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Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-41025-1

Logistik-Controlling (Teil1)
Rainer Kämpf, Agathe Clanet, Camille Haesaert, Rainer Sels

Thema des Monats Dezember 2000

1. Begriffsdefinition

Die hohe Komplexität von Logistiksystemen und die gewachsenen Leistungsanforderungen an diese verstärken die Notwendigkeit nach gezielter Planung, Steuerung, Kontrolle und Koordination der Teilbereiche der Logistik. Diese Aufgaben werden vom Logistik-Controlling wahrgenommen, welches

    • eine permanente Wirtschaftlichkeitskontrolle durch Soll- / Istver-gleiche von Kosten und Leistungen sowie
    • die Beschaffung , Verdichtung und Bereitstellung entscheidungs-bezogener Informationen

zum Ziel hat (Reichmann, Logistikkennzahlen als Führungsgrösse, 1985, Schulte, Logistik, 1995). Durch den Aufbau einer umfassenden Kosten- und Leistungsrechnung und eines Logistik-Kennzahlensystems wird eine möglichst aktuelle Aufbereitung des logistischen Geschehens angestrebt. Darüber hinaus sind Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen Kosten und Leistungen aufzuzeigen. Aus den Unternehmenszielsetzungen abgeleitet ergeben sich Vorgaben in Bezug auf Kapazitäten, Serviceleistungen, Fixkosten und Budgets vebunden. Das Arbeitsfeld umfasst sowohl die organisatorische Logistik (material- und warenflussbezogene Dienstleistungen) als auch Steuerung des gesamten Leistungsflusses im Unternehmen und zwischen Unternehmen und seinen Märkten.

2. Aufgaben des Logistik-Controlling

2.1. Strategische Aufgaben

2.1.1. Bestimmung der strategischen Bedeutung der Logistik.

"Wie wichtig ist die Logistik für Ihr Unternehmen?"

Logistik wird dann als attraktiv bezeichnet, wenn das Unternehmen durch die Logistikaktivitäten seine Wettbewerbssituation nachhaltig verbessern kann.

Als Instrument zur Beurteilung dieser zentralen Fragestellung kann die Portfolio-Analyse verwendet werden. Mit dieser Methode stellt man einer Logistikattraktivität eine Logistikkompetenz gegenüber.

Unter Logistikattraktivität versteht man die Einschätzung des Erfolgpotentials einer Logistikkonzeption für ein Unternehmen.

Deswegen wird die Logistikattraktivität durch Kostensenkungsmöglichkeiten (Attraktivität der Logistikkosten) einerseits und Leistungssteigerungs-möglichkeiten (Attraktivität der Differenzierung durch Logistik) andererseits bestimmt.

Im ersten Schritt ist die Attraktivität der Logistikkosten zu bestimmen, wobei die Bedeutung von Kosteneinsparungen für das Unternehmen und der Grad der Beeinflussbarkeit dieser Logistikkosten relevant sind.

Im Zweiten Schritt gilt es, die Attraktivität der Differenzierung durch Logistik zu analysieren. Hierzu untersucht man die Beeinflussbarkeit der Differenzierungskriterien und schätzt die Bedeutung der Differenzierung durch Logistik für das eigene Wettbewerbsverhalten ab.

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Bild 1

Mit diesen beiden Portfolio ist es nun möglich, ein drittes zu erarbeiten, welches die beiden Attraktivitäten zu einer gesamtheitlichen Attraktivität der Logistik zusammenfasst.

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Bild 2

Einer Logistikattraktivität ist anschließend die Logistikkompetenz gegenüberzustellen. Unter Logistikkompetenz versteht man die Fähigkeit eines Unternehmens, das Konzept der Logistik in Planung und Durchführung optimal zu realisieren.

Die Logistikkompetenz hat Einfluss auf die Logistikstrategien. Außerdem ist sie ein wichtiges Instrument um eine Positionierung des Unternehmens zu bestimmen.

Es gibt mehrere Kriterien, welche die Logistikkompetenz messen, wie z.B.

    • der Umfang der Informationen über Logistik
    • das Vorhandensein von Kosten- und Leistungsinformationen zur Logistik
    • die Anzahl der Pilotprojekte im Bereich Logistik
    • die Berücksichtigung der Logistik in der Aufbauorganisation

Sind die Logistikattraktivität und die Logistikkompetenz ermittelt, so kann ein Vorschlag für eine Normstrategie abgeleitet werden.

