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Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-41025-1
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Thema des Monats Oktober 2001
Stand: 27.10.2008 |
Grundlagen
der Balanced Scorecard - Teil 1
Ein Beitrag von Prof.Dr.-Ing. Rainer Kämpf, Ariane Hinkel, Olga
Katzelnik, Andrea Weigel
1.Einführung
1.1 Kurzdefinition der Balanced Scorecard
"Multikriterielles, ausgewogenes Kennzahlensystem -und damit
Zielsystem- das in einem Managementprozess zur Implementierung, Steuerung und Kontrolle
(Controlling) der Strategie eingesetzt werden kann. Die BSC enthält wesentliche
Kennzahlen, die den "ganzheitlichen" Erfolg aus strategischer, aber auch auf
operativer Ebene abbilden und sichern."(Begriffsbestimmung nach Boston Consulting
Group (BCG))
1.2 Die Idee
der Balanced Scorecard
Seit der Veröffentlichung des ersten Artikels im Harvard Business
Review 1992 findet das Konzept der Balanced Scorecard, entwickelt von den beiden Harvard-Professoren Kaplan und Norton,
in den USA und auch in Deutschland starke Beachtung.
Im Unterschied zu den klassischen Steuerungssystemen berücksichtigt
die Balanced Scorecard nicht nur finanzielle Kennzahlen, sondern auch operationale
Zielgrößen.
Diese umfassen nicht nur nachlaufende Ergebnisgrößen, sondern auch
vorlaufende Indikatoren. Alle Kennzahlen sind durch verschiedene Handlungen des
Unternehmens beeinflussbar und unmittelbar mit dem Unternehmenserfolg verbunden.
Insgesamt ist zu sagen, dass die Balanced Scorecard dazu dient, die
jeweilige Strategie an bestimmte Kennzahlen zu knüpfen. Dies erleichtert nicht nur die
richtige Strategiefindung, sondern garantiert auch den Konsens aller strategischen Ziele.
Dadurch, dass die gesamte Strategie auf alle einzelnen Handlungsträger heruntergebrochen
und verteilt wird, wird eine einheitliche Zielausrichtung aller Unternehmenshandlungen
gefördert und eine Verknüpfung der Ressourcenallokationen mit der jeweiligen
Unternehmensstrategie gewährleistet.Die Balanced Scorecard dient somit als
Kommunikationsmittel und ist eng an "weiche treibende Faktoren" wie
Weiterbildungs- und Kommunikationsprogramme geknüpft.
Weiterhin können diverse Anreizsysteme direkt nach ihren Vorgaben ausgerichtet werden.
Das bedeutet, dass die Balanced Scorecard auch als "Strategisches
Feedback" fungiert, da durch die einfache Messbarkeit aller Zielgrößen eine
unmittelbare Erfolgsermittlung möglich ist. Dieses Feedback kann zu kollektivem Lernen
führen; das heißt, dass man feststellen kann, welche treibende Faktoren mit welcher
zeitlichen Verzögerung welchen Erfolg bringen.
Durch kontinuierliche Datenanalyse kann man auch die sich schnell
ändernden Rahmenbedingungen rascher erfassen und die Strategie diesen dann unverzüglich
anpassen, so dass die Formulierung neuer Initiativen und auch die Neu-Allokation der
Ressourcen rechtzeitig erfolgen kann und somit eine permanente Validierung und Anpassung
der Strategie an die jeweilig veränderten Rahmenbedingungen gewährleistet ist.
