Produzieren in Industrieparks
Ein Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Rainer Kämpf, Peter
Gyergyay, Simon Roggentin, Silvie van Steensel
Praxisbeispiele wie die Versorgung der Endmontage des Werks von Audi in
Ingolstadt, die Ansiedlung von Lieferanten für die Endmontage von DaimlerChrysler in
Rastatt, der Innovationspark in Wackersdorf für die Endmontage von BMW in Regensburg und
München oder, wie später im Text dargelegt, die Produktion des Ford Focus im Saarland
zeigen, dass sich der Industriepark, insbesondere im Rahmen der Just-in-Time Versorgung in
der Automobileindustrie, etabliert hat. Auch wenn dieser Begriff seit den 90er Jahren
vermehrt verwendet wird, fehlt bisher noch eine Einordnung und Fixierung des Begriffs.
Folglich wird meist von dem Konzept Industriepark gesprochen; d.h., dass sich das Konzept
"als eine meist induktiv gewonnene, systematische Interpretation von Erfahrungen
oft verbunden mit einem Handlungswissen unter einem generalisierten Begriff
zusammengefasst wird". Hieraus folgt, dass Konzepte häufig stark von der
Anwendungsnähe und dem Handlungsbezug beprägt sind und dass eine Vereinbarkeit mit einem
theoretischen Ansatz zur Fundierung des Konzepts nur implizit vorhanden ist.
Der Begriff Industriepark tritt erstmalig in den 60er Jahren auf. Er
bezeichnet eine industriell bzw. gewerblich erschlossene Fläche, die der
gemeinschaftlichen Nutzung durch mehrere Unternehmen dient. Durch die zunehmende
Verwendung und Entstehung von Industrieparks in der Praxis ergeben sich zahlreiche
Definitionsansätze. Übereinstimmend werden in allen die folgenden Charakteristika
genannt: die gemeinsame Nutzung einer Fläche durch mehrere Unternehmen und die Existenz
eines öffentlichen oder privaten Trägers für die Zwecke der Planung sowie die
Erschließung und des Betriebs des Parks. Die Aufgaben des in der Regel unabhängigen
Trägers, d.h. der Flächennutzer ist nicht identisch mit dem Flächenanbieter, beinhalten
immer die Planung und Erschließung; während des Betriebs variieren jedoch die
Aufgabenbereiche von der Bereitstellung von gemeinsamen Dienstleistungen und Einrichtungen
bis hin zu der Betreuung der angesiedelten Unternehmen. Hierbei können spezielle
Einrichtungen, wie z.B. Bank, Kantine und Wachdienst als notwendige Bestandteile eines
Industrieparks erachtet werden.
Indikatoren und potentielle Treiber des
Konzepts Industriepark
Die folgende Betrachtung der
Indikatoren, die mit dem Konzept des Industrieparks in Verbindung gebracht werden, dient
der späteren genaueren Begriffsbestimmung.

Abbildung 1: Indikatoren des Konzeptes Industriepark
Die Zielsetzungen beziehen sich auf die Erhöhung der Sicherheit und
Kosteneinsparungen bei der JiT-Versorgung der Produktion des Abnehmers. Die Sicherheit
läßt sich durch eine Steigerung der Flexibilität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit
der Prozessabwicklung erzielen. Die Erschließung von Synergiepotentialen und eine
kostengünstigere Konfiguration des Logistiksystems können die erwünschten
Kosteneinsparungen bewirken. Als weitere Indikatoren können genannt werden: die
räumliche Nähe des Standorts zum Abnehmer, die räumlich konzentrierte Ansiedelung
mehrerer Zulieferer eines Abnehmers oder beauftragter Dienstleister an diesem Standort,
was mit der Entstehung einer Standortgemeinschaft verbunden ist, sowie die
Standortentstehung durch einen bewußten Gestaltungsakt.
Ein hoher Anteil an JiT-Versorgung ist ein Treiber für die
Zielsetzung. Da dieses JiT-Konzept bei der Versorgung mit hochwertigen Teilen bei einem
relativ gleichmäßigen, gut prognostizierbaren und starken Verbrauch eingesetzt wird,
wird das Ziel verfolgt, eine bestandslose, zumindest bestandarme Versorgung und damit
Reduzierung der Lagerkosten, eine Verbesserung des Lieferservices sowie eine Steigerung
des Qualitätsniveaus zu erreichen. Aus der Notwendigkeit dieser Zielsetzungen lassen sich
wiederum die Treiber eines großen Kostendrucks, hoher logistischer Anforderungen und des
Vorhandenseins von Potentialen für den Aufbau von partnerschaftlichen Beziehungen
ableiten. Bestandteil der Rahmenbedingungen einer JiT-Versorgung ist es immer
variantenreichere und großvolumigere Teile bei kurzen Vorsteuerzeiten anzuliefern, was
dazu beiträgt, dass eine räumliche Nähe zum Abnehmer notwendig ist (geographische Lage
der Standortgemeinschaft). Als Ursache für die kurze Vorsteuerzeit kann die
Flexibilisierung der Produktion genannt werden. Die Variantenvielfalt und das Volumen der
Teile sind in der reduzierten Lieferantenanzahl, der geringeren Fertigungstiefe und der
Vielzahl der Ausstattungsvarianten begründet.

