Der geänderte
Markt hat Auswirkungen auf den Prozeß und den Materialfluß. Nicht mehr allein der Preis
ist bei gleicher Funktion und Produktqualität entscheidend, sondern es gelten komplexere
Strukturen, die vom Betrieb mehr Flexibilität erfordern. Kurze Lieferzeiten bedingen
möglichst weitgehende Vormontage. Daraus ergeben sich auch Forderungen an die
Produktgestaltung. Die Forderung nach kurzfristiger Betriebsbereitschaft des
ausgelieferten Produktes bedingt weitgehend vereinfachte Schnittstellen zum Umfeld und
Transparenz der Anschlußmöglichkeiten. Zusätzlich sind erweiterte und unterschiedliche
Anforderungen an Funktionalität und Gestaltung zu berücksichtigen, die eine größere
Variantenvielfalt erfordern.
Der Prozeß selbst ist Gegenstand stetigen Wandels, um Änderungen des
Marktes und neuere Erkenntnisse im eigenen Betrieb zu berücksichtigen. Es ist leicht
einsichtig, daß Herstellungsverfahren mit unveränderlicher Technologie schnell veralten
und unwirtschaftlich werden. Die Umkehrung ist, daß der Betrieb sich mit schnellen
Änderungen wettbewerbsfähig erhalten muß, wenn er nicht unwirtschaftlich werden und
damit verschwinden soll. Alle modernen Produktionsmethoden beinhalten Lösungen für diese
Forderung, wenngleich sie bei der herkömmlichen Gruppenarbeit am wenigsten ausgeprägt
ist.
Bei allem Wandel gibt es doch Prinzipien, die typisch für die
einzelnen Ausprägungen sind. Die offene Produktionsstruktur mit der uneingeschränkten
Forderung nach Optimierung bei der Lean Production und beim modernen Unternehmen öffnet
auch die Möglichkeiten für die Vergabe von Leistungen an fremde Unternehmen
(Outsourcing). Die klassische Gruppenarbeit hat auch hier keine besondere Ausprägung, das
bedeutet, daß die Entscheidungen nicht in der Gruppe fallen, sondern von außen
vorgegeben werden.
Im modernen Unternehmen wird die Outsourcingspolitik von der
Unternehmenszielsetzung gesteuert. Rahmenbedingungen können unternehmensstrategische
Überlegungen sein, die Outsourcing bestimmter Leistungen und Produkte dann unterbinden,
wenn sie für das Unternehmen von strategischer Bedeutung sind. Im übrigen gilt
prinzipiell der Wettbewerb zwischen den einzelnen Unternehmensteilen und dem Markt, wobei
die Zielerfüllung im Vordergrund steht und nicht nur die Kostenbetrachtung. Das aufgrund
der mangelhaften Flexibilität der Personalpolitik in Deutschland Outsourcing einen hohen
Stellenwert hat, muß nicht besonders betont werden. Unterstützend wirkt sich in
Deutschland aus, daß die Betriebe regional breit gestreut sind und keine Häufung
bestimmter Produktionsarten auf einem kleinen Bereich erkennbar ist. Aufgrund der
Priorität der Zielerfüllung vor anderen Gesichtspunkten hat dabei die Kooperation mit
den Zulieferern besondere Bedeutung. Die Teams sind angehalten und ermuntert, die
Fähigkeiten und Möglichkeiten der Zulieferer für die eigene Zielerfüllung zu nutzen.
Ähnliches gilt für die Lean Production, was in Japan noch dadurch
verstärkt wird, daß Zulieferbetriebe häufig von ehemaligen Mitarbeitern gegründet
werden, die aufgrund der angestrebten Altersstruktur das Stammunternehmen verlassen, aber
noch nicht aus dem Produktionsprozeß und der Verbindung mit dem alten Unternehmen
ausscheiden. Aufgrund der Abhängigkeit vom Stammbetrieb und der meist langjährigen
Erfahrungen mit den Produkten und den Produktionsbedingungen sind sie besonders geeignet
und motiviert zur Kooperation.
In der Automatisierungspolitik gibt es grundsätzliche Unterschiede der
Philosophien, auch wenn sie in der Praxis möglicherweise gemildert werden. Die Lean
Production in ihrem Ursprung als Toyota Production System hat als Maxime, daß alle
häufig wiederkehrenden, kraftfordernden oder langweiligen Arbeiten automatisiert werden.