Die Zone der Ausgewogenheit zwischen Kompetenz und Attraktivität bezeichnet man als Gleichgewichtspfad. Bei hoher Logistikattraktivität und geringer Logistikkompetenz besteht ein hoher Handlungsbedarf und führt tendenziell zum Kauf von Logistikleistungen und Know-how. Im ungekehrten Fall stellt sich der Verkauf von Logistikleistungen und Know-how oder zur Verringerung der Logistik-Aktivitäten als mögliche sinnvolle Strategie dar.

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Bild 3

2.1.2. Weitere strategische Aufgaben

Wenn durch das vorherige Portfolio festgelegt wurde, dass die Logistik eine strategische Bedeutung besitzt, muss sie folglich in die gesamte Unternehmensplanung eingebunden werden.

Die Unternehmensstrategie teilt sich in zwei Kategorien:

    • die Geschäftsfeldstrategie, die auf Erfolgspotentiale auf Märkten gerichtet ist, und
    • die Funktionalstrategie, welche die Fähigkeitsbereiche des Unternehmens abdeckt.

Das Logistik-Controlling ist Bestandteil der Funktionalstrategie und hat drei wesentliche strategische Aufgaben:

a) Formulierung der Logistikstrategie

Bei der Formulierung ist von folgender Fallunterscheidung auszugehen:

  1. Gibt es im Unternehmen noch keine Erfahrung in diesem Bereich, dann muss das Controlling, um eine sinnvolle Logistikplanung erarbeiten zu können, mehrere Analysen durchführen (z.B. Wertketten- oder Stärken-Schwächen-Analyse).
  2. Besitzt das Unternehmen schon strategische Planungserfahrung im Logistikbereich, kommen normale Planungsmanagementaufgaben auf das Logistik-Controlling zu

b) Die strategische Budgetierung vorzunehmen

und dabei den Strategievorschlag mit den anderen Funktional- und Geschäftsfeld-Strategieentwürfen abzustimmen.

Das Controlling hat hierbei die Plausibilität der Strategien zu überprüfen, Abstimmungsrunden zu organisieren und demzufolge die Erarbeitung einer stimmigen Gesamtstrategie zu unterstützen.

c) Eine strategische Kontrolle durchzuführen

und in diesem Zusammenhang zu überprüfen, ob die zu erreichenden Ziele mit den geltenden Prämissen erfüllt worden sind.

2.2. Operative Aufgaben

2.2.1. Unterstützung des logistischen Zielfindungsprozesses

Der globale Leistungsanspruchs an die Logistik lässt sich durch die "4 R’s" beschreiben:

    • die Richtige Ware
    • in Richtiger Menge
    • am Richtigen Ort
    • zur Richtigen Zeit

Diese Definition deckt heute jedoch nur einen Teil der logistischen Aufgaben ab und lässt sich insbesondere nicht zur Formulierung expliziter Vorgaben verwenden.

Nötig ist ein in sich abgestimmtes logistisches Zielsystem. Es setzt am einzelnen Aktivitätsfeld an, sieht Zielgewichtungen vor und bildet die Basis für eine Leistungsbeurteilung der Logistik.

Dieses Zielsystem ist wie folgt strukturiert::

    • Ziele für die Logistik sammeln
    • die verschiedenen Ziele gewichten und hierarchisch ordnen
    • Fehler und Differenzen im Zielsystem entdecken und beseitigen
    • Konsens über die Gültigkeit des Logistikzielsystems herstellen

Neben kurzfristigen sind dabei auch langfristige Zielsetzungen zu berücksichtigen. Es stellt sich die Frage, welche Stellung den Logistikzielen innerhalb der anderen Ziele des Unternehmens zukommt.

2.2.2. Festlegung operationaler Größen zur Messung der Ziele der Logistik

Die Formulierung und Präzisierung von Zielen reicht nicht, um ein effizientes Handeln der Logistik-Verantwortlichen zu erreichen.

Deswegen braucht man Maßgrößen für die Logistik-Ziele.

Hier sind Schwierigkeiten absehbar, da die Logistik eine Dienstleistungsfunktion und sehr schwer zu messen ist.

Welche und wie viele Leistungskenngrößen konkret für jede Logistik-Stelle ausgewählt und festgelegt werden sollen, ist folglich eine nicht einfache aber sehr bedeutsame Entscheidung.

