Der Information kommt in einem modernen Betrieb eine höhere Bedeutung zu, als in
bisherigen Produktionsstrukturen. Wenn die Mitarbeiter selbst entscheiden sollen, müssen
sie ausreichende Kriterien für die Beurteilung der Alternativen haben. Wenn sie
verändern sollen, um den Betrieb den Anforderungen des Marktes besser anzupassen, müssen
sie Ziele vermittelt bekommen und selbst Ziele definieren, dazu ist Information über das
Umfeld und die eigenen Möglichkeiten erforderlich. Wenn Prozeßketten optimiert werden
sollen, ist Information über die Tätigkeiten und Probleme der benachbarten Betriebsteile
erforderlich. Wenn funktionale Strukturen des Produktes verbessert werden sollen, ist
Information über die Anforderungen und Möglichkeiten erforderlich. Wenn der konstruktive
Aufbau des Produktes verbessert werden soll, sind darüber hinaus Informationen über
Möglichkeiten der Produktion und Marktbewertung der Funktionen erforderlich.
Der Spruch: "Wenn Siemens wüßte, was Siemens weiß" zeigt
zwei Probleme des Informationsaustausches auf, einerseits den Widerstand, Informationen
weiterzugeben, andererseits das Dilemma, aus der Fülle der Informationen die relevanten
zu selektieren. Auf beiden Gebieten müssen Verbesserungen erreicht werden, um alle
Ressourcen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu nutzen.
Im straff geführten tayloristischem Betrieb der Vergangenheit war es
ausreichend, dem Mitarbeiter die Tätigkeiten zu beschreiben, die er aufzuführen hat.
Weitere Informationen hätten ihn zu einem Verhalten bewegt, daß von dem geplanten
Prozeß abweicht und möglicherweise, weil die Information prinzipiell lückenhaft ist, zu
fehlerhaftem, nachteiligem Handeln geführt. Aus diesem Grunde wird in der tayloristischen
Betriebsstruktur Information sehr restriktiv behandelt. Das kommt auch dem normalen
Verhalten des Menschen entgegen, der in Wettbewerbssituationen bestrebt ist, seinen
Wissensvorsprung zu erhalten und auszubauen. Ein Schwerpunkt der Ebene Information muß
also sein, diese Barrieren im menschlichen Verhalten zu durchbrechen.
Die herkömmliche Gruppenarbeit definiert die Art der Verrichtung nur
grob und überläßt es der Gruppe, sie zu gestalten, hat aber darüber hinaus eine
Informationsphilosophie, die sich nicht wesentlich von der in tayloristischen Betrieben
unterscheidet. Die Folge ist, daß die Gruppe sich gegen das Umfeld abkapselt und
weitgehend ein schlecht integriertes Eigenleben führt. Damit ist eine optimale Gestaltung
der Prozeßketten und des Produktes nicht möglich und ein wesentlicher
Wettbewerbsnachteil des Betriebes vorgegeben.
Das wesentliche Element aller modernen Produktionsphilosopien ist die
Fähigkeit zur Veränderung. In der natürlichen Entwicklung der Lebewesen führen
Veränderungen meist zu negativen Ergebnissen, die durch die Prozeßdauer und die Menge
der Individuen kompensiert werden und im Ergebnis zu komplexeren und fähigeren Wesen
führten. Für die Volkswirtschaft ist ein derartiges Vorgehen nicht akzeptabel, da nicht
nur ethische Gesichtspunkte (die Würde des Mitarbeiters als ein vom Unternehmen
beeinflußtes Individuum) und wirtschaftliche Aspekte, nämlich die Vernichtung von
Ressourcen bei Untergang eines Unternehmens, eine Rolle spielen, sondern die Anzahl der
Items (Betriebe) und die wesentlich kürzere Zeitdauer der Entwicklung eine derartige
Verschwendung verbieten. Veränderungen müssen also zielgerichtet durchgeführt werden
und schon in kleinen Schritten auf ihre Zweckmäßigkeit überprüft werden. Diese
Restriktionen führen nicht immer zum Optimum, wie an der Ablösung der jahrzehntelang als
optimal angesehenen tayloritischen Philosophie zu erkennen ist, aber innerhalb der
machbaren Verfahren ist diese Vorgehen sicherlich optimal.
