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skizziert in:
Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-41025-1
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Prozeßverbesserung in Euro und Cent
Ein Verfahren zur ergebnisorientierten Prozeßoptimierung
von Helmuth Gienke und Rainer Kämpf |
Thema
des Monats September 2004
Stand: 02.07.2008 |
Wertstromanalyse, Toyota Production System, Synchrone Produktion, etc. alles
Begriffe, mit denen die Effizienz von Fertigungsunternehmen gesteigert werden soll. Nur
ist die Frage:
Was bringen Prozessveränderungen mit diesen
Methoden?
In diesem Artikel wird ein Weg aufgezeigt, mit dem die Auswirkungen von
solchen Prozessverbesserungen schon vor Projektstart abgeschätzt werden können. Und zwar
im Hinblick auf die klassischen betriebswirtschaftlichen Kenngrößen wie die
Kapitalbindung, die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung.
Die richtige Vorgehensweise ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für
eine hinreichend genaue Bewertung. Auf dem Weg werden weniger die theoretischen Daten aus
den Informationssystemen genutzt als vielmehr die physischen Abläufe im Unternehmen
betrachtet. In den drei Schritten, die durchlaufen werden ist wichtig: Es steht immer der
Gesamtprozess im Vordergrund! Jede einzelne Prozessveränderung wird aus Sicht der
gesamten Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Endprodukt bewertet. So ist die
Verbesserung der Produktivität in einer einzelnen Abteilung nur dann sinnvoll, wenn die
Gesamtprozesskosten sinken.
Eine Prozessverbesserung wird anhand eines charakteristischen Produktes
realisiert und bewertet. Mit dem charakteristischen Produkt durchläuft man folgende
Schritte:
Schritt 1: Erfassen des Ist-Zustandes
Für die Aufnahme des Ist-Prozesses
bedient man sich einzelner Elemente aus dem Wertstromdesign (Wertstromdesign,
Thema des Monats Oktober 2002). Hier geht man wie folgt vor:
- Bestimmung des Umfeldes:
Der aufzunehmende Prozeß wird zu anderen Prozessen hin abgegrenzt, zum Beispiel zu
Lieferanten und Kunden.
- Ermittlung der Anforderung an den Prozeß:
Hier betrachtet man, was von einem Prozeß erwartet wird. Dies kann beispielsweise der
Kundentakt sein, der Bedarf durch den Prozeßpartner. Wesentlich ist auch die Häufigkeit,
mit der das Ergebnis des Prozesses abgerufen wird.
- Darstellung der Wertschöpfungskette:
Die Prozesse der Wertschöpfungskette werden vom Ende bis zum Anfang analysiert und
dargestellt. Man geht hier entgegen dem Materialfluss vor, also zum Beispiel vom Versand
bis zum Wareneingang der Rohstoffe. Dabei werden alle Prozeß-Schritte mit ihren
Durchlaufzeiten aufgenommen. Hierbei ist unerheblich, ob der Prozeß-Schritt
wertschöpfend ist oder nicht. Bei nicht wertschöpfenden Aufgaben werden auch
die Lagerbestände notiert.
- Bestimmung der Prozeßdaten:
Die relevanten Daten, wie Zyklus- / Personal- / Rüstzeit werden zu den jeweiligen
Prozeß-Schritten aufgenommen. Diese Informationen sind wesentliche Bestandteile der
späteren Bewertung.
- Betrachtung des Informationsflusses:
Hier erfolgt die Darstellung des für den Wertschöpfungsprozeß notwendigen
Informationsflusses. Zum notwendigen Informationsfluß gehören auch die Aufwände, um die
notwendigen Prozeßinformationen bereitzustellen.
Das Ergebnis des 1.Schrittes könnte folgende Abbildung des Wertstroms sein:

Abbildung 1: Vereinfachte Abbildung des
Fallbeispiels (Ist-Zustand)
Der Prozeß besitzt folgende Merkmale:
- Es handelt sich um eine klassische Lagerproduktion mit Werkstättenfertigung.
- Die Losgrößen wurden über die wirtschaftliche Losgrößenrechnung festgelegt.
- Die Fertigung wird durchgängig über Fertigungsaufträge gesteuert.
- Die Lieferanten werden über Einzelbestellungen beauftragt.
- Der Vertrieb (Auftragsbearbeitung), die Produktion und der Einkauf (Beschaffung) sind
klassisch getrennte Bereiche.
