Als Querschnittsaufgabe in der logistischen Kette müssen
im Produktentstehungs- und Entwicklungsprozess Aufgaben der Qualitätssicherung und
des Änderungsmanagements wahrgenommen werden. Als Grundlage hierfür dienen
Verfahrens- und Arbeitsanweisungen für die speziellen Abläufe, die üblicherweise in
einem unternehmensspezifisch erstellten Qualitätssicherungshandbuch dokumentiert werden.
Das Änderungsmanagement deckt die unterschiedlichen Änderungsaufgaben im Rahmen der
Produkteinführung bis zum Produktauslauf ab. Laufende Teile und Komponentenänderungen
sowie Verfahrens- und Werkzeugänderungen müssen beherrscht werden.
II) Auftragsgewinnungsprozess
Im Auftragsgewinnungsprozess werden die für das Unternehmen relevanten
Kundenaktivitäten durchgeführt. Wesentliches Ergebnis sind realisierte, d.h.
verbindliche Bestellungen, die sich als Auftragseingänge im Auftragsbestand
niederschlagen. Der Anstoß im Auftragsgewinnungsprozess findet vor allem über Anfragen
des Kunden statt, zudem gehen direkte Bestellungen ein.

Abb.2: Auftragsgewinnungsprozess (vgl. Thaler)
Über die Anfragebearbeitung werden Kundenanfragen entgegengenommen. Eine
zügige und kompetente Anfragebearbeitung und die Trennung in Routine- und Sonderanfragen
für unterschiedliche Fragestellungen, Produktbereiche oder Kundengruppen ist in der Regel
sinnvoll.
Die Auftragsabklärung klärt ggf. technische Fragen, voraussichtliche
Liefertermine, verfügbare Mengen oder Materialreservierungen. Hierzu erfolgt auch die
Abstimmung in weiteren internen und externen Prozessen, insbesondere mit der
Produktionsprogrammplanung, aber beispielsweise auch mit der Konstruktion, der Entwicklung
und den Lieferanten.
Die Produktionsplanung ist als Dienstleister in den Prozess eingebunden und
liefert Angaben darüber, welche der angefragten Artikel oder Produkte aktuell verfügbar
sind und mit welchen voraussichtlichen Lieferterminen zu rechnen ist. Eingehende Anfragen
werden i.d.R. hinsichtlich der verfügbaren Lagerbestände, der belegten sowie der freien
Produktionskapazitäten beurteilt. Um den Kunden Aussagen liefern zu können, wird die
Angebotserstellung und Lieferzeitabschätzung vielfach rechnerunterstützt durchgeführt.
Bei Bestellung werden die Aufträge dann eingeplant
Die Beschaffung ist üblicherweise als Dienstleister über die
Anfragebearbeitung und die Auftragsabklärung in den Prozess eingebunden. Neben dem
benötigten Anteil an Fremdmaterial werden u.a. auftragsspezifische Zubehörteile oder
Sonderzubehör beschafft.
Die Angebotskalkulation setzt den Angebotspreis fest. Damit ist die
Voraussetzung zur Angebotsabgabe erfüllt, wenn Mengen, Termine, Material, Vormaterial
oder Zubehör feststehen. Die Angebotskalkulation setzt u.a. voraus, dass aktuelle
Stammdaten der Stücklisten und Materialpositionen vorliegen. Bestellungen des Kunden
gehen schließlich über die Auftragsannahme ein und ggf. vorreservierte
Produktionskapazitäten werden danach in das laufende Produktionsprogramm eingeplant. Die Auftragsbestätigung
schließt den Kommunikationskreis zum Kunden und dokumentiert verbindlich die
zugesicherten Leistungen des Angebots, wie Artikel, Preise, Liefertermin sowie
Konditionen. Nach erfolgter Lieferung kann hieraus die Rechnungsstellung veranlasst
werden.
III) Produktionsplanungsprozess
Der Produktionsplanungsprozess umfasst die produktionslogistischen
Planungsaufgaben vor dem eigentlichen Produktionsbeginn. Dies sind
Produktionsprogrammplanung, Mengenplanung, Kapazitäts- und Terminplanung sowie die
Produktionsvorbereitung.
Wesentliches Ergebnis sind eingeplante Bestellungen und Aufträge sowie die
bestätigten Angaben zu Liefertermin und Liefermenge. Der Anstoß im
Produktionsplanungsprozess findet über eingegangene Bestellungen statt, die aus dem
Auftragsgewinnungsprozess resultieren. Diese müssen i.d.R. mit dem laufenden
Produktionsprogramm abgeglichen werden.