Was man nicht messen kann, kann man nicht managen!

2.2.3. Unterstützung der Logistikplanung

Das Logistik-Controlling muss in diesem Aufgabenfeld ein Planungssystem aufbauen und für die Planungsfelder die passenden Entscheidungsmethoden und benötigten Informationen bereitstellen.

Um diesen wesentlichen Teil des "Tagesgeschäfts" erledigen zu können, ist ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit nötig, da viele Logistikentscheidungen andere Unternehmensbereiche betreffen.

2.2.4. Aufstellung von Logistikbudgets

Der Planung von Budgetansätzen und deren Abstimmung mit Budgetvorgaben der Unternehmensleitung ist eine bedeutende Aufgabe des Logistik-Controlling.

In der Vergangenheit wurde, um das Logistikbudget festzulegen, oftmals ein Vorjahreswert übernommen, ohne ihn deutlich zu analysieren oder zu ändern.

Ein solches Vorgehen stößt jedoch bald an Grenzen. Folglich muss der Logistik-Controller Planungstechniken und –verfahren zur Budgetfestlegung entwickeln und anwenden.

Die folgende Abbildung zeigt, welche Vorgehensweise sich dabei anbietet. Das Ziel ist ein Abgleich der "Top-Down" Budgetvorgaben und der "Bottom-Up" Budgetplanungen zu erreichen.

Die "Top-Down" Methode wird von der Unternehmungsleitung entwickelt. Das Prinzip dieser Methode ist, ein gesamtes Budget festzulegen und es zu verteilen.

Um eine Gesamtkostenbudgetvorgabe festzulegen, berücksichtigt das Management die Vergangenheitswerte, die wichtigen Veränderungen der Logistikaufgaben und die Zielvorstellungen.

Innerhalb des Gesamtkostenbudgets werden Einzelkosten und Gemeinkosten separiert erfasst. Man budgetiert auch nach Kostenarten, eine davon sind die Logistikkosten.

Die "Bottom-Up" Methode funktioniert entgegengesetzt:: man berechnet all die Kosten, welche normalerweise entstehen werden und addiert sie zu einem Budget.

Der Abgleich der Top-Down und Bottom-Up Methoden liefert als Ergebnis ein Logistikkostenbudget.

Das gesamte Verfahren wird Gegenstromverfahren genannt.

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Bild 4

In der Regel ist man jedoch häufig auf Intuition und Schätzungen angewiesen. Damit verschlechtert sich die Argumentationsposition des Logistik-Controllers mit seiner Bottom-Up Werten.

2.3. Aufbau einer Logistikkosten und –leistungsrechnung

2.3.1. Aufbau einer Logistikleistungsrechnung

Im Rahmen des Logistik-Controlling, als Teil eines Gesamt-Controlling-Systems, kommt dem Aufbau einer Logistik-Leistungsrechnung eine zentrale Bedeutung zu.

Sie bildet die Grundlage zur Beschreibung von logistischen Prozessen und zur Einbindung der Logistik in die Kostenrechnung.

Das Logistik-Controlling hat zur Aufgabe, das Logistik-Management mit Informationen zu versorgen, damit dieses seiner Planungs-, Koordinations- und Kontrollfunktion nachkommen kann. Eine leistungsorientierte Kostenplanung und -Kontrolle ist Voraussetzung für eine Verrechnung der Logistikkosten auf Produkte, Kundenaufträge, Marktgebiete oder andere Kostenträger. Damit ist die Leistungsrechnung bedeutsam für die korrekte Kalkulation der Produkte bzw. Leistungen.

Beim Aufbau einer Logistikleistungsrechnung ist darauf zu achten, dass dies im Kontext der Unternehmenskostenrechnung geschieht und dass die Erfassung von Leistungsdaten unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgt.

Zur Quantifizierung von Informationen und Operationalisierung von Zielen besteht für das Logistik-Controlling eine wesentliche Aufgabe darin, Zielgrößen zu entwickeln.

Dafür sind besonders die Kennzahlen geeignet, die in ein entsprechendes Kennzahlensystem integriert werden können.

