2.1.1. Bestimmung der strategischen Bedeutung
der Logistik.
"Wie wichtig ist die Logistik für Ihr Unternehmen?"
Logistik wird dann als attraktiv bezeichnet, wenn das Unternehmen durch
die Logistikaktivitäten seine Wettbewerbssituation nachhaltig verbessern kann.
Als Instrument zur Beurteilung dieser zentralen Fragestellung kann die
Portfolio-Analyse verwendet werden. Mit dieser Methode stellt man einer
Logistikattraktivität eine Logistikkompetenz gegenüber.
Unter Logistikattraktivität versteht man die Einschätzung des
Erfolgpotentials einer Logistikkonzeption für ein Unternehmen.
Deswegen wird die Logistikattraktivität durch
Kostensenkungsmöglichkeiten (Attraktivität der Logistikkosten) einerseits und
Leistungssteigerungs-möglichkeiten (Attraktivität der Differenzierung durch Logistik)
andererseits bestimmt.
Im ersten Schritt ist die Attraktivität der Logistikkosten zu
bestimmen, wobei die Bedeutung von Kosteneinsparungen für das Unternehmen und der Grad
der Beeinflussbarkeit dieser Logistikkosten relevant sind.
Im Zweiten Schritt gilt es, die Attraktivität der Differenzierung
durch Logistik zu analysieren. Hierzu untersucht man die Beeinflussbarkeit der
Differenzierungskriterien und schätzt die Bedeutung der Differenzierung durch Logistik
für das eigene Wettbewerbsverhalten ab.

Bild 1
Mit diesen beiden Portfolio ist es nun möglich, ein drittes zu
erarbeiten, welches die beiden Attraktivitäten zu einer gesamtheitlichen Attraktivität
der Logistik zusammenfasst.

Bild 2
Einer Logistikattraktivität ist anschließend die Logistikkompetenz
gegenüberzustellen. Unter Logistikkompetenz versteht man die Fähigkeit eines
Unternehmens, das Konzept der Logistik in Planung und Durchführung optimal zu
realisieren.
Die Logistikkompetenz hat Einfluss auf die Logistikstrategien.
Außerdem ist sie ein wichtiges Instrument um eine Positionierung des Unternehmens zu
bestimmen.
Es gibt mehrere Kriterien, welche die Logistikkompetenz messen, wie
z.B.
- der Umfang der Informationen über Logistik
- das Vorhandensein von Kosten- und Leistungsinformationen zur Logistik
- die Anzahl der Pilotprojekte im Bereich Logistik
- die Berücksichtigung der Logistik in der Aufbauorganisation
Sind die Logistikattraktivität und die Logistikkompetenz ermittelt, so
kann ein Vorschlag für eine Normstrategie abgeleitet werden.
Die Zone der Ausgewogenheit zwischen Kompetenz und Attraktivität
bezeichnet man als Gleichgewichtspfad.
2.2.1. Unterstützung des logistischen Zielfindungsprozesses
Der globale Leistungsanspruchs an die Logistik lässt sich durch die
"4 Rs" beschreiben:
- die Richtige Ware
- in Richtiger Menge
- am Richtigen Ort
- zur Richtigen Zeit
Diese Definition deckt heute jedoch nur einen Teil der logistischen
Aufgaben ab und lässt sich insbesondere nicht zur Formulierung expliziter Vorgaben
verwenden.
Nötig ist ein in sich abgestimmtes logistisches Zielsystem. Es setzt
am einzelnen Aktivitätsfeld an, sieht Zielgewichtungen vor und bildet die Basis für eine
Leistungsbeurteilung der Logistik.
Dieses Zielsystem ist wie folgt strukturiert::
- Ziele für die Logistik sammeln
- die verschiedenen Ziele gewichten und hierarchisch ordnen
- Fehler und Differenzen im Zielsystem entdecken und beseitigen
- Konsens über die Gültigkeit des Logistikzielsystems herstellen
Neben kurzfristigen sind dabei auch langfristige Zielsetzungen zu
berücksichtigen. Es stellt sich die Frage, welche Stellung den Logistikzielen innerhalb
der anderen Ziele des Unternehmens zukommt.
2.2.2. Festlegung operationaler Größen zur Messung der Ziele der
Logistik
Die Formulierung und Präzisierung von Zielen reicht nicht, um ein
effizientes Handeln der Logistik-Verantwortlichen zu erreichen.
