1. Die
Nummernsysteme
Das gemeinsame Ziel aller Nummernsysteme ist die weltweit eindeutige Kennzeichnung einer
logistischen Einheit. Als logistische Einheit kann der einzelne Artikel, die
Artikelpackung, die Transportverpackung oder der Transportträger definiert werden.1974
trafen sich Vertreter von Industrie und Handel aus 12 europäischen Ländern, um nach
einem einheitlichen Nummerierungsstandard nach dem Vorbild des bereits existierenden
amerikanischen UPC "Uniform Product Code" zu suchen. Als Ergebnis wurde das EAN
(European Article Numbering)-System definiert. Dieser europäische Standard ist kompatibel
zum amerikanischen UPC-System. Im Februar 1977 wurde die..European Article
Associatian" gegründet, die 1992 in "EAN International" umbenannt wurde,
da Sie mit 98 Mitgliedsländer weit über die europäischen Grenzen hinausgewachsen war.
EAN International hat heute 101 Mitglieder, die 103 Staaten vertreten. Die Deutsche
Vertretung dieser non-profit Organisation ist die GS1 Germany (früher Centrale für
Coorganisation GmbH). Ziel diesen Organisation ist die Entwicklung von Standards, für die
eindeutige Identifizierung von Produkten, Versandeinheiten, Unternehmen und
Mehrwegverpackungen.
Internationale Lokationsnummer ILN |
Basisnummer
40 12345 |
Eigengenerierung
00001
bis
99999 |
Prüfziffer
6
0 |
Internationale Artikelnummer EAN |
Basisnummer
40 12345 |
Eigengenerierung
00001
bis
99999 |
Prüfziffer
9
0 |
Nummer der Versandeinheit NVE |
RZ
Basisnummer
3 40 12345 |
Eigengenerierung
000000000
bis
999999999 |
Prüfziffer
0
9 |
| MTV-Identnummer |
Basisnummer 40
12345 |
Eigengenerierung 00006
|
Seriennummer
der MTV (opt.)
123a b c |
| Serielle
EAN-Nummer (Behälter) |
Basisnummer 40
12345 |
Serielle
Nummer des Objekts
123abc |
|
Abb .1 Übersicht zum Aufbau der Nummernsysteme
1.1 EAN - Europäische Artikel Nummer
EAN, also die Europäische Artikel Nummer, ist ein Code der aus 13 oder 8 Ziffern
besteht und ein Produkt weltweit eindeutig kennzeichnet. Dieser Code ist beispielsweise
auf allen Produkten in Supermärkten aufgedruckt zumeist in numerischer und
Strichcode-Form und wird an den Scannerkassen zur Identifikation der Produkte
eingelesen.
Der Aufbau der EAN-Nummer ist international eindeutig und ist im folgenden am Beispiel
des EAN-13 Codes erklärt:
- Ziffer 1-3:3-stellige Kennzeichnung des Landes
- Ziffer 4-7:4-stellige Betriebsnummer
- Ziffer 8-12:vom Unternehmen selbst generierte 5-stellige Artikelnummer
- Ziffer 13:1-stellige Prüfziffer.
Zusammen bilden die Betriebsnummer und die Artikelnummer eine 9-stellige Nummer zur
Teileidentifikation. Es stehen immer 9 Stellen zur Verfügung, die Betriebsnummer kann
aber zwischen 4 und 6 Stellen lang sein, somit bleiben für die Artikelnummer dann nur die
restlichen Stellen. Der Ländercode und die Betriebsnummer werden immer von den nationalen
Vertretungen der "EAN International" vergeben, im Fall von Deutschland sind
diese beiden Nummern also bei der GS1 zu beantragen. Zu beachten ist aber, dass der
3-stellige Ländercode keine Auskunft über den Ursprung des Produktes gibt, da zum
Beispiel auch ein französischer Hersteller eine EAN in Deutschland beantragen kann, und
damit von der GS1 einen deutschen Ländercode und eine Betriebsnummer zugewiesen bekommt.
Der Ländercode gibt nur an, in welchem Land der Hersteller eingetragen ist.
1.2 NVE - Nummer der Versand-Einheit
Die NVE ist die "Nummer der Versand-Einheit", international ist sie als
Serial Shipping Container Code (SSCC) bekannt. Sie dient dazu eine Versandeinheit, also
ein Paket oder eine Palette, weltweit eindeutig zu kennzeichnen. Die NVE beginnt mit einer
Reserveziffer, danach kommt die 7 bis 9-stellige Basisnummer, gefolgt von einer 7 bis
9-stelligen, vom Versender selbst generierten, fortlaufen-den Identnummer sowie einer
1-stelligen Prüfziffer. Für die Basisnummer und Identnummer stehen insgesamt 16 Stellen
zur Verfügung. Deshalb gilt wie für die EAN, umso länger die Basisnummer ist, desto
kürzer ist die selbst generierte Identnummer. Letztere darf nur einmal im Jahr vergeben
werden. Durch die NVE wird es im Rahmen des "Tracking & Tracing" möglich
eine Sendung zu verfolgen bzvv. zurück zu verfolgen.
