| Ausgangssituation für Unternehmen In den
vergangenen Jahren hat sich die Lage für die Unternehmen auf den Märkten zunehmend
erschwert. Die Marktsituation, die Anforderungen an die Produkte und auch die Kunden haben
sich verändert. Darüber hinaus haben Unternehmen vor allem in Deutschland mit der
Fixkostenbelastung zu kämpfen.
- Veränderung der Marktsituation
Die marktseitigen Einflüsse auf die Unternehmen sind heutzutage
turbulent. Diese Turbulenz zeigt sich besonders im Verlauf der Auftragseingänge. Aufgrund
kurzfristiger Schwankungen und Zyklen in der Nachfrage ist diese für Unternehmen kaum
verlässlich prognostizierbar. Teilweise gibt es Schwankungen im Auftragseingang von mehr
als 50%. Problematisch für Unternehmen können auch starke Schwankungen der Nachfrage
zwischen den einzelnen Produktgruppen sein.
Durch den Druck des internationalen Wettbewerbs verfällt oftmals
der Preis für Produkte. Zudem sind technisches Know-how und neue Technologien durch die
schnelle Kommunikation heute in kürzester Zeit weltweit verfügbar. Das hat zur Folge,
dass technologische Neuerungen alleine keine dauerhaften Vorteile mehr bieten.
- Veränderung der Anforderung an Produkte
Produkte werden aufgrund von steigenden Markt- und
Umweltanfor-derungen sowie zunehmendem Funktionsumfang immer komplexer. Gleichzeitig
steigen die Anforderungen an die Qualität und Zuverlässigkeit unaufhaltsam. Die
Produktlebenszyklen werden zunehmend kürzer, das heißt, dass "alte" Produkte
immer schneller vom Markt verdrängt werden. Aufgrund der immer kürzeren
Produktlebensdauern verfällt auch der Preis für die Produkte immer schneller. Die
Unternehmen stehen unter dem Druck, immer schneller neue, noch bessere Produkte auf den
Markt zu werfen bzw. vorhandene Produkte zu verbessern ("permanentes
Upgrading"). Während die Stückzahlen pro Produkt sinken, steigt die
Variantenvielfalt. Darüber hinaus steigt die Anzahl an kundenspezifischen Produkten.
Die Kunden verlangen zunehmend kundenspezifische Produkte oder
ganze, speziell auf sie zugeschnittene Problemlösungspakete. Gleichzeitig werden die
akzeptierten Lieferzeiten immer kürzer und das Qualitätsbe-wusstsein der Kunden steigt.
Dies hat höhere Anforderungen an Sicherheit und Zuverlässigkeit der Produktion, sowie
der gesamten Supply Chain zur Folge.
In Deutschland haben die Unternehmen mit sehr hohen Fixkosten zu
kämpfen, die vor allem von den hohen Personalkosten verursacht werden. Diese lassen sich
kurzfristig nicht verändern. Das hat zur Folge, dass die Unternehmen gezwungen sind,
immer an der oberen Kapazitätsgrenze zu produzieren, um ihre Kosten zu decken und einen
Erlös zu erwirtschaften. Die Unternehmen können sich folglich nicht konsequent auf die
geforderte, immer stärker auftragsorientierte Produktion einstellen und ihre
Flexibilität an die Schwankungen des Markts anpassen.
Manufacturing on Demand ein Lösungsansatz
Mit starren Strukturen, wie sie heute noch in sehr vielen
Unternehmen üblich sind, lassen sich die heutigen Anforderungen an Unternehmen nicht mehr
bewältigen. Es muss neue Konzepte geben, die dynamisch auf Veränderungen reagieren
können. Die Kapazitäten müssen sich kurzfristig verändern lassen, Qualität, Menge,
Kosten und Liefertermin den spezifischen Kundennachfragen entsprechen. Kurzfristige
Produktwechsel in der Produktion erfordern eine drastische Reduzierung der Planungs- und
Umrüstzeiten. Es werden Strukturen benötigt, die jeweils nur die Elemente in die
Produktion einbinden, die aktuell notwendig sind. Es muss also in offenen Netzwerken
produziert werden.
Eine Produktionsweise, die alle oben genannten Punkte erfüllt, wird
auch als Manufacturing on Demand bezeichnet werden.

