,03 |
|
| = Netto-Netto-Preis |
|
3,07 |
77,00 |
Abb.2: Beispiel
Nettopreiskalkulation Quelle: In Anlehnung an Disselkamp, 2004
Bei der Betrachtung des Beispiels fällt auf, dass der
Netto-Netto-Preis auf verschieden Arten berechnet werden kann. In diesem Beispiel wurden
die Rabatte jeweils auf den Netto-Preis bezogen. Bei großem Geschick eines Einkäufers
könnte jedoch auch erreicht werden, dass die Rabatte jeweils auf den Bruttopreis bezogen
werden, sodass eine größere Preisreduktion erreicht wird.
Die Errechnung des Netto-Preises an sich ist jedoch noch nicht
aufschlussreich genug. Denn neben den reinen Einkaufspreisen können noch weitere, nicht
unerhebliche Kosten in der Folge auftreten.
Solche Folgekosten können beispielsweise durch die Administration
von sehr komplexen Konditionenmodellen entstehen, da sehr viel Zeit für die Bestellung,
die Rechnungsprüfung sowie die Erstellung von Statistiken und ähnlichem aufgewendet
werden muss. Einzelne Konditionen klingen möglicherweise verlockend, produzieren jedoch
erhöhte Folgekosten. Ein Beispiel hierfür ist die Anlieferung in das Zentrallager eines
Abnehmers, der dann die Folgekosten der Belieferung der einzelnen Standorte selbst
vornehmen und finanzieren muss.
Als Fazit lässt sich sagen, dass nach der Berechnung des
Netto-Preises stets auch die Folgekosten betrachtet werden müssen, um dann abzuwägen, ob
die Preisvorteile sich im Endeffekt bezahlt machen.
| Wettbewerbsfähigkeit
des Angebotes: Wie hoch ist der Stückpreis? Wie hoch sind die Werkzeugkosten und
sonstigen Belastungen? Wie sieht der Gesamtpreis aus? Wieviel
Rabatt bekomme ich bei einer Aufstockung der Bestellung?
Ist die gebotene Preisstruktur auch für die Beschaffung von kleinen
Serien interessant?
Wie errechnet sich der gebotene Betrag? Wie sehen die Kalkulationen
der Lieferanten aus?
Bietet der Lieferant später Ersatzteile zum gleichen Preis an oder
ändert sich dann das Preisniveau? |
Abb.3: Typische Fragestellungen bei der
Lieferantebewertung bezüglich Preis
Neben dem Einkaufspreis steht die Qualität als Kriterium für
Lieferantenbewertungen an oberster Stelle. Qualität lässt sich definieren als "die
anhand von vorgegebenen, vereinbarten oder erwarteten Merkmalen gemessene Eigenschaft
einer Einheit, eines Produktes / Dienstleistung, eines Prozesses oder einer gesamten
Organisation oder Organisationseinheit."
Das Kriterium Qualität muss vor allem in zweierlei Hinsicht
untersucht werden. Es muss sowohl die Qualität der angebotenen Leistung, als auch die der
erbrachten Leistung analysiert werden, wodurch sich ein Vorher-Nachher-Vergleich ergibt.
Der Qualitätsaspekt muss in erster Linie produktbezogen betrachtet
werden. Er stellt eine wichtige Grundlage zur Kostenminimierung dar, denn durch
zufriedenstellende Qualität der Produkte eines Zulieferers können Ausschusskosten
möglichst gering gehalten werden. Außerdem ist die Qualität der eingekauften Produkte
oder Dienstleistungen von großer Wichtigkeit bezogen auf die Absatzchancen des
Endproduktes. Die Qualität hat direkten Einfluss auf das Endprodukt des Abnehmers und
somit auf das Kundenempfinden.
| Ist der Lieferant zertifiziert (z.B. ISO, VDA, etc.)? Wie sehen die
Zertifikatsansprüche unseres Unternehmens aus? Wurde der
Lieferant von unserem Unternehmen nach unseren Ansprüchen auditiert?
Wie ökologisch ist der Lieferant in der Lage zu
produzieren?
Wie umweltfreundlich sind seine Prozesse?
Auf welche Produkte ist der betreffende Lieferant eigentlich
spezialisiert?
Welche Maschinen und Technologien hat der Hersteller im Einsatz? Auf
welchem technischen Niveau steht er?
Wie hochwertig sind die von ihm gelieferten Musterteile?