Abbildung 2: Indikatoren und potentielle Treiber des Konzeptes
Industriepark
Die Senkung der Infrastrukturkosten und der erleichterte Aufbau
partnerschaftlicher Beziehungen soll durch die gemeinsame Ansiedelung von mehreren
Zulieferern oder beauftragten Dienstleistern an einem Ort (Beteiligte der
Standortgemeinschaft) gesichert werden. Als Vorraussetzung hierfür ist die
Kooperationsbereitschaft seitens der Zulieferer und Dienstleister anzusehen. Für die
Planung und Durchführung der Gestaltung des Industrieparks muß die Bereitschaft zur
Aufgabenwahrnehmung im Rahmen der Standortentstehung vorhanden sein.
Letzteres wird meist vom Abnehmer, d.h. vom fokalen Unternehmen,
wahrgenommen. Fokale Unternehmen sind für die strategische Führung innerhalb
strategischer Netzwerke verantwortlich, d.h. sie treffen strategisch bedeutsame
Entscheidungen und übernehmen die Koordination sowie Kontrolle der strategischen
Aufgaben. Als strategische Netzwerke bezeichnet man "Formen der
unternehmensübergreifenden, vertikalen, langfristig stabilen Zusammenarbeit zwischen mehr
als zwei Unternehmen" bezeichnet.
Begriffsbestimmung
Zur Definition des Konzeptes
Industriepark ist es hilfreich, die Begriffsinhalte über begriffs-konstituierende
Merkmale festzulegen.

Abbildung 3: Begriffskonstituierende Merkmale
Das Merkmal der Zielsetzung spiegelt die Sicht der Institution
wider, welche die Standortentstehung beschleunigt und entsprechende Aufgaben übernimmt.
Dies variiert somit über Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in der
Beschaffungslogistik bis hin zum Aufbau und der Absicherung enger Geschäftsbeziehungen.
Das Merkmal der geographischen Lage beinhaltet die relevanten
Standortfaktoren, aus denen sich die geographische Lage ergibt (siehe III.). Die
Merkmalausprägung kann mit dem Standortfaktor Entfernung der Standort-gemeinschaft vom
Abnehmer angegeben werden. Die Beteiligten der Standortgemeinschaft
charakterisieren die Unternehmen, welche im Industriepark angesiedelt sind, und deren
Beziehungen untereinander. Die Hauptausprägung ist sicherlich, dass die angesiedelten
Unternehmen Zulieferer eines Abnehmers sind.
Beim Merkmal der Aufgaben bei der Standortentstehung ist es
wichtig, die Aufgabeninhalte und Aufgabenträger zu definieren. Die Ausprägung dieses
Merkmal umfasst Formen der gesamtheitlichen Planung (z. B. mit der Erstellung eines
Erschließungs- und Ansiedlungsplans) und des Planungsträger (z. B. Abnehmer).
Das letzte Merkmal beschäftigt sich mit den Aufgaben beim
Standortbetrieb. Hierbei sind zum einen die Aufgaben des Trägers (z. B.
Bereitstellung und Instandhaltung der Flächen, Gebäude und Infrastruktur) und die
Aufgaben der angesiedelten Unternehmen (z.B. Entwicklung und Durchführung
abnehmerspezifischer Logistik- und Fertigungsprozesse) wichtig. Es muß folglich zwischen
gemeinschaftlichen und einzelwirtschaftlichen Aufgaben unterschieden werden.
