Verwandte Konzepte und neue alternative Entwicklungen
Im ersten Teil werden die weitverbreiteteren alternativen Ansätze zu
Industrieparks diskutiert. Diese beinhalten Industriecluster, Industrie- bzw.
Gewerbegebiete und Logistikzentren. Der zweite Teil konzentriert sich auf neuere
Entwicklungen auf dem Gebiet der Industrieparks. Hier kann man besonders drei Trends
hervorheben, die Vernetzung von Industrieparks, Eco-Industrieparks und virtuelle
Industrieparks.
Industriecluster
Als Industriecluster werden Agglomerationen, mit anderen Worten
geographische Konzentrationen, von Unternehmen, die entweder miteinander in einer
vertikalen Verbindung innerhalb der Wertschöpfungskette stehen oder zu einem ähnlichen
Wirtschaftszweig gehören, bezeichnet. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür stellt das
Silicon Valley, der Stanford Industrial Park, dar. Andere Beispiele sind der Weinanbau in
der Champagner Region und Blumencluster in den Niederlanden. Ergänzend zu den
Unternehmen, die den Kern dieser Cluster bilden, siedeln sich außerdem zahlreiche
zusätzliche Betriebe in diesen Gebiet an, die weitere Dienstleistungen bereitstellen.
Hierzu zählt einerseits der technische Support, wie z. B. Versorgungs- und
Instandhaltungsunternehmen, sowie die operative Unterstützung, wie z. B. Banken,
Versicherungen und Unternehmensberatungen.
Diese Standortgemeinschaft besteht also aus rechtlich und
wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen, die sich aufgrund diverser Faktoren entschieden
haben sich in einer Gegend niederzulassen und Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Besondere
Standortfaktoren sind i. d. R. ausschlaggebend für die Entwicklung derartiger Cluster.
Es ist zu bemerken, dass die Entstehung einem natürlichen
Wachstum unterliegt und nicht von einem Betreiber überwacht und kontrolliert wird.
Basierend auf den Regeln von Angebot und Nachfrage lassen sich hier Firmen nieder. Obwohl
keine Wahrnehmung für die gemeinsamen Einrichtungen besteht und sich die Unternehmen
primär auf die eigenen Geschäfte oder die unmittelbaren Beziehungen zu anderen
Unternehmen konzentrieren, wissen sie dass sie sich für den Standort engagieren müssen
um die Agglomerationsvorteile zu erhalten. Das Ergebnis sind Lobby-Gruppen, die sich für
Subventionen und Zuwendungen engagieren, und ein kollektives Bewusstsein um
die Infrastruktur aufrecht zu erhalten.
Um das Beispiel von Silicon Valley wieder aufzugreifen, liegt hier der
Ursprung in der Errichtung einer Forschungseinrichtung der amerikanischen Luftwaffe, die
wegen der relativen Abgeschiedenheit in dieser Gegend gebaut wurde. Die Bedürfnisse
dieser Labors zogen nach kurzer Zeit bereits weiter Forschungsinstitute an. Dieser Prozess
nahm seinen Lauf und so entstand hier eins der größten Technologiezentren der Welt.
Die Vorteile solcher Konzentrationen für die einzelnen Unternehmen
läßt sich durch die Agglomerationsvorteile erklären. Hierzu zählen im Bereich der
Industriecluster vor allem die Möglichkeit einer intensiven wirtschaftlichen Verflechtung
zwischen den Unternehmen, die Präsenz der jeweiligen vertikalen Wertschöpfungskette und
interne Ersparnisse durch eine Reduktion der Transaktionskosten. Die Nachteile resultieren
von den steigenden Faktorpreisen, z.B. steigende Grundstückspreise und Gehälter, und
Verknappungs-erscheinungen dieser Faktoren, z. B. Überlastung der Infrastruktur und
niedrige Arbeitslosigkeit.