Beispiel: Entwicklung einer Leistungsrechnung bei einem Maschinenbau-Unternehmen

Am Beispiel eines vordefinierten Geschäftsbereiches wurden folgende Zielsetzungen verfolgt:

    • Beschreibung von logistischen Funktionen im Bereich der physischen und dispositiven Logistik und begriffliche Abgrenzungen zu anderen Leistungsarten
    • Ist-Analyse zum Stand der Logistik-Leistungserfassung und –Kosten-verrechnung (Lokalisierung der Leistungserbringung)
    • Konzeptvorschlag zur Ausprägung einer Logistik-Leistungserfassung.

Damit ergibt sich ein Instrument für folgende Ziele:

    • Unterstützung der operativen Planung
    • Aufstellung von Logistikbudgets
    • Budgetüberwachung und Durchführung von Abweichungsanalysen
    • Aufbau eines Führungsinstruments zur Steuerung der Mitarbeiter
    • Nutzung der Logistikleistung zur Kostenverrechnung auf Produkte, Produktgruppen, Kundenaufträge...

Unter dispositiven Logistikleistungen werden alle Aufgaben und Funktionen verstanden, die zur Führung, Steuerung und Wahrnehmung der physischen Logistik erforderlich sind. Andere Bereiche gehören ebenfalls dazu wie: die Bestelldisposition, die Produktionsplanung und -steuerung ...

Die physische Logistik umfasst die Hauptfunktionen Transport, Lagerung, Kommissionierung und Verpackung.

Voraussetzung für den Aufbau eines effizienten Logistik-Controlling ist eine geeignete Leistungserfassung. Hierzu müssen die Leistungsdaten definiert werden, welche die logistische Leistung detailliert genug beschreiben.

Die Leistungskennzahlen werden letztlich definiert, um folgenden Zwecken zu dienen:

    • Operationalisierung von Zielen und Zielerreichung
    • Erkennung von Leistungsveränderungen
    • Definition von Zielgrößen
    • Steuerung von Unternehmensprozessen

Bei der Definition von Logistik-Leistungsgrößen ist auf folgende Randbedingungen zu achten:

    • Bildung von Logistikeinheiten (Kostenstellen und –plätze), um eine Begrenzung der Leistungsdaten und Eignung für die Logistikleistungsrechnung zu erhalten
    • Die Erfassung und Auswertung muss wirtschaftlich Sinn machen
    • Alle Leistungsdaten sind in einem gemeinsamen Informationssystem zu integrieren
    • Die spezifischen Anforderungen der Leistungserfassung sind auf die Zielsetzung auszurichten
    • Nutzungsmöglichkeiten einer Logistik-Kosten- und –Leistungsrechnung zur Erstellung von Abweichungsanalysen
    • Leistungsgrößen sollen zur Präzisierung von Logistikzielen im Kontext der Unternehmensziele dienen
    •  

Exemplarische Leistungsgrößen

Es gibt mehrere Unternehmensbereiche, in denen diese Leistungsgrößen genutzt werden: in der Materialverwaltung, in der Bestelldisposition und in der Distribution.

In der Materialverwaltung geht es dabei um die Leistungsgrößen der Zentralen Warenannahme, der mobilen Gabelstaplertruppe, des Lagers und des Rangierbetriebs.

In der Materialverwaltung werden in großem Umfang logistische Leistungen erbracht, zum Beispiel die Lagerung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen und der Transport dieser Materialien und der Fertigerzeugnisse innerhalb des Werksgeländes.

Folgende Einzelleistungen für das Lager der RHB (Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe) sind charakteristisch:

    • Eingangsregistrierung LKWs, Waggons
    • Zentrale Warenannahme von Kleingütern
    • Abfertigung der LKWs und Waggons
    • Probeentnahmen zur Qualitätskontrolle und Weiterleitung der Proben
    • Wahrnehmung diverser Aufgaben wie Erfassung der Wareneingänge, Lagerplatzverwaltung...

Beim Transport der Fertigerzeugnisse innerhalb des Werksgeländes werden folgende Einzelfunktionen unterschieden:

    • Transport der Fertigerzeugnisse aus der Fertigung in das Fertigwarenlager
    • Transport vom Fertigwarenlager oder direkt aus der Fertigung zu den Speditionsdiensten

Diese Aufgaben werden durch den Rangierbetrieb im Rahmen fester Fahrpläne wahrgenommen.

Für diese Funktionen wurde eine Reihe von Leistungsmerkgrößen bestimmt, die den Realprozess genau kennzeichnen. Der Umfang dieser Leistungsmessgrößen ist spezifisch auf die Bedürfnisse zugeschnitten.

