| Strategische Entscheidung
Kriterien für die strategische Entscheidung zum In- und
Outsourcing ergeben sich, wie eigentlich alle Aktivitäten, aus der strategischen
Zielsetzung des Unternehmens.

Abb.1: Kriterien zur Entscheidung
Zur Definition der Maßstäbe sind die Größen zu
ermitteln, die Einfluß auf die Zielerreichung haben. Diese Einflußgrößen können zum
Beispiel sein:
- Kapazitätssituation der Fertigung
- der strategische Charakter eines Teils für das Unternehmen
- die funktionale Bedeutung des Teils für das Gesamtprodukt
- das technologische Know-how des Teils
- die Herstellkosten
- die Zuverlässigkeit und Qualität möglicher Bezugsquellen
- der Mengenanteil des Teils
- der Umsatzanteil des Teils
- der Marktpreis
- die Wettbewerbssituation am Markt für das Teil.
Für diese Einflußgrößen müssen jetzt
Wertemaßstäbe definiert werden, die ( häufig in subjektiven Aussagen ) die
Stärke des Einflusses ausdrücken. Wertemaßstäbe können sein: know how Vorsprung ist
groß-mittel-unbedeutend oder know how Vorsprung in Monaten gegenüber dem Wettbewerb. Es
soll klar herausgestellt werden, daß die subjektive Einschätzung für die
Einflußgrößen gewählt werden muß, für die eine exakt quantifizierbare Einstufung
nicht möglich ist.

Abb.2: Grenzwerte zur Entscheidung
Danach sind die Grenzwerte für diese
Einflußgrößen zu definieren, die aussagen, ob ein Teil oder eine Leistung eine hohe
strategische Bedeutung hat, also im eigenen Hause erstellt werden muß, oder nicht.
Sinnvoll ist die Definition einer Muß- und Kann-Grenze. Die Darstellungsform ist ein
Radardiagramm, daß sich auch bei anderen Anwendungen bewährt hat.
Zur Bestimmung der Leistungen, die von
In-/Outsourcing-Maßnahmen betroffen sind, ist eine detaillierte Klassifizierung des
Leistungs- und Teilespektrums notwendig. Klassifizierungskriterien sind die oben
definierten Einflußgrößen mit dem angenommenen Wertmaßstab.
Ausgehend von dieser Klassifizierung werden
Potentiale der betrachteten Leistungen bzw. Teile für mögliche Sourcing-Maßnahmen
abgeleitet. Durch Vergleich dieser Potentiale mit den Grenzwerten der einzelnen
Einflußfaktoren im Radardiagramm ergeben sich eindeutig Hinweise auf eine
In-/Outsourcingmaßnahme.

Abb. 3: Analyseergebnisse
Bei Insourcing ist noch zu prüfen, ob die zur
Herstellung notwendige Fertigungskapazität vorhanden ist bzw. die notwendigen
Fertigungstechnologien im Unternehmen verfügbar sind. Zusätzlich kann der
Herstellkostenpreis bei Zukauf oder externer Fertigung mit dem
Eigenfertigungs-Herstellpreis verglichen werden. Es ist jedoch dabei zu berücksichtigen,
daß Insourcing eine strategische Maßnahme ist, sodaß ein direkter Kostenvergleich nur
möglich ist, wenn die strategischen Potentiale in DM quantifiziert berücksichtigt werden
können.
Ergibt die Klassifizierung Hinweis zum Outsourcen,
ist zunächst zu klären, welche Auswirkungen diese Outsourcing-Maßnahme auf die
Fertigung haben wird. Zu erwarten ist eine Einschränkung des Kapazitätsbedarfs, die
entweder abgebaut oder für andere Fertigungen innerhalb des Unternehmens verwendet werden
kann. Außerdem kann es interessant sein, durch Zusammenspiel zwischen Outsourcing und
temporärem Insourcing zu Zeiten schwacher Beschäftigung die Arbeitsplätze der
betroffenen Mitarbeiter zu sichern. Dieses ist nicht nur ein soziales Anliegen sondern
dient auch der Motivation durch Identifikation der Mitarbeiter mit dem eigenen Betrieb.
Im Gegensatz zu der bisher üblichen Praxis der
verlängerten Werkbank wird in diesem Zusammenspiel unter strategischen Gesichtspunkten
durchaus auch der flexible Einsatz der Mitarbeiter und sogar in Zeiten hoher
Beschäftigung Überkapazitäten auf einzelnen Sektoren mit einbezogen.
Weitere Kriterien zur Bewertung des Insourcing /
Outsourcing Potentials eines Teiles sind die Bewegungen, die Reichweiten bzw.
Umschlagshäufigkeit des Teils im Lager. Beispielsweise lohnt es sich eher, Teile mit
langer Wiederbeschaffungszeit und niedrigen Herstellkosten selber herzustellen als die
Kapitalbindung für große Bestellmengen, die ausschließlich aufgrund der
Wiederbeschaffungszeit und einem Sicherheitsdenken beschafft werden, zu tragen. |