Eine Reihe entscheidender Vorteile gehen für ein Unternehmen
mit der Einführung einer JIT / JIS Produktion einher, da durch diese der komplette
Produktionsverlauf rationalisiert wird und dadurch besser auf Kundenanforderungen reagiert
werden kann. Durch die Synchronisierung und Optimierung sämtlicher Prozesse und den
Wegfall der Lagerzeiten kommt es zu teils erheblich niedrigeren Materialdurchlaufzeiten,
wodurch die Produktivität zunimmt. Die einzelnen Abläufe werden transparenter und die
Lagerbestände sinken, was einen Rückgang der Kosten für Kapitalbindung im
Umlaufvermögen, sowie letztlich die Zunahme des ROI (Return on Investment) bedingt.
Dadurch erfährt das Unternehmen einen entscheidenden Kostenvorteil gegenüber
Wettbewerbern, die nicht nach dem JIT / JIS Prinzip produzieren. Die in der Produktion
eingesparten Flächen können anderweitig genutzt werden und die Gefahr einer Veralterung
der Produkte im Endlager bleibt aus, da die Produktion immer bedarfsgenau erfolgt.
In Zahlen ausgedrückt ergibt sich laut einer empirischen Analyse der JIT Produktion
und Zulieferung in 172 europäischen Unternehmen durch die Einführung einer JIT
Produktion eine Reduzierung der Durchlaufzeiten um 60-90 %, eine Bestandssenkung von 50 %,
eine Reduzierung der Lager- und Transportkosten von bis zu 20 % sowie eine Steigerung der
Qualität, der quantitativen Flexibilität und der Produktivität von mehr als 25 %, was
einer Reduzierung der Gesamtkosten von circa 8-12 % entspricht.
Die Kunden eines JIT / JIS produzierenden Unternehmens profitieren daher in der
Regel von kostengünstigeren Produkten, besserem Service sowie höherer Qualität und die Zulieferer
im Falle einer externen JIT / JIS Beschaffung von standardisierten Prozessen sowie meist
langfristigen Verträgen.
Dennoch birgt eine JIT / JIS Produktion auch Nachteile für alle
Beteiligten, die es vor einer Produktionsumstellung abzuwägen gilt. Für das betreffende Unternehmen
beispielsweise führt eine JIT / JIS Produktion zu einer deutlich höheren
Krisenanfälligkeit bei Störungen innerhalb des Produktionsprozesses. Durch fehlende
Endlager können selbst kurzzeitige Produktionsprobleme nicht mehr durch Lagerbestände
aufgefangen werden, sondern führen bereits zu einer Einschränkung der Lieferbereitschaft
gegenüber dem Endkunden. Dadurch wird deutlich, wie wichtig eine präzise Planung und
Steuerung sämtlicher Abläufe einer JIT / JIS Produktion ist.
Bei externer Materialbeschaffung von nur einem Zulieferer begibt sich der Auftraggeber
zudem völlig in dessen Abhängigkeit und ist auf dessen Termintreue und Verlässlichkeit
angewiesen. Dies kann bei Verkehrsbehinderungen oder anderen Lieferproblemen schnell zu
einem Rückgang bzw. gar dem Stillstand seiner Produktion führen, wie es beispielsweise
dem amerikanischen Automobilhersteller General Motors aufgrund des Konkurses seines
Zulieferers Delphi erging. Um dieser Gefahr vorzubeugen und ihre Abhängigkeit zu
reduzieren, beziehen Unternehmen mit JIT / JIS Beschaffung gleiche Teile in der Regel von
mehreren Zulieferern und berücksichtigen in ihrer Planung zumindest geringe
Sicherheitszeiten und bestände. Dennoch bleibt ein weiteres Risiko für die
Unternehmen bestehen aufgrund des ständigen Informationsaustausches mit ihren
Zulieferern, wodurch unter Umständen Betriebsgeheimnisse offen gelegt werden.
Auch aus Sicht der Zulieferer bringt eine JIT / JIS Anlieferung nicht zu
vernachlässigende Risiken und Anforderungen mit sich: So ist der ständige
Informationsaustausch auch für den Zulieferer eine aufwendige Angelegenheit, die ein
einwandfrei funktionierendes IT System voraussetzt und auch für ihn ist die Abhängigkeit
vom Auftraggeber sowie die damit verbundene Krisenanfälligkeit wegen der starken
Spezialisierung nicht zu unterschätzen. Ihm wird in der Regel eine enorme Flexibilität
und ständige Lieferbereitschaft abverlangt, welche bei Nichteinhaltung zu hohen
Konventionalstrafen führen kann.
Auch die sonstigen Kosten sind für den Zulieferer unter Umständen relativ hoch
aufgrund des garantierten überdurchschnittlichen Qualitätsstandards seiner Produkte und
der zusätzlichen Lagerkosten bei variantenreichen Baugruppen. Die Lagerkosten werden bei
externer JIT / JIS Beschaffung quasi von den Großunternehmen auf die häufig relativ
kleinen Zulieferer übertragen, welcher ständig sämtliche Einzelteile der erforderlichen
Baugruppen vorrätig haben müssen.
Des Weiteren ist der Zulieferer nicht frei in seiner Standortwahl, sondern kann
gezwungen sein, sich zur Reduzierung des Transportaufwandes und der Vorlaufzeit in der
Nähe seines Auftraggebers anzusiedeln, obwohl sich aus Wettbewerbsgründen für ihn
eventuell andere Standorte anbieten würden.
Letztendlich hat eine JIT / JIS Beschaffung auch negative Auswirkungen auf die Umwelt
durch die zusätzliche Verkehrsbelastung aufgrund häufiger Transporte mit geringeren
Sendungsgrößen. Diese Belastung ist besonders hoch bei kurzzyklischen Abrufen oder weit
entfernten Produktionsstätten und kann kurzfristig zu Behinderungen und Staus im
Straßenverkehr sowie einer höheren Lärmbelästigung durch LKWs führen. Langfristig
impliziert ein starkes Verkehrsaufkommen höhere Ausgaben für den Straßenbau sowie
ökologische Folgen durch vermehrte Schadstoffemissionen und den Verbrauch wichtiger
Ressourcen. Das Lager wird quasi aus dem Unternehmen auf die Straße verlegt.
Diese negativen Aspekte schlagen sich indirekt auch auf die Unternehmen nieder, da die
zusätzliche Luftverschmutzung bei Bekanntwerden deren Image schadet und das Vertrauen der
Bevölkerung schmälert. Daher wird zunehmend versucht, das hohe Verkehrsaufkommen durch
werksnahe Ansiedelung mehrerer Zulieferern in sogenannten Industrieparks zu reduzieren.
Zudem lassen sich dabei durch Synergieeffekte Kosten sparen und die Flexibilität,
Zuverlässigkeit und Schnelligkeit der Anlieferung steigt.