1.3 ILN Internationale Lokations Nummer
Die ILN ist die "Internationale Lokations Nummer" oder auch "Global
Location Number". Sie dient der eindeutigen Identifikation von physischen,
funktionalen oder rechtlichen Einheiten von Unternehmen und/oder Unternehmensteilen. Auf
diese Weise werden Adressen der Versender und der Empfänger in einem eindeutigen für
Maschinen verständlichen Code ausgedrückt. Der Aufbau von EAN und ILN sind gleich, nur
die Bedeutung ist unterschiedlich.
1.4 MTV Mehrweg Transport Verpackung
Die Identnummer für Mehrweg-Transportverpackungen (MTV) ermöglicht es, die
Ladungsträger oder Behälter (z. B. Paletten oder Container) zu identifizie-ren und damit
zu verwalten und zu verfolgen. Die MTV besteht aus einer 7-stelligen Basisnummer, einer
5-stelligen, selbst generierten Identnummer und einer 6-stelligen Seriennummer. Die
Vergabe der Seriennummer ist optional, aber sie ermöglicht den individuellen Behälter
oder Träger zu identifizieren.
1.5 Prüfziffer
Die Prüfziffer ist zwar kein eigenes Nummern-System, aber sie wird in allen oben
stehenden Systemen benutzt und muss vom Anwender selbst errechnet werden. Da sie für die
Nutzung unabdingbar ist, hier eine kurze Erklärung zu ihrer Berechnung. Man beginnt bei
der 12. Ziffer - also von rechts - und multipliziert die Zahlen abwechselnd mit 3 und 1.
Danach addiert man alle Produkte und zieht die errechnete Summe vom nächstgrößeren
Vielfachen von 10 ab. Die Differenz ist die Prüfziffer.

- Die Datenträger
Die verschiedenen Nummer-Codes werden nun mittels Datenträgern auf die
logistischen Einheiten aufgebracht. Dazu gibt es grundsätzlich zwei Möglich-keiten diese
Daten zu speichern:
- auf einem optischen Träger (z.B. Stichcode oder OCR-Schrift auf Klebe-Etiketten),
- auf einem elektronischen Träger (Daten auf einem Chip oder Transponder gespeichert, der
an der logistischen Einheit angebracht ist und die Informationen mittels Funkwellen
überträgt).
2.1 Optischen Träger und ihre Code-Darstellung
Für die Darstellung auf optischen Trägern wird meistens ein Strichcode (Barcode)
verwendet. Insgesamt gibt es dazu 4 Darstellungsformen:
- der klassische EAN/UCC Strichcode,
- der EAN 128,
- der ITF und
- die RSS.
Auf die OCR-Schrift wird hier nicht eingegangen, da in der Logistik überwiegend die
verschiedenen Barcodes eingesetzt werden.
2.1.1 Klassischer EAN/UCC Strichcode
Diese Darstellung (EAN 13) ist allgemein bekannt, denn sie befindet sich auf allen
Produkten im Einzelhandel. Die Scannerkassen können dieses Format direkt einlesen. Nur
die EAN wird mit diesem Strichcode abgebildet.
2.1.2 EAN-128 Standard
EAN-128 ist ein internationaler Standard, der zur Codierung von logistischen Grund-
und Zusatzinformationen dient. Den jeweiligen Codes wie zum Beispiel EAN oder NVE wird ein
2 bis 4-stelliger Datenbezeichner vorangestellt, um auf den Dateninhalt des folgenden
Codes hinzuweisen. So werden vor der EAN als Datenbezeichner "01" und vor der
NVE "00" stehen. Doch nicht nur die bisherigen Nummernsyteme können auf diese
Weise dargestellt werden, sondern auch das Mindesthaltbarkeitsdatum, das Gewicht oder die
Chargennummer lassen sich somit codieren.
2.1.3 ITF - Darstellung
ITF bedeutet "interleaved two of five" und wird zur Darstellung eines
14-stelligen Codes verwendet. Dabei wird die erste Zahl von links im Code mit schwarzen
Strichen dargestellt, die nächste Ziffer mit weißen Leerzeichen verschlüsselt. Die
abwechselnd in schwarz und weiß codierten Zahlen sind dadurch miteinander verbunden
(interleaved) und die Codierung kann nur einen Code mit einer geraden Anzahl an Ziffern
darstellen. ITF wurde in den 70-er Jahren erfunden und ist in Lagerbereichen oder in der
Schwerindustrie im Einsatz. ITF besteht im Gegensatz zum EAN-128 nicht ausschließlich den
EAN-Anwendungen zur Verfügung, dadurch ist es nicht möglich, Eindeutigkeit zu
gewährleisten.