Abb.1: Manufacturing on Demand - Produktion im
dynamischen Umfeld
Das Manufacturing on Demand verändert die Unternehmensstrukturen
nachhaltig. Es hebt ab auf eine Produktion nur im Kundenauftrag und setzt sehr flexible
Leistungseinheiten voraus. Der Auftragsdurchlauf vom Kunden zum Kunden wird extrem,
beschleunigt. In dieser Art der Produktion besteht die Gefahr, dass der mittel- und
langfristigen Orientierung zu wenig Beachtung geschenkt wird. Es ist deshalb erforderlich,
diese Organisation in ein globales System zu integrieren. Komponentenfertigung und Montage
werden darin in ein Netzwerk als autonome Leistungseinheit integriert. Das
Auftragsmanagement geschieht kundenspezifisch und wird auf bestimmte Marktsegmente
ausgerichtet. Zur temporären Adaption der Kapazitäten an der Nachfrage werden externe
Leistungseinheiten bei Bedarf als virtuelle Elemente zugeschaltet. Schon frühzeitig
müssen Unternehmen deshalb klären, welche Leistungseinheiten oder Zulieferer
netzwerkfähig sind. Im Rahmen eines strategischen Beschaffungsmarketings lässt sich
anhand von Kompetenzkriterien heraus finden, wer die notwendige Qualifikation besitzt.
Zugang zu diesem Netzwerk haben nur Leistungseinheiten, die den Bedingungen des Netzwerkes
hinsichtlich Kompetenz, Funktion, informationstechnischer Schnittstellen und Qualität
genügen.
Leistungsmerkmale des Manufacturing on Demand
Die Leistungsmerkmale des Manufacturing on Demand sind im
Einzelnen:

Abb.2: Leistungsmerkmale des Manufacturing on Demand
- Produktion nur im Kundenauftrag
Das charakteristischste Leistungsmerkmal des Manufacturing on
Demand ist die Produktion nur im Kundenauftrag. Es wird nicht mehr wie bisher in
optimierten Losen gearbeitet, sondern jedes Teil wird individuell gefertigt
("One-Piece-Flow"). Voraussetzung hierfür ist die Möglichkeit, jeden
Kundenauftrag individuell zu verfolgen. Mittels "Customizing" wird versucht,
jedem Kunden das "optimale, direkt auf ihn zugeschnittene Produkt" herzustellen.

Abb.3: Modularisierung der Produkte
Die Kunden haben die Auswahl zwischen verschiedenen Modulen
(Antriebsmodule, Getriebemodulen, Cockpit
), sowie einem breiten Spektrum von
Komponenten (Außenspiegel, Halogen-Beleuchtung...) oft in vielen verschiedenen Varianten.
Die Möglichkeiten hierbei sind beinahe unerschöpflich. Module bilden geschlossene
Funktionseinheiten (eines so genannten "modularen Produkts") und sind mit
anderen Modulen austauschbar. Die Schnittstellen zwischen den Modulen sind klar definiert,
so dass sich die verschiedenen Module problemlos zusammenstellen lassen. Alle Module sind
standardisiert und werden (nur noch) kundenspezifisch konfiguriert.
Damit steht die Produktion von modularen Produkten im Gegensatz zur
Einzelfertigung der konventionellen Technik. Bei der konventionellen Einzelfertigung wird
auch kundenspezifisch produziert, jedoch gibt es hier keine standardisierten Elemente und
kaum vorgefertigte Produkte. Alle Teile werden einzeln in der Reihenfolge angefertigt, in
der sie benötigt werden, und individuell angepasst. Erst nachdem die Teilefertigung
abgeschlossen ist, kommt es zur Montage. Bei der modularen Fertigung werden Einzelteile
und Komponenten angeliefert und daraus gleichzeitig die verschiedenen Module gefertigt.
Verschiedene Abteilungen sind jeweils für verschiedene Module verantwortlich. Am Ende
werden dann die einzelnen Module zusammengesetzt.

Abb.4: Modularisierung der Produktion
- Verkürzte robuste Prozessketten
Um eine schnelle Reaktion auf den Kundenauftrag zu ermöglichen,
müssen die zu seiner Erfüllung notwendigen Prozessketten kurz und gegenüber möglichen
Turbulenzen störungsresistent sein. Man unterscheidet zwischen zwei verschiedenen
Prozessketten.
- Prozesskette Produktidee Marktreife Produkte
Bei dieser Prozesskette muss beachtet werden, dass es regional
unterschiedliche Funktions-, Qualitäts- und Leistungsanforderungen gibt. Produkte, die
sich auf einem regionalen Markt bewährt haben, sind nicht automatisch global erfolgreich.
