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Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-41025-1

Thema des Monats März 2003
Stand: 27.10.2008

Produzieren in Industrieparks
Ein Beitrag von Prof. Dr.-Ing. Rainer Kämpf, Peter Gyergyay, Simon Roggentin, Silvie van Steensel

Praxisbeispiele wie die Versorgung der Endmontage des Werks von Audi in Ingolstadt, die Ansiedlung von Lieferanten für die Endmontage von DaimlerChrysler in Rastatt, der Innovationspark in Wackersdorf für die Endmontage von BMW in Regensburg und München oder, wie später im Text dargelegt, die Produktion des Ford Focus im Saarland zeigen, dass sich der Industriepark, insbesondere im Rahmen der Just-in-Time Versorgung in der Automobileindustrie, etabliert hat. Auch wenn dieser Begriff seit den 90er Jahren vermehrt verwendet wird, fehlt bisher noch eine Einordnung und Fixierung des Begriffs. Folglich wird meist von dem Konzept Industriepark gesprochen; d.h., dass sich das Konzept "als eine meist induktiv gewonnene, systematische Interpretation von Erfahrungen – oft verbunden mit einem Handlungswissen – unter einem generalisierten Begriff zusammengefasst wird". Hieraus folgt, dass Konzepte häufig stark von der Anwendungsnähe und dem Handlungsbezug beprägt sind und dass eine Vereinbarkeit mit einem theoretischen Ansatz zur Fundierung des Konzepts nur implizit vorhanden ist.

Der Begriff Industriepark tritt erstmalig in den 60er Jahren auf. Er bezeichnet eine industriell bzw. gewerblich erschlossene Fläche, die der gemeinschaftlichen Nutzung durch mehrere Unternehmen dient. Durch die zunehmende Verwendung und Entstehung von Industrieparks in der Praxis ergeben sich zahlreiche Definitionsansätze. Übereinstimmend werden in allen die folgenden Charakteristika genannt: die gemeinsame Nutzung einer Fläche durch mehrere Unternehmen und die Existenz eines öffentlichen oder privaten Trägers für die Zwecke der Planung sowie die Erschließung und des Betriebs des Parks. Die Aufgaben des in der Regel unabhängigen Trägers, d.h. der Flächennutzer ist nicht identisch mit dem Flächenanbieter, beinhalten immer die Planung und Erschließung; während des Betriebs variieren jedoch die Aufgabenbereiche von der Bereitstellung von gemeinsamen Dienstleistungen und Einrichtungen bis hin zu der Betreuung der angesiedelten Unternehmen. Hierbei können spezielle Einrichtungen, wie z.B. Bank, Kantine und Wachdienst als notwendige Bestandteile eines Industrieparks erachtet werden.

Indikatoren und potentielle Treiber des Konzepts Industriepark

Die folgende Betrachtung der Indikatoren, die mit dem Konzept des Industrieparks in Verbindung gebracht werden, dient der späteren genaueren Begriffsbestimmung.

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Abbildung 1: Indikatoren des Konzeptes Industriepark

Die Zielsetzungen beziehen sich auf die Erhöhung der Sicherheit und Kosteneinsparungen bei der JiT-Versorgung der Produktion des Abnehmers. Die Sicherheit läßt sich durch eine Steigerung der Flexibilität, Zuverlässigkeit und Schnelligkeit der Prozessabwicklung erzielen. Die Erschließung von Synergiepotentialen und eine kostengünstigere Konfiguration des Logistiksystems können die erwünschten Kosteneinsparungen bewirken. Als weitere Indikatoren können genannt werden: die räumliche Nähe des Standorts zum Abnehmer, die räumlich konzentrierte Ansiedelung mehrerer Zulieferer eines Abnehmers oder beauftragter Dienstleister an diesem Standort, was mit der Entstehung einer Standortgemeinschaft verbunden ist, sowie die Standortentstehung durch einen bewußten Gestaltungsakt.

