Flexible,
automatisierte Produktionssysteme
Ein Beitrag von Rainer Kämpf
1. Merkmale flexibler, automatisierter Produktionssysteme
Der Zwang zu immer kürzeren Durchlaufzeiten bei gleichzeitig ständig
sinkenden Losgrößen und einer stetigen Zunahme der Teilevielfalt stellt die Unternehmen
zunehmend vor Probleme, die mit den klassischen Fertigungsstrukturen nicht mehr ohne
weiteres lösbar sind. Die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Umfeld der
Unternehmen sowie die technischen Entwicklungen im Hinblick auf eine zunehmende
Automatisierung und Flexibilisierung haben dazu beigetragen, daß sich die
Produktionsphilosophie zunehmend gewandelt hat, Um diesen Herausforderungen gerecht zu
werden, wurde durch die ständigen Leistungssteigerungen in der NC-Technologie sowie den
zunehmenden Einzug von EDV-Systemen im Fertigungsbereich eine neue Generation von
Fertigungssystemen entwickelt, die flexiblen, automatisierten Produktionssysteme.
Verallgemeinert versteht man darunter alle Arten von Produktionseinrichtungen, bei denen
mehrere, sich ergänzende Einzelfunktionen, sowohl bei der Bearbeitung und Montage als
auch im Material- und Informationsfluß, weitestgehend selbständig ablaufen. Ein
wesentliches Merkmal ist die informationstechnische Verknüpfung der einzelnen Komponenten
des Systems.
Zielsetzung ist dabei, Fertigungssysteme einzuführen, die eine
wesentlich höhere Produktivität bei einer gleichzeitig hohen Flexibilität aufweisen,
wobei die Systemkomponente Mensch weitestgehend vom eigentlichen Arbeitstakt der Maschine
entkoppelt wird.
Der Einsatzbereich beschränkt sich nicht nur auf kleinere und mittlere
Betriebe. Bei entsprechender Auslegung der Systemkomponenten lassen sich derartige Systeme
sowohl bei Einzel- und Kleinserien-, als auch im Bereich der Massenfertigung einsetzen.
Entscheidend für den Aufbau und die Leistungsfähigkeit ist unter anderem die geforderte
Flexibilität. Da dieser Begriff häufig im Zusammenhang mit flexiblen, automatisierten
Produktionssystemen auftaucht, soll er im folgenden näher erläutert werden.
Der Begriff Flexibilität beschreibt die Fähigkeit einer
Produktionsanlage, innerhalb einer bestimmten Zeitspanne für verschiedene Aufgaben
einsatzfähig zu sein. Je größer die Verschiedenartigkeit dieser Aufgaben und je
geringer der Umstellungsaufwand (Zeit und Kosten) zwischen diesen Aufgaben ist, desto
höher ist die Flexibilität. Anhand der verschiedenen Definitionen wird deutlich, daß
mit dem Begriff "Flexibilität" konkrete Anforderungen verbunden sind, die sich
direkt auf die Systemkonfiguration auswirken.

Beschreibung der verschiedenen Flexibilitätsarten
Für die Beschreibung flexibler, auomatisierter Produktionssysteme ist
es wichtig, zunächst den generellen Aufbau derartiger Systeme näher zu beleuchten. Die
Abbildung gibt einen groben Überblick, aus welchen Teilsystemen und Hauptkomponenten sich
ein flexibles, auomatisiertes Produktionssystem zusammensetzt und zwar unabhängig von der
Systemgröße und dem realisierten Automatisierungsgrad. Unterschieden werden die
verschiedenen Ausführungsformen in einstufige und mehrstufige Systeme. Einstufige
Systeme sind dadurch gekennzeichnet, daß sämtliche für einen gewünschten
Produktionsfortschritt notwendige Arbeitsaufgaben an einem Produkt vollständig auf einer
Bearbeitungsstation durchgeführt werden können. Bei mehrstufigen Systemen müssen
die Werkstücke mehrere Bearbeitungstationen durchlaufen, um den gewünschten
Arbeitsfortschritt erzielen zu können. Daraus ergeben sich immer dann zwingend
mehrstufige Produktionssysteme, wenn die Komplettbearbeitung eines Teiles nicht auf einer
Bearbeitungsstation durchführbar ist. Weitere Merkmale ergeben sich durch den
Automatisierungsgrad der Systeme, wodurch eine entscheidende Erhöhung der Nutzungszeit
einzelner Komponenten und damit ein wirtschaftlicher Einsatz derart kapitalintensiver
Anlagen gewährleistet wird.

Komponenten eines flexiblen, auomatisierten Produktionssystems
2 Typen flexibler, automatisierter Produktionssysteme
A) Flexible Fertigungszellen
Eine flexible Fertigungszelle (FFZ) ist eine einstufige
Produktionsanlage, bestehend aus den drei Teilsystemen Bearbeitungssystem,
Materialflußsystem (für Werkstücke und ggf. Werkzeuge) und Informationssystem.
Die Integration der Teilsysteme ermöglicht eine automatische
Durchführung von mindestens einer Arbeitsoperation an in der Regel mehreren
unterschiedlichen Werkstücken. Der Systemaufbau ermöglicht ebenfalls die Integration von
automatisierten Einrichtungen für Ergänzungsfunktionen, wie Waschen, Reinigen und
Prüfen.
B) Flexible Fertigungssysteme
Ein flexibles Fertigungssystem ist eine mehrstufige flexible,
auomatisierte Produktionsanlage mit folgendem Systemaufbau: Mehrere Bearbeitungssysteme
sind über ein automatisches Materialflußsystem miteinander verbunden, so daß eine
möglichst vollständige Bearbeitung von unterschiedlichen Werkstücken möglich ist.
Damit wird eine automatisierte mehrstufige Mehrproduktfertigung realisiert, wobei die
Werkstücke unterschiedliche Systempfade durchlaufen können. Erforderliche Rüstvorgänge
an Einzelkomponenten dürfen dabei den Ablauf in den übrigen Teilsystemen nicht
beeinträchtigen.
C) Flexible Fertigungslinien bzw. flexible Transferstraßen
Hierbei handelt es sich um mehrstufige, flexible, auomatisierte
Produktionssysteme, in denen mehrere Bearbeitungsstationen und/oder flexible
Fertigungszellen durch ein automatisches Materialflußsystem nach dem Linienprinzip
miteinander verbunden sind. Eine flexible Fertigungslinie ermöglicht somit eine
automatische Bearbeitung mehrerer unterschiedlicher Werkstücke, die das System auf dem
gleichen Pfad durchlaufen. Zum Ausgleich von Taktunterschieden, Rüstzeiten oder
kurzfristigen Störungen an Einzelkomponenten können Pufferstrecken integriert werden. |