Deswegen braucht man Maßgrößen für die Logistik-Ziele.
Hier sind Schwierigkeiten absehbar, da die Logistik eine
Dienstleistungsfunktion und sehr schwer zu messen ist.
Welche und wie viele Leistungskenngrößen konkret für jede
Logistik-Stelle ausgewählt und festgelegt werden sollen, ist folglich eine nicht einfache
aber sehr bedeutsame Entscheidung.
Was man nicht messen kann, kann man nicht managen!
2.2.3. Unterstützung der Logistikplanung
Das Logistik-Controlling muss in diesem Aufgabenfeld ein Planungssystem
aufbauen und für die Planungsfelder die passenden Entscheidungsmethoden und benötigten
Informationen bereitstellen.
Um diesen wesentlichen Teil des "Tagesgeschäfts" erledigen
zu können, ist ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit nötig, da viele
Logistikentscheidungen andere Unternehmensbereiche betreffen.
2.2.4. Aufstellung von Logistikbudgets
Der Planung von Budgetansätzen und deren Abstimmung mit Budgetvorgaben
der Unternehmensleitung ist eine bedeutende Aufgabe des Logistik-Controlling.
In der Vergangenheit wurde, um das Logistikbudget festzulegen, oftmals
ein Vorjahreswert übernommen, ohne ihn deutlich zu analysieren oder zu ändern.
Ein solches Vorgehen stößt jedoch bald an Grenzen. Folglich muss der
Logistik-Controller Planungstechniken und verfahren zur Budgetfestlegung entwickeln
und anwenden.
Die folgende Abbildung zeigt, welche Vorgehensweise sich dabei
anbietet. Das Ziel ist ein Abgleich der "Top-Down" Budgetvorgaben und der
"Bottom-Up" Budgetplanungen zu erreichen.
Die "Top-Down" Methode wird von der Unternehmungsleitung
entwickelt. Das Prinzip dieser Methode ist, ein gesamtes Budget festzulegen und es zu
verteilen.
Um eine Gesamtkostenbudgetvorgabe festzulegen, berücksichtigt das
Management die Vergangenheitswerte, die wichtigen Veränderungen der Logistikaufgaben und
die Zielvorstellungen.
Innerhalb des Gesamtkostenbudgets werden Einzelkosten und Gemeinkosten
separiert erfasst. Man budgetiert auch nach Kostenarten, eine davon sind die
Logistikkosten.
Die "Bottom-Up" Methode funktioniert entgegengesetzt:: man
berechnet all die Kosten, welche normalerweise entstehen werden und addiert sie zu einem
Budget.
Der Abgleich der Top-Down und Bottom-Up Methoden liefert als Ergebnis
ein Logistikkostenbudget.
Das gesamte Verfahren wird Gegenstromverfahren genannt.

Bild 4
In der Regel ist man jedoch häufig auf Intuition und Schätzungen
angewiesen. Damit verschlechtert sich die Argumentationsposition des Logistik-Controllers
mit seiner Bottom-Up Werten.
2.3.1. Aufbau einer Logistikleistungsrechnung
Im Rahmen des Logistik-Controlling, als Teil eines
Gesamt-Controlling-Systems, kommt dem Aufbau einer Logistik-Leistungsrechnung eine
zentrale Bedeutung zu.
Sie bildet die Grundlage zur Beschreibung von logistischen Prozessen
und zur Einbindung der Logistik in die Kostenrechnung.
Das Logistik-Controlling hat zur Aufgabe, das Logistik-Management mit
Informationen zu versorgen, damit dieses seiner Planungs-, Koordinations- und
Kontrollfunktion nachkommen kann. Eine leistungsorientierte Kostenplanung und -Kontrolle
ist Voraussetzung für eine Verrechnung der Logistikkosten auf Produkte, Kundenaufträge,
Marktgebiete oder andere Kostenträger. Damit ist die Leistungsrechnung bedeutsam für die
korrekte Kalkulation der Produkte bzw. Leistungen.
Beim Aufbau einer Logistikleistungsrechnung ist darauf zu achten, dass
dies im Kontext der Unternehmenskostenrechnung geschieht und dass die Erfassung von
Leistungsdaten unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgt.
