Im folgenden Beitrag beschränken wir uns auf das Outsourcing der
Produktion mechanischer und elektronischer Bauelemente. Das Outsourcing von
Verwaltungsdienstleistungen (Informationstechnologie, Buchhaltung usw.) ist von diesen
Betrachtungen ausgenommen.
Überlegungen zum Outsourcing werden fast immer durch Forderung nach Verbesserung der
Produktivität ausgelöst, wobei die Verbesserung mit Outsourcing sowohl durch
Kostensenkung (feste und variable Kosten) als auch durch innovativere Produktgestaltung
erzielt werden kann, indem das know how des möglichen Zulieferers genutzt wird. Weiterhin
kann ein Auslöser sein, die schwer zu variierenden Personalkosten flexibler an die
Absatzschwankungen anzupassen, also den Anteil der Personalkosten an den Gesamtkosten zu
senken. Bekanntlich gehen in Deutschland mit der Einstellung eines Mitarbeiters viele
Pflichten für den Arbeitgeber einher, die eine kurzfristige Kündigung erschweren und auf
diese Weise geschickt umgangen werden können.
Die Grenze für das Outsourcing wird häufig durch die Konzentration auf die
Kernkompetenzen gebildet, nach dem Motto "Do what you can do best - and outsource the
rest". Um die Kosten möglichst gering zu halten, wird der Betrieb aufgefordert,
möglichst alle Nicht-Kernaktvitäten an Unternehmen auszulagern, die diese Aufgaben
effizienter und kostengünstiger bearbeiten können. Die Abschätzung der Kostenreduktion
ist allerdings nicht einfach. Es ist erforderlich, die Kostenarten aufzusplitten und
einzeln zu betrachten. In der Tat können die Fixkosten radikal minimiert werden, indem
Prozesse mit besonders hohem Investitionsaufwand an andere Unternehmenseinheiten auslagert
werden. Auf diese Weise muss nur noch die Leistung bezahlt werden, die auch in Anspruch
genommen wird. Die Auslagerung von ganzen Produktionsprozessen kann die Kapitalbindung
erheblich reduzieren, da z.B. ungenutzte Maschinen oder leerstehende Bürogebäude
veräußert werden können. Diese Möglichkeit ist aber eingeschränkt, zum Beispiel weil
die Anlagen nicht im gleichen Umfang oder überhaupt nicht von anderen Betrieben genutzt
werden können, außerdem aber auch der Wert einer Anlage aus der Gesamtsicht des
Betriebes gesehen werden muß, denn der Buchwert sagt nichts über den tatsächlichen Wert
aus. Es gibt durchaus veraltete Maschinen, die im besonderen Umfeld des Betriebes sinnvoll
sind.
Im Thema des Monats Oktober 1999 "Strategische Maßnahmen zur Beschaffung von
Material und Dienstleistungen" haben wir ausgeführt, daß die vier Gesichtspunkte
- Strategischer Charakter des Produktes,
- Kosten,
- Produkt- und Servicequalität und
- Integration in den eigenen Herstellprozeß
für die Beurteilung des Outsourcingpotentials wichtig sind.
Die Bedeutung des strategischen Charakters ist nicht so einfach zu beurteilen, wie es
klingt. Es ist durchaus möglich, Produkte mit erheblicher strategische Bedeutung
außerhalb des eigenen Betriebes zu fertigen, z.B. wenn der Lieferant nicht in der Lage
ist, sich das gesamte know how anzueignen. Schwierig wird es aber dann, wenn
Entwicklungsaktivitäten oder spezielle Entwicklungen in der Fertigung der Teile am
eigenen Betrieb vorbeilaufen. Außerdem können Probleme auftreten, wenn der Zulieferer
die Qualität nicht in den Griff bekommt. Ein Hersteller von Büromaschinen hatte ein
wichtiges, sehr kompliziertes Teil seiner Maschinen von einem Zulieferer herstellen
lassen, der nach einer Konstruktionsänderung nicht in der Lage war, ein den Anforderungen
entsprechendes Produkt zu liefern. Da in der Zwischenzeit die Fertigungsanlagen im eigenen
Werk abgebaut waren und auch die Kenntnis über den Herstellprozeß abgewandert waren,
verlor der Hersteller einen erheblichen Marktanteil und geriet in Schwierigkeiten. Das ist
sicher kein Einzelfall.
Um ein der Wirklichkeit entsprechendes Kostenbild zu erhalten, darf die
Kostenbetrachtung sich nicht auf die Herstellkosten und die festen Kosten beschränken.
Für die Beurteilung müssen die gesamten Prozeßkosten betrachtet werden, also auch die
Kosten abgeglichen werden, die mit dem Einkauf der einzelnen Produkte verbunden sind. Die
wesentliche Ursache für etwaig auftretende Kostenersparnisse liegt in der Tatsache, daß
der Outsourcing-Partner die Leistungen auf Grund einer Spezalisierung auf ein besonderes
Segment von Produkten günstiger als der Outsourcer selbst herstellen kann
("economies of scale").