Ein verwandtes Konzepte zu den Industrieclustern stellen die
Industriedistrikte dar. Bei Industriedistrikten handelt es sich um einen Agglomeration von
kleineren und mittleren Unternehmen (KMU), die sich aufgrund von engen sozialen Struktur,
bzw. familiären Verbindungen oder einer gemeinsamen Geschichte in der gleichen Gegend
niedergelassen haben, wie z. B. Juden im Diamanthandel in Antwerpen.
Wie bereits aufgeführt ist die Entwicklungen der Industriecluster
nicht geplant sonder folgt einer natürlich Entwicklung. Zwar kann auf das
Investitionsverhalten durch Subventionen von staatliche Institutionen eingewirkt werden,
aber dies hat nur einen begrenzten Effekt, da diese nur indirekt Einfluß ausüben.
Industrie- bzw. Gewerbegebiete
Im Gegensatz zu den Industrieparks und clustern werden die
Industrie- bzw. Gewerbegebiet aktiv und direkt von der öffentlichen Hand, z. B. von
Gemeinden und Kreisen, klassifiziert. An Hand der Baunutzungsverordnung wird der Zweck des
Gebiet, die Art der Anlagen und die Nutzungsarten festgelegt.
Industriegebiete "dienen ausschließlich der Unterbringung von
Gewerbebetrieben, und zwar vorwiegend solcher Betriebe, die in anderen Baugebieten
unzulässig sind". Hierbei kann es sich um Gewerbebetriebe aller Art, Lagerhäuser
und öffentliche Betriebe handeln. Ausnahmeregelungen treffen auf diverse Gebäude, die
einer unterstützenden Funktion, wie z. B. Wohnung für Betriebspersonal und soziale
Einrichtungen, dienen, zu.
Der Zweck der Gewerbegebiete allerdings ist stärker eingeschränkt, da
hier nur "nicht erheblich belästigende Gewerbebetriebe" untergebracht werden
dürfen, was dazu führt, dass diese speziell für Geschäfts- und Bürogebäude gedacht
sind, wobei allerdings auch hier die Ausnahmeregelungen dementsprechend angepasst sind.
Häufig wird die Entwicklung von solchen Gebieten von anderen
Instrumenten der Raumwirtschaftsplanung und -politik begleitet. Die folgende Abbildung
zeigt exemplarische einige dieser Instrumente.
Die Entwicklung solcher Gebiet wird als
Instrument für wirtschaftspolitische Standort- und Ansiedlungspolitik genutzt.
Dementsprechend ist die Zielsetzung, wie z. B. Wachstums- oder Stabilisierungsmaßnahmen
und Gerechtigkeitsziele, klar formuliert. Zu den wachstumspolitischen Ziele könnten unter
anderem der Ausbau der Arbeits- bzw. Ausbildungsplätze, die Erhöhung des regionalen
Sozialproduktes oder die Stärkung der regionalen Steuereinnahmen, zählen. Zu den
Stabilisierungsmaßnahmen gehören z. B. die Diversifikation der lokalen Branchenstruktur.
Gerechtigkeitsziele beinhalten Ausgleichsziele, wie z. B. die Förderungen von strukturell
schwächeren Region, wie z. B. Ostdeutschland, und Versorgungsziele, wie z. B. die
Sicherung der Versorgung der Bevölkerung.
Die Standortentscheidung der Unternehmen entspricht nicht mehr den
lokalen Standortfaktoren, sondern den externen Faktoren, die durch die öffentliche Hand
hinzugefügt wurden um den Standort attraktiver zumachen. Dies können in Push
und Pull Faktoren unterteilt werden. Zu den Push Faktoren gehört
die räumliche Begrenzung der Baumöglichkeiten, da Unternehmen gezwungen werden sich in
einer bestimmten Gegend niederzulassen. Zu den Pull Faktoren gehören die
diversen anderen Instrumenten der Raumwirtschaftspolitik, da Unternehmen von diesen
angezogen werden.