Aus der Summe dieser begriffskonstituierenden Merkmalen und dem Wissen
über die Indikatoren und potentiellen Treiber des Konzepts Industriepark lässt sich nun
eine präzise und valide Begriffsdefinition bestimmen:
Unter einem Industriepark wird eine abnehmernahe,
gemeinschaftliche Ansiedelung von mehreren Zulieferern in der Regel eines Abnehmers
und/oder beauftragten Dienstleisters verstanden. Die Entstehung des Standorts erfolgt
durch eine gesamtheitliche Planung. Während des Betriebs des Standorts werden einerseits
die gemeinschaftlichen Flächen, Gebäude und Infrastruktur-einrichtungen bereitgestellt
und instandgehalten, andererseits führen die angesiedelten Unternehmen im Industriepark
abnehmerspezifische Logistik- und Fertigungsprozesse durch. Zielsetzung der Einrichtung
eines Industrieparks sind Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in der
Beschaffungslogistik sowie Aufbau und Absicherung enger Geschäftsbeziehungen.
Anwendungsbereiche/internationaler
Vergleich
Wie breits dargelegt worden ist,
ist das Konzept Industriepark vornämlich in der Automobilindustrie anzutreffen. Im
Folgenden soll diskutiert werden in wie fern das Konzept auch auf andere Branchen wie die
Maschinenbau-, Elektro- und Chemieindustrie übertragbar ist.
Im Gegensatz zur Automobilindustrie ist die Maschinenbaubranche
von Kleinserien- und Sonderfertigungen geprägt, d.h. der Verbrauch ist nach Art und
Häufigkeit stark diskontinuierlich und lässt sich kaum in enge Beziehungen zwischen
Zulieferern und Abnehmern einordnen. Folglich sind die Rahmenbedingungen für eine
JiT-Versorgung nicht gegeben, es ergeben sich also keine Potentiale durch
partnerschaftliche Beziehungen. Ferner ist in der mittelständisch geprägten Branche die
Kooperationsbereitschaft sowie fähigkeit zwischen Zulieferern und Abnehmern eher
schwach ausgebildet. Das Konzept des Industrieparks ist daher für die Maschinenbaubranche
im allgemeinen eher wenig erfolgsversprechend, es sei denn, dass "die Zulieferer
werden durch die Konstruktion der Maschine bestimmt und es entsteht eine Abhängigkeit des
Abnehmers vom Zulieferer".
In der Chemieindustrie wird das Konzept der Chemieparks
angewendet, d.h. dass verschiedene, an den Produktionsprozessen beteiligte Unternehmen an
einem Ort angesiedelt sind. Die dort ansässigen Unternehmen gehören häufig zu einem
gemeinsamen Unternehmen. Daher sind die Logistiksysteme im Chemiepark speziell auf die zu
beschaffenden und zu verarbeitenden Güter abgestimmt. Dies liegt darin begründet, dass
sich durch Verkäufe von Unternehmensteilen und durch die Errichtung von Holdings mit
selbständigen Unternehmen die Fertigungstiefe in einigen Unternehmen stark verringert hat
und daher mit dem gestiegenen Beschaffungsvolumen hohe logistische Anforderungen (z. B.
Lagerung, Transport, Umschlag) einhergehen.
Die Elektroindustrie ist geprägt von einer hohen
"Heterogenität der Strukturen". Zum einen ist die Elektroindustrie von sachlich
und zeitlich sehr eng gekoppelten Produktionssystemen gekennzeichnet, die meist über
JiT-Versorgung stattfindet. Daher bestehen teilweise langfristige, enge Partnerschaften;
teilweise fehlen kooperative Strukturen völlig, da diese aufgrund eines enormen Drucks in
den Preisverhandlungen nicht gewünscht sind. Es spiegelt sich also in den Beziehungen
zwischen Abnehmern und Zulieferern die Macht des Abnehmers wider.
Zusammenfassend lässt sich folglich feststellen, dass das Konzept
Industriepark hauptsächlich in der Automobilindustrie vorteilhaft ist und daher in diesem
Bereich Anwendung findet. Dies liegt darin begründet, dass viele der genannten Treiber
weder in der Maschinenbau- noch in der Elektroindustrie von Bedeutung sind. In der
Chemieindustrie sind einiger dieser Treiber anzutreffen, jedoch haben sich aufgrund
historischer Entwicklungen und logistischer Anforderungen erhebliche Besonderheiten in
Form des Chemieparks herausgebildet.
Die Betrachtung in wie fern sich das Konzept Industriepark auf andere
Länder übertragen lassen kann, soll anhand von den USA und Japan erörtert werden, da
diese beiden Länder ebenfalls über eine stark ausgeprägte Automobilindustrie verfügen.