Im modernen Unternehmen gilt der Grundsatz, daß die Entscheidung über Automatisierung
bestimmter Aufgaben beim Team liegt und nahezu ausschließlich von dessen Streben nach
Zielerfüllung bestimmt wird. Dabei sind die finanziellen Restriktionen natürlich zu
beachten, nicht aber fremdbestimmte Wirtschaftlichkeitsrechnungen. Die klassische
Gruppenarbeit hat auch hier keine gesonderte Ausprägung.
Eine der wesentlichen Eigenschaften der Lean Production ist das als KAI
ZEN bekannt gewordene Verbesserungswesen. Die Vielzahl der Verbesserungsvorschläge in
japanischen Betrieben überraschte die Vertreter der westlichen Welt, die das Phänomen
japanischer Produktivität zum erstmals intensiv untersuchten. Es gibt regelrechte
Wettbewerbe zwischen den einzelnen Teams, in denen auch kleinste Verbesserungen ernsthaft
geprüft werden. Kennzeichnend ist, daß Verbesserungsvorschläge meist aus den Teams
kommen, dessen Arbeitsgebiet sie betreffen, was im Gegensatz zu den Maximen bisheriger
Verbesserungsvorschlagspolitik stand. Ebenso liegt die Entscheidung über die Annahme der
Vorschläge beim betroffenen Team, weil man unterstellt, daß das Team am besten weiß,
was vorteilhaft ist. Die materielle Anerkennung ist dabei gering und wird durch
Publikation angereichert. Verbesserungsvorschläge werden schnell und unbürokratisch in
Teamsitzungen beurteilt und verabschiedet.
Generell sind diese Grundsätze Selbstverständlichkeiten im modernen
Unternehmen, mit der Modifizierung, daß für die Maßstäbe zur Beurteilung nur die
Zielerfüllung herangezogen wird und durchaus auch über die Erfolge bei der
Zielerfüllung und deren Prämien honoriert wird. Es bleibt dem Team überlassen, wie weit
es Verbesserungsvorschläge honoriert. Dabei können auch durchaus teamübergreifende
Verbesserungsvorschläge in gemeinsamer Abstimmung realisiert werden.
Die Integration der Aufgaben in der Prozeßkette ist Kennzeichen
moderner Produktionsphilosophien. In der klassischen Gruppenarbeit werden die von außen
vorgegebenen Aufgaben in der Gruppe selbst den Mitgliedern zugeordnet, wobei die
Verteilung auf einzelne Arbeitsplätze der Gruppe überlassen wird. Der Nachteil ist, daß
sich diese Integration nur auf die Gruppe bezieht und eine weitergehende Zusammenfassung
von Verrichtungen an einem Arbeitsplatz oder auf direkt benachbarte Arbeitsplätze
unterbleibt.
In der Lean Production wird durch den Drang nach Verbesserung und die
Kooperation zwischen den Teams der bisherige Arbeitsfluß immer in Zweifel gezogen und
angestrebt, ihn zu verbessern. Da Brüche im Produktionsfluß durch Warteschlangen vor
einem Arbeitsplatz als Verschwendung angesehen werden, wird auch hier ein Druck zur
Integration von Arbeitsgängen sichtbar. Behindert wird diese Integration dadurch, daß
die Strukturen weitgehend festgeschrieben sind und erst nach Verbesserungsvorschlägen neu
definiert werden können.
Im modernen Unternehmen wirkt die weitgehend einheitliche Zielsetzung
der Teams fördernd für die Integration von Arbeitsschritten, wobei auch hier die
Zielorientierung Maßstab ist. Die betroffenen Teams können dabei frei über die
Aufgabenerfüllung entscheiden, notfalls auch mit finanziellem Ausgleich zwischen den
Teams.
Zusammenfassend fällt auf, daß der Prozeß und Materialfluß die
geringsten Besonderheiten bei der klassischen Gruppenarbeit hat, die ihre Herkunft von
tayloristischen Strukturen hier am klarsten zeigt. Der Versuch, in einem
hierarchisch-taylorisitisch strukturierten Unternehmen moderne Teamarbeit zu integrieren,
mußte scheitern.