Im Bereich der Zentralen Warenannahme, haben sich folgende Leistungsdaten als geeignet erwiesen:

    • Zahl der Packstückbewegungen
    • Zahl der abgefertigten Ladungsträger
    • Zahl der Probeentnahmen
    • Zahl der Personalstunden
    • Anwesenheitsquote.....

Im Bereich der mobilen Gabelstaplertruppe ist sicherlich die Hauptleistungsgröße die Anzahl der entladenen Packstücke.

Daneben sind andere Leistungsgrößen von Interesse wie:

    • Zahl der abgefertigten LKWs und Waggons
    • Zahl der Entladungen mit und ohne Hilfsmittel(n)
    • Zahl der geleisteten Personalstunden
    • Anwesenheitsquote
    • Zahl der Betriebsstunden der Staplerfahrzeuge

Der Leistungsumfang im RHB-Lager lässt sich in einen physischen und einen administrativen Teil unterscheiden.

    • Zu den physischen Aufgaben gehören die Eingangslagerung, Lagerung und Auslagerung der Packstücke. Damit werden wesentliche Leistungsdaten wie Zahl eingelagerter, ausgelagerter, umgelagerter, gelagerter Packstücke verbunden.
    • Zu den administrativen Tätigkeiten zählt die Erfassung der Warenbewegungen im Lagerverwaltungssystem.
    • Weitere Leistungsdaten sind: minimale und maximale Belegung des Lagers, Dauer der Einlagerung je Packstück, geleistete Personalstunden...

Der Rangierbetrieb ist für das innerwerkliche Rangieren der Waggons zuständig. Zu erfassende Leistungsdaten für den Rangierbetrieb sind:

    • Zahl der Rangiervorgänge
    • Zahl der Fahrten ohne Waggon
    • Zahl der Weichenumstellungen
    • Zahl der Wiegungen
    • Geleistete Personalstunden
    • Anwesenheitsquote
    • Betriebsstunden der Zugmaschinen
    • Zahl transportierter Packstücke

Als nächstes kommen die Leistungsgrößen in der Bestelldisposition.

Die Bestelldisposition hat die Aufgabe, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe bei den einzelnen Lieferanten abzurufen.

Der Leistungsumfang wird wesentlich durch die Zahl der verschiedenen Lieferanten bestimmt. Geeignete Leistungskennzahlen, die dazu dienen, den Erfüllungsgrad der Aufgabe zu messen, sind:

    • Zahl der zu disponierenden A-, B- und C- Teile
    • Lieferantenzahl
    • Zahl der zu betreuenden Artikel
    • Anteil neuer Artikel, neuer Lieferanten
    • Zahl der Spezialartikel
    • Zahl der Reklamationen
    • Fehlmengenzahl
    • Geleistete Personalstunden....

Abschließend betrachten wir die Leistungsgrößen in der Distribution.

Hier sind die Bereiche Export-, Inlands-, Fakturen- und Dokumentenabwicklung sowie die Frachtenkontrolle zu unterscheiden.

Das Aufgabenspektrum in der Exportabwicklung ist vielseitig und umfasst Tätigkeiten wie z.B. Frachtverhandlungen, Disposition der Frachtsendungen (Transportraumbeschaffung, Dokumentation der Transportvorgänge...)

Die Leistungsgrößen ergeben sich wie folgt:

    • Zahl der Kundenaufträge
    • Zahl und Dauer der Frachtverhandlungen
    • Zahl der Transportvorgänge
    • Geleistete Personalstunden

Die Schwerpunktaufgaben in der Inlandsabwicklung betreffen die Koordination des Nah- und Fernverkehrs, Verhandlungen mit Spediteuren, Expressgut...

Die Leistungsgrößen im Bereich Inlandsabwicklung sind:

    • Zahl der Abfertigungen
    • Zahl der disponierten Fahrten
    • Zahl der Spezialtransporte
    • Geleistete Personalstunden

Die Export- und Dokumentenabwicklung umfasst die Erstellung aller Dokumente, die für den Export nötig sind.

Die Leistungsgrößen im Bereich Fakturen- und Dokumentenabwicklung sind:

    • Zahl der erstellten Dokumente je Dokumentenart
    • Zahl der bearbeiteten Kundenaufträge
    • Zahl der bearbeiteten Akkreditive
    • Geleistete Personalstunden

Die Frachtenkontrolle ist für die Richtigkeit aller Frachtabrechnungen verantwortlich und wickelt bei Unstimmigkeiten die Reklamationen ab.