Abb. 3: Produktionsplanungsprozess (vgl. Thaler)
Die Produktionsprogrammplanung erhält Anfragen und liefert Aussagen,
welche der angefragten Artikel aktuell verfügbar sind und mit welchen voraussichtlichen
Lieferterminen zu rechnen ist. Bei Bestellungen wird über die Schnittstelle zur
Produktion (interner Dienstleister) die aktuelle Kapazitätssituation überprüft.
Die Mengenplanung ermittelt über das Produktionsprogramm günstige
Fertigungslosgrößen und Beschaffungsmengen, um durch Bündelung der eingegangenen
Bedarfe wirtschaftlich produzieren zu können.
Über die Kapazitäts- und Terminplanung wird ein Abgleich von
Kapazitätsbedarf und Kapazitätsangebot vorgenommen sowie die Terminrechnung
durchgeführt.
Die Produktionsvorbereitung umfasst die Planung aller notwendigen
Betriebsmittel und Arbeitsunterlagen bis zur Fertigungsfreigabe.
Die Beschaffung erhält aus der Bedarfsermittlung den Anteil an
Fremdteilen, der extern beschafft wird. Neben dem normalen Anteil an Fremdteilen, die beim
Lieferanten bestellt werden, müssen häufig auch auftragsspezifische Zubehörteile oder
Sonderzubehör beschafft werden. Auch hier sind Liefertermine und Liefermengen anzufragen
und abzuklären.
Im Produktionsplanungsprozess werden darüber hinaus die Querschnittaufgaben Qualitätssicherung,
Anlaufvorbereitung und Änderungsmanagement durchgeführt.
IV) Beschaffungsprozess
Der Beschaffungsprozess begleitet und erfüllt alle beschaffungslogistischen
Aufgaben bis zur Warenannahme und Rechnungsprüfung und umfasst die Bedarfsermittlung,
Lieferantenauswahl, Bestandsplanung und -führung sowie die Bestellabwicklung.
Wesentliches Ziel ist die Sicherstellung der mengen- und zeitgerechten Versorgung des
Unternehmens mit Beschaffungsgütern. Hierzu wird als eine wesentliche Eingangsgröße der
Materialbedarf ermittelt.

Abb. 4: Beschaffungsprozess (vgl. Thaler)
Über die Bedarfsermittlung werden die benötigten Teile, Komponenten, Roh-, Hilfs-
und Betriebsstoffe festgelegt, die fremdbeschafft werden müssen. Dazu erfolgt ein
Abgleich mit dem Materialbestand. Im Ergebnis wird der benötigte Bedarf über die
Bestellabwicklung beim Lieferanten geordert.
Die Bestandsplanung und -führung stellt den laufenden Abgleich eingehender Bedarfe mit
dem aktuell verfügbaren Materialbestand sicher. Hiermit ist eine Disposition und Planung
der Versorgung an Beschaffungsgütern verbunden. Weitere Aufgaben sind die
Bestandsverfolgung, beispielsweise für kritische Teile, die Wiederbeschaffung für den
laufenden Bedarf sowie die Bestandsoptimierung.
Die Bestellabwicklung deckt die operativen Aufgaben des Beschaffungsprozesses ab, wie
Einholen von Angeboten, Angebotsvergleich, Angebotsauswertung, Auslösung des
Eingangstransportes, Wareneingangserfassung sowie Rechnungsprüfung.
Die Lieferantenauswahl ist im Zusammenhang mit der strategischen Beschaffung zu
sehen. Da in den meisten Unternehmen laufend nach günstigen und innovativen Lieferanten
gesucht wird, nimmt die Suche nach neuen Beschaffungsquellen oft einen hohen Stellenwert
ein. Hierzu ist es vor allem wichtig, Lieferanten systematisch auszuwählen und zu
-bewerten sowie hierzu spezifische Bewertungskriterien aufzustellen. Neben der
Lieferantenauswahl und -bewertung sind weitere strategische Aufgaben das Festlegen von
Zielpreisen und Konditionen, von Rahmenvereinbarungen sowie von Vergabestrategien u.v.m.
Die Qualitätssicherung stellt im Beschaffungsprozess eine Querschnittsaufgabe dar.
Neben den Qualitätsprüfungen im Wareneingang gewinnt die Zertifizierung bzw. Auditierung
des Materiallieferanten an Bedeutung. Das Änderungsmanagement stellt im
Beschaffungsprozess die durchgängige Änderung von Bedarfsmengen, Terminen oder von
Änderungen des Produktes sicher, wie beispielsweise bei Materialsubstitution.
V) Produktionsprozess
Der Produktionsprozess bildet im direkten Bereich, d.h. in Fertigung und Montage,
den Schwerpunkt der betrieblichen Leistungserstellung zur Güterherstellung.
Aufgabe der Produktionsmitarbeiter, beispielsweise von Montage- und Fertigungsteams,
ist die Herstellung und Überwachung der zu produzierenden Produkte. Dazu verantworten die
Produktionsmitarbeiter bzw. -teams i.d.R. alle laufenden Aufgaben zur kurzfristigen
Fertigungssteuerung, Durchführung und Fertigstellung der Aufträge.