Ein hoher Anteil an JiT-Versorgung ist ein Treiber für die Zielsetzung. Da dieses JiT-Konzept bei der Versorgung mit hochwertigen Teilen bei einem relativ gleichmäßigen, gut prognostizierbaren und starken Verbrauch eingesetzt wird, wird das Ziel verfolgt, eine bestandslose, zumindest bestandarme Versorgung und damit Reduzierung der Lagerkosten, eine Verbesserung des Lieferservices sowie eine Steigerung des Qualitätsniveaus zu erreichen. Aus der Notwendigkeit dieser Zielsetzungen lassen sich wiederum die Treiber eines großen Kostendrucks, hoher logistischer Anforderungen und des Vorhandenseins von Potentialen für den Aufbau von partnerschaftlichen Beziehungen ableiten. Bestandteil der Rahmenbedingungen einer JiT-Versorgung ist es immer variantenreichere und großvolumigere Teile bei kurzen Vorsteuerzeiten anzuliefern, was dazu beiträgt, dass eine räumliche Nähe zum Abnehmer notwendig ist (geographische Lage der Standortgemeinschaft). Als Ursache für die kurze Vorsteuerzeit kann die Flexibilisierung der Produktion genannt werden. Die Variantenvielfalt und das Volumen der Teile sind in der reduzierten Lieferantenanzahl, der geringeren Fertigungstiefe und der Vielzahl der Ausstattungsvarianten begründet.

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Abbildung 2: Indikatoren und potentielle Treiber des Konzeptes Industriepark

Die Senkung der Infrastrukturkosten und der erleichterte Aufbau partnerschaftlicher Beziehungen soll durch die gemeinsame Ansiedelung von mehreren Zulieferern oder beauftragten Dienstleistern an einem Ort (Beteiligte der Standortgemeinschaft) gesichert werden. Als Vorraussetzung hierfür ist die Kooperationsbereitschaft seitens der Zulieferer und Dienstleister anzusehen. Für die Planung und Durchführung der Gestaltung des Industrieparks muß die Bereitschaft zur Aufgabenwahrnehmung im Rahmen der Standortentstehung vorhanden sein.

Letzteres wird meist vom Abnehmer, d.h. vom fokalen Unternehmen, wahrgenommen. Fokale Unternehmen sind für die strategische Führung innerhalb strategischer Netzwerke verantwortlich, d.h. sie treffen strategisch bedeutsame Entscheidungen und übernehmen die Koordination sowie Kontrolle der strategischen Aufgaben. Als strategische Netzwerke bezeichnet man "Formen der unternehmensübergreifenden, vertikalen, langfristig stabilen Zusammenarbeit zwischen mehr als zwei Unternehmen" bezeichnet.

Begriffsbestimmung

Zur Definition des Konzeptes Industriepark ist es hilfreich, die Begriffsinhalte über begriffs-konstituierende Merkmale festzulegen.

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Abbildung 3: Begriffskonstituierende Merkmale

Das Merkmal der Zielsetzung spiegelt die Sicht der Institution wider, welche die Standortentstehung beschleunigt und entsprechende Aufgaben übernimmt. Dies variiert somit über Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in der Beschaffungslogistik bis hin zum Aufbau und der Absicherung enger Geschäftsbeziehungen.

Das Merkmal der geographischen Lage beinhaltet die relevanten Standortfaktoren, aus denen sich die geographische Lage ergibt (siehe III.). Die Merkmalausprägung kann mit dem Standortfaktor Entfernung der Standort-gemeinschaft vom Abnehmer angegeben werden. Die Beteiligten der Standortgemeinschaft charakterisieren die Unternehmen, welche im Industriepark angesiedelt sind, und deren Beziehungen untereinander. Die Hauptausprägung ist sicherlich, dass die angesiedelten Unternehmen Zulieferer eines Abnehmers sind.

Beim Merkmal der Aufgaben bei der Standortentstehung ist es wichtig, die Aufgabeninhalte und Aufgabenträger zu definieren. Die Ausprägung dieses Merkmal umfasst Formen der gesamtheitlichen Planung (z. B. mit der Erstellung eines Erschließungs- und Ansiedlungsplans) und des Planungsträger (z. B. Abnehmer).

Das letzte Merkmal beschäftigt sich mit den Aufgaben beim Standortbetrieb. Hierbei sind zum einen die Aufgaben des Trägers (z. B. Bereitstellung und Instandhaltung der Flächen, Gebäude und Infrastruktur) und die Aufgaben der angesiedelten Unternehmen (z.B. Entwicklung und Durchführung abnehmerspezifischer Logistik- und Fertigungsprozesse) wichtig. Es muß folglich zwischen gemeinschaftlichen und einzelwirtschaftlichen Aufgaben unterschieden werden.

