| Neue Anforderungen an moderne Logistik-Strategien Schon heute ist für jedermann im täglichen Umfeld ersichtlich, dass sich
das wirtschaftliche Wettbewerbsumfeld aufgrund der zunehmenden Globalisierung und der
Entwicklung von einem Anbieter- in einen Käufermarkt mit gut informierten Kunden und
einer technologisch bedingt zunehmenden Markttransparenz im letzten Jahrzehnt stark
verändert hat. Besonders die Innovationen der Kommunikations- und
Informationsverarbeitung, der permanente organisatorische Wandel in den Unternehmen mit
einer Internationalisierung der Geschäftssysteme und nachhaltiger Konzentration auf
Kernkompetenzen bis hin zur Bildung von virtuellen Unternehmen sind dafür kennzeichnend.
Für jedes nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip
arbeitende Unternehmen besteht deshalb eine zwingende Notwendigkeit zur Optimierung seiner
betrieblichen Abläufe einerseits und andererseits eine servicebereite und flexible
Kundenorientierung.
Diese gestiegenen Anforderungen an die Unternehmen
der Gegenwart sind nur durch eine Fülle von strategischen Maßnahmen im Einklang mit der
Unternehmens-Philosophie zu erfüllen.
Unbestritten ist in diesem Zusammenhang, dass der
Planung, der Entwicklung, der Implementierung und der nachfolgenden Kontrolle und
Anpassung eines effektiven und effizienten Logistik-Konzepts eine wichtige Bedeutung
zuzumessen ist und für die Zukunft unabdingbar sein wird.
Diese Aussage stützt sich auf folgende zwei
Aspekte:
a) Durch verbesserte Logistik können Kostensenkungspotentiale
erschlossen werden
In Deutschland liegt heute der Anteil der
Logistikkosten an den Gesamtkosten in einer Größenordnung zwischen etwa 15 und 25
Prozent und im Durchschnitt zwischen 7 und 14 Prozent am Umsatz.
Untersuchungen in den USA bestätigen diese
Quantifizierung, sie weisen einen Anteil der Logistik am Bruttosozialprodukt von 11,4
Prozent aus mit eher steigender Tendenz. Der Grund dafür dürfte in der
Internationalisierung und Digitalisierung der logistischen Geschäftsprozesse wie z.B. EDI
(Electronic Data Interchange) liegen.
Auf das Kernproblem logistischer Kostenstatistiken
Unsicherheiten bei der Datenerhebung, falsche Kosteneinschätzungen und fehlende
oder mangelhafte Standardisierung logistischer Prozesselemente - soll an dieser Stelle der
Vollständigkeit und Transparenz halber jedoch hingewiesen werden.
b) Neben der nach wie vor wichtigen Kostenkomponente kommt der
Leistungskomponente der Logistik im Wettbewerb zunehmende Bedeutung zu
Weltweit gleichen sich heute die technischen
Voraussetzungen der Wettbewerber an, eine Differenzierung lediglich über das Produkt wird
damit immer unwahrscheinlicher. Demnach ist die Produktqualität als alleiniges Kriterium
für die Kaufentscheidung und die Kundenbindung nicht mehr ausschlaggebend.
Das Angebot an logistischen Dienstleistungen kann
für die Unternehmen deshalb enorm an Bedeutung gewinnen. Überdurchschnittliche
Leistungen besonders in der Distributionslogistik- wirken sich dabei gleich dreifach
auf die Wettbewerbsposition des Unternehmens aus:
aa) Der Kundennutzen - als entscheidendes Kriterium der
Kaufentscheidung des Kunden - wird wesentlich durch logistische Leistungen mitbestimmt
Logistische Kenngrößen wie Lieferqualität,
Lieferzeitpunkt oder Verfügbarkeit am Point-of-Sale seien beispielhaft genannt für vom
Kunden geforderte Service-Maßstäbe. Besonders durch die Entwicklung der industriellen
Märkte zu Käufermärkten und das Diktieren der Wettbewerbskriterien durch die Kunden
haben für die anbietenden Unternehmen verschärfende Konsequenzen.