Voraussetzung für eine zielgerichtete Veränderungsbereitschaft bei
dem einzelnen Mitarbeiter ist, daß er mit den angestrebten Zielen vertraut ist und sie
akzeptiert. Außerdem muß er über die erforderliche Autonomie verfügen, die
Auswirkungen auf das Umfeld erkennen können und die Möglichkeit zur ständigen
Überprüfung der Ergebnisse seiner Aktionen haben.
Im Modernen Unternehmen werden Ziele vereinbart und quantifiziert,
wobei die Rahmenbedingungen vom übergeordneten Team gegeben werden, dessen Bestandteil
das aktuelle Team ist. Im Gegensatz dazu sind in der Lean Production grob umrissene
Unternehmensziele definiert, wie Verbesserung der Kundenzufriedenheit, bessere Qualität
des Produktes und der Verfahren usw., wobei Quantifizierungen selten sind. Aus diesem
Unterschied ergibt sich der Unterschied der Kommunikationsgrundsätze.
Die Lean Production setzt auf transparente Abläufe und klare
Schnittstellen und erwartet, daß dadurch die Kommunikation zwischen den Bereichern
verbessert wird. Durch die unternehmensweit definierten Ziele und die in Japan
ausgeprägte Bereitschaft zur Kooperation werden diese Ansätze verstärkt. Durch das
paternalische Leitbild des Vorgesetzten wird auch die Kommunikation zwischen den
Führungsebenen gefördert. Dieses Kommunikationsverhalten ist weitgehend unpräzise und
situationsbedingt, wobei formale Absprachen meist vermieden werden.
Im Gegensatz dazu ist das moderne Unternehmen zielorientiert geführt
und die einzelnen Teams werden nach quantifizierbaren Maßstäben beurteilt. Das moderne
Unternehmen setzt auf variable, aber für den jeweiligen Zeitpunkt klare Vereinbarungen
über die Schnittstellen zwischen den Teams, die im Dialog ausgearbeitet werden und bei
Bedarf ebenfalls im Dialog modifiziert werden. Die systemimmanente Veränderungskultur
muß als Gegengewicht gegen das Beharrungsvermögen solcher Absprachen eingesetzt werden.
Mit der modernen Struktur der Selbstähnlichkeit werden mittels der übergeordneten Teams
diese Kommunikationsgrundsätze bis zum Gesamtunternehmen durchgezogen. Durch
teamübergreifende Ziele wird die Kommunikation zwischen benachbarten Teams gefördert.
Beiden Systemen gemeinsam ist die Visualisierung. Das moderne
Unternehmen hat aufgrund der klaren, quantifizierten Ziele dabei eine wesentlich
formalistischere Struktur der Informationsbereitstellung, während die Lean Production
ihren Schwerpunkt in informalen Darstellungen hat. Die Visualisierung aller Prozesse und
Ausnahmen hat fast kultischen Charakter, bis zum Kreis, in den sich ein unbeschäftigter
Mitarbeiter stellt, um zu demonstrieren, daß er nichts zu tun hat. Im Gegensatz dazu
werden die Prozesse exakt vorgegeben und präzise dokumentiert. Plakative Gestaltung der
Information und der Unternehmensziele als Mittel zur ständigen Beeinflussung sind ein
kennzeichnendes Element der Lean Production.
Das moderne Unternehmen dagegen setzt auf gezielte Information über
die Auftragserfüllung, die Zielvereinbarungen und den Stand der Zielerfüllung.
Zielorientierte Kennzahlen sind die Basis der Information. Diese Daten werden öffentlich
ausgestellt, um den Informationsaustausch zu fördern.
Aufgrund der informellen Informationsgrundsätze besteht trotz aller
Technikneigung in Japan geringe Neigung in der Lean Production progressive
Informationsmittel einzusetzen. Papier als Informationsträger hat einen hohen
Stellenwert. Als Anekdote sei erwähnt, daß mit der Einführung der Kan Ban Steuerung in
Deutschland schnell auch die Forderung nach Rechnerunterstützung kam. Die Forderung nach
präziser Information und exakter Kennzahlen dagegen bedingt die Unterstützung durch
moderne Datenerfassungs- und -verarbeitungsmethoden.
Zusammengefaßt ergibt sich, daß der Informationsfluss in der
klassischen Gruppenarbeit nicht gesondert ausgeprägt ist, die Lean Production auf
Information durch Appelle setzt, während das moderne Unternehmen bestrebt ist, mit
exakten, zeitnah bereitgestellten Informationen zu arbeiten.