Wie zufrieden sind wir mit der von diesem Unternehmen bisher
gelieferten Ware? Wie hoch sind die Fehlerquoten der Teile (gemessen meistens in ppm:
parts per million)? |
Abb.4: Typische Fragestellungen
bei der Lieferantenbewertung bezüglich Qualität
Das Bewertungskriterium Lieferservice ist ein
sehr komplexer Aspekt im Rahmen
der Lieferantenbewertung. Die alleinige Betrachtung der
Lieferzuverlässigkeit ist nicht ausreichend. Weitere wichtige Aspekte sind die
Lieferzeit, d.h. die "Zeitspanne zwischen Auftragseingang und Wareneingang", und
die Lieferhäufigkeit, d.h. die Anzahl an Lieferungen innerhalb eines bestimmten
Zeitraums. Lieferzeit und Lieferhäufigkeit spielen gerade bei produktionssynchronen
Beschaffungssystemen eine wichtige Rolle. Es muss sichergestellt sein, dass die Waren in
relativ kurzen und regelmäßigen Zeitabständen zum Abnehmer gelangen, um Lagerbestände
als Puffer zu minimieren.
Des Weiteren muss sich ein Lieferant als flexibel und lieferfähig
erweisen. Diese Forderung von Seiten des Abnehmers verursacht auf Seiten des Lieferanten
erhöhte Kosten und Kapitalbindung, da er größere Lagerbestände halten muss, um
flexibel reagieren zu können.
Je stärker der Abnehmer ein produktionssynchrones
Beschaffungssystem implementiert hat, desto wichtiger wird für ihn das Kriterium des
Lieferservice bei der Lieferantenauswahl. Bei unregelmäßigen Anlieferungen oder gar
Lieferausfällen droht ihm im schlimmsten Fall ein Produktionsstopp. Als Beispiel hierfür
ist der japanische Autohersteller Toyota zu nennen, der 1997 seine Anzahl an Lieferanten
stark reduziert hatte und in hohem Maße abhängig war von den JIT Lieferungen eines
Zulieferers von Bremsteilen (Aisin Seiki). Bei Feuerausbruch in den Fabrikationshallen des
Zulieferers musste Toyota in der Folge seine Produktion in Japan für eine ganze Woche
einstellen.
| Hat der Lieferant
Entwicklungsleistungen angeboten? Wie innovativ und kooperativ ist der Lieferant in der
Zusammenarbeit mit unseren Ingenieuren? Welche
Kapazitätsreserven weißt er aus? Wie flexibel kann er auf Mengenbedarfsänderungen
reagieren?
Wie sehen die angebotenen Dienstleistungen nach dem Kauf
aus? Habe ich Anspruch auf Reparaturleistungen oder Ersatzteile?
Besitzt das Unternehmen einen eigenen Werkzeugbau?
Wie viele Muster werden geliefert bis zur Freigabe?
Wie gut hat der Lieferant bisher Liefertermine eingehalten
und wie hoch sind seine Lieferzeiten?
Ist der Lieferant bereit ein Konsignationslager zu
betreiben oder gar Just-in-time zu beliefern?
Wie flexibel ist der Lieferant bei Änderungen der
Produktspezifikationen?
Wie sind die Kommunikationsmittel des Lieferanten? Kann er
DFÜ einsetzten?
Wie sieht es mit der Bereitschaft zum E-Commerce aus?
Können Kataloge erstellt und auf unsere online Plattform geladen werden? (speziell bei
C-Teilen und Nicht-Produktionsmaterial Lieferanten) |
Abb.5: Typische Fragestellungen bei der
Lieferantenbewertung bezüglich Lieferservice
Die drei bisher vorgestellten Kriterien waren produktbezogen. Aber
es gilt noch weitere Kriterien zur Bewertung der wirtschaftlichen Lage eines Lieferanten
zu betrachten und zu dessen grundsätzlicher Eignung als Partner. Deshalb wird im
Folgenden näher auf die Kriterien Finanzkraft, Innovationskraft, Kooperationskraft und
soziale, ökologische und gesellschaftspolitische Faktoren eingegangen.
Eine Lieferantenbewertung, die die Finanzkraft eines Zulieferers
nicht
berücksichtigt, ist nicht vollständig und kann hohe Risiken mit
sich bringen. Die wirtschaftliche Lage muss untersucht werden, da ein Lieferant auch
selbst in der Lage sein muss, seine Materialien und Werkzeuge, die er zur
Leistungserbringung benötigt, im Voraus zu finanzieren.
Die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens kann auf
unterschiedliche Arten, meist unter Zuhilfenahme verschiedener Kennzahlenanalysen,
untersucht werden. Im Folgenden soll näher auf die Bewertung der Finanzlage, der Ertrags-
und Vermögenslage, sowie der Liquidität eingegangen werden. Es sei an dieser Stelle
angemerkt, dass es allerdings nicht Inhalt dieser Arbeit ist, eine detaillierte Übersicht
über die verschiedenen Kennzahlen zu geben, sondern vielmehr die Darstellung eines
allgemeinen Überblicks.