Resultierend von dieser Struktur wird die Entscheidung von den
Unternehmen über eine Ansiedlung in solche Gebiete aus ausschließlich
individualistischen Gründen getroffen und nicht von der Möglichkeit von Synergien durch
Beziehung mit den anderen vertretenen Unternehmen, was zu dem Fehlen einer kohärenten und
homogenen Struktur, z. B. durch gemeinsame Einrichtung, führt. Dies ist der
Hauptunterschied von Industrie- bzw. Gewerbegebieten zu den anderen Alternativen.
Logistikzentren
Logistikzentren grenzen sich von den anderen Alternativen ab indem
sie ausschließlich auf Unternehmen in der Logistikbranche zielen. Hier findet eine
Agglomeration von diversen ergänzenden logistischen Dienstleistungen statt.
Logistikzentren gibt es in vielen verschiedenen Formen:
Güterverkehrszentren (GVZ)
Güterverteilzentren (GVtZ)
Logistische Dienstleistungszentren (LDZ)
Transportgewerbegebiete (TGG)
Zentren für Produktionslogistik (ZPL)
Frachtzentren
Transitterminals
Distributionszentren
Logistikzentren bieten je nach Art und Standort eine Vielzahl von
logistischen Dienstleistungen an. Das Ziel dieser Logistikzentren ist es die Güterströme
zu rationalisieren und effizienter zu gestalten. Häufig bilden sie Teil der Logistikkette
und sind Umschlagplatz zwischen verschiedenen Verkehrsmethoden und Logistikanbietern. Hier
werden verschiedene Sendungen je nach Zielort umgeladen neu gebündelt und kommissioniert.
Zusätzlich erfüllen sie auch eine Lager-, bzw. Pufferfunktion für die Güterflüsse
ihrer Kunden.
In der Praxis treffen diese theoretische, eindeutige Abgrenzung häufig
nicht zu, da eine Vermischung der einzelnen Arten von Logistikzentren stattfindet. Als
Beispiel kann hier genannt werden, wenn ein Logistikzentrum gleichzeitig die Funktionen
eines Zentrums für Produktionslogistik, da es Nahe am produzierten Gewerbe situiert ist,
und eines Distributionszentrums, da es auch in der Nähe des Absatzmarkts für ein anderes
Produkt zu finden ist, erfüllt.
Die Entwicklung und Standortwahl solcher Logistikzentren ist häufig
abhängig von den vorherrschenden Marktgegebenheiten und der genauen Funktion. Der Grad
der Vernetzung zwischen den einzelnen Unternehmen variiert und reicht von komplett
autonomen Firmen, die keine Geschäftsbeziehungen unterhalten, bis zu der Gründung einer
gemeinsamen Firma, bzw. einem Joint Venture, die das Logistikzentrum verwaltet und die
Interesse der beteiligten Firmen vertritt.
Repräsentativ für die Vielzahl von Variationen wird versucht an Hand
eines Beispieles, die Güterverkehrszentren, exemplarisch die Bedeutung der
Logistikzentren zu beschreiben
Güterverkehrszentren (GVZ)
Ein GVZ
"ist ein transportlogistischer Knotenpunkt, an dem mehrere
Anbieter logistischer Dienstleistungen angesiedelt sind, der an mindestens zwei
Verkehrsträger insbesondere Straße und Schiene angebunden ist, der sich an
der Schnittstelle von Nah- sowie Fernverkehr befindet und in dem systematisch
Synergiepotentiale bei der Erbringung vielfältiger logistischer sowie die Logistik
unterstützender Dienstleistungen genutzt werden."
Um die angesprochenen Synergiepotentiale zu realisieren, bedarf es
einer engen und langfristigen Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Logistikunternehmen,
die jedoch weiterhin rechtlich und wirtschaftlich unabhängig von einander bleiben. Die
Kooperation kann soweit führen, dass eine gemeinsame Firma gegründet wird um den
Informationsfluß zu systematisieren und die Logistik effizienter zu gestalten. Beispiele
für GVZs sind vor allem an Umschlagplätzen von LKW auf den Schienenverkehr und im
Bereich der CityLogistik anzutreffen.