Darüber hinaus hängt der Markterfolg zunehmend auch davon ab, ob
regionale Beiträge zur Produktion und Fertigung geleistet werden. Beispiele für
regionale Beiträge können Kooperationen, Bezug von Komponenten aus dem jeweiligen Land
oder die Nutzung der vorhandenen Infrastruktur sein.
Um erfolgreich zu sein benötigt das Manufacturing on Demand
Instrumente, um schneller mit marktreifen Produkten auf dem Markt erscheinen und regionale
Ressourcen optimal nutzen zu können. Absatz- und Beschaffungsmärkte müssen konsequent
und global beobachtet werden.
- Prozesskette Angebot Auftrag Fertigung Lieferung
Bei dieser Prozesskette geht in den Unternehmen heute sehr viel
Zeit verloren. Würden schon die Angebote direkt auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten,
könnte dadurch wertvolle Zeit eingespart werden. Weitere Möglichkeiten, Zeit einzusparen
bieten Netzwerke. Über Netzwerke können Angebot und Spezifikationen direkt mit dem
Kunden verhandelt werden. Bedarfe und Bedarfsänderungen lassen sich über Netzwerke
erfassen und in die Auftragssteuerung integrieren. Diese und andere Maßnahmen verkürzen
die Prozesskette.
- Wandlungsfähige Produktionskonzepte
Beim Manufacturing on Demand steht die Erfüllung von
Kundenanforderungen in Bezug auf die Individualität des zu liefernden Produktes und
seiner Qualität im Mittelpunkt. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die
Produktionssysteme so gestaltet sein, dass sie häufige Produktwechsel in der
Produktionsreihenfolge und Generationenfolge reibungsfrei überstehen. Nicht nur das
Produktionssystem als ganzes, sondern alle Teilsysteme müssen entsprechend dem
Kapazitätsbedarf kurzfristig veränderbar sein. Dies ist auf unterschiedliche Arten
möglich:
- durch den Einsatz universeller und sich ersetzender Maschinen,
- durch das so genannte "soft-tooling", worunter der
Austausch von Programmen zu verstehen ist,
- durch das so genannte "hard-tooling" bzw. den Austausch von
Werkzeugen und Maschinenkomponenten
- durch den Austausch von Maschinen
- durch Variation des Layouts und der Logistik.
Neben der Erfüllung von Kundenanforderungen in Bezug auf
Individualität des zu liefernden Produktes und seiner Qualität hat beim Manufacturing on
Demand die Terminzusage höchste Priorität. Die auf die Kunden zugeschnittenen Produkte
müssen schnellstmöglich lieferbar sein. Durchlaufzeiten müssen so weit wie möglich
gekürzt werden.
Hierzu liefert das Konzept des "fraktalen Unternehmens"
interessante Lösungsansätze. Beim "fraktalen Unternehmen" wird versucht, durch
Dezentralisierung, Eigenverantwortung und Selbstorganisation mehr Dynamik und dadurch
schnellere und bessere Reaktionsfähigkeit auf sich ergebende Nachfrageschwankungen zu
erreichen. Das Unternehmen wird also in verschiedene dezentrale Bereich oder
Organisationseinheiten eingeteilt, die zwar in ein Kommunikationsnetz eingebunden,
ansonsten aber weitgehend autonom sind und einen abgeschlossenen Aufgaben- und
Verantwortungsbereich haben. Die Organisationseinheiten organisieren und optimieren sich
selbst nach vorgegebenen und vereinbarten Zielen. Je nach Aufgabenstellung müssen sie
sich neu anpassen, werden in die Prozesskette miteinbezogen oder bleiben draußen. Nur
wenn es zur Verkürzung der Prozesskette und zur wirtschaftlichen Fertigung unbedingt
notwendig ist, wird an einem Ort zusammengearbeitet. Durch diese Art der Organisation wird
viel Zeit eingespart.
Ein weiterer Vorteil der Einteilung in verschiedene
Organisationseinheiten oder Bereiche liegt in der erhöhten Transparenz. Dadurch, dass
einzelne Prozesse in dezentrale Bereiche eingeteilt werden (die für die Planung,
Durchführung und Kontrolle "ihrer" Prozesse verantwortlich sind), wird die
Komplexität innerhalb der Produktion als ganzes reduziert. Planung und Steuerung werden
so erleichtert. Zudem stehen die Organisationseinheiten im Wettbewerb zueinander. Dadurch,
dass sie weitgehend autonom arbeiten, ist ihre Leistung leichter bewert- und vergleichbar.