Aus der Summe dieser begriffskonstituierenden Merkmalen und dem Wissen über die Indikatoren und potentiellen Treiber des Konzepts Industriepark lässt sich nun eine präzise und valide Begriffsdefinition bestimmen:

Unter einem Industriepark wird eine abnehmernahe, gemeinschaftliche Ansiedelung von mehreren Zulieferern in der Regel eines Abnehmers und/oder beauftragten Dienstleisters verstanden. Die Entstehung des Standorts erfolgt durch eine gesamtheitliche Planung. Während des Betriebs des Standorts werden einerseits die gemeinschaftlichen Flächen, Gebäude und Infrastruktur-einrichtungen bereitgestellt und instandgehalten, andererseits führen die angesiedelten Unternehmen im Industriepark abnehmerspezifische Logistik- und Fertigungsprozesse durch. Zielsetzung der Einrichtung eines Industrieparks sind Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in der Beschaffungslogistik sowie Aufbau und Absicherung enger Geschäftsbeziehungen.

Anwendungsbereiche/internationaler Vergleich

Wie breits dargelegt worden ist, ist das Konzept Industriepark vornämlich in der Automobilindustrie anzutreffen. Im Folgenden soll diskutiert werden in wie fern das Konzept auch auf andere Branchen wie die Maschinenbau-, Elektro- und Chemieindustrie übertragbar ist.

Im Gegensatz zur Automobilindustrie ist die Maschinenbaubranche von Kleinserien- und Sonderfertigungen geprägt, d.h. der Verbrauch ist nach Art und Häufigkeit stark diskontinuierlich und lässt sich kaum in enge Beziehungen zwischen Zulieferern und Abnehmern einordnen. Folglich sind die Rahmenbedingungen für eine JiT-Versorgung nicht gegeben, es ergeben sich also keine Potentiale durch partnerschaftliche Beziehungen. Ferner ist in der mittelständisch geprägten Branche die Kooperationsbereitschaft sowie –fähigkeit zwischen Zulieferern und Abnehmern eher schwach ausgebildet. Das Konzept des Industrieparks ist daher für die Maschinenbaubranche im allgemeinen eher wenig erfolgsversprechend, es sei denn, dass "die Zulieferer werden durch die Konstruktion der Maschine bestimmt und es entsteht eine Abhängigkeit des Abnehmers vom Zulieferer".

In der Chemieindustrie wird das Konzept der Chemieparks angewendet, d.h. dass verschiedene, an den Produktionsprozessen beteiligte Unternehmen an einem Ort angesiedelt sind. Die dort ansässigen Unternehmen gehören häufig zu einem gemeinsamen Unternehmen. Daher sind die Logistiksysteme im Chemiepark speziell auf die zu beschaffenden und zu verarbeitenden Güter abgestimmt. Dies liegt darin begründet, dass sich durch Verkäufe von Unternehmensteilen und durch die Errichtung von Holdings mit selbständigen Unternehmen die Fertigungstiefe in einigen Unternehmen stark verringert hat und daher mit dem gestiegenen Beschaffungsvolumen hohe logistische Anforderungen (z. B. Lagerung, Transport, Umschlag) einhergehen.

Die Elektroindustrie ist geprägt von einer hohen "Heterogenität der Strukturen". Zum einen ist die Elektroindustrie von sachlich und zeitlich sehr eng gekoppelten Produktionssystemen gekennzeichnet, die meist über JiT-Versorgung stattfindet. Daher bestehen teilweise langfristige, enge Partnerschaften; teilweise fehlen kooperative Strukturen völlig, da diese aufgrund eines enormen Drucks in den Preisverhandlungen nicht gewünscht sind. Es spiegelt sich also in den Beziehungen zwischen Abnehmern und Zulieferern die Macht des Abnehmers wider.

Zusammenfassend lässt sich folglich feststellen, dass das Konzept Industriepark hauptsächlich in der Automobilindustrie vorteilhaft ist und daher in diesem Bereich Anwendung findet. Dies liegt darin begründet, dass viele der genannten Treiber weder in der Maschinenbau- noch in der Elektroindustrie von Bedeutung sind. In der Chemieindustrie sind einiger dieser Treiber anzutreffen, jedoch haben sich aufgrund historischer Entwicklungen und logistischer Anforderungen erhebliche Besonderheiten in Form des Chemieparks herausgebildet.