2. Charakteristika der Balanced Scorecard
Die Balanced Scorecard, als
Managementmethode, setzt voraus, dass das Unternehmen eine bestimmte Vision oder auch
Mission vor Augen hat und zu ihrer Umsetzung bereits eine vernünftige Strategie
entwickelt hat. Diese Strategie wird dann in einzelne Unterziele und die jeweils
dazugehörigen Kennzahlen übersetzt. Diese Kennzahlen lassen sich dabei den vier
folgenden Perspektiven zuordnen, zwischen denen mehr oder weniger ausgeprägt
Ursache und Wirkungszusammenhänge bestehen:
- die wirtschaftliche /finanzielle Perspektive
- die Kundenperspektive
- die interne Prozessperspektive
- die Lern- und Entwicklungsperspektive
Die sich aus diesen vier Perspektiven ergebenden Kennzahlen dienen
somit dazu, die Vision und Strategie bis auf eine für alle Mitarbeiter handlungsrelevante
Ebene herunterzubrechen und ihnen somit ihren jeweiligen Standpunkt bzw. Fortschritt
innerhalb eines langfristigen Planes zu verdeutlichen. Dies schafft ein gemeinsames Modell
des gesamten Unternehmens und hält durch die zu entwickelnden Kennzahlen eine Balance
zwischen extern orientierten
Messgrößen für Anteilseigner/Teilhaber und Kunden und internen Messgrößen für
kritische Geschäftsprozesse, Innovation, Lernen und Wachstum,
andererseits zwischen Messgrößen der Ergebnisse vergangener Tätigkeiten und den
Kennzahlen, welche zukünftige Leistungen antreiben sollen. (Kaplan, Robert S. und David P. Norton: Balanced Scorecard,
Stuttgart 1997)
3. Die vier Perspektiven der
Balanced Scorecard

Abbildung 1: Die 4
Perspektiven der Balanced Scorecard
3.1 Die finanzielle
Perspektive
Das Ziel eines jeden Unternehmens ist es, seinen Wert zu steigern,
indem es Gewinne verbucht. Denn ohne Gewinn bzw. Rentabilität ist ein Unternehmen nicht
handlungs- und somit existenzfähig.
Das geeignete Maß für den betrieblichen Erfolg ist somit monetärer
Art. Anhand der Finanzen lässt sich leicht überprüfen, ob die Implementierung einer
Strategie zur Ergebnisverbesserung beiträgt. Kennzahlen der finanziellen Perspektive sind
z.B. die Eigenkapitalrendite oder der Economic Added Value.
Die finanziellen Kennzahlen definieren zum einen die vollbrachte
finanzielle Leistung, zum anderen ist ihre Optimierung das Endziel für alle anderen
Faktoren der Balanced Scorecard. Nur wenn eine Optimierung der Kennzahlen der anderen
Perspektiven, also die der Kunden-, der Prozess- und der Lern- und Entwicklungsperspektive
sich positiv auf die finanziellen Kennzahlen auswirkt, ist diese auch tatsächlich
erwünscht und sinnvoll. Das bedeutet, dass zwischen den drei letzteren Perspektiven und
der finanziellen Perspektive grundsätzlich eine Ursache-Wirkungsbeziehung bestehen muss.
Die langfristigen finanzwirtschaftlichen Zielen, die an erster Stelle
stehen, müssen folglich mit dem notwendigen Handlungsablauf für Kunden, internen
Prozessen und schließlich mit Mitarbeitern und Systemen zur Erreichung der langfristigen
ökonomischen Leistung verbunden werden.
Je nach Phase, in welcher das Unternehmen sich befindet, können sich
die finanzwirtschaftlichen Ziele stark unterscheiden. Man kann die folgenden Phasen
betrachten:
Wachstum
Anfangsphase des Lebenszyklus. Entwicklung und Förderung neuer Produkte und
Dienstleistungen erfordern beachtliche Ressourcen. Umsatzwachstum in neuen Märkten und
mit neuen Produkten, Dienstleistungen und Kunden steht im Vordergrund.
Reife
Der Marktanteil wird weiter ausgebaut, mindestens aber gehalten. Der Fokus liegt auf der
Überbrückung von Engpässen, Kapazitätserweiterungen und kontinuierlicher Verbesserung.
Dies alles unter Bedingungen hoher Rentabilität.
Ernte
Hier steht die Erwirtschaftung einer exzellenten Rendite aus dem verfügbaren Kapital im
Vordergrund. Es gibt kaum noch Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder
Kapazitätsausweitungen.