Das Hauptziel der GVZs ist es die Produktivität der Logistikkette zu
erhöhen. Diese hat speziell in den vergangen Jahren an Bedeutung gewonnen, da Auslastung
der Fahrzeuge kontinuierlich gesunken ist was zu steigenden Kosten in der Logistikbranche
geführt hat. Dies läßt sich auf die folgenden Punkte zurückführen:
Verkehrsflächenknappheit;
Steigende Wartezeiten an den Rampen;
Lieferzeitbeschränkungen;
Steigende Anzahl der Spezialfahrzeuge;
Zeitliche unterschied zwischen Angebot und Nachfrage;
Bei Rundfahrten liegt die durchschnittliche Auslastung nur bei 50%.
Zusätzlich zu der Reduktion der oben genannten Probleme, erbringt ein
GVZ auch diverse positive Effekte, wie z. B. die Möglichkeit komplexere und
vielfältigere Logistikleistungen anzubieten.
Diese Vorteile, bzw. die Verminderung von Nachteilen kann man an zwei
Beispielen konkretisiert.
Steigerung der Auslastung
Zwei Logistikunternehmen, ABC GmbH und XYZ AG, müssen je aus
unterschiedlichen Orten eine gewisse Menge an Gütern nach A transportieren. Da aber beide
Transporte weniger als halbvoll sind, ist die Auslastung sehr gering. Durch Teilnahme an
einem GVZ könnten die Waren auf einen dritten Betreiber oder einen der zwei Betreiber
umgeladen werden um die Auslastung, bzw. die Produktivität zu erhöhen, so dass nur noch
ein Fahrzeug gebraucht wird.
Erhöhung der Auslastung bei Rundfahrten
Bei dem Zusammenschluß zweier GVZs und einer flächendeckenden
Verbreitung können auf einer Rundfahrt weitere Waren durch die Fahrzeuge bei einem
anderen GVZ aufgenommen werden um das Problem "des leeren Fahrzeuges" zu
vermeiden.
In beiden Fällen bedarf es einer engen Zusammenarbeit zwischen den
einzelnen Unternehmen, den sogenannten Nutzern, was häufig durch die Gründung einer
GVZ-Betreibergesellschaft erreicht wird. Das Ausmaß der Kooperation hängt von der
Bereitschaft der einzelnen Unternehmen gewisse Funktionen, wie z. B. Wartung der
Fahrzeuge, der Infrastruktur und der Lager, Auftragsvergabe und Einkauf, und Ressourcen,
wie z. B. die Bereitstellung oder Pooling von Lagerkapazität, Fahrzeugen und
Mitarbeitern, für die Betreibergesellschaft bereitzustellen. Diese Integration birgt eine
Vielzahl von Chancen, durch z. B. Kostenminderung, aber auch Risiken, durch z. B. einer
höheren Abhängigkeit und Die Möglichkeit des Verlustes von Informationen an die
Konkurrenz.
Neben den Vorteilen für die betroffenen Unternehmen, birgt ein GVZ
auch viele gesamtwirtschaftliche Vorteile. Neben den ökonomischen Zielen, wie z. B.
Verkehrsminderung und verlagerung, erfüllt ein GVZ auch regionale
wirtschaftspolitische Ziele, wie z. B. die Sicherung von Arbeitsplätzen und die
Förderung von KMUs. Daher hat auch die öffentliche Seite ein starkes Interesse an diesen
GVZs, so dass regelmäßig von der öffentlichen Hand direkte Beteiligungen bei der
Gründung der GVZ-Betreiberfirmen erworben werden oder dass diese direkt als Initiatoren
auftreten. Als Initiatoren entscheiden sie über die geographische Lage des Standortes,
die von einer Vielzahl von Faktoren abhängt. Bei der Verteilung der GVZs existieren zwei
kontroverse Ansätze. Einerseits ein enges Netz mit relativ kleinen Zentren gegenüber
eines relativ weitläufigen Netz mit größeren Zentren.