Zur Quantifizierung von Informationen und Operationalisierung von
Zielen besteht für das Logistik-Controlling eine wesentliche Aufgabe darin, Zielgrößen
zu entwickeln.
Dafür sind besonders die Kennzahlen geeignet, die in ein
entsprechendes Kennzahlensystem integriert werden können.
Beispiel: Entwicklung einer Leistungsrechnung
bei
einem Maschinenbau-Unternehmen
Am Beispiel eines vordefinierten Geschäftsbereiches wurden folgende
Zielsetzungen verfolgt:
- Beschreibung von logistischen Funktionen im Bereich der physischen und dispositiven
Logistik und begriffliche Abgrenzungen zu anderen Leistungsarten
- Ist-Analyse zum Stand der Logistik-Leistungserfassung und Kosten-verrechnung
(Lokalisierung der Leistungserbringung)
- Konzeptvorschlag zur Ausprägung einer Logistik-Leistungserfassung.
Damit ergibt sich ein Instrument für folgende Ziele:
- Unterstützung der operativen Planung
- Aufstellung von Logistikbudgets
- Budgetüberwachung und Durchführung von Abweichungsanalysen
- Aufbau eines Führungsinstruments zur Steuerung der Mitarbeiter
- Nutzung der Logistikleistung zur Kostenverrechnung auf Produkte, Produktgruppen,
Kundenaufträge...
Unter dispositiven Logistikleistungen werden alle Aufgaben und
Funktionen verstanden, die zur Führung, Steuerung und Wahrnehmung der physischen Logistik
erforderlich sind. Andere Bereiche gehören ebenfalls dazu wie: die Bestelldisposition,
die Produktionsplanung und -steuerung ...
Die physische Logistik umfasst die Hauptfunktionen Transport, Lagerung,
Kommissionierung und Verpackung.
Voraussetzung für den Aufbau eines effizienten Logistik-Controlling
ist eine geeignete Leistungserfassung. Hierzu müssen die Leistungsdaten definiert werden,
welche die logistische Leistung detailliert genug beschreiben.
Die Leistungskennzahlen werden letztlich definiert, um folgenden
Zwecken zu dienen:
- Operationalisierung von Zielen und Zielerreichung
- Erkennung von Leistungsveränderungen
- Definition von Zielgrößen
- Steuerung von Unternehmensprozessen
Bei der Definition von Logistik-Leistungsgrößen ist auf folgende
Randbedingungen zu achten:
- Bildung von Logistikeinheiten (Kostenstellen und plätze), um eine Begrenzung der
Leistungsdaten und Eignung für die Logistikleistungsrechnung zu erhalten
- Die Erfassung und Auswertung muss wirtschaftlich Sinn machen
- Alle Leistungsdaten sind in einem gemeinsamen Informationssystem zu integrieren
- Die spezifischen Anforderungen der Leistungserfassung sind auf die Zielsetzung
auszurichten
- Nutzungsmöglichkeiten einer Logistik-Kosten- und Leistungsrechnung zur Erstellung
von Abweichungsanalysen
- Leistungsgrößen sollen zur Präzisierung von Logistikzielen im Kontext der
Unternehmensziele dienen
Exemplarische Leistungsgrößen
Es gibt mehrere Unternehmensbereiche, in denen diese Leistungsgrößen
genutzt werden: in der Materialverwaltung, in der Bestelldisposition und in der
Distribution.
In der Materialverwaltung geht es dabei um die Leistungsgrößen der
Zentralen Warenannahme, der mobilen Gabelstaplertruppe, des Lagers und des
Rangierbetriebs.
In der Materialverwaltung werden in großem Umfang logistische
Leistungen erbracht, zum Beispiel die Lagerung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und
der Transport dieser Materialien und der Fertigerzeugnisse innerhalb des Werksgeländes.
Folgende Einzelleistungen für das Lager der RHB (Roh-, Hilfs- und
Betriebsstoffe) sind charakteristisch:
- Eingangsregistrierung LKWs, Waggons
- Zentrale Warenannahme von Kleingütern
- Abfertigung der LKWs und Waggons
- Probeentnahmen zur Qualitätskontrolle und Weiterleitung der Proben
- Wahrnehmung diverser Aufgaben wie Erfassung der Wareneingänge, Lagerplatzverwaltung...