Abb. 5: Produktionsprozess (vgl. Thaler)
Die Produktionssteuerung überwacht mit Hilfe der Auftragsfortschrittskontrolle,
d.h. Rückmeldung beendeter Aufträge den laufenden Stand der Produktion. Zur
Auftragsterminüberwachung erfolgen üblicherweise Rückmeldungen des Bearbeitungsstandes
über die Betriebsdatenerfassung. Werden Aufträge durch unvorhergesehene Ereignisse
früher bzw. später fertiggestellt, wird die Maschinenbelegung im Rahmen der
kurzfristigen Termin- und Kapazitätssteuerung optimiert.
Aus Gründen der Auslastung wird die kurzfristige Belegung meist direkt auf Maschinen-
und Anlagenebene durchgeführt. Sie sorgt beispielsweise bei Eil- und Sonderaufträgen
für die notwendige Fertigungsflexibilität.
Werden neue Aufträge eingeplant, so wird bei Auftragsfreigabe in der Regel geprüft,
ob das benötigte Material vorhanden und die Betriebsmittel verfügbar sind. Aufgabe der
Materialbereitstellung ist es, die Versorgung der laufenden Produktion mit Hilfe
produktionsnaher Lager- und Pufferbestände zu sichern.
Zur Produktionsdurchführung gehört die Instandhaltung, das Einrichten, Rüsten und
die Störungsbehebung. Durch vorbeugende Instandhaltung wird versucht, Störungen sowie
Stillstands- und Liegezeiten zu minimieren. Zur Erhöhung der Fertigungsflexibilität und
Prozesssicherheit werden Aufgaben wie die maschinennahe Materialversorgung und
-bereitstellung, Ersatzteildisposition oder Störungsmanagement in Produktionscenter
übertragen.
Nach der Auftragsfertigstellung gelangen Waren üblicherweise über die
Warenausgangskontrolle und Verpackung in den Versand. Dort schließt sich der
Distributionsprozess mit der Lieferung zum Kunden an.
Im Produktionsprozess werden die Querschnittaufgaben Qualitätssicherung sowie
Änderungsmanagement durchgeführt, hauptsächlich bezogen auf Mengen und Termine.
VI) Distributions- und Entsorgungsprozess
Der Distributions- und Entsorgungsprozess stellt im Produktlebenszyklus die
Marktabdeckung mit produzierten Waren und Gütern sowie deren Rücknahme und stoffliche
Wiederverwertung sicher. Hauptziel im Distributionsprozess ist die anforderungsgerechte
Marktabdeckung, die unter Zeit-, Raum- und Mengengesichtspunkten durchgeführt wird. Als
wichtiges Ziel der Distribution ist üblicherweise eine hohe Lieferzuverlässigkeit zu
erreichen.

Abb. 6: Distributions- und Entsorgungsprozess (vgl. Thaler)
Neben der "kundenseitigen" Distribution wird auch teilweise die
unternehmensinterne Materialbereitstellung mit dem Begriff Materialdistribution
bezeichnet.
Im Entsorgungsprozess steht die Abfallvermeidung und -wiederverwertung im Vordergrund.
Hierzu gehört u.a. das Sammeln, Selektieren, Erfassen und Verwerten von Rückständen.
Die Rücknahme und stoffliche Wiederverwertung von Produkten gewinnt dabei an Bedeutung.
Produzierte Waren gelangen über den Produktionsprozess von der Warenverteilung
mit Hilfe der Transportlogistik und ggfs. mit Zwischenlagerung über die
Warenlieferung zum Besteller (Abnehmer). Die Warenverteilung und Lagerung ist zur
Entkoppelung von Zeit, Raum und Warenmenge notwendig. Zur Warenlieferung wird eine
spezifische Lagerhaltungs- und Transportstrategie erstellt.
Als strategische Aufgabe im Distributions- und Entsorgungsprozess wird die
umweltgerechte Ver- und Entsorgung angesehen. Querschnittsaufgaben sind wie in anderen
Prozessen das Beherrschen von Änderungen, hier insbesondere von Störungen sowie die
durchgängige Qualitätssicherung.