Die Leistungsgrößen im Bereich Frachtenkontrolle sind:

    • Zahl der zu bearbeitenden Frachtrechnungen
    • Zahl der Reklamationen
    • Zahl der erstellten Frachtofferten
    • Geleistete Personalstunden

2.3.2. Aufbau einer Logistikkostenrechung

A. Was ist eine Logistikkostenrechnung?

Unter Logistikkostenrechnung versteht man die Erfassung und den kostenstellenbezogenen Ausweis der Kosten der Logistik.

Die Spaltung in Einzel- und Gemeinkosten, die Zuordnung der Gemeinkosten innerhalb der Kostenstellenrechnung und die Umwälzung dieser Kosten von den Endkosten auf die Produkte, all diese Schritte dienen der Zuordnung der Kosten auf die einzelnen Produkte.

  1. Höhe der Logistikkosten:
  2. Die Kernfrage ist : "Wie hoch ist der Betrag absolut?"

    Es besteht aber keinesfalls gesichertes Wissen darüber, was man genau unter Logistikkosten subsumieren soll. Es gibt kaum ein Unternehmen, das behaupten kann, den exakten Betrag der Logistikkosten angegeben zu können.

    Logistikkosten müssen präzisiert und spezifiziert werden. Die sind in jedem Unternehmen individuell abzugrenzen.

    Aus übergeordneter Sicht ist anzuraten, dass die einmal vorgenommene Abgrenzung über die Zeit hinweg beibehalten wird, um Zeitvergleiche zu ermöglichen.

  3. Art und Zahl zu unterscheidender Kosten

Eine Logistikkostenrechnung stellt keinesfalls ein neues Kostenrechnungssystem dar, sondern ist eine Verfeinerung der bekannten Systeme.

a) Kostenarten-, -stellen, -trägerrechung

Es geht wie in der Kostenrechnung generell um die Erfassung des Faktoreinsatzes (Kostenarten), die Abbildung von Leistungserstellungs-prozessen (in Kostenstellen) und die Zurechnung von Kosten zu Verursachern, unter diesen insbesondere zu Produkten (Kostenträgerrechnung).

Alle Logistikkosten werden in der Kostenartenrechnung erfasst. Man kann dabei zwei unterschiedliche Gruppen von Logistikkosten unterscheiden:

    • Kosten für logistische Fremdleistungen: Diese Fremdleistungen werden außerhalb der Unternehmensgrenzen, zur Beschaffung von Material und zur Distribution von Waren erbracht. Sie sind direkt den Kostenträgern zuzurechnen. Es handelt sich um Einzelkosten.
    • Kosten für logistische Produktionsfaktoren: Diese Kosten fallen für die Eigenproduktion logistischer Leistungen an und sind auf Kostenstellen zu verteilen. Es handelt sich um Gemeinkosten.

Diese sind noch in verschiedene Arten aufgeteilt:

    • Endkostenstellen: Physische und administrative (z.B. Bestelldisposition, Eingansregistrierung, Versanddisposition) Logistikleistungen.
    • Vorkostenstellen: dispositive Logistikleistungen (z.B. Materialfluss-planung, Leitung logistischer Bereiche).
  1. Kostenkategorien

Für die Kostenrechnung allgemein besteht die Notwendigkeit einer Kostenspaltung, d.h. die Trennung der in den Kostenstellen gesammelten Gemeinkosten in variable und fixe Kosten.

Variable sind die Kosten, die sich im Planungszeitraum einer Kostenplanung mit Änderungen der Beschäftigung der Kostenstelle ebenfalls verändern bzw. verändern lassen.

Alle andere Kosten sind Fixkosten.

B. Logistikkostenrechnung als Basis der Prozesskostenrechnung

Logistikkostenrechnung sollte es ermöglichen, die Logistikkosten leistungsentsprechend sowohl an die Leistungen anfordernden Kostenstellen zu verrechnen als auch den Produkten zuzuordnen.

Auf diesem Feld besteht in den Unternehmen derzeit noch ein Mangel.