Wenn das Unternehmen mit der Leistung einer Organisationseinheit nicht zufrieden ist,
besteht die Möglichkeit des Leistungszukaufs.
- Produktion in offenen Netzwerken
Um die extreme Kapazitätsflexibilität und kürzeste
Lieferzeiten, die vom Manufacturing on Demand gefordert werden, zu bewältigen, ist es
notwendig, in offenen Netzwerken zu produzieren. An der Spitze eines solchen offenen
Netzwerkes steht das Unternehmen, welches das gesamte System, d.h. Produkt und Produktion
im Netzwerk beherrscht. Dieses Unternehmen, auch Systemführer genannt, muss sich bei
(verschiedenen) Komponentenherstellern (=Zulieferern) mit Teilen versorgen. Die
Komponentenhersteller wiederum beziehen ihre Teile von verschiedenen Teileherstellern.
Systemführer, Komponenten- und Teilehersteller sind alle autonome Leistungseinheiten und
bilden ein offenes Netzwerk. Zugang zu diesem Netzwerk haben nur die Unternehmen und
Zulieferer, deren Produkte und Komponenten bestimmte Kriterien erfüllen. Heute suchen
Unternehmen verstärkt weltweit nach Zulieferern, von denen sie Produkte und Komponenten
zu niedrigen Kosten und mit ausreichender Kapazität beziehen können ("global
sourcing"). Lieferanten können im offenen Netzwerk je nach Bedarf zugeschaltet,
gewechselt oder aufgegeben werden. Die Lieferanten werden auch als "virtuelle
Elemente im offenen Netzwerk" bezeichnet, wobei der Begriff "virtuelle
Elemente" von der Bezeichnung "virtuelles Unternehmen" abgeleitet ist.
Beim Manufacturing on Demand kommt es sehr häufig zu großen
Bedarfsschwankungen und damit zu unterschiedlichen Auslastungen der Kapazität. Daraus
resultiert die Notwendigkeit, bei hoher Nachfrage vorübergehend externe
Leistungseinheiten als virtuelle Elemente zuzuschalten. Je nach Kapazitätsauslastung und
abhängig von dem, was produziert wird, kann sich so die Struktur des Unternehmens
ändern.
- Integriertes Auftragsmanagement
Beim Manufacturing on Demand muss der Weg vom Kunden zum
Kunden (Auftrag Lieferung) durchgängig organisiert sein. Sobald ein Auftrag vom
Kunden kommt, wird dieser in einen bestimmten Produktionsauftrag umgesetzt. Dies geschieht
durch durchgängige Informationssysteme, die stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort die
notwendigen Aktivitäten auslösen.
- Lernfähigkeit zur Selbstoptimierung
Auf turbulenten Märkten, auf denen sich Einflussgrößen
und Faktoren ständig ändern, ist es notwendig, dass die Unternehmen ihre Produktion
ständig verbessern. Nur ein lernfähiges Unternehmen kann zur Selbstoptimierung gelangen.
Diese Optimierung muss beim Manufacturing on Demand lokal und selbständig stattfinden,
damit die notwendige Lernintensität und -geschwindigkeit erreicht wird. Nur durch eine
hohe Lernintensität und -geschwindigkeit zahlt sich die hohe Flexibilität des
Manufacturing on Demand auch finanziell aus.
In der Industrie wird der ständige Verbesserungsprozess auch als
industrielles Lernen bezeichnet. Zielsetzungen und Inhalte des industriellen Lernens sind
beispielsweise:
- Die Produktivität eines Unternehmens lässt sich durch die
Konzentration auf die Wertschöpfung steigern. Durch die Konzentration auf die
Wertschöpfung wird Verschwendung im Betrieb vermieden.
- Flexibilität und Qualität lassen sich dadurch erhöhen, dass
Prozesse sicherer gestaltet werden. Je sicherer die Prozesse in ihren jeweiligen
Arbeitsbereichen betrieben werden, umso geringer sind die Nutzungsverluste in der
Produktion. Fehler und Störungen in der Produktion lassen sich durch eine präventive
Qualitätssicherung und konsequente Anwendung der Methoden des Qualitätsmanagements
reduzieren.
- Die Rentabilität lässt sich durch moderne Maschinen steigern. Mit
Hilfe moderner Maschinen lassen sich Prozesse sicher betreiben, die sich früher im
Grenzbereich von Qualität und Leistung befanden. Durch neue Höchstleistungstechnologien,
Sensoren, Prozessüberwachungssysteme, usw. werden Maschinen zunehmend zu autonomen
Fertigungszellen und -systemen.