In diesem Zusammenhang sollen nicht die deutschen Automobilhersteller betrachtet werden,
die im Ausland produzieren, da diese dort meist ein aus Deutschland importiertes, auf die
Globalisierungsprobleme der Zulieferindustrie zugeschnittenes Konzept benutzen
Bei den US-amerikanischen Automobilherstellern wurde lange an der
vertikalen Integration festgehalten und folglich spielte die Erhöhung des Anteils der
JiT-Versorgung, die Reduzierung der Lieferantenanzahl und die Reduzierung der
Fertigungstiefe keine große Rolle. Inzwischen jedoch werden in den USA auch diese
Veränderungen forciert. Aufgrund der großen Distanzen aber sind die Beziehung zwischen
Abnehmer und Zulieferer weniger eng. Um den damit verbundenen Kostendruck auf die Logistik
durch die Verwendung bestandsarmer Beschaffung zu bewältigen, greifen die Hersteller als
Alternative zu Konzept Industrieparks immer mehr auf zentrale Logistikdienstleister
zurück, die für die Abwicklung der kompletten Beschaffungslogistik verantwortlich sind.
Da die JiT-Versorgung japanischen Ursprungs ist, findet man
traditionell bei den dortigen Automobilproduzenten einen hohen Anteil an JiT-Versorgung,
eine geringe Fertigungstiefe sowie eine geringe Lieferantenanzahl. In Japan spielen
vor allem die partnerschaftlichen Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen, die vor dem Hintergrund
der Keiretsu zu sehen sind, eine wichtige Rolle. Ein Keiretsu bezeichnet eine
Unternehmensgruppe von Industrieunternehmen, Handels-unternehmen und Banken, welche
zentral geführt wird und welche die Aktivitäten der beteiligten Unternehmen abstimmt.
Folglich bestehen zwischen den Unternehmen finanzielle und soziale Verflechtungen, z. B.
in Form von gegenseitigen Kapitalbeteiligungen oder Gründung gemeinsamer Einrichtungen.
Daher stellen die Automobilhersteller fokale Unternehmen dar und viele der Zulieferer sind
nahezu vollständig wirtschaftlich von einem Abnehmer abhängig. Diese hierarchische
Struktur hat dazu geführt, dass sich Zulieferer schon lange in unmittelbarer Nähe zum
Abnehmer angesiedelt haben.
Zusammenfassend läßt sich folglich sagen, dass die Treiber des
Konzepts Industriepark in Japan traditional sehr stark ausgeprägt sind, dies jedoch nicht
notwendigerweise zu einer gemeinsamen Ansiedelung führt, da die Zulieferer bereits
abnehmernah angesiedelt sind. In den USA ist der Treiber der partnerschaftlichen
Beziehungen weniger wichtig, so dass sich aufgrund der übrigen Treiber andere alternative
Konzepte herausgebildet haben. Folglich ist das Konzept Industriepark im Vergleich mit den
USA und Japan eher ein rein deutsches Phänomen.
Praxisbeispiel
Ein gutes Praxisbeispiel für
die Anwendung des Konzepts Industriepark in Deutschland im Bereich der Automobilindustrie,
insbesondere der JiT-Versorgung, ist der Produktionsstandort Saarlouis. Hier fertigt Ford
im "Ford-industrial-supplier-park" den Ford Focus. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich eine abnehmernahe, gemeinschaftliche Ansiedelung von mehreren Zulieferern
bei einem Abnehmer mit der Zielsetzung von Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in
der Beschaffungslogistik sowie dem Aufbau und der Absicherung enger Geschäftsbeziehungen
zwischen den Partner.
Autoland Saar
Im Sog der verhältnismäßig
guten Automobilkonjunktur in Deutschland konnten auch die saarländischen Hersteller von
Kraftwagen und Kraftwagenteilen in 2001 zulegen. In den 17 Betrieben, die die amtliche
Statistik in dieser Branche an der Saar verzeichnet, wurde 2001 ein Umsatz von 9,3
Milliarden Euro erwirtschaftet, 36 Prozent mehr als im Jahr davor. (Hierzu ist allerdings
einschränkend anzumerken, dass ein Teil des Anstiegs auf Umgruppierungen von Betrieben
des Maschinenbaus zum Fahrzeugbau beruht. Aber auch ohne diesen statistischen Hinzugewinn
war die Umsatzsteigerung noch beachtlich.)
Wie im Bund wurden auch an der Saar fast 60 Prozent des Umsatzes im
Ausland erzielt. Anders als im Bund sind an der Saar jedoch die Inlandsumsätze deutlich
stärker gestiegen als die Erlöse im Ausland. Der Grund hierfür ist der hohe Anteil von
Automobilzulieferern im Saarland, die mit ihren Komponenten und Systemen praktisch alle
namhaften deutschen Automobilproduzenten beliefern. Die herausragende Bedeutung der
saarländischen Automobilindustrie kommt schon darin zum Ausdruck, dass sie "mit gut
23.000 Arbeitsplätzen mehr als ein Fünftel aller Industriearbeitsplätze im Saarland
stellt und beinahe jeden zweiten Euro aller Industrieumsätze erwirtschaftet".