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Bild 5

Hat man Logistikkosten in entsprechenden Kostenstellen erfasst und sie in variable und fixe Bestandteile differenziert, so ist ein Teil der Vorraussetzung dafür geschaffen, diese Kosten weiterzuverrechnen.

Logistikkosten werden häufig sehr ungenau auf die Produkte verteilt. Es findet damit eine interne Subventionierung statt: Logistikleistungsintensive Produkte werden oftmals durch Produkte mitfinanziert, die wenig Logistikkosten in Anspruch nehmen. Hieraus resultiert die Gefahr einer falschen Programmpolitik des Unternehmens (z.B. die falschen Produkte zu forcieren oder neu im Programm aufzunehmen, die falschen Produkte einzuschränken).

Ein weiterer Mangel der Kostenrechnung ist die Fokussierung auf direkte Produktionstätigkeiten, die bis hin zu sprachlicher Diskriminierung geführt hat: nur direkte Produktionstätigkeiten werden als "produktiv" bezeichnet.

Die Prozesskostenrechnung erhält Ihre Berechtigung und Bedeutung des Mangels der Anpassung der Kostenrechung an geänderte Rahmenbedingungen: der Schwerpunkt der Kostenbeeinflussbarkeit hat sich in den indirekten Bereich verlagert. Dem ist keine Kostenrechnung in den Unternehmen gefolgt.

Das Hauptaufgabe der Prozesskostenrechnung besteht darin, diese indirekten Bereiche besser als bislang einzelnen Produkten zuzurechnen.

C. Ziel einer Logistikkostenrechnung

Lieferung von Entscheidungsgrundlagen:

Die Ermittlung der Logistikkosten kann nur als erster Schritt in Richtung eines Logistik-Controlling-Konzepts gesehen werden.

Die Kenntnis über die Höhe der Logistikkosten wird für eine Vielzahl von Entscheidungen benötigt. Sie reichen von Grundsatzentscheidungen über Produktentscheidungen bis hin zu logistikinternen Entscheidungsproblemen.

Preiskalkulation:

Hat das Unternehmen Preise aus den Kosten abzuleiten, so wird durch eine exakte Zuordnung der Logistikkosten vermieden, dass anfallende Kosten nicht vom Abnehmer der Produkte abgegolten werden.

Erfolgsbeurteilung:

Die jedem Produkt direkt zurechenbaren Kosten ermöglichen die Aussage, ob es von der Kostensituation her angeraten erscheint, auf ein bestimmtes Produkt zu verzichten.

D. Logistik-Gesamtkostenermittlung bei einem Unternehmen für medizinische Produkte

Das Unternehmen aus logistischer Sicht:

    • breites Betriebssortiment, d.h. hohe Anzahl an Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen
    • Ab geringem Mindest-Auftragswert werden Kundenaufträge ausgeführt
    • Kundenbezogene Fertigung
    • Einseitige Abhängigkeit gegenüber Kunden und Lieferanten
    • Im Inland gibt es für verschiedene Produktgruppen ein- bzw- zweistufige Distributionssysteme
    • Logistik ist in verschiedene Bereiche geteilt: Beschaffung, Lager und Lieferwesen, Produktion, Kundenauftragsabwicklung, Vertrieb
    •  

      Problemzone des installierten Kostenrechnungssystems:

    • Nicht differenzierte Verrechnung von Gemeinkosten auf Kostenträger
    • Die Gesamtkosten sind, aufgrund der organisatorischen Aufteilung auf mehrere Fachbereiche, ohne differenzierte Analysen nicht ermittelbar

Logistik-Gesamtkostenermittlung mit Hilfe des Logistik-Controlling:

    • Die Berechnung der tatsächlichen Höhe der gesamten Logistikkosten wurde vom Logistik-Controlling übernommen:
    • Zusammenführung der Kosten der drei Bereiche zu den Gesamtkosten der Logistik
    • Vergleich der Höhe der Logistikkosten zwischen Beschaffungs-, Produktions- und Distributionslogistik
    • Darstellung der Struktur und der Zusammensetzung der Logistikkosten (physische/dispositive Anteile)
    • Aufzeigen von Kostenschwerpunkten zur Ermittlung von Einsparungspotentialen
    • Förderung einer integrierten Betrachtungsweise der Prozesskette: Lieferant, Beschaffung, Produktion, Distribution, Vertrieb, Kunde

 

Ergebnisse:

Kostenermittlung

Logistischer Teilprozess Logistikkosten
Physische Beschaffungslogistik
  • Eingangsfrachten für die Anlieferung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen (RHB) sowie Handelswaren
  • Fuhrparkkosten für die Selbstabholung von RHB und Handelswaren
  • Kosten der Wareneinganslager für RHB mit den Teilprozessen Eingangsregistrierung, Warenannahme, Ein- und Auslagerung und Kommissionierung
  • Kalkulatorische Zinsen auf Bestände für RHB
Dispositive Beschaffungslogistik
  • Kosten der Arbeitsgruppe "Disposition und Auftragsabwicklung" innerhalb des Bereichs "Beschaffung"
  • Abwicklungskosten für Materialretouren an Lieferanten
Physische Produktionslogistik
  • Kosten der innerbetrieblichen Transporte in der Produktion, durchgeführt durch Mitarbeiter des Bereichs "Fertigung"
  • Kosten der innerbetrieblichen Transporte in der Produktion, durchgeführt durch Mitarbeiter der Abteilung "Fuhrpark" (Bereich "Lager und Lieferwesen")
  • Lagerkosten für Pufferlager von RHB sowie "Unfertigen Erzeugnissen" in der Produktion (hier vor allem kalkulatorische Gebäude- und Raumkosten und kalkulatorische Zinsen auf das in den Beständen gebundene Kapital)
  • Kosten für Lieferleistungen an Lohnunternehmen (Ausrüster)
  • Lagerkosten für Bestände an "Unfertigen Erzeugnissen" im Bereich "Lager und Lieferwesen".
Dispositive Produktionslogistik
  • Kostenanteile der Abteilung "Fertigungsvorbereitung" für die Steuerung des Materialflusses und der Materialbestände in der Produktion
  • Gehaltskosten für Mitarbeiter der Betriebsdatenerfassung (Materialwirtschaftsfunktionen)
Physische Distributionslogistik
  • Transportkosten für die Anlieferung von "Fertigerzeugnissen" im Zentrallager Neuwied
  • Kosten der Ein- und Auslagerung und der Lagerverwaltung im Zentrallager
  • Kalkulatorische Zinsen auf Bestände an "Fertigerzeugnissen" im Zentrallager
  • Kosten der Auftragszusammenführung im Zentrallager
  • Kosten der Packerei und der Versandbereitstellung im Zentrallager
  • Transport- bzw. Frachtkosten für die Kundenbelieferung von Neuwied
  • Transportkosten für Eigenbelieferungen der inländischen Auslieferungslager
  • Frachtkosten für Fremdauslieferung an inländische Auslieferungslager
  • Kosten für Lagerung und Kommissionierung in den inländischen Auslieferungslagern
  • Kalkulatorische Zinsen auf Bestände an "Fertigerzeugnissen" in inländischen Auslieferungslagern
  • Transportkosten für die Kundenbelieferung aus inländischen Auslieferungslagern mit eigenem Fuhrpark
  • Frachtkosten für die Fremdauslieferung von Kundenaufträgen und Aufträgen verbundener Unternehmen
Dispositive Distributionslogistik
  • Gehalts- und Sachkosten der Kundenauftrags- Abwicklung in den Vertriebsbereichen
  • Gehalts- und Sachkosten der Kundenauftrags- Abwicklung in inländischen Vertriebs-Geschäftstellen
  • Kosten der dispositiven Versandsabwicklung (Erstellung von Versandpapieren)
  • Kosten der Disposition von Fertigerzeugnisbeständen im Zentrallager
  • Kostenanteile für die zentrale Steuerung der Auslieferungslager und Bereichsleitung "Lager- und Lieferwesen"

Weitere Schritte

Einbezug der Logistik in ein umfassendes Logistik-Controlling:

Die Ermittlung der Logistikkosten kann nur als erster Schritt in Richtung eines Logistik-Controlling-Konzepts gesehen werden.

Weitere Schritte sind durch folgende Maßnahmen gekennzeichnet:

    • Verbesserung der Kostentransparenz für logistische Teilbereiche
    • Erfassung von Logistikleistungen
    • Bildung von Kennzahlen aus der Logistik-Kosten-/Leistungsrechnung
    • Erstellung von leistungsorientierten Logistik-Kostenplanungen
    • Erarbeitung von Logistikstrategien

 

Teil 2:
Neue Anforderungen an moderne Logistik-Strategien

Quellen