Grundsätzlich schafft das Outsourcing von (Teil-) Prozessen mehr Transparenz und damit
gezieltere Kostensenkungsmaßnahmen, da erbrachte Leistungen genau in Rechnung gestellt
werden. Outsourcing verbessert auf diese Weise die Planbarkeit von Kosten. In einem
Atemzuge mit dem Kostenargument, wird häufig auch auf die erhöhte Flexibilität
hingewiesen. Mit Hilfe von konsequent umgesetzten Outsourcingstrategien können komplexe
und schwerfällige Organisationsstrukturen zu selbstregelnden, flexiblen
Subsystemen/Modulen umgebaut werden (kleinere Organisationseinheiten). Diese Möglichkeit
wird zur Zeit von einigen Betrieben gezielt ausgebaut.
Im Zuge von kürzeren Produktlebenszyklen und zunehmend schwer prognostizierbaren
Nachfrageschwankungen wird Transparenz und Flexibilität von Unternehmen auch in Zukunft
an Bedeutung gewinnen.
Die gewonnene Flexibilität kann sich auf verschiedene Bereiche des Unternehmens, wie
z.B. die Produktentwicklung oder die Produktions- und Produktplanung, beziehen. Mit Hilfe
von Outsourcing können durch die Nutzung externer Kapazitäten des Zulieferers
Entwicklungszeiten minimiert und dadurch auf den Markt und eine veränderte Nachfrage
schneller reagiert werden.
Die Produktionsplanung gewinnt an Flexibilität, weil Überlastungen und
Kapazitätsengpässe nötigenfalls durch Fremdvergabe ausgeglichen werden können
(Voraussetzung ist eine standardisierte Leistung). Grundsätzlich ist diese Art von
Flexibilität allerdings abhängig von den Vertragsklauseln, aus denen sich die
Outsourcing-Verträge zusammensetzen. In direktem Zusammenhang mit dem
Flexibilitätsargument steht das Argument des Know-how-Fremdbezuges. Im Außenverhältnis
zum Kunden wirkt sich die Einbeziehung von fremdem Knowhow insofern sehr positiv aus, als
der Kunde den Kompetenzzuwachs auf den Outsourcer selbst projiziert. Mit der Auslagerung
von Tätigkeiten geht zwischen Outsourcer und dessen Partner rechtlich ein Risikotransfer
einher. Der Outsourcer trägt nun nicht mehr selbst die Verantwortung von vielen kleinen
und größeren (Teil-) Prozessen, sondern er hat die Verantwortung und somit das Risiko
vertraglich auf den Partner abgewälzt. Bei Nichteinhalten der Vertragsklauseln können
hohe Konventionalstrafen drohen.
Den vielseitigen Chancen stehen stets Risiken gegenüber, deren Bedeutung nicht zu
unterschätzen ist. Outsourcing-Projekte bergen die Gefahr in sich, daß diese zu einer
mehr oder weniger starken Abhängigkeit vom Outsourcing-Partner führen.
Bei der Auslagerung wissensintensiver Leistungen und dem i.d.R. einhergehenden
Know-how-Verlust, kann dies in Verbindung mit einer monopolartigen Marktstellung des
Outsourcing-Partners zu einer irreversiblen Abhängigkeit von diesem führen. Die
Nachteile einer zu großen Abhängigkeit liegen auf der Hand: Versorgungsrisiken bei
Engpässen des Partners, eine schlechte Verhandlungsposition, sowie auf Grund von
Informationsasymmetrien mögliche Übervorteilungen. Ein weiteres Risiko bei
Auslagerungen, insbesondere von sehr spezifischen und wissensintensiven Leistungen,
besteht darin, daß sensible Informationen z.B. über Produktinnovationen oder
Produktionsverfahren veruntreut werden können und im schlimmsten Fall an die Konkurrenz
gelangen. Für die Schaffung einer nachhaltigen Erfolgssituation ist es daher unabdingbar,
Kernkompetenzen auch für Bauteile im Unternehmen zu belassen.
Die Praxis zeigt auch, daß theoretisch errechnete Kosteneinsparungpotentiale nach der
Umsetzung oft nicht erreicht werden können. Dies kann auf verschiedene Umstände
zurückgeführt werden. So werden z.B. oft die eigenen Herstellungskosten überschätzt
oder im Controlling falsch ermittelt. Ein weiterer Grund können hohe Anpassungskosten
sein, die durch das Eintreten unvorhergesehener Ereignisse oder das Auftreten zuvor nicht
identifizierter Barrieren entstehen können. Sehr hohe Anpassungskosten können
Kostenvorteile nivellieren oder gar zu höheren Gesamtkosten führen. Die Gesamtkosten
für das Outsourcing können durch etwaig anfallende Koordinations-, Kommunikations- und
Kontrollkosten weiter erhöht werden. Bedingt durch die räumliche Trennung des
Outsourcers von seinem Partner können diese Kosten im Voraus oft nicht exakt beziffert
werden und führen nicht selten zu enttäuschten Initiatoren. Auch sog.