Beim Transport der Fertigerzeugnisse innerhalb des Werksgeländes
werden folgende Einzelfunktionen unterschieden:
- Transport der Fertigerzeugnisse aus der Fertigung in das Fertigwarenlager
- Transport vom Fertigwarenlager oder direkt aus der Fertigung zu den Speditionsdiensten
Diese Aufgaben werden durch den Rangierbetrieb im Rahmen fester
Fahrpläne wahrgenommen.
Für diese Funktionen wurde eine Reihe von Leistungsmerkgrößen
bestimmt, die den Realprozess genau kennzeichnen. Der Umfang dieser Leistungsmessgrößen
ist spezifisch auf die Bedürfnisse zugeschnitten.
Im Bereich der Zentralen Warenannahme, haben sich folgende
Leistungsdaten als geeignet erwiesen:
- Zahl der Packstückbewegungen
- Zahl der abgefertigten Ladungsträger
- Zahl der Probeentnahmen
- Zahl der Personalstunden
- Anwesenheitsquote.....
Im Bereich der mobilen Gabelstaplertruppe ist sicherlich die
Hauptleistungsgröße die Anzahl der entladenen Packstücke.
Daneben sind andere Leistungsgrößen von Interesse wie:
- Zahl der abgefertigten LKWs und Waggons
- Zahl der Entladungen mit und ohne Hilfsmittel(n)
- Zahl der geleisteten Personalstunden
- Anwesenheitsquote
- Zahl der Betriebsstunden der Staplerfahrzeuge
Der Leistungsumfang im RHB-Lager lässt sich in einen physischen und
einen administrativen Teil unterscheiden.
- Zu den physischen Aufgaben gehören die Eingangslagerung, Lagerung und Auslagerung der
Packstücke. Damit werden wesentliche Leistungsdaten wie Zahl eingelagerter,
ausgelagerter, umgelagerter, gelagerter Packstücke verbunden.
- Zu den administrativen Tätigkeiten zählt die Erfassung der Warenbewegungen im
Lagerverwaltungssystem.
- Weitere Leistungsdaten sind: minimale und maximale Belegung des Lagers, Dauer der
Einlagerung je Packstück, geleistete Personalstunden...
Der Rangierbetrieb ist für das innerwerkliche Rangieren der Waggons
zuständig. Zu erfassende Leistungsdaten für den Rangierbetrieb sind:
- Zahl der Rangiervorgänge
- Zahl der Fahrten ohne Waggon
- Zahl der Weichenumstellungen
- Zahl der Wiegungen
- Geleistete Personalstunden
- Anwesenheitsquote
- Betriebsstunden der Zugmaschinen
- Zahl transportierter Packstücke
Als nächstes kommen die Leistungsgrößen in der Bestelldisposition.
Die Bestelldisposition hat die Aufgabe, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
bei den einzelnen Lieferanten abzurufen.
Der Leistungsumfang wird wesentlich durch die Zahl der verschiedenen
Lieferanten bestimmt. Geeignete Leistungskennzahlen, die dazu dienen, den Erfüllungsgrad
der Aufgabe zu messen, sind:
- Zahl der zu disponierenden A-, B- und C- Teile
- Lieferantenzahl
- Zahl der zu betreuenden Artikel
- Anteil neuer Artikel, neuer Lieferanten
- Zahl der Spezialartikel
- Zahl der Reklamationen
- Fehlmengenzahl
- Geleistete Personalstunden....
Abschließend betrachten wir die Leistungsgrößen in der Distribution.
Hier sind die Bereiche Export-, Inlands-, Fakturen- und
Dokumentenabwicklung sowie die Frachtenkontrolle zu unterscheiden.
Das Aufgabenspektrum in der Exportabwicklung ist vielseitig und umfasst
Tätigkeiten wie z.B. Frachtverhandlungen, Disposition der Frachtsendungen
(Transportraumbeschaffung, Dokumentation der Transportvorgänge...)
Die Leistungsgrößen ergeben sich wie folgt:
- Zahl der Kundenaufträge
- Zahl und Dauer der Frachtverhandlungen
- Zahl der Transportvorgänge
- Geleistete Personalstunden
Die Schwerpunktaufgaben in der Inlandsabwicklung betreffen die
Koordination des Nah- und Fernverkehrs, Verhandlungen mit Spediteuren, Expressgut...
