3.3. Phase 3: Eine Balanced Scorecard entwickeln
3.3.1. Konkretisierung der strategischen Ziele
Bei der Konkretisierung der strategischen Ziele werden Ziele aus der
Strategie abgeleitet, selektiert und den Balanced Scorecard- Perspektiven zugeordnet.
Die Ableitung der strategischen Ziele hat die höchste Bedeutung. Denn
auch die besten Messgrößen werden nicht viel nutzen, wenn die zugrunde liegenden Ziele
die Strategie nicht richtig beschreiben.
Beim Selektionsprozess werden die vom Team ausgearbeitete Ziele der
Finanz-, Kunden-, Prozess-, und Lern- und Entwicklungsperspektive hinsichtlich ihres
Potentials zur Umsetzung der Strategie in Frage gestellt. Dabei könnten folgende
Kriterien herangezogen werden:
- Strategische Bedeutung ( Realisierung eines Wettbewerbsvorteil)
- Hohes Verbesserungspotentials ( Verfolgung immer höherer und ehrgeiziger Ziele)
- Messbarkeit ( Veränderung auf Grund der Zielerreichung sollte quantifizierbar sein)
- Umsetzbarkeit (z.B. mit Nutzung der vorhandenen Ressourcen)
3.3.2. Verknüpfung der strategischen Ziele durch
Ursachen-/ Wirkungsketten
Ursachen-/ Wirkungsketten spiegeln die Kausalität der Strategie wider.
Im Schritt der Verknüpfung der strategischen Ziele ergeben sich häufig nochmals
Veränderungen dieser Ziele selbst, denn durch Ursachen- Wirkungskette werden Beziehungen
unter den Zielen transparenter. Ziele der verschiedenen Perspektiven ( ausgehend von der
Lern- über die Prozess- und Kundenperspektive bis hin zur Finanzperspektive) müssen im
BSC-Konzept aufeinander aufbauen und sollen letztlich dem Erreichen der finanziellen Ziele
dienen.
Erst durch die Ursache/Wirkungsbeziehungen wird aus einer Ansammlung
strategischer Ziele ein Konzept, das die gewünschten Veränderungen und die angepeilten
Schwerpunkte beschreibt.
3.3.3. Auswahl der Messgrößen
Das herausragende Kriterium bei der Messgrößenauswahl ist, ob durch
die Messgröße das Verhalten der Betroffenen in die strategisch gewünschte Richtung
gelenkt wird. Weitere Anforderungen an Messgrößen sind, dass an ihnen das Erreichen des
formulierten Ziels, also der Output abgelesen werden kann. Selbstverständlich muss
außerdem der Aufwand der Messgrößenerhebung in vernünftiger Relation zum Nutzen
stehen.
- Die Hauptkennzahlen der finanziellen Perspektiven zeigen, ob die Implementierung der
Strategie zur Ergebnisbesserung beiträgt. Sie definieren aber nicht nur die finanzielle
Leistung, sondern sind auch Endziele für die anderen Perspektiven der Balanced Scorecard.
Dies könnten zum Beispiel folgende Kennzahlen sein: Eigenkapitalrendite oder EVA,
Wirtschaftlichkeit, Umsatzwachstum.
- Die Kundenperspektive reflektiert die strategischen Ziele des Unternehmens in Bezug auf
die Kunden- und Marktsegmente, auf denen das Unternehmen konkurrieren möchte, Dies
könnten zum Beispiel folgende Kennzahlen sein: Marktanteil, Kundenakquisition,
Kundenrentabilität oder Kundenzufriedenheit.
- Folgende Kennzahlen könnten Ziele der internen Prozesse quantifizierbar machen:
Personalkosten in % vom Umsatz oder Synergiebericht, Kerntechnologiequote
- Die Kennzahlen der Lern- und Entwicklungsperspektive beschreiben die Infrastruktur, die
notwendig ist, um die Ziele der ersten drei Perspektiven zu erreichen, dabei werden drei
Hauptkategorien unterschieden: Qualifizierung der Mitarbeiter, Leistungsfähigkeit der
Informationssysteme sowie Motivation, Loyalität und Zielausrichtung der Mitarbeiter.
3.3.4. Festlegung der Zielwerte
Die Zielwerte sollen anspruchsvoll, ehrgeizig und glaubhaft erreichbar
sein. Es ist aus Shareholder Sicht erforderlich, dass die Ziele besonders herausfordernd
sind.
Quellen für die Zielwerte sind Benchmarks, Ergebnisse aus Kunden- und
Mitarbeiterbefragungen, Vergangenheitsdaten oder die unternehmerische Einschätzung.
Je nach Branche und Art des Ziels liegt das Datum der Zielerreichung
bei 1 bis 5 Jahren. Geht das Datum der Zielerreichung über den Jahreszeitraum hinaus,
sollten jährliche Etappenziele bestimmt werden. Da das Erreichen von Zielen in der
Mitarbeiter/Potentialperspektive und in der Prozessperspektive häufig eine Voraussetzung
ist, um die Kunden- und Shareholdererwartung zu erfüllen, sind Ziele in diesen
Perspektiven häufig kurzfristiger terminiert.
3.3.5. Bestimmung der strategischen Aktionsprogramme
Im letzten Schritt dieser Phase werden die Maßnahmen und Projekte
bestimmt, die dazu führen sollen, dass die Zielwerte erreicht werden. Die bereits
laufenden Projekte müssen den strategischen Zielen zugeordnet werden. Bei den Projekten,
die nicht zur Erreichung der Ziele beitragen und keinen gesetzlichen oder anderen
besonderen Vorgaben untergeordnet sind, muss Ressourcenverknappung oder sogar
Projektabbruch diskutiert werden.