Für jede dieser drei Phasen gibt es drei der
jeweiligen Geschäftsstrategie zugrundeliegenden finanzwirtschaftlichen Themen:
- Ertragswachstum und -mix
- Kostensenkung und Produktivitätsverbesserung
- Nutzung von Vermögenswerten/Investitionsstrategie
Im folgenden werden aus diesen Themen abgeleitete finanzwirtschaftliche
Ziele den verschiedenen Unternehmensphasen zugeordnet:
Wachstumsphase |
Reifephase |
Erntephase |
| Ertragswachstum und -mix |
| Hohe
Umsatzwachstumsrate und hoher Marktanteil pro Zielregion, Zielmarkt und
Zielkundenkategorie |
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| Gänzlich neue Produkte
und Dienstleistungen, messbar durch den jeweiligen Prozentsatz der Erträge |
Neue Anwendungsgebiete
für bereits bestehende Produkte, messbar durch den Umsatz in diesen Gebieten. Absatz
existierender Produkte an neue Kunden und Märkte. |
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Rentabilität
von Produkten, Dienstleistungen und Kunden steigern. Prozentualen Anteil unrentabler
Produkte, Kunden... senken. |
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Steigerung
des Kooperationsertrags über Geschäftseinheiten hinweg (neue Formen von Zusammenarbeit) |
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Anheben der Preise für
Produkte, Dienstleistungen und Kunden, wo die Erträge die Kosten nicht decken |
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| Kostensenkung und
Produktivitätsverbesserung |
Steigerung des Ertrags
pro Mitarbeiter; Konzentration auf Produkte und Dienstleistungen mit größerer
Wertschöpfung.
Kostensenkungsstrategien v.a. durch Automatisierung und Standardisierung von Prozessen
stehen meist noch im Widerspruch zur Flexibilität von Kundenwünschen und
Dienstleistungen in neuen Marktsegmenten |
Senkung der
Einheitskosten für den Output:
Steigerung der Rentabilität, verbesserter Return On Investment, Erreichung eines
wettbewerbsfähigeren Kostenniveaus, Kontrolle der Gemeinkosten |
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Verbesserung
der Kommunikationskanäle
Ermutigung von Kunden u. Zulieferern, kostspielige manuelle Abläufe durch
kostengünstigere elektronische Transaktionsablaufmöglichkeiten zu ersetzen |
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Senkung der
allgemeinen Vertriebs- und Verwaltungskosten |
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| Vermögensverwendung und
Innovationsstrategie |
| Hohe Investitionen
(Prozentanteil am Umsatz) |
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| Hoher Forschungs- und
Entwicklungsanteil |
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Günstiger
Cash-to-Cash-Zyklus
(Lagerdauer - Umschlagsdauer von Forderungen + Umschlagsdauer von Verbindlichkeiten ->
höhere Effizienz des working capital managements) |
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Verbesserung
des Nettoumlaufvermögens; insbesondere bei langen Produktionszyklen Durchsetzung von
zeitigen Fortschrittszahlen für bereits geleistete Arbeiten |
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Steigerung des Return
On Capital Employed (ROCE) pro Hauptvermögenskategorien |
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Hohe
Anlagennutzungsrate |
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Amortisation |
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Durchsatz |
Abbildung 2:
finanzwirtschaftliche Ziele in den verschiedenen Unternehmensphasen ( Kaplan, Robert S. und David P. Norton: Balanced Scorecard,
Stuttgart 1997)
Viele Unternehmen verwenden auch Kennzahlen für das Risikomanagement,
beispielsweise die Verringerung der Differenz zwischen Prognosen und Ist-Ergebnis.
Bei der Repräsentation der wirtschaftlichen Perspektive in einer
Balanced Scorecard ist darauf zu achten, dass Indikatoren, die den Stand des Unternehmens
in traditionellen Reporting-Größen anzeigen, wie z.B. der ROI (Return on Investment)
gemischt werden mit Indikatoren, die auf eine Beschreibung des Marktwertes zielen, wie
z.B. der ROCE (return on capital employed),und damit eher das Potential der Firma für die
Zukunft im Visier haben. Insofern lässt sich der Shareholder-Value-Ansatz
integrieren, als Korrektiv für eine zu sehr am Buchwert des Unternehmens orientierte
Betrachtung (vgl. dazu die Entwicklung der IBM in den Achtziger Jahren).
(wird fortgesetzt) |
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