Die Leistungsgrößen im Bereich Inlandsabwicklung sind:
- Zahl der Abfertigungen
- Zahl der disponierten Fahrten
- Zahl der Spezialtransporte
- Geleistete Personalstunden
Die Export- und Dokumentenabwicklung umfasst die Erstellung aller
Dokumente, die für den Export nötig sind.
Die Leistungsgrößen im Bereich Fakturen- und Dokumentenabwicklung
sind:
- Zahl der erstellten Dokumente je Dokumentenart
- Zahl der bearbeiteten Kundenaufträge
- Zahl der bearbeiteten Akkreditive
- Geleistete Personalstunden
Die Frachtenkontrolle ist für die Richtigkeit aller Frachtabrechnungen
verantwortlich und wickelt bei Unstimmigkeiten die Reklamationen ab.
Die Leistungsgrößen im Bereich Frachtenkontrolle sind:
- Zahl der zu bearbeitenden Frachtrechnungen
- Zahl der Reklamationen
- Zahl der erstellten Frachtofferten
- Geleistete Personalstunden
2.3.2. Aufbau einer Logistikkostenrechung
A. Was ist eine Logistikkostenrechnung?
Unter Logistikkostenrechnung versteht man die Erfassung und den
kostenstellenbezogenen Ausweis der Kosten der Logistik.
Die Spaltung in Einzel- und Gemeinkosten, die Zuordnung der
Gemeinkosten innerhalb der Kostenstellenrechnung und die Umwälzung dieser Kosten von den
Endkosten auf die Produkte, all diese Schritte dienen der Zuordnung der Kosten auf die
einzelnen Produkte.
- Höhe der Logistikkosten:
Die Kernfrage ist : "Wie hoch ist der Betrag absolut?"
Es besteht aber keinesfalls gesichertes Wissen darüber, was man genau
unter Logistikkosten subsumieren soll. Es gibt kaum ein Unternehmen, das behaupten kann,
den exakten Betrag der Logistikkosten angegeben zu können.
Logistikkosten müssen präzisiert und spezifiziert werden. Die sind in
jedem Unternehmen individuell abzugrenzen.
Aus übergeordneter Sicht ist anzuraten, dass die einmal vorgenommene
Abgrenzung über die Zeit hinweg beibehalten wird, um Zeitvergleiche zu ermöglichen.
- Art und Zahl zu unterscheidender Kosten
Eine Logistikkostenrechnung stellt keinesfalls ein neues
Kostenrechnungssystem dar, sondern ist eine Verfeinerung der bekannten Systeme.
a) Kostenarten-, -stellen, -trägerrechung
Es geht wie in der Kostenrechnung generell um die Erfassung des
Faktoreinsatzes (Kostenarten), die Abbildung von Leistungserstellungs-prozessen (in
Kostenstellen) und die Zurechnung von Kosten zu Verursachern, unter diesen insbesondere zu
Produkten (Kostenträgerrechnung).
Alle Logistikkosten werden in der Kostenartenrechnung erfasst. Man kann
dabei zwei unterschiedliche Gruppen von Logistikkosten unterscheiden:
- Kosten für logistische Fremdleistungen: Diese Fremdleistungen werden außerhalb der
Unternehmensgrenzen, zur Beschaffung von Material und zur Distribution von Waren erbracht.
Sie sind direkt den Kostenträgern zuzurechnen. Es handelt sich um Einzelkosten.
- Kosten für logistische Produktionsfaktoren: Diese Kosten fallen für die
Eigenproduktion logistischer Leistungen an und sind auf Kostenstellen zu verteilen. Es
handelt sich um Gemeinkosten.
Diese sind noch in verschiedene Arten aufgeteilt:
- Endkostenstellen: Physische und administrative (z.B. Bestelldisposition,
Eingansregistrierung, Versanddisposition) Logistikleistungen.
- Vorkostenstellen: dispositive Logistikleistungen (z.B. Materialfluss-planung, Leitung
logistischer Bereiche).
- Kostenkategorien
Für die Kostenrechnung allgemein besteht die Notwendigkeit einer
Kostenspaltung, d.h. die Trennung der in den Kostenstellen gesammelten Gemeinkosten in
variable und fixe Kosten.
Variable sind die Kosten, die sich im Planungszeitraum einer
Kostenplanung mit Änderungen der Beschäftigung der Kostenstelle ebenfalls verändern
bzw. verändern lassen.
Alle andere Kosten sind Fixkosten.
B. Logistikkostenrechnung als Basis der Prozesskostenrechnung
Logistikkostenrechnung sollte es ermöglichen, die Logistikkosten
leistungsentsprechend sowohl an die Leistungen anfordernden Kostenstellen zu verrechnen
als auch den Produkten zuzuordnen.
Auf diesem Feld besteht in den Unternehmen derzeit noch ein Mangel.

Bild 5
Hat man Logistikkosten in entsprechenden Kostenstellen erfasst und sie
in variable und fixe Bestandteile differenziert, so ist ein Teil der Vorraussetzung dafür
geschaffen, diese Kosten weiterzuverrechnen.
Logistikkosten werden häufig sehr ungenau auf die Produkte verteilt.
Es findet damit eine interne Subventionierung statt: Logistikleistungsintensive Produkte
werden oftmals durch Produkte mitfinanziert, die wenig Logistikkosten in Anspruch nehmen.
Hieraus resultiert die Gefahr einer falschen Programmpolitik des Unternehmens (z.B. die
falschen Produkte zu forcieren oder neu im Programm aufzunehmen, die falschen Produkte
einzuschränken).
Ein weiterer Mangel der Kostenrechnung ist die Fokussierung auf direkte
Produktionstätigkeiten, die bis hin zu sprachlicher Diskriminierung geführt hat: nur
direkte Produktionstätigkeiten werden als "produktiv" bezeichnet.
Die Prozesskostenrechnung erhält Ihre Berechtigung und Bedeutung des
Mangels der Anpassung der Kostenrechung an geänderte Rahmenbedingungen: der Schwerpunkt
der Kostenbeeinflussbarkeit hat sich in den indirekten Bereich verlagert. Dem ist keine
Kostenrechnung in den Unternehmen gefolgt.
Das Hauptaufgabe der Prozesskostenrechnung besteht darin, diese
indirekten Bereiche besser als bislang einzelnen Produkten zuzurechnen.
C. Ziel einer Logistikkostenrechnung
Lieferung von Entscheidungsgrundlagen:
Die Ermittlung der Logistikkosten kann nur als erster Schritt in
Richtung eines Logistik-Controlling-Konzepts gesehen werden.
Die Kenntnis über die Höhe der Logistikkosten wird für eine Vielzahl
von Entscheidungen benötigt. Sie reichen von Grundsatzentscheidungen über
Produktentscheidungen bis hin zu logistikinternen Entscheidungsproblemen.
Preiskalkulation:
Hat das Unternehmen Preise aus den Kosten
abzuleiten, so wird durch eine exakte Zuordnung der Logistikkosten vermieden, dass
anfallende Kosten nicht vom Abnehmer der Produkte abgegolten werden.
Erfolgsbeurteilung:
Die jedem Produkt direkt zurechenbaren Kosten ermöglichen die Aussage,
ob es von der Kostensituation her angeraten erscheint, auf ein bestimmtes Produkt zu
verzichten.
D. Logistik-Gesamtkostenermittlung bei einem Unternehmen für
medizinische Produkte
Das Unternehmen aus logistischer Sicht:
- Nicht differenzierte Verrechnung von Gemeinkosten auf Kostenträger
- Die Gesamtkosten sind, aufgrund der organisatorischen Aufteilung auf mehrere
Fachbereiche, ohne differenzierte Analysen nicht ermittelbar
Logistik-Gesamtkostenermittlung mit Hilfe des Logistik-Controlling:
- Die Berechnung der tatsächlichen Höhe der gesamten Logistikkosten wurde vom
Logistik-Controlling übernommen:
- Zusammenführung der Kosten der drei Bereiche zu den Gesamtkosten der Logistik
- Vergleich der Höhe der Logistikkosten zwischen Beschaffungs-, Produktions- und
Distributionslogistik
- Darstellung der Struktur und der Zusammensetzung der Logistikkosten
(physische/dispositive Anteile)
- Aufzeigen von Kostenschwerpunkten zur Ermittlung von Einsparungspotentialen
- Förderung einer integrierten Betrachtungsweise der Prozesskette: Lieferant,
Beschaffung, Produktion, Distribution, Vertrieb, Kunde
Ergebnisse:
Kostenermittlung