Eine strikte Orientierung auf die Bedürfnisse des
Kunden und die Bereitstellung von Produkten oder Dienstleistungen "Just-in-Time"
stellen hohe Anforderungen an die logistischen Prozesse der Hersteller, andererseits
bieten sie auch eine Chance, im Wettbewerb erfolgreich zu sein und die Marktlage zu
verbessern. Dies betrifft besonders die Unternehmen aus Branchen mit gesättigten Märkten
sowie zyklischen Nachfrageschwankungen.
bb) Logistische Spitzenleistungen bieten
Möglichkeiten der Differenzierung
Logistische Konzepte sind da sie die
Prozesse des Unternehmens und damit auch dessen Besonderheiten einbeziehen in der
Praxis meist sehr individuell zugeschnitten. Das hat für die Unternehmen mit hohen
Logistikleistungen den Vorteil, dass sie von Wettbewerbern kaum oder nur schlecht zu
imitieren sind.
Heute hängt der Unternehmenserfolg nicht mehr
allein von marktgerechten Produkten ab sondern zunehmend davon, mit welchen Methoden und
Kompetenzen ein Unternehmen am Markt agiert. Das Generieren von Alleinstellungsmerkmalen
kann dabei für einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil sorgen.
Im Logistikbereich steht der Focus neben der
Optimierung unternehmensspezifischer und unternehmensübergreifender Abläufe besonders
auf dem Aufbau interner und externer Kunden-Lieferanten-Beziehungen, die als
Differenzierungsmerkmal vom Wettbewerb nur schwer kopiert werden können.
c) Durch Logistische Leistungen lassen sich neue
Standards im Wettbewerb setzen
Besonders die modernen
Dienstleistungsunternehmen demonstrieren, wie sich eine leistungsfähige Logistik vom
Kostenfaktor in ein Profit-Center entwickelt hat.
Die Bündelung logistischer Kompetenzen kann
wie am Beispiel der Automobilindustrie zu einer Neuausrichtung der Prozesse in der
Logistik führen.
Bei entsprechendem Know-how lassen sich damit neue
Märkte erschließen, die vielversprechende Wertschöpfungs- und Ergebnispotentiale
versprechen.
Fazit:
Aus einem reinen Erfüllungsgehilfen der betrieblichen Standardfunktionen Einkauf,
Produktion und Verkauf hat sich die moderne Logistik zu einem wichtigen und den Wettbewerb
nachhaltig beeinflussenden Erfolgsfaktor entwickelt.
Intelligente Logistik-Konzepte haben ein hohes
Potential zur Kostensenkung und zur Leistungsverbesserung.
Nicht mehr die begrenzte Raum-Zeit Komponente bei
der Materialkoordination steht bei den Logistik-Systemen der Zukunft im Vordergrund,
sondern die gesamtheitliche Optimierung der Prozess- und Wertschöpfungskette.
Aufgaben des Logistik-Controlling in der Dispositions-Logistik
Als Praxisbeispiel für die Aufgaben des Logistik-Controlling
soll der Teilbereich Einkauf/Logistik eines Serienherstellers stehen. Als Zulieferer der
Automobilindustrie stehen klassische Logistikprozesse ebenso im Blickpunkt wie
richtungsweisende, neue Standards in der logistischen Planung und Umsetzung.
Im Zusammenhang mit den vorigen Kapiteln beschriebenen
betriebswirtschaftlichen Optimierungszielen und dem Bestreben nach maximaler Befriedigung
der Kundenbedürfnisse stellt sich der Bereich Einkauf/Logistik der Hersteller folgende
strategische und operationale Ziele:
3.2.1. Strategische Zielstellungen
a) Verringerung der Lieferantenzahl
Die Bedeutung einer Selektion (und damit Verringerung) der
Lieferanten hat einerseits das Ziel, die Dispositionskosten und den Buchhaltungs-Aufwand
zu verringern und durch Konzentration der Bestellmengen größere Losgrößen und damit
höhere Rabatte zu verhandeln.