Nachdem die Balanced Scorecard in das Managementsystem eingebunden ist,
sorgt sie für ein Filtrieren der Genehmigung von Projektanträgen, und somit für eine
strategische Ressourcenallokation.
Balance in der Balanced Scorecard heißt auch machbare Ziele
festzulegen. In der Phase der Festlegung der Aktionsprogramme kommt es immer wieder vor,
dass die Ressourcen nicht ausreichen, um zuvor euphorisch formulierte Zielwerte zu
erreichen. Nachbessern bei den Zielwerten oder gar bei der Strategie kann die Folge sein.
Als Beispiel für eine strategische Aktion könnte bei der Lern- und
Entwicklungsperspektive die Einführung der Mitarbeiterbefragung oder
Rekrutierungsoffensive( z.B. Partnerschaft mit einer Universität) sein.
3.4. Phase 4: Den Roll-Out managen
Unternehmensweite Einführung
In dieser Phase wird das Vorgehen aus der Phase 3 bei mehreren
Organisationseinheiten oder sogar unternehmensweit eingeführt. Damit profitiert man vom
einheitlichen Strategieverständnis und vom Monitoring an vielen Schnittstellen im
Unternehmen.
Vertikale Zielintegration
Um eine Qualitätsverbesserung der strategischen Steuerung in allen
involvierten Organisationseinheiten zu erreichen, werden Ziele und strategischen Aktionen
aus organisatorisch übergeordneten Einheiten auf untergeordnete Organisationseinheiten
heruntergebrochen. Damit werden die strategischen Ziele besser unterstützt und schneller
erreicht.
Horizontale Zielintegration
Ziele und strategische Aktionen organisatorisch nebeneinander stehender
Einheiten können durch das Kommunikationsmedium Balanced Scorecard aufeinander abgestimmt
werden.
3.5. Phase 5: Den kontinuierlichen
Einsatz der Balanced Scorecard sicherstellen
Einbindung der BSC in das Management - und Steuerungssystem
Um dauerhaft die Realisierung der in der BSC formulierten Strategie zu
gewährleisten, muss die BSC in der Phase 5, nach dem Erarbeiten von strategischen Zielen,
Ursache-/ Wirkungsketten, Messgrößen, Zielwerten und strategischen Aktionen in den
hervorgegangenen Phasen, in das Management- und Steuerungssystem eingebunden werden.
Die Schwierigkeit besteht darin, dass die Architektur der Strategie
und somit der BSC i. d. R. nicht kompatibel zur Architektur des
existierenden Managementsystems ist. Das Managementsystem ist nach der hierarchischen
Struktur aufgebaut. Die Inhalte der BSC hingegen sprechen üblicherweise mehrere
Organisationseinheiten an, so z.B. typische Ziele wie "Beratungsqualität
verbessern" oder "Innovationsprozess beschleunigen". Die Zuordnung von
Verantwortlichkeiten für BSC-Ziele ist nicht einfach aus dem Organigramm ableitbar. Zudem
sind die Führungs-, Planungs-, Berichts- und Rechnungswesensysteme zumeist
ausschließlich an der bestehenden Organisationsstruktur ausgerichtet.
Deswegen ist zur Einbindung der Balanced Scorecard ein Controlling
notwendig, das die konsequente Umsetzung der strategischen Aktionen aus der BSC
überprüft; außerdem eine Berücksichtigung der strategischen Ziele und Maßnahmen aus
der BSC in der operativen Planung ( incl. Budgetierung) und eine Integration in das
Berichtswesen und in das System der Mitarbeiterführung.
Durch die Implementierung von Balanced Scorecard ergeben sich neue
Weiterentwicklungen des DV-gestützten Managementinformationssystems. Die Messgrößen
bzw. Kennzahlen sollen mit den Datenbanken und Informationssystemen verknüpft werden, um
die Balanced Scorecard der ganzen Organisation zu vermitteln. Als Ergebnis dieses
Prozesses könnte ein neues Informationssystem entwickelt werden, das die Größen auf der
oberen Ebene der Geschäftseinheit mit den Kennzahlen der Produktion und
standortspezifischen operativen Kennzahlen verbindet.
Das Konzept der Balanced Scorecard hat außerdem enge Schnittstellen
zum unternehmenswertorientiertem Management, nämlich zum Shareholder Value Ansatz; auch
zum Target Costing und zum Konzept des European Quality Award (EQA) der EFQM. BSC ergänzt
diese Konzepte zum Teil und besitzt auch Überschneidungen mit diesen.
Mit Anschluss der Phase 5 wirkt BALANCED SCORECARD als Managementsystem
anstatt nur als Measurementansatz.
Literaturverzeichnis
KAPLAN, R. S. / NORTON D.P.; (1996); The Balanced Scorecard translating Strategy into
Action
WEBER, J. / SCHÄFFER, U.; (2000); Balanced Scorecard & Controlling; 3.Auflage
KAPLAN R. / NORTON D. ;Harvard Business Review; Sep/Oct 93; Vol 71; Issue 5
DR. UTZ SCHÄFFER; Management-Seminar: Kennzahlen in Krp Kostenrechnungspraxis;
Sonderheft; 2/2000