| Die Öffnung der
Märkte und der schnelle Austausch von Informationen im weltweiten Web erhöhen in einem
hohen Maß den Druck auf das Produktionsmanagement: In einer
bisher noch nie erreichten Dynamik müssen neue Produkte öfter und schnell in den Markt
gebracht werden. Angesichts der verkürzten Produktzyklen reduziert sich die
Entwicklungszeit und die Produktion muss teilweise die Entwicklungsbereiche unterstützen
und bei Produktionsbeginn Produktverbesserungen im Sinne eines designed for manufacturing
vorantreiben. Dies ist notwendig, um die Produktionskosten niedrig zu halten und
gegebenenfalls zu senken. Dabei darf die Produktqualität nicht gefährdet werden.
Schließlich wird der Druck auf die Produktion noch weiter erhöht, wenn man versucht den
Produktionshochlauf zu beschleunigen, um mit dem neuen Produkt schnell der Konkurrenz
Marktanteile abzujagen.
In dieser Situation werden Unzulänglichkeiten aufgedeckt, die
schnell und nachhaltig gelöst werden müssen. Entscheidend bleibt, dass auf diese vorab
nicht bekannten Probleme schnell und professionell reagiert werden kann. In diesen
kritischen Phasen werden auch Ziel- und Interessen-Konflikte sichtbar, die häufig im
Sinne eines Streben nach einer oberflächlichen Harmonie unterdrückt worden sind.
Die Beherrschung von erprobten Konflikt- und Problemlösungsmethoden
ist deshalb mindestens ebenso wichtig wie die technische Kompetenz. Bündelt man
technische mit methodischer Kompetenz, dann bekommt man die effizienteste und beste
Möglichkeit in schwierigen Zeiten Kostenziele zu erreichen, bei der Qualität die
Kundenforderungen zu übertreffen und schnell das Marktpotential zu erschließen.
Die Frage stellt sich nun, welche Konflikt- und
Problemlösungstechniken und methoden sind geeignet, relevant und schnell
implementierbar?
Im Studium muss der Student oder die Studentin lernen, wie man sich
systematisch mit einem Themenfeld auseinandersetzt. Die Aufgabenstellungen müssen
zielgerichtet und sorgfältig bearbeitet werden. Es wird Wert darauf gelegt, logisch
Denken und Arbeiten zu können. Die betriebliche Praxis besagt aber, dass die meisten
Probleme sich unter der Oberfläche verbergen und weniger technische Probleme darstellen
als vielmehr auf Meinungsverschiedenheiten und Interessenskonflikten beruhen. Es geht um
Beziehungsprobleme, persönliche Probleme, Interessenskonflikte usw. Doch davon war im
Studium wenig zu hören. Wo wird dann die Kompetenz erworben, mit diesen Problemen
umzugehen? Im betrieblichen Alltag, in dem die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetzte
des Unternehmens unser Verhalten stark beeinflussen können.
Wie können unter diesen Bedingungen Konflikte und Probleme
effizient und effektiv gelöst werden?
Idee 1: KVP aus den Produktionssystemen
Durch die Ideen der Produktionssysteme, die ihr Vorbild im
Toyota Produktionssystem (TPS) haben, ist das kontinuierliche Verbessern (KVP) ein
bedeutender Faktor zu Lösung von Problemen gekommen. Hierbei geht man davon aus, dass die
Mitarbeiter ihre Arbeit am besten kennen und deshalb am besten geeignet sind, diese zu
verbessern. Verbessern bedeutet zum einen weniger Fehler, aber auch geringere
Durchlaufzeit und oder geringere Kosten.
Idee 2 : Six Sigma
In dieser Situation wurde eine weitere sehr erfolgreiche Methode
zur Kostenreduzierung, Qualitäts- und Performanceverbesserungen geboren. Es handelt sich
hierbei um die bei Motorola entwickelte und später vor allem durch GE bekanntgemachte
Methode des Six Sigma. Diese Methode verlangt aber die aufwendige Ausbildung von Experten,
die sehr teuer ist. Die Problemstellungen, die mit Six Sigma Methoden bearbeitet werden
können sind vielfältig. Sie reichen von komplexen technischen Problemen bis zu
Optimierungen von Organisationsabläufen in Verwaltungsbereichen. Kennzeichnend ist, dass
die Six Sigma -Projekte sehr sorgfältig und tiefschürfend bearbeitet werden. Deshalb
entsteht ein eher hohen Bearbeitungsaufwand, die nur dann gerechtfertigt erscheint, wenn
die Verbesserungen ein entsprechend hohes Einsparpotential versprechen. Six Sigma-Projekte
sind häufig nur dann zweckmäßig, wenn das Einsparpotential größer als
100.000ist.
Idee 3 : vereinfachte Methoden zur Problemlösung:
Die Kritiker werfen Six Sigma einen zu hohen Aufwand bei der
Problembearbeitung vor und sehen in der intensiven Ausbildung bei Statistik-Methoden eine
überzogene und theorielastige Kapazitätsverschwendung.
In diesem Zusammenhang sind von anderen Instituten und Beratern
alternative Methoden entwickelt worden. Z.B. haben Kepner-Tregoe und Shainin ihre
Vorstellung von vereinfachten Problemlösungen vermarkten können, ohne jedoch die
Bedeutung von Six Sigma zu erreichen.
In einer weiteren Stufe der Vereinfachung der Methoden zur
Problemlösung gibt es auch im Qualitätsmanagement einfache und von jedermann anwendbare
Methoden, die mit wenig Schulungsaufwand zu vermitteln sind. Hierbei handelt es sich um
Methoden wie Fehlerkarten, Paretodarstellungen, Ishikawa usw. Diese Methoden sind
natürlich im Vergleich zu Six Sigma nur begrenzt leistungsfähig.
Idee 4 : Konfliktlösung
Jedoch gehen all Überlegungen davon aus, dass die Probleme mit
Logik und Sachverstand zu lösen sind. Und das obwohl wir im betrieblichen Alltag immer
wieder erfahren, dass die meisten Schwierigkeiten sich durch die nicht sofort sichtbaren
Probleme ergeben. Diese Ebene der Aufgabenstellung macht aus Problemen Konflikte, bei
denen traditionelle Denksysteme nicht ausreichend sind.
Zum Thema Konfliktlösung gibt es viele Methoden, die die
Zusammenarbeit und Interaktion der Personen sehr stark in den Vordergrund stellen. Somit
beschäftigt man sich hier dann mehr mit dem Aufbau von guten Arbeitsbeziehungen als mit
der Lösung des Problems, das die Beziehungsprobleme sichtbar gemacht
Hier hat vor vielen Jahren de Bono Lösungen angeboten, die eine
Integration von Konflikt-, Problemlösung und Kreativitätstechniken darstellen.
Allerdings haben diese Methoden in der Welt der Ingenieure weniger Verbreitung gefunden.
Auch fehlt ihnen ein Konzept, Spitzenproblemlösungstechniken wie Six Sigma aufzunehmen.
Idee 5: integrierte Roadmap - SIPUK
Und genau hier liegt die Besonderheit einer integrierten
Konflikt- und Problemlösungsroadmap. Wenn man so will, kann man davon sprechen, dass die
Logik von Six Sigma und die Intuition der Menschen vereint und nicht gegeneinander gesetzt
werden.
Die integrierte Roadmap ist somit eine neue Antwort auf unsere Suche
nach methodischer Top-Kompetenz, die in der Praxis gut eingesetzt und leicht implementiert
werden kann
Jedoch sind damit vor allem für komplexe und kostenaufwendige
Themenstellungen Antworten gefunden worden. Was tun wir aber mit den Themen, die schnell
und mit wenig Aufwand zu lösen sind?
Neben der Integration von Logik und Intuition brauchen wir eine
Integration bzw. Durchgängigkeit von einfachen zu komplexen Methoden. Es muss möglich
sein, mit einem "genetischen Code" die Vielzahl der Probleme lösen zu können.
Eine erweiterte Roadmap braucht bildlich gesprochen neben den teueren Autobahnen auch
einfachere Landstraßen, die man bei Bedarf verlassen und auf die Autobahnen auffahren
kann und umgekehrt.
Die Lösung hierzu heißt:
Stufenmodell einer Integrierten Problem- und
Konfliktlösung
SIPUK
Die Grundzüge von SIPUK sind wie folgt:
Stringente Folge von Schritten, in die neben der Logik Intuition
ihren festen Platz haben.
In jedem Schritt die Möglichkeit, sich für einfache oder komplexe
Methoden zu entscheiden.
Start der Problemlösung durch technische Experten, die dann bei
gestiegenem Bedarf an komplexen Methoden an Methoden-Experten übertragen werden können.
Beispiel der Anwendung für SIPUK / Grundlagen von SIPUK
Wie bei einem Six Sigma-Projekt beginnt man auch bei SIPUK mit
der Definition / Beschreibung des Auftrages / Problem. Anstelle von Formblättern
(Projektchartergenannt) wird bei SIPUK verlangt, dass der Auftraggeber für eine
Problemanalyse oder lösung auf maximal einem DIN A4- Blatt beschreibt, wo ist das
Problem bemerkt worden, wann war dies der Fall, wie häufig tritt das Problem auf und wer
kann näheres zu dem Problem sagen. Danach sollt eine einfache Beschreibung des Problems
folgen (z.B. die Hydraulikleitungen sind an der Anschlussstelle A häufig undicht, aber
nicht an den anderen Anschlussstellen B-E.
Nun schließt sich ein Schritt an, der sofort abgreifbares Wissen
und Erfahrungen, aber auch Meinungen und Bedenken, erfasst und dokumentiert. Dies dient
auch dazu die Kollegen, die vom Problem betroffen sind bzw. bei der Problemlösung
mitwirken sollen einzubinden und ein Team zu bilden.
Es besteht allerdings die Gefahr, dass nach einer gut moderierten
Startveranstaltung man vorschnell zu dem Schluss kommt, die Lösung bereits gefunden zu
haben. Deshalb folgt in SIPUK nun eine Überprüfung der Situation anhand harter Zahlen,
Daten und Fakten. Dies ist wieder ganz im Sinne von Six Sigma. Diese Zahlen, Daten und
Fakten sollen auch die vorab geäußerten Meinungen und Vermutungen verifizieren, ohne
dass hierbei Befindlichkeiten geweckt werden.
Liegen schließlich nach einiger Zeit Zahlen, Daten, Fakten und
Untersuchungsergebnisse vor ist in der Regel soviel von dem Problem und dem Umfeld
bekannt, dass die Teammitglieder viele Ideen haben, was man tun könnte, um das Problem zu
verbessern bzw. zu eliminieren. Jetzt sollte die Kreativität und die Motivation, das
Thema anzupacken, nicht durch langwierige weitere Analysen gebremst werden. Deshalb sieht
SIPUK in dieser Phase einer Problemlösung vor, die vorhandenen Ideen und Vorschläge
offen anzusprechen und zu dokumentieren. Hierzu kann man sich einfacher Methoden des
Brainstromings bedienen.
Wichtig ist aber hier auch wieder, dass nach dieser offenen und
wenig strukturierten Phase, nicht vorschnell umgesetzt wird. Nach den bisher geleiteten
Arbeiten ist ein schnelles Umsetzen nach dem Motto Try und Error zu verlockend. Deshalb
auch hier wieder eine Disziplinierung der Vorgehensweise, wie wir es von Six Sigma kennen.
Nun folgt ganz im Sinne von Six Sigma die Analysephase mit den
hierbei anzuwendenden bekannten Analysemethoden. Ziel ist es auch, die vorgeschlagenen
Ideen zu überprüfen nzw zu testen.
Sollten die Analysen zu keinem umsetzbaren oder akzeptablen Ergebnis
führen, wendet SIPUK jetzt Methoden der Ideen-Provokation nach de Bono an. Hier werden
bestehende Konzepte in Frage gestellt, heilige Kühe ignoriert, die Welt auf den Kopf
gestellt, um nur im Nachhinein betrachtet einfache Lösungen zu finden, die uns früher
einfach nicht einfallen wollten.
Schließlich geht es an die Umsetzung und die Kontrolle der
Projekterfolge.
SIPUK erlaubt es durch die ergänzenden Methoden, die in dieser Form
im Six Sigma unbekannt sind, auch zu steuern, ob ein Problem mit qualitativen bearbeitet
werden kann, oder ob aufwendigere quantitative Methoden benötigt werden. Sicherlich
bieten die qualitativen Methoden wie z.B. DOE eine wesentlich bessere Aussagequalität,
jedoch ist der Aufwand nicht unerheblich, so dass eine zwingende Anwendung von komplexen
Methoden nicht angebracht ist.
Zusammenfassung SIPUK
Die Vorteile sind überwältigend:
SIPUK ermöglicht
- eine Kultur der Problem- und Konfliktlösung
- Möglichkeiten Problemlösung mit Kreativitätstechniken zu
verknüpfen
- Schnelle Lösung einfacher Probleme mit dem gleichen Grundprinzip wie
die
- Nachhaltige Lösung komplexer Probleme
- Schnelle Generierung von Sofortmaßnahmen zur Eindämmung der akuten
Problemsituation mit nachfolgender nachhaltiger und tief reichender Analyse und
kostengünstiger Problemlösung
Diese Methode erlaubt außerdem ein kostengünstiges
Schulungskonzept, bei dem viele Mitarbeiter einfache, aber wirkungsvolle Methodenkenntnis
vermittelt bekommen und bei dem weniger zahlreiche Experten verschiedene Ausbildungsstufen
aufwendigere Schulungen erhalten und dennoch eine gemeinsame Roadmap (Schrittfolge der
Problemlösung) verwenden.
Das Management unterstützt dann die Problemlösung durch die
sinnvolle Zuordnung der Methoden zu den benötigten Experten. Allerdings muss hierzu auch
das Management Kenntnisse über Methoden und deren Anwendungsbereiche vermittelt bekommen
haben. |