Andererseits kommt der Orientierung auf wenige Vorzugs- und
Speziallieferanten noch eine strategische Komponente zu: Die verbleibenden Lieferanten
sollen hinreichende Motivation erhalten, sich gemeinsam mit dem Abnehmer um optimierte
Logistik-Lösungen zu bemühen.
Die Automobilindustrie ist heute bereits Vorreiter in der Thematik
der Durchsteuerung seiner Logistikprozesse vom Point-of-Sale über die eigene Produktion
bis zu den Zulieferern (wie dem Abnehmer) und sogar dessen Lieferanten. Extreme
Variantenanzahl und Kombinationsmöglichkeiten zur Befriedigung ständig steigender
Kundenbedürfnisse haben schon vor Jahren die "Just-in-Time" Produktion
notwendig gemacht. Diese Produktionsform verlangt von allen Beteiligten hohe Flexibilität
im Ablauf aller logistischen Prozesse.
Dies lässt sich heute nur noch mit totaler Transparenz und hohem
Standardisierungsgrad in der Kommunikation bezüglich aller dispositions- , fertigungs-
und distributionslogistischen Vorgänge (sowohl zum Kunden als auch zum Zulieferer)
erreichen.
Der Auswahl der geeigneten Lieferanten und der Umsetzung einer
dauerhaften partnerschaftlichen Lieferantenbeziehung kommt damit eine strategische
Bedeutung mit zunehmender Wichtigkeit zu.
b) Einbindung der Lieferanten in EDI und WebEDI
In der Vergangenheit und in einigen Fällen auch noch
heute war die Kommunikation zwischen dem Abnehmer und den Lieferanten
gekennzeichnet durch EDV gestützte Erstellung von Geschäftspapieren, die dann
ausgedruckt und per Post und Fax versandt wurden. Anschließend wurden sie beim
Handelspartner erneut in dessen EDV-Systemen wiedererfasst. Diese
"Zwischenspeicherung" auf Papier (Medienbruch) ist kostenintensiv und birgt
daher Kosteneinsparungspotential für beide Seiten.
Des weiteren gilt auch für die Dispositionspartner vom Zuliefere
das Pareto-Prinzip:
Von den etwa 400 Lieferanten verursachen ca. 100 einen Datenaufwand
von 90 Prozent:
Die Lösung für diesen enormen Datenaufwand bietet EDI.
Durch elektronischen Austausch der Geschäftsdaten wird ein fehlerfreier und schneller
Informationsaustausch ermöglicht. Standardisierte Nachrichtenformate (z.B. EDIFACT)
ermöglichen weltweiten und branchenübergreifenden Datenaustausch.
Mit der Entwicklung des Systems WebEDI (EDI über
Internetanbindung) gelang dem Abnehmer ein weiterer Schritt der Lieferantenanbindung.
Während EDI nach klassischen Verfahren eine nicht unerhebliche Erstinvestition von ca.
30.000 DM erfordert, bildet WebEDI das investitionslose Pendant für kleinere Unternehmen.
Der Unterschied zum klassischen EDI besteht darin, dass der Abnehmer
seine Auftrags- und Lieferplanung über einen Server an seine Lieferanten kommuniziert.
Diese greifen über Internetanschluss auf die Bestelldaten zu.
Der Vorteil der kostenminimalen Anbindung wird jedoch durch einen
höheren Handling-Aufwand relativiert. Der Lieferant kann da er nicht über die
identische Software verfügt nicht vollständig die Einbindung der Daten in sein
eigenes System erreichen.
Sämtliche Vorgänge und Datentransfers beim WebEDI entsprechen
denen des klassischen EDI, mit Zwischenlagerung der Daten auf dem Server.