- Die Umweltverträglichkeit der Produktion kann durch den Einsatz
lernfähiger/evolutionärer Produktionssysteme erhöht werden.
Mass Customization eine spezielle Ausprägung des
Manufacturing on Demand
Mass Customization bedeutet auf Deutsch soviel wie
"kundenindividuelle Massenproduktion" und setzt sich aus den beiden eigentlich
gegensätzlichen Begriffen "Mass Production" (Massenproduktion) und
"Customization" (Kundenindividuelle Aufmachung) zusammen.
Der Begriff Mass Customization tauchte erstmals im Jahre 1987 auf.
Ausgangspunkt war die zunehmende Individualisierung der Nachfrage. Alte Massenmärkte
begannen, allmählich zu zerfallen und teilten sich in immer kleinere Marktsegmente. Immer
mehr Unternehmen waren gezwungen, zusätzliche Produktvarianten anzubieten, um die
Wünsche der Kunden zu erfüllen. Die Kosten für die Unternehmen stiegen durch die
Entwicklung immer neuer Produktvarianten drastisch an, trotzdem konnten die Unternehmen
die notwendige Flexibilität auf Kundenwünsche nicht liefern.

Abb.5: Mass Customization Definition
Die Strategie des Mass Customization ist es, einem relativ großen
Absatzmarkt individualisierte, den Kundenwünschen angepasste Produkte oder
Dienstleistungen (sog. "customized products") anzubieten, ohne auf die Effizienz
der industriellen Massenfertigung zu verzichten. Dabei sollen die Kosten ungefähr denen
einer massenhaften Fertigung vergleichbarer Standardgüter entsprechen. Durch die
Informationen, die im Zuge des Individualisierungsprozesses erhoben werden, soll eine
dauerhafte, individuelle Beziehung zu jedem Abnehmer aufgebaut werden.
Möglich ist Mass Customization vor allem dank moderner
Produktionstechnologien wie dem Electronic Commerce. In vielen Fällen wurde erst durch
das E-Commerce eine effiziente Individualisierung der Leistungserstellung erlaubt.
Im Allgemeinen wird zwischen drei Arten des Mass Customization
unterschieden:
- Bei der Style Customization sind die
Individualisierungsmöglichkeiten für den Kunden eingeschränkt. Er kann sich nur für
bestimmte optische Varianten entscheiden, z.B. Farben, Stoffe,
- Beim Best (Matched) Fit wird aus verschiedenen bestehenden
Produktteilen das Produkt erstellt, das den Wünschen des Kunden am ehesten entspricht.
- Beim Custom Fit werden bestimmte Produktteile speziell für
den Kunden gefertigt. Aus den speziell für den Kunden gefertigten und standardisierten
Teilen wird das individualisierte Endprodukt hergestellt.
Charakteristisch für Mass Customization sind folgende Aspekte:
- Einbindung des Kunden in den Leistungserstellungsprozess
Um flexible, kundenindividuelle Produkte und Dienstleistungen
herstellen zu können, müssen die Kunden in den Leistungserstellungsprozess integriert
werden. Vor der Fertigung des kundenindividuellen Produktes müssen die Kunden genaue
Informationen über die von ihnen gewünschten Produktmerkmale bereitstellen. Dieser
Prozess wird beim Mass Customization als Individualisierungsinformation bezeichnet.
Optimalerweise läuft der Vorgang der Erhebung der Individualisierungsinformation so
einfach wie möglich ab. Für den Kunden (und für das Unternehmen) soll der Vorgang
möglichst wenig komplex und mühelos sein.
- Modulare Produkt- und Leistungsarchitektur
Grundlage der Produktentwicklung im Mass Customization ist eine
modulare Produkt- und Leistungsarchitektur. Alle kundenspezifischen Produkte bestehen aus
einer begrenzten Anzahl standardisierter und individualisierter modularer Komponenten
(inklusive begleitender Dienstleistungen), die untereinander kompatibel sind und aus denen
eine kundenspezifische Endleistung erbracht wird.
- Differenzierung durch Varietät
Mass Customization hebt sich insbesondere durch die hohe Anzahl
an Varianten von der Konkurrenz ab. Produkte werden in so vielen Varianten angeboten, dass
die Wünsche jedes relevanten Kunden erfüllt werden. Die Differenzierung ist jedoch nicht
nur über die Varietät möglich. Die Erstellung kundenbezogener Dienstleistungen, ein
besonderes Produktimage oder ein hoher Lieferservicegrad können ebenso
Differenzierungsoptionen sein.
