| 1. Entstehung und Zielsetzung von Poka Yoke
In der heutigen Zeit sind Poka Yoke Maßnahmen aus der
Qualitätssicherung nicht mehr wegzudenken. Poka Yoke ist ein altbekanntes Prinzip, das es
schon seit den 60er Jahren gibt. Jedoch findet es erst in den letzten Jahren großen
Anklang bei den Unternehmen. Im Japanischen steht Poka Yoke für das Vermeiden
unbeabsichtigter Fehlhandlungen. Poka Yoke beschreibt ein Prinzip, das technische
Vorkehrungen bzw. Einrichtungen umfasst, die zur Fehlervermeidung und sofortigen
Fehleraufdeckung dienen sollen.
Der Erfinder dieses Prinzips, Dr. Shigeo Shingo, war in den
sechziger Jahren als Industrie-ingenieur bei Toyota beschäftigt. Dort entwickelte er im
Rahmen des Toyota Produktionssystems (TPS) die Poka-Yoke Methoden. Als Ausgangspunkt
dafür diente Shingo die statistischen Qualitätskontrolle (SQC).
Poka Yoke war zu Beginn unter "Baka-yoke"
bekannt. Baka Yoke bedeutet auf Japanisch "Narrensicher". Da die Arbeiter, die
diese Methode anwandten, diesen Begriff als ihnen gegenüber abfällig empfanden, wurde er
in Poka Yoke umgewandelt. Poka Yoke lässt sich mit "Fehlersicherung"
übersetzen. Ziel hierbei ist es, unbeabsichtige Fehler zu vermeiden, zu erkennen und
vorzubeugen.
Laut Shigeo Shingo liegt "die Ursache für Mängel in
den Fehlern der Arbeiter." Die Erkenntnis, dass es nicht möglich ist unbeabsichtige
menschliche Fehler vollkommen zu verhindern, hat zur Folge, dass diese Fehler in einem
System entweder unmöglich gemacht werden, oder baldmöglichst entdeckt werden müssen.
Folglich werden durch das Einsetzen von Poka Yoke Methoden die Bedingungen eines
Produktionsschrittes so gestaltet, dass möglichst keine Fehler auftreten können. Somit
wird versucht die Entstehung von Schäden oder Aufwendungen von vorneherein zu vermeiden.
Ist es nicht möglich Fehler im Vorfeld zu beseitigen, helfen Poka Yoke Methoden Fehler zu
einem frühen Zeitpunkt zu entdecken und somit mögliche Folgeschäden zu minimieren.
Menschliche Fehler können auf vielerlei Arten auftreten,
wie zum Beispiel durch das Vergessen, Auslassen und Vertauschen von Montageteilen. In der
Literatur wird zwischen "Primärfehlern" und "Sekundärfehlern"
unterschieden. Zu Primärfehlern zählen Bearbeitungsfehler. Darunter gehören z.B. das
Auslassen von Arbeitschritten oder die Monatage von falschen Teilen. Unter
Sekundärfehlern versteht man Einstellfehler oder Fehlarbeitschritte. Falsches Einlegen,
falsche Werkstücke, sowie falsches Einrichten zählen ebenso zu Sekundärfehlern. Zu
anderen Fehlhandlungen gehören auch die unzureichende Vorbereitung von Werkzeugen oder
Vorrichtungen.
Durch die Anwendung von Poka Yoke sollen diese Fehler
erkannt werden. Der Prozess wird dann entweder gestoppt oder ausgeregelt. Eine weitere
Möglichkeit ist es, akustische oder optische Warnsignale folgen zu lassen, die die
Verantwortlichen und Beteiligten auf Fehler aufmerksam sollen.
2. Grundelemente des Poka Yoke Systems
Die Poka Yoke Mechanismen können zwei Rubriken
untergeordnet werden:
- Auslösemechanismen bzw. Initialisierungsmechanismen
- Regulierungsmechanismen.