Berücksichtigt man zudem, dass auch andere Branchen wie die Stahlindustrie, der
Maschinenbau, die Elektroindustrie, die Metallindustrie sowie die Gummi- und
Kunststoffindustrie mehr oder weniger Vorprodukte für die Autoindustrie fertigen, dann
erhält die Automobilindustrie ein noch höheres Gewicht als Arbeitgeber. "Insgesamt
hängen heute mehr als 42.000 Arbeitsplätze in der Saarindustrie direkt oder indirekt vom
Automobilbau ab. Das sind rund 40 Prozent aller Industriearbeitsplätze". Deshalb
spricht man auch vom "Autoland Saar". Ohne die Stärke der Automobilindustrie,
die in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig zugenommen hat, hätte das Saarland die
Krisen der Montanindustrie und den dadurch ausgelösten tiefgreifenden Strukturwandel
nicht so erfolgreich bewältigen können. Insofern ist es nicht zuletzt ein Verdienst der
saarländischen Automobilindustrie, dass der ehemalige Montanstandort Saar heute eine
moderne Industrie- und Dienstleistungsregion ist.
Namhafte Großbetriebe, aber auch zahlreiche leistungsfähige kleine
und mittlere Unternehmen fertigen in modernen Produktionsstätten hochwertige
Fahrzeug-komponenten und Ausrüstungsteile. Ob Reifen oder Getriebe, Einspritzpumpen oder
Katalysatoren, Bremsen oder Kupplungsscheiben, Installationsmaterial oder Autoelektronik,
Gummi- oder Kunststoffteile, Gesenkschmiede- oder Gussteile; von A wie Akkumulatoren bis Z
wie Zylinderblöcke gibt es kaum ein Vormaterial oder Zulieferteil, das nicht im Saarland
hergestellt wird. Eine wachsende Zahl von Autoherstellern bezieht zudem wesentliche Teile
ihrer Ausrüstung insbesondere in der Automatisierungs-, Förder- und Mess- und
Kontrolltechnik aus dem Saarland.
"Ford Focus": Made in Saarlouis
Einziger Automobilhersteller im
Saarland sind die Ford-Werke in Saarlouis mit rund 7.000 Beschäftigten. Seit Mitte August
1998 wird in Saarlouis der Ford "Focus" produziert. Seitdem sind in Saarlouis
bereits "mehr als 1.4 Millionen Ford Focus vom Band gelaufen. Der Ford Focus ist in
den Jahren 2000 und 2001 auf allen fünf Kontinenten das meistverkaufte PKW-Modell
gewesen". Das Ford-Werk in Saarlouis arbeitet seit der Markteinführung des Focus im
Dreischichtbetrieb. "Täglich verlassen 1.930 Autos die Produktionsbänder des
Herstellers an der Saar. Nach den Werksferien 2002 wird die Tagesproduktion auf 1.980
Fahrzeuge erhöht. 300 neue Arbeitsplätze werden dadurch in Saarlouis geschaffen".
Zukunftsweisendes Konzept eines
Industrieparks: "Ford-industrial-supplier-park"
Zeitgleich mit dem
Produktionsstart des neuen Focus wurde in Saarlouis auch der "Ford industrial
supplier Park" in Betrieb genommen. Im Rahmen dieses Vorhabens, dass die
Ford-Zentrale als Modellprojekt für andere Standorte ansieht, sind auf dem Gelände des
Industrieparks in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fordwerk klassische Zulieferer und
Komponenten-Monteure für den Focus angesiedelt worden. Auf einer Fläche von derzeit
200.000 Quadratmetern fertigen zwölf Zulieferer komplexe Bauteile und Komponenten, die
nicht nur "just in time", sondern auch "just in sequence", also zur
richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge an der Ford-Produktionslinie eintreffen.
Insgesamt arbeiten bei den verschiedenen Zulieferern derzeit rund 1.700 Personen. Der
Industriepark ist wegen seines Modellcharakters ein wichtiges Aushängeschild nicht nur
für das Unternehmen selbst, sondern auch für das "Autoland Saar" insgesamt.
Zurzeit wird eine weitere Ausbaustufe des Zulieferparks verwirklicht. Ab den Werksferien
2003 sollen in einer zusätzlichen Halle rund 130 neue Mitarbeiter dort ihren Arbeitsplatz
finden. |