Zur Untersuchung der Finanzlage eignen sich die drei Kennzahlen:
Cashflow, Kreditorenlaufzeit und das dynamische Betriebsergebnis.
"Der Cashflow ist eine Größe, die angibt, welchen
Mittelzufluss ein Unternehmen in einer Periode aus dem Umsatzprozess erwirtschaftet hat
und was somit unterjährig für Investitionen, Tilgungszahlungen oder Gewinnausschüttung
zur Verfügung steht (Finanzmittelüberschuss)." Die Kennzahl spiegelt somit gut die
finanzielle Unabhängigkeit des Lieferanten in finanzieller Hinsicht wieder und inwiefern
er seine Betriebstätigkeit selbst finanzieren kann.
Die Kreditorenlaufzeit ermittelt den "Zeitraum, der zwischen
dem Rechnungseingang und der Bezahlung" der durchschnittlichen Verbindlichkeiten
liegt.
Weist ein Betrieb eine vergleichsweise hohe Kreditorenlaufzeit auf
und hat gleichzeitig hohe kurzfristige Bankverbindlichkeiten, kann dies ein möglicher
Hinweis auf Zahlungsschwierigkeiten des Unternehmens sein.
Das dynamische Betriebsergebnis gibt Aufschluss darüber, ob ein
Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten aus dem eigenen Betriebsergebnis
finanzieren kann und ist somit ebenfalls nützlich für die Untersuchung der Finanzlage.
Die Ertragslage bündelt die Daten, die über den Gewinn eine
Unternehmens Aufschluss geben. Dieser kann auf verschieden Arten bestimmt werden, wie z.B.
dem als EBIT (Earnings before interest and taxes) bekannten Betriebsergebnis oder dem
Jahresüberschuss bzw. -fehlbetrag, der aus der Gewinn- und Verlustrechnung entnommen
werden kann.
Diese Daten sind jedoch nur schwer vergleichbar und müssen deshalb
in ein Verhältnis gesetzt werden, woraus sich die unterschiedlichen
Rentabilitätskennzahlen ergeben.
Die Umsatzrentabilität setzt den Gewinn in Relation zum
Gesamtumsatz eines Unternehmens und misst somit die Gewinnspanne pro verkauftes Produkt.
Die Eigenkapitalrendite setzt den Gewinn in Relation zum
eingesetzten Eigenkapital und zeigt somit Anteilseignern, ob ihre Investition in das
Unternehmen rentabler als andere Anlagemöglichkeiten ist. Bei einer schlechten
Eigenkapitalrendite ist es wahrscheinlich, dass der Zulieferer Schwierigkeiten haben wird,
Finanzmittel zu erhalten. Erweitert man nun dieses Konzept und berücksichtig nicht nur
das eingesetzte Eigenkapital, sondern auch das Fremdkapital, erhält man die
Gesamtkapitalrendite als Kennzahl.
Die Vermögenslage kann anhand der Eigenkapitalquote analysiert
werden. Sie zeigt den prozentualen Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital. Für die
Lieferantenbewertung ist eine hohe Eigenkapitalquote positiv zu werten, da dies eine
"weitgehende Unabhängigkeit von Kreditgebern wie z.B. Banken" bedeutet.
Eine weitere wichtige Kennzahl zur Bestimmung der Vermögenslage ist
der Anlagedeckungsgrad. Das Anlagevermögen, also langfristig gebundene
Vermögensgegenstände wie Maschinen, Grundstücke und Fabriken, sollte möglichst auch
mit langfristigem Kapital finanziert sein. Denn ansonsten können plötzliche
Zahlungsschwierigkeiten dazu führen, dass Produktionsanlagen verkauft werden müssen, was
logischerweise negative Auswirkungen auf den Abnehmer des Lieferanten hat.
Um solch ein Problem des Konkurses, wie zuletzt angedeutet,
möglichst vermeiden zu können, sollte auch stets die Liquidität eines Zulieferers
überprüft werden bevor man eine Beziehung mit ihm eingeht. Dazu unersucht man den
Liquiditätsgrad des Unternehmens und versucht gleichzeitig zu bestimmen welcher Anteil
des Umsatzes in kurzfristigen Verbindlichkeiten gebunden ist.
Lieferanten können eine wichtige
Innovationsquelle für einen Abnehmer darstellen. Letzterer kann versuchen Innovationen
von Seiten des Lieferanten zu übernehmen und in seinen Fertigungsprozess einzugliedern.
"Innovationen sind der Motor der langfristigen
Wettbewerbsfähigkeit", da sie ein Unternehmen und dessen Produkte differenzieren und
ein wichtiger Beitrag sind für die Positionierung als Kosten-oder Nutzenführer.