Der Nutzungsgrad des Systems erreicht den des klassischen EDI daher
nicht.
c) Das Modell eines Konsignationslagers
Die unbedingte Liefertreue gegenüber dem Kunden und der damit
verbundene Bedarf an flexibler Lieferleistung durch die eigenen Zulieferer forderte vom
Abnehmer in der Vergangenheit folgende Entscheidung:
Entweder Materialreserven zu lagern, um dem Risiko des
Produktionsausfalls bei Lieferantenschwierigkeiten zu begegnen und damit entsprechende
Lagerkapazitäten durch Kapitalbindung zu finanzieren, oder durch eine Verkürzung der
Bestellzyklen höhere Dispositions- und Buchhaltungskosten zu generieren.
Beide Lösungen sind aufgrund des hohen Kostendrucks nicht mehr
zeitgemäß und verschlechtern die Marktposition besonders bei preissensiblen (und
damit kostenabhängigen) Produkten erheblich.
Die Lösung dieser Problematik findet der Abnehmer gegenwärtig im
Modell des Konsignationslagers. Ein Konsignationslager ist ein vom Lieferanten
bereitgestellter Warenbestand. Der Abnehmer wiederum stellt dem Lieferanten unentgeltlich
die Lagerfläche zur Verfügung und trägt die Lagerkosten. Erst bei der Entnahme der Ware
erfolgt der Eigentumsübergang und sie wird fakturiert. Somit ist das Konsignationslager
ein Fertigwarenlager des Lieferanten beim Abnehmer.
Vom Abnehmer wird dabei ein Zeitfenster von 2 Wochen bis 2 Monaten
vorgegeben, für welches der Abnehmer die aus der Planung benötigten Waren festlegt. Nach
EDI Datenabruf durch den Lieferanten kann dieser nun selbst die Belieferung des
Zeitfensters koordinieren, unter Maßgabe der von für ihn günstigsten
betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Für den Lieferanten bedeutet das:
- engere Kundenbindung
- Abbau eigener Lagerflächen
- Optimierung der Transport- und Verpackungskosten
- Reduzierung von Sonderfahrten bei "Frei Haus" -
Lieferbedingung
- Optimales Produktionsprogramm durch Lieferflexibilität
- Geringere Rüstzeiten
- Geringerer Planungsaufwand für die eigene Disposition
- Wegfall der Auftragsbestätigung
Der Abnehmer hat folgende Vorteile:
- eine geringere Kapitalbindung
- eine höhere Versorgungssicherheit durch frühzeitige Planung beim
Lieferanten
3.2.2 . Operationale Zielstellungen
Im Logistik-Controlling des Einkaufs vom Abnehmer gibt es vier
Hauptaufgaben:
- Prozesskosten- und Leistungsanalyse
Hierbei geht es um die Erfassung der oben beschriebenen Kosten
der Logistik und der durch sie erbrachten Leistungen.
- Definition von Kostentreibern
Basierend auf den unter a) erfassten Kenngrößen werden diese
nun auf verursachende Produkte umgelegt. Hierzu dient z.B. die Messung der:
- Anzahl der Lagerbewegungen
- Anzahl der Wareneingänge
- Anzahl der Bestellungen
- Anzahl der Qualitätsprüfungen
- Anzahl der Rücksendungen
- Optimale Bestellmengen
Anhand des umfangreichen Datenmaterials wird nun eine optimale
Bestellmenge auf Basis der Optimierung dieses multidimensionalen Datenmodells festgelegt.
- Versorgung des Managements mit Daten und Unterstützung bei der
Entwicklung und Implementierung neuer Logistik-Konzepte
Neben all diesen theoretischen und durch Kennzahlen belegten
Entscheidungsgrundlagen werden jedoch auch beim Abnehmer aus strategischen und
visionären Gründen Maßnahmen getroffen, die eher auf qualitative Betrachtungen
zurückzuführen sind.
Letztendlich gilt auch hier die Überlegung, dass im Zweifelsfalle
eine kunden- und serviceorientierte Entscheidung einen gegenwärtig noch nicht
quantifizierbaren Wettbewerbsvorteil generieren kann und damit die Zukunft des
Unternehmens positiv mitbestimmt.
Teil 1:
Logistik Controlling
Quellen
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