2.1.4 RSS - Darstellung
Die "Reduced Space Symbology (RSS)" wurde entworfen, um Strichcodes auf
sehr kleinen Objekten anzubringen oder auf dem vorhandenen Platz für die EAN eine
größere Datenmenge abzubilden (z.B. zusätzliche Angaben wie Gewicht oder Menge). So
könnte es laut GS1 in der Zukunft möglich sein auf jeden Apfel einen Code zu kleben,
welcher Auskunft über das Gewicht oder den Preis gibt. Diese Darstellungsform kann in
zwei Familien aufgeteilt werden:
Es gibt 3 technische Lösungen. Die beiden ersten "EAN-UCC RSS-14" und
"EAN-UCC RSS Limited" (für sehr kleine Produkte), dienen zur Verschlüsselung
der EAN-Artikelnummern. Neben der normalen "RSS-14" gibt es noch zwei
Ausprägungen, die je nach verfügbaren Platz zum Einsatz kommen: den "RSS-14
Truncated" mit verkürzter Strichhöhe und den "RSS-14 Stacked" mit
Darstellung des Codes auf zwei Ebenen. Nachteil der "Limited"-,
"Truncated"- und "Stacked"-Lösung ist, dass die Barcodes nicht mehr
omnidirektional lesbar sind. Daher wurde der "RSS-14 Stacked Omnidirectional"
auf dem Prinzip der Grundform "Stacked" entwickelt.
Die dritte technische Lösung ist der "EAN-UCC RSS Expanded", der das EAN-128
Konzept mit den Datenbezeichnern verwendet und dadurch alle Nummernsysteme darstellen
kann. Den "EAN-UCC RSS Expanded" gibt es auch noch in der "Stacked"-
Ausführung. Sowohl "EAN-UCC RSS Expanded" sowie "EAN-UCC Expanded
Stacked" sind omnidirektional lesbar.
- "Composite" - Darstellung
Zur linearen Darstellung wird noch eine zweite Dimension ergänzt. Da-durch können
noch mehr Daten auf sehr geringem Platz untergebracht werden.
Die "Composite"-Darstellung gibt es in drei Varianten:
- "EAN-UCC Composite Component A" (Verschlüsselung von bis zu 56 numerischen
Zeichen),
- "EAN-UCC Composite Component B" (Verschlüsselung von bis zu 338 numerische
Zeichen),
- "EAN-UCC Composite Component C" (Verschlüsselung von bis zu 2361 numerische
Zeichen).
Da die "Composite"-Darstellung ein zweidimensionaler Zusatz für den
Strichcode ist, kann sie bei jedem Barcodetyp angewendet werden.
2.2 Elektronische Träger RFID-Systeme
RFID-Systeme (Radio Frequency Identification Device) sind Identifikations-systeme,
die ihre gespeicherten Informationen entweder dauernd oder auf Abruf mittels
hochfrequenter Übertragung übermitteln. Zum Einsatz kommen Transponder, die durch
Funkwellen aktiviert werden. Dies hat den Vorteil, dass eine Pulkerfassung möglich ist,
d.h. wenn ein beladener LKW an einer Erfassungsstation vorbeifährt, werden alle
Transponder, die in seinem Laderaum an Produkten oder Ladeeinheiten angebracht sind,
gemeinsam aktiviert und übertragen ihre Informationen quasi parallel. Damit werden alle
Daten in einem Vorgang erfasst, ohne dass der LKW dazu entladen werden muss. Es ist kein
"Sichtkontakt" zwischen Erfassungsstation und Datenträger notwendig. Dies
eröffnet vielfältige Einsatzmöglichkeiten in der gesamten logistischen Kette.
Literaturverzeichnis
Standardisierung der Transponder-Technologie: "Die Schatzsuche kann
beginnen." Iee 46, Jahrgang 2001, Nr. 5
Bloech, J.; Gösta B. : Vahlens großes Logistiklexikon, Beck, München, 1977
Prospekte der GS1 Germany in Köln:
- EAN-Standards Fakten Nutzen Erfolge
- EAN für Handelseinheiten Nutzen in der Gesamten Wertschöpfungskette
- EAN-UCC Composite & Reduced Space Symbology (RSS)
- EDI/eCommerce Technologien im Überblick 03/2004
- Beitrag aus Coorganisation 02/2001: "Tracking & Tracing EAN-Standards
sorgen für Transparenz "
- Einführung in den Elektronischen Datenaustausch (EDI), Köln, 1997
Internet Seiten:
Homepage EAN International: http://www.ean-int.org/index800.html