Schritt 2: Entwickeln des Soll-Zustandes
Zusammen mit den Fachleuten der einzelnen
Unternehmensbereiche wird ein Soll-Konzept erstellt. Hierbei wird auf eine optimale
Kombination der verschiedenen Methoden der Prozeßgestaltung geachtet, um einen
bestmöglichen Durchsatz im Unternehmen zu erreichen. Auf dem Weg zum Sollablauf steht
folgende Frage immer im Mittelpunkt: Wie können wir die Information so fließen lassen,
daß ein Prozeß nur das herstellt, was der nächste Prozeß benötigt und das nur zu dem
Zeitpunkt, zu dem er es benötigt? Nachdem die Punkte 1 und 2 für den Sollprozeß
verifiziert sind, werden folgende Aufgaben durchgeführt:
- Entwurf einer getakteten
Prozeßkette:
Es wird versucht, den gesamten Materialdurchlauf in einem Fluß abzuwickeln. Dazu werden
wo möglich Prozeß-Schritte zusammengefaßt.
- Definition der Entkopplungspunkte
:
Prozesse, die physikalisch oder aufgrund von Prozeßgegebenheiten nicht direkt miteinander
verbunden werden können, werden entkoppelt. Dabei ist es wichtig, daß die
bedarfsorientierte Materialweitergabe gewährleistet bleibt (Pull-Prinzip).
- Taktzeit und Maßnahmen festlegen
:
Die Prozeßkette ist gemäß dem Kundentakt auszulegen. Bei diesem Vorgehen
steht die Verbesserung der Gesamtproduktivität in der Prozeßkette im Vordergrund.
Maßnahmen können sein: Rüstzeitoptimierung und Eliminierung von Verschwendung in der
Prozeßkette.
- Überarbeiten des Informationsflusses
:
Die obigen Punkte führen oftmals zu einem veränderten Informationsfluß. Daher ist
dieser neu zu definieren.
Nach dem Erstellen des Soll-Zustandes lassen sich die Unterschiede zum Ist-Szenario
deutlich erkennen:

Abbildung 2: Vereinfachte Abbildung des
Fallbeispiels (Soll-Zustand)
Die Charakteristika im Soll-Zustand sind im wesentlichen folgende Punkte:
- Es gibt ein Auftragsbearbeitungszentrum, das für die Steuerung vom Rohstoff bis zum
Endprodukt verantwortlich ist.
- Es wird auf eine Pull-Steuerung umgestellt.
- Die Lieferantenkonsignation wird eingeführt.
Für die anschließende Bewertung ist zu beachten, daß in diesem Fallbeispiel keine
Verbesserungen in den einzelnen Produktionsschritten durchgeführt wurden! Die
Veränderungen beziehen sich ausschließlich auf den Logistik- und Informationsfluß. In
Teilbereichen wurde bewußt eine Verschlechterung des klassischen Produktionsverständnis
in Kauf genommen. So wurde das Rüsten um den Faktor drei erhöht, ohne die Rüstzeiten zu
verkürzen. Genauso wurde der Lagerbestand vor der Endmontage erhöht, um eine
bedarfsorientierte Materialweitergabe über den Fremdfertigungsbetrieb zu ermöglichen.
Schritt 3: Analyse der finanziellen Effekte der
geplanten Maßnahmen
Die Bewertung der beiden Zustände Ist
und Soll erfolgt mit Hilfe einer ganzheitlichen Prozeßkostenrechnung. Das bedeutet: Pro
Prozeß-Schritt werden der Kostentreiber und die Kostenbezugsgröße festgelegt. Über
diese Größen wird jeder Prozeß-Schritt aus der Wertstromaufnahme bewertet.
Am Beispiel der Montage ergibt sich folgende Rechnung für die
Prozeßkosten:
Kostenelement |
Aufgabe |
Kostentreiber |
Anz.
MA |
Anz.
Treiber |
Anz.
Minuten |
Satz pro
Minute |
Kosten |
Bemerkung |
Information
Montage |
Planung und Steuerung |
Vorgang |
1 |
1 |
15 |
1,17 |
17,51 |
Stundensatz=
70 |
Montage |
Bearbeiten Personal |
Material |
4 |
1200 |
0,283 |
0,67 |
910,13 |
Stundensatz
= 40 , Zykluszeit = 17 Sek. |
Montage |
Bearbeiten Maschine |
Material |
1 |
1200 |
0,283 |
1,17 |
396,31 |
Stundensatz
Montage = 70 , Zykluszeit = 17 Sek. |
Über spezifische Formeln können die Auswirkungen
auf die Unternehmenskennzahlen wie Interne Prozeßkapitalbindung, Bilanz und
Gewinn-/Verlustrechnung bewertet werden.
Der beispielhaft oben erarbeitete Soll-Zustand hat gegenüber dem
Ist-Zustand folgende Vorteile
- Die interne Prozeßkapitalbindung nimmt um 58% ab, was sich direkt auf die Liquidität
im Unternehmen auswirkt.
- Das Umlaufvermögen der Vorräte in der Bilanz reduziert sich um 45%. Dies wirkt sich
auf den ROI (Return on Investment) des Unternehmens aus.
- Trotz der Verschlechterung der Produktivität im Kunststoffspritzguß reduziert sich der
Betriebsaufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung um 4%