Weiterhin können Innovationen zu einem bedeutenden Umsatzwachstum verhelfen.
Innovationen können in unterschiedlicher Form auftreten, z.B. als
Produktinnovation, Prozessinnovation oder organisatorische Innovation.
Um von diesen Vorteilen der Innovation profitieren zu können, muss
versucht werden die innovativen Fähigkeiten des Lieferanten zu beurteilen. Hierzu eignet
sich die Messung der Häufigkeit von Innovationen eines Lieferanten, deren Erfolgsquote
und Wert, sowie seine Aufwendungen im Bereich Forschung und Entwicklung (F&E).
An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass man sich vorab auch
über den Kundenstamm eines Lieferanten informieren sollte. Denn bei einer engen
Zusammenarbeit mit dem Lieferanten im Bereich Innovation droht natürlich auch ein
erhöhtes Risiko des Know-how-Transfers weg vom Abnehmer und hin zu möglichen
Konkurrenten.
- Kooperationskraft und Servicebereitschaft
Heute ist bei Unternehmen, speziell aus der
Industrie, festzustellen, dass die
Kooperation mit dem Lieferanten großgeschrieben wird. Diese
Entwicklung lässt sich einerseits mit der immer geringer werdenden Fertigungstiefe bei
Unternehmen erklären. Andererseits werden Innovationen immer aufwendiger und teuerer für
Unternehmen, sodass Kooperation zu Kosteneinsparungen und Synergieeffekten führen
können.
Die Kooperationsfähigkeit eines Zulieferers zu beurteilen, verlangt
zum größten Teil subjektive Einschätzungen. Deshalb sollte, wie bereits vorher
erläutert, darauf geachtet werden, dass zur Bewertung der Kooperationsfähigkeit ein Team
eingesetzt wird, welches möglichst aus Mitarbeitern verschiedener Unternehmensbereiche
besteht.
Diese Mitarbeiter müssen Einschätzungen treffen bezüglich der
Frage, wie der Lieferant wohl in Problem- und Fehlerfällen reagieren wird. Außerdem muss
die Flexibilität des Lieferanten untersucht werden, inwiefern er offen für kurzfristige
Änderungen ist. Eine offene Kommunikation zwischen den beiden Partnern und eine
frühzeitige Unterrichtung über Probleme fördern das gegenseitige Vertrauen und damit
die Kooperationsfähigkeit.
- Soziale, ökologische und gesellschaftspolitische Faktoren
Das Ziel von immer mehr Unternehmen ist es, soziale,
ökologische und gesellschaftspolitische Faktoren in Einklang mit der Ökonomie bringen.
Das fördert nicht nur das Image des jeweiligen Unternehmens in der
Gesellschaft, sondern kann auch zu Wettbewerbsvorteilen führen, da heute ökologisch
hergestellte Produkte sehr beliebt sind.
Ebenso müssen auch gesellschaftspolitische Kriterien berücksichtig
werden, da sie ausschlaggebend für eine Lieferantenbeziehung sein können. So wurden
beispielsweise in der Folge des letzten Irakkrieges deutsche und französische Zulieferer
in der amerikanische Wirtschaft boykottiert, aufgrund der ablehnenden Haltung Frankreichs
und Deutschlands gegenüber dem Krieg. Hier standen die gesellschaftspolitischen Faktoren
im Vordergrund, obwohl die ausländischen Zulieferer vielleicht billiger waren oder
bessere Qualität geliefert hätten.
| Welche
Referenzen kann der Lieferant vorweisen? Hat er schon mit Wettbewerbern zusammen
gearbeitet? Auf welchen Messen ist de Lieferant
vertreten?
Wie offen zeigt sich das Unternehmen sich mit uns über
seine Kosten zu unterhalten und seine Prozesse in Abstimmung mit uns zu optimieren?
Wie sehen die Liquidität und die Bonität der Firma aus?
Kann sie unsere Anfrage überhaupt stemmen? Wie lange befindet sich das Unternehmen schon
auf dem Markt?
Wie hoch ist der Umsatzanteil des Unternehmens mit uns?
Macht sich das Unternehmen von uns abhängig?
Wie ist das Unternehmen geführt?
Der geografische Ort der Bezugsquelle kann auch wichtig
sein. Will ich lokal oder global beschaffen? Dieser Punkt ist auch ist auch in Bezug auf
Goodwill
interessant, weil eine Firma auch Imagepolitik durch
lokales Beschaffen oder Beschaffen in Dritte Welt Ländern betreiben kann.
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Abb.6: Weitere Fragestellungen bei der
Lieferantenbewertung |