- Preis eines vergleichbaren Standardgutes
Charakteristisch für das Mass Customization ist, dass die
kundenspezifischen Produkte zu einem Preis angeboten werden, der in etwa dem Preis für
ein vergleichbares Standardgut entspricht, bzw. zu einem Preis, den die Käufer
vergleichbarer Standardgüter bereit sind zu zahlen. Diese Preise sollen durch die
Effizienzvorteile einer kundenindividuellen Massenproduktion erreicht werden und nicht
durch Kreuzsubventionierungen innerhalb des Unternehmens. Eine kundenindividuelle
Massenproduktion bringt mit sich, dass immer erst auf Bestellung produziert wird. Dadurch
können Unternehmen besser planen, sparen Lagerhaltungskosten und können das
"Moderisiko" minimieren (vor allem in der Bekleidungsindustrie ist das
"Moderisiko" ein großes Problem, da sich Kleidung, sobald sie aus der Mode
gekommen ist, nur sehr schwer und mit großen Preisreduktionen verkaufen lässt).
Im Gegensatz zum klassischen Manufacturing on Demand zielt das
Mass Customization auf einen großen Absatzmarkt. Es werden Güter und Dienstleistungen
produziert, für die es eine große Käuferschaft gibt. Dabei kann der relevante Markt
viele Millionen Menschen umfassen (z. B. in der Bekleidungsindustrie), bei anderen
Produkten (wie z. B. bei Fertighäusern) kann schon ein Markt von einigen hundert
Abnehmern ein großer Massenmarkt sein. Die einzelnen Kunden unterscheiden sich bezüglich
ihrer Wünsche an bestimmte Eigenschaften des jeweiligen Produktes.
- Aufbau einer dauerhaften Kundenbeziehung
Die Unternehmen, die das Konzept des Mass Customization
umsetzen, haben die Möglichkeit, die aus der Interaktion mit den Kunden gewonnenen
Informationen zum Aufbau einer dauerhaften Kundenbeziehung zu nutzen. Durch solche
dauerhaften Kundenbeziehungen können Unternehmen sich einen bedeutsamen
Wettbewerbsvorteil sichern.
Abgrenzung des Begriffes Mass Customization
- Mass Customization = Einzelfertigung?
Obwohl beim Mass Customization individualisierte,
kundenspezifische Produkte und Dienstleistungen hergestellt werden, darf das Mass
Customization nicht mit Einzelfertigung gleichgesetzt werden. Während die Kunden bei der
klassischen Einzelfertigung von Grund auf neue Produkte kreieren können, ist dies beim
Mass Customization nicht möglich. Beim Mass Customization sind die Möglichkeiten zur
Individualisierung von Produkten von vornherein eingeschränkt. Individualisiert werden
die Produkte nur an einigen, für den Kunden relevanten Komponenten.
- Mass Customization = Variantenfertigung?
Mass Customization ist deutlich von einer Variantenfertigung zu
unterscheiden. Bei der Variantenfertigung kommt es zu keiner Kommunikation mit dem Kunden.
Über den Handel wird den Kunden, die dem Unternehmen nicht einzeln bekannt sind, eine so
große Auswahl unter verschiedenen ähnlichen Produkten angeboten, dass sie ein Produkt
finden, das ihren Wünschen ungefähr entspricht. Die Produkte werden aufgrund einer
Absatzprognose, also quasi "auf Verdacht", vorgefertigt und nicht erst
produziert, nachdem eine Bestellung eingegangen ist.
- Worin unterscheidet sich das Mass Customizing vom klassischen
Manufacturing on Demand?
Sowohl beim Mass Customization als auch beim Manufacturing on
Demand wird nur im Kundenauftrag produziert. Der Hauptunterschied zwischen Mass
Customization und dem klassischen Manufacturing on Demand liegt darin, dass es sich beim
Mass Customization um eine Form der Massenfertigung handelt. Mass Customization zielt
immer auf einen großen Absatzmarkt. Dadurch werden beim Mass Customization vor allem
Produkte gefertigt, für die es eine große Zahl von Käufern gibt, z.B. Bekleidung,
Schuhe,
Beim klassischen Manufacturing on Demand ist die Losgröße viel kleiner
und die Produkte sind viel spezieller und komplexer, z.B. Schiffe, Maschinen, Kraftwerke,
.
Literaturempfehlung
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effective fulfilment of customer requirements under a Manufacturing on Demand Stragegy.
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