Die Betrachtung in wie fern sich das Konzept Industriepark auf andere Länder übertragen lassen kann, soll anhand von den USA und Japan erörtert werden, da diese beiden Länder ebenfalls über eine stark ausgeprägte Automobilindustrie verfügen. In diesem Zusammenhang sollen nicht die deutschen Automobilhersteller betrachtet werden, die im Ausland produzieren, da diese dort meist ein aus Deutschland importiertes, auf die Globalisierungsprobleme der Zulieferindustrie zugeschnittenes Konzept benutzen

Bei den US-amerikanischen Automobilherstellern wurde lange an der vertikalen Integration festgehalten und folglich spielte die Erhöhung des Anteils der JiT-Versorgung, die Reduzierung der Lieferantenanzahl und die Reduzierung der Fertigungstiefe keine große Rolle. Inzwischen jedoch werden in den USA auch diese Veränderungen forciert. Aufgrund der großen Distanzen aber sind die Beziehung zwischen Abnehmer und Zulieferer weniger eng. Um den damit verbundenen Kostendruck auf die Logistik durch die Verwendung bestandsarmer Beschaffung zu bewältigen, greifen die Hersteller als Alternative zu Konzept Industrieparks immer mehr auf zentrale Logistikdienstleister zurück, die für die Abwicklung der kompletten Beschaffungslogistik verantwortlich sind.

Da die JiT-Versorgung japanischen Ursprungs ist, findet man traditionell bei den dortigen Automobilproduzenten einen hohen Anteil an JiT-Versorgung, eine geringe Fertigungstiefe sowie eine geringe Lieferantenanzahl. In Japan spielen vor allem die partnerschaftlichen Zulieferer-Abnehmer-Beziehungen, die vor dem Hintergrund der Keiretsu zu sehen sind, eine wichtige Rolle. Ein Keiretsu bezeichnet eine Unternehmensgruppe von Industrieunternehmen, Handels-unternehmen und Banken, welche zentral geführt wird und welche die Aktivitäten der beteiligten Unternehmen abstimmt. Folglich bestehen zwischen den Unternehmen finanzielle und soziale Verflechtungen, z. B. in Form von gegenseitigen Kapitalbeteiligungen oder Gründung gemeinsamer Einrichtungen. Daher stellen die Automobilhersteller fokale Unternehmen dar und viele der Zulieferer sind nahezu vollständig wirtschaftlich von einem Abnehmer abhängig. Diese hierarchische Struktur hat dazu geführt, dass sich Zulieferer schon lange in unmittelbarer Nähe zum Abnehmer angesiedelt haben.

Zusammenfassend läßt sich folglich sagen, dass die Treiber des Konzepts Industriepark in Japan traditional sehr stark ausgeprägt sind, dies jedoch nicht notwendigerweise zu einer gemeinsamen Ansiedelung führt, da die Zulieferer bereits abnehmernah angesiedelt sind. In den USA ist der Treiber der partnerschaftlichen Beziehungen weniger wichtig, so dass sich aufgrund der übrigen Treiber andere alternative Konzepte herausgebildet haben. Folglich ist das Konzept Industriepark im Vergleich mit den USA und Japan eher ein rein deutsches Phänomen.

Praxisbeispiel

Ein gutes Praxisbeispiel für die Anwendung des Konzepts Industriepark in Deutschland im Bereich der Automobilindustrie, insbesondere der JiT-Versorgung, ist der Produktionsstandort Saarlouis. Hier fertigt Ford im "Ford-industrial-supplier-park" den Ford Focus. An diesem Beispiel zeigt sich deutlich eine abnehmernahe, gemeinschaftliche Ansiedelung von mehreren Zulieferern bei einem Abnehmer mit der Zielsetzung von Kosteneinsparungen und Serviceverbesserungen in der Beschaffungslogistik sowie dem Aufbau und der Absicherung enger Geschäftsbeziehungen zwischen den Partner.

 

Autoland Saar

Im Sog der verhältnismäßig guten Automobilkonjunktur in Deutschland konnten auch die saarländischen Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen in 2001 zulegen. In den 17 Betrieben, die die amtliche Statistik in dieser Branche an der Saar verzeichnet, wurde 2001 ein Umsatz von 9,3 Milliarden Euro erwirtschaftet, 36 Prozent mehr als im Jahr davor. (Hierzu ist allerdings einschränkend anzumerken, dass ein Teil des Anstiegs auf Umgruppierungen von Betrieben des Maschinenbaus zum Fahrzeugbau beruht. Aber auch ohne diesen statistischen Hinzugewinn war die Umsatzsteigerung noch beachtlich.)

Wie im Bund wurden auch an der Saar fast 60 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt. Anders als im Bund sind an der Saar jedoch die Inlandsumsätze deutlich stärker gestiegen als die Erlöse im Ausland. Der Grund hierfür ist der hohe Anteil von Automobilzulieferern im Saarland, die mit ihren Komponenten und Systemen praktisch alle namhaften deutschen Automobilproduzenten beliefern. Die herausragende Bedeutung der saarländischen Automobilindustrie kommt schon darin zum Ausdruck, dass sie "mit gut 23.000 Arbeitsplätzen mehr als ein Fünftel aller Industriearbeitsplätze im Saarland stellt und beinahe jeden zweiten Euro aller Industrieumsätze erwirtschaftet". Berücksichtigt man zudem, dass auch andere Branchen wie die Stahlindustrie, der Maschinenbau, die Elektroindustrie, die Metallindustrie sowie die Gummi- und Kunststoffindustrie mehr oder weniger Vorprodukte für die Autoindustrie fertigen, dann erhält die Automobilindustrie ein noch höheres Gewicht als Arbeitgeber. "Insgesamt hängen heute mehr als 42.000 Arbeitsplätze in der Saarindustrie direkt oder indirekt vom Automobilbau ab. Das sind rund 40 Prozent aller Industriearbeitsplätze". Deshalb spricht man auch vom "Autoland Saar". Ohne die Stärke der Automobilindustrie, die in den vergangenen drei Jahrzehnten stetig zugenommen hat, hätte das Saarland die Krisen der Montanindustrie und den dadurch ausgelösten tiefgreifenden Strukturwandel nicht so erfolgreich bewältigen können. Insofern ist es nicht zuletzt ein Verdienst der saarländischen Automobilindustrie, dass der ehemalige Montanstandort Saar heute eine moderne Industrie- und Dienstleistungsregion ist.

Namhafte Großbetriebe, aber auch zahlreiche leistungsfähige kleine und mittlere Unternehmen fertigen in modernen Produktionsstätten hochwertige Fahrzeug-komponenten und Ausrüstungsteile. Ob Reifen oder Getriebe, Einspritzpumpen oder Katalysatoren, Bremsen oder Kupplungsscheiben, Installationsmaterial oder Autoelektronik, Gummi- oder Kunststoffteile, Gesenkschmiede- oder Gussteile; von A wie Akkumulatoren bis Z wie Zylinderblöcke gibt es kaum ein Vormaterial oder Zulieferteil, das nicht im Saarland hergestellt wird. Eine wachsende Zahl von Autoherstellern bezieht zudem wesentliche Teile ihrer Ausrüstung insbesondere in der Automatisierungs-, Förder- und Mess- und Kontrolltechnik aus dem Saarland.

"Ford Focus": Made in Saarlouis

Einziger Automobilhersteller im Saarland sind die Ford-Werke in Saarlouis mit rund 7.000 Beschäftigten. Seit Mitte August 1998 wird in Saarlouis der Ford "Focus" produziert. Seitdem sind in Saarlouis bereits "mehr als 1.4 Millionen Ford Focus vom Band gelaufen. Der Ford Focus ist in den Jahren 2000 und 2001 auf allen fünf Kontinenten das meistverkaufte PKW-Modell gewesen". Das Ford-Werk in Saarlouis arbeitet seit der Markteinführung des Focus im Dreischichtbetrieb. "Täglich verlassen 1.930 Autos die Produktionsbänder des Herstellers an der Saar. Nach den Werksferien 2002 wird die Tagesproduktion auf 1.980 Fahrzeuge erhöht. 300 neue Arbeitsplätze werden dadurch in Saarlouis geschaffen".

Zukunftsweisendes Konzept eines Industrieparks: "Ford-industrial-supplier-park"

Zeitgleich mit dem Produktionsstart des neuen Focus wurde in Saarlouis auch der "Ford industrial supplier Park" in Betrieb genommen. Im Rahmen dieses Vorhabens, dass die Ford-Zentrale als Modellprojekt für andere Standorte ansieht, sind auf dem Gelände des Industrieparks in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fordwerk klassische Zulieferer und Komponenten-Monteure für den Focus angesiedelt worden. Auf einer Fläche von derzeit 200.000 Quadratmetern fertigen zwölf Zulieferer komplexe Bauteile und Komponenten, die nicht nur "just in time", sondern auch "just in sequence", also zur richtigen Zeit und in der richtigen Reihenfolge an der Ford-Produktionslinie eintreffen. Insgesamt arbeiten bei den verschiedenen Zulieferern derzeit rund 1.700 Personen. Der Industriepark ist wegen seines Modellcharakters ein wichtiges Aushängeschild nicht nur für das Unternehmen selbst, sondern auch für das "Autoland Saar" insgesamt. Zurzeit wird eine weitere Ausbaustufe des Zulieferparks verwirklicht. Ab den Werksferien 2003 sollen in einer zusätzlichen Halle rund 130 neue Mitarbeiter dort ihren Arbeitsplatz finden.