2.1 Auslöse- bzw. Initialisierungsmechanismen
Auslöse- bzw. Initialisierungsmechanismen werden
angewandt, wenn ein Fehler im Vorfeld nicht vermieden werden kann oder es nicht
wirtschaftlich ist, dies zu tun. Hierbei ist es von großer Bedeutung den Fehler oder die
Fehlhandlung so schnell wie möglich zu entdecken, damit dieser nicht zu größeren
Schäden führt.
Die Auslösemechanismen lassen sich in drei Kategorien
unterteilen:
1) Kontaktmethode,
2) Fixwertmethode
3) Schrittfolgemethode.
Die Kontaktmethode (1) erkennt, mittels Sensoren,
unzulässige Abweichungen über geometrische Kenngrößen. Die Mechanismen stehen hierbei
im direkten Kontakt mit dem Werkstück und erkennen somit Unregelmäßigkeiten und
Abweichungen in z.B. Größe, Umfang, Gestalt oder Gewicht. Abhängig von der Art des
Sensors ist der Kontakt berührend oder berührungslos. Ein Beispiel für die
Kontaktmethode ist eine Fahne über dem Fließband. Fehlerlose Teile mit der richtigen
Größe lässt die Fahne ohne Berührung passieren. Ist jedoch ein Teil zu groß und somit
falsch zusammengesetzt, wird bei Kontakt des Teiles mit der Fahne Alarm ausgelöst und
somit auf den Fehler aufmerksam gemacht.
Die Fixwertmethode (2) wird vor allem in Prozessen
angewandt, die sich aus mehreren aufeinander folgenden Arbeitsschritten zusammensetzen.
Bei dieser Methode wird die Anzahl der Teilschritte am Ende des Prozesses überprüft.
Stimmt die gezählte Anzahl mit der Standardanzahl nicht überein, liegt ein Fehler vor.
Durch Installation von Messgeräten kann dies überprüft werden. Die Fixwertmethode wird
auch "odd part out method" genannt. Durch ein übrig
gebliebenes Teil nach der Montage wird automatisch ein
Fehler signalisiert. Diese Poka Yoke Methode wird in der Praxis häufig angewandt. An
einem Beispiel lässt sich diese Methode nochmals leicht verdeutlichen:
Vor dem Zusammenbau eines Kugelschreibers, werden die
Teilstücke (Mine, Gehäuseteile, Feder etc.) in eine Box abgezählt. Bleibt nach dem
Zusammenbau ein Stück, z.B. die Feder, in der Box liegen, ist eine Fehlhandlung
aufgetreten. Das Liegenbleiben der Feder signalisiert den Fehler.
Bei der Schrittfolgemethode (3) schließlich werden
erforderliche Standardbewegungsabfolgen überprüft. Dabei wird sichergestellt, dass nicht
irrtümlicherweise ein, dem Prozess fremder und somit wahrscheinlich falscher,
Arbeitschritt getätigt wird. Ein Beispiel hierfür sind Laserscanner. Laserscanner
erkennen falsche Handgriffe und warnen akustisch und/oder optisch. Ein weiteres Beispiel
für die Schrittfolgemethode ist das Einfärben oder Markieren von Bauteilen um falsches
Zusammensetzten zu vermeiden.
2.2 Regulierungsmechanismen
Regulierungsmechanismen erkennen einen Fehler in
der Entstehungsphase. Der Mechanismus signalisiert die Anomalie oder bringt, sofern es
sich um einen schwerwiegenden Fehler handelt, den Prozess zum Stehen. Wird der Prozess
angehalten, so spricht man von einer Eingriffsmethode. Treten Abweichungen auf, wird der
Prozess oder die Fertigungsstraße sofort angehalten, damit Korrekturmaßnahmen ergriffen
werden können und Wiederholungsfehler
vermieden werden. So kann z.B. eine Bestellung in einem
computerisierten System nur abgeschickt werden, wenn bestimmte Pflichtfelder (z.B.
Lieferadresse) ausgefüllt sind. Fehlen wichtige Angaben, so wird das Abschicken des
Formulars blockiert, d.h. der Prozess unterbrochen. Ein aufgehendes Fenster macht auf den
Fehler aufmerksam.
Bei der Alarmmethode, auch Warnmethode genannt, wird
lediglich auf die fehlerträchtige Situation hingewiesen. Diese wird vor allem angewandt,
wenn ein Toleranzbereich vorhanden ist. Ein Beispiel dafür ist das automatische Abfüllen
von Cornflakes in 500g Packungen. Eine Wage überprüft das Gewicht der Füllmenge. Der
Toleranzbereich liegt hierbei zwischen 490g und 510g. Lässt sich ein Trend feststellen,
wie z.B. dass das Gewicht der Packungen stetig fällt und dem 490er Bereich nahe kommt, so
macht ein Lichtsignal auf den negativen Trend aufmerksam. Jedoch läuft der Prozess trotz
des Lichtsignals weiter. Der am Prozess Beteiligte wird jedoch auf den Misstand aufmerksam
gemacht und kann somit den Fehler beseitigen bevor der Prozess außer Kontrolle gerät.
3. Implementierung
Die Vorgehensweise während der Implementierung von
Poka Yoke ist abhängig von dem Zeitpunkt der Problemerkennung. Soweit Fehler nicht schon
bekannt sind, können sie auch während ihrer Entstehung oder nach Ihrer Entstehung, also
wenn das Produkt schon weiterverarbeitet ist, entdeckt werden.
3.1 Vergangenheitsorientiertes Poka Yoke System
Bei dem Vergangenheitsorientierten Poka Yoke System soll
ein bereits bekannter Fehler in der Zukunft gehemmt werden. Hierbei wird der Fehler nach
der Entstehung erkannt, d.h. in einem darauf folgenden Prozessschritt oder im Endprodukt.
Um den Ort der Fehlerentstehung zu bestimmen, werden alle vorhergehenden Prozessschritte
untersucht und analysiert. Anschließend wird die Natur des Fehlers erforscht. Dadurch
soll geprüft werden, ob durch die Anwendung von Poka Yoke der Fehler beseitigt und
zukünftig vermieden werden kann. Eine geeignete Poka Yoke Methode sorgt schließlich
dafür, dass der, zu Fehlern führende Prozessschritt fehlerfrei gestaltet wird. Das
Vergangenheitsorientierte Poka Yoke System führt dazu, dass aus Fehlern der Vergangenheit
gelernt wird.
3.2 Gegenwartsorientierten Poka Yoke System
Im Gegenwartsorientierten Poka Yoke System sind
die Fehler noch unbekannt. Ziel des Systems ist es, Fehler während oder vor ihrer
Entstehung zu erkennen. Daher wird versucht mögliche Fehlhandlungen in Prozessen zu
finden und zu verhindern. Durch das Beobachten der Prozesse werden fehleranfällige
Prozessschritte identifiziert. Nach einer Analyse des möglichen Fehlers wird festgelegt,
ob eine Anwendung von Poka Yoke sinnvoll ist. Es ist an dieser Stelle hinzuzufügen, dass
Maßnahmen, die den potentiellen Fehler verhindern, mitunter sehr kostspielig sein
können. Grundsätzlich sind diese Maßnahmen jedoch bei sinnvoller Anwendung
kostengünstig und sofort umsetzbar. Durch das Gegenwartsorientierte Poka Yoke System
werden Prozesse kontinuierlich verbessert.
3.3 Zukunftsorientiertes Poka Yoke System
Das Zukunftsorientiertes Poka Yoke System baut
auf Erfahrungswerten auf und analysiert Prozessschritte. Ziel hierbei ist es wiederum
Fehler zu vermeiden.
4. Poka Yoke in der Produktion
Wie Poka Yoke Anwendungen konkret zur
Prozessoptimierung beitragen, wird im Folgenden anhand einer Automobil-Produktionsstrasse
veranschaulicht.
4.1 Poka Yoka in der Türenfertigung
Da auf ein und derselben Fertigungsstrasse drei- und
fünftürige Autos produziert werden, besitzen die Maschinen bestimmte Vorrichtungen, die
sicherstellen, dass nicht die falsche Tür bearbeitet wird. Die Spannvorrichtung ist dabei
so gebaut, dass es unmöglich ist, ein Dreitürenmodell aufzuladen während ein
5-Türenmodell-Prozess läuft und umgekehrt. Durch diesen Regulierungs-Mechanismus wird
das Vertauschen der Türen unmöglich gemacht. Auch verkehrt herum aufgeladene Teile
passen nicht.
4.2 Poka Yoka beim Schweißen
In einer dieser Maschinen werden Muttern in eine
Metallplatte geschweißt. Wenn die Platte durch den Maschinenbetreiber aufgespannt wird,
werden die Muttern automatisch unter der Platte hinzugeführt. Während die Maschine
diesen Vorgang immer wieder wiederholt, werden die Muttern an die Platte geschweißt.
Falls durch eine Blockade der Anlage keine Muttern hinzugeführt werden, arbeitet die
Maschine jedoch ungehindert weiter. Passiert dies, wird der Fehler erst entdeckt, wenn das
Auto ganz zusammengeschweißt ist. Durch eine elektrische Vorrichtung kann dieses Problem
behoben werden. Da die Muttern aus Metall sind, leiten sie Strom. Ist eine Mutter
vorhanden, so zeichnet sich dies durch einen geschlossenen Stromkreis aus. Wird dieser
Stromkreis unterbrochen, so schaltet sich die Maschine automatisch ab. Durch diese
Eingriffmethode (Regulierungsmechanismus) kann der Fehler sofort behoben werden.
4.3 Poka Yoka in der Airbag-Fertigung
In einem anderen Arbeitschritt der Fertigung wird die
Airbagvorrichtung hergestellt. Die Airbagvorrichtung muss mit vier Schrauben
zusammengeschraubt werden. Um sicherzugehen, dass der Monteur alle vier Schrauben benutzt,
werden diese vorher abgezählt. Verbleibt in der Box eine Schraube, bedeutet dies, dass
eine Seite nicht verschraubt ist, also ein Fehler aufgetreten ist. Durch diese
Schrittfolgemethode (Auslöse- und Initialisierungsmechanismen) ist der Fehler für den
Arbeiter sofort sichtbar. Oft wurden die "Airbagboxen" jedoch verkehrt herum
zusammengeschraubt, da die vordere Platte mit der hinteren verwechselt wurde. Diese
Verwechslung war möglich, da die Schraublöcher bei beiden Platten an der gleichen Stelle
waren. Das Verschieben der Schraublöcher auf der einen Platte macht diesen Fehler
unmöglich. Durch das neue asymmetrische Design können die Platten nur an der richtigen
Stelle angebracht werden. Der Airbag wird nun auf einem Fließband zur nächsten Station
befördert. Durch einen Lichtsensor, der ausgelöst wird nachdem eine Airbagvorrichtung
den Kontrollpunkt am Fließband passiert hat, wird geprüft, ob sich der Airbag
frühzeitig geöffnet hat. Der Sensor erfasst welches Teil zur welchen Zeit den
Kontrollpunkt passiert. Kurz danach gibt er ein Lichtsignal, dass auf der anderen Seite
des Fließbandes von einem Empfängersensor empfangen wird. Trifft das Signal auf
Widerstand, so bedeutet dies, das die Airbagvorrichtung länger als normal ist, sich der
Airbag also aufgeblasen hat. Es wird mit Hilfe der Kontaktmethode (Auslöse- und
Initialisierungs-
mechanismen) auf einen Fehler im Prozess aufmerksam gemacht.
5. Poka Yoke im Service
Auch im Service Bereich findet Poka Yoke immer mehr
Anklang. Hier unterscheidet man zwischen Server Poka Yoke, also Fehlervermeidung von
Seiten Produktionsmanagement Poka Yoke des Dienstleisters und Customer Poka Yoke
(Fehlervermeidung von Seite des Kunden).
5.1 Server Poka Yoke
Die Server Poka Yokes lassen sich in drei
Rubriken unterteilen:
1) Task Poka Yoke
2) Treatment Poka Yoke
3) Tangible Poka Yoke
Ein Task Poka Yoke (1) verhindert Fehler, die während dem
Leisten des Dienstes auftreten. Die Arbeit in falscher Reihenfolge oder ungefragt
verrichtet, sowie zu langsames Bedienen und falsches Verrichten der Arbeit zählen zu
solchen Fehlern. Ein Beispiel ist das falsche Eingeben des Preises an der
Schnellrestaurantkasse. Durch das Beschriften der Tasten mit dem Artikelnamen anstelle von
Zahlen eliminiert man diesen Fehler fast vollständig. Der Kassierer
braucht nun bei dem Kauf einer Cola nicht mehr über den
Preis des Getränkes nachzudenken und kann sich somit auch nicht irren. Die
Wahrscheinlichkeit des Vertippens ist auch gesunken, da nur eine Taste gedrückt werden
muss - die"Cola" Taste.
Im Gegensatz zu Fehlern in der Produktion können im
Servicebereich Fehler auftreten, die zwar keinen sichtbaren Effekt auf das Produkt haben,
den Wert der Dienstleistung jedoch deutlich verringern. Durch fehlende Höflichkeit und
unprofessionelles Verhalten steigt die Kundenunzufriedenheit und die Dienstleistung
verliert an Qualität.
So genannte Treatment Poka Yokes (2) verhindern falsches
Verhalten des Dienstleisters. Betritt z.B. ein Kunde den Laden und findet keinen
Ansprechpartner, da der Verkäufer gerade im Lager ist, so steigt die Unzufriedenheit des
Kunden über den mangelnden Service. Durch eine Klingel
über der Eingangstür, die das Öffnen der Tür
signalisiert, wird der Verkäufer akustisch auf den Kunden aufmerksam gemacht. Ein
weiteres Beispiel ist der Bankkunde, der sich unhöflich behandelt fühlt, da ihm der
Bankangestellte am Schalter nicht in die Augen sieht. Muss der Angestellte beim Ausfüllen
von Überweisungsformularen jedoch die Augenfarbe des Kunden notieren, so schaut der
Angestellte den Kunden zwangsweise direkt an. Durch dieses kleine Poka
Yoke Mittel wird der Augenkontakt sichergestellt, der
Service persönlicher gestaltet.
Die Tangiblen Poka Yokes (3) vermeiden Fehler, die sich in
einem physischen Serviceelement befinden. Zum Beispiel kann es in einem Wellnessbad
passieren, dass ein ungewaschenes Handtuch ausgegeben wird. Der Fehler wird vermieden,
indem gewaschene Handtücher mit einem Papierband gekennzeichnet werden. Ein weiteres
Beispiel ist das Verschicken eines Briefes an den falschen Kunden. Durch ein Sichtfenster
im Briefumschlag wird verhindert, dass ein Brief in einen falsch adressierten Umschlag
gesteckt wird.
5.2 Customer Poka Yoke
Dienstleistungen können jedoch auch durch Einwirken
des Kunden fehlerhaft werden. Customer Poka Yoke verhindert Kundenfehler. Customer Poka
Yoke kann unterteilt werden in:
1) Preparation Poka Yoke
2) Encounter Poka Yoke
3) Resolution Poka Yoke
Schon im Vorfeld, also bevor die Dienstleistung
stattfindet, kann es zu Fehlern kommen. Vergessen der richtigen Dokumente, Nichtverstehen
der Rolle oder die Inanspruchnahme der falschen Dienstleistung zählen zu diesen frühen
Fehlern.
Durch Preparation Poka Yokes (1) werden diese Fehler
des Kunden verhindert. Ein "Preparation mistake", also Vorbereitungsfehler, kann
z.B. beim Einschreiben an der Universität erfolgen. Ein ausländischer Student möchte
sich einschreiben, kann jedoch die benötigten Dokumente wie Visa, Passfoto, Ausweis und
Krankenversicherung nicht vorweisen. Checklisten mit allen benötigten Dokumenten
verhindern diesen Fehler. Mit der Hilfe der Internetseite der Universität stellt sich der
Student eine Liste mit benötigten Dokumenten zusammen.
"Encounter Fehler" sind Fehler des Kunden
während der Kunde den Service erhält. Unaufmerksamkeit, Missverständnisse und
Gedächtnislücken zählen zu diesen Fehlern. Ein Kunde vergisst z.B. seine Bankkarte im
Bankautomat. Durch ein Encounter Poka Yoke (2), in diesem Fall das Piepen des
Automaten, wird der Kunde auf seinen Fehler aufmerksam gemacht.
Oft macht der Kunde den Dienstleister nicht auf seine
schlechte Leistung aufmerksam, gibt kein Feedback oder hat falsche Erwartungen an die
Dienstleistung. Viele Kunden, die mit einem Service unzufrieden sind, verlassen mit
unterdrücktem Ärger den Serviceprovider. Eine effektive Resolution Poka Yoke
(3) Maßnahme, hier eine Umfrage oder ein Kundengespräch, kann dabei
Abhilfe schaffen. Durch ein Feedbackgespräch oder
Fragebögen kann der Kunde seine Unzufriedenheit ausdrücken. Der Nutzen dieser Methode
ist beiderseitig. Der Kunde fühlt sich verstanden, da er merkt, dass dem Dienstleister
seine Meinung wichtig ist. Der Dienstleister kann mit Hilfe der konstruktiven Kritik des
Kunden seinen Service verbessern. Durch Anreize wie Preisausschreiben oder Prämien wird
der Kunde zum Feedback geben angeregt.
6. Woran erkennt man eine gute Poka Yoke Anwendung?
Es gibt zahlreiche Kriterien an welchen man die
Qualität eines guten Poka Yoke Mechanismus ableiten kann:
Neben geringen Investitionskosten sollte die Umsetzung
eines Poka Yoke Mechanismus schnell und einfach sein. Poka Yoke sollte den Durchsatz der
Fertigung erhöhen und hat eine entscheidende Auswirkung auf die Qualität des
Endproduktes haben. Poka Yoke Mechanismen richten sich in der Regel an eine oder wenige
Fehlermöglichkeiten. Fehlhandlungen sollten durch Poka Yoke Anwendungen unmöglich oder
zumindest sehr schwierig gemacht werden. Da ein fehlerhaftes Produkt nicht zur nächsten
Montagestation gelangen darf, beugt ein guter Poka
Yoke Mechanismus dem vor. Als Teil des Prozesses sollte der
Poka Yoke Mechanismus kein zusätzlicher Arbeitsschritt sein. Der Arbeiter sollte beim
Fertigen von Qualität dadurch unterstützt werden. Somit dient der Mechanismus nicht zur
Kontrolle des Arbeiters, sondern zur Kontrolle der Qualität vor Ort und kann, im
Zusammenspiel mit anderen Maßnahmen, eine Endkontrolle ersetzen.
Das beste Poka Yoke ist immer noch ein robustes Design,
Prozesskenntnisse und ein hohes Bewusstsein für die Arbeit und die Bedeutung dieser in
der Organisation, der Wertschöpfungskette und für das Endprodukt. Die Automobilindustrie
hat dies erkannt. Initiativen wie Lieferantenentwicklungsprogramme zeugen von diesem
Bewusstsein.
Quellen:
http://csob.berry.edu/faculty/jgrout/tutorial.html
http://www.tqu.com/downloads/tqupokayoke.pdf
www.theanagementor.com/EnlightenmentorAreas/mfg/QM/pokayoke
Brunner, F.J. & Wagner, K. (1997), Taschenbuch
Qualitätsmanagement. Der Praxisorientierte Leitfaden für Ingenieure und Techniker.
München: Carl Hanser Verlag
Dietrich, Adam (1998), Produktionsmanagement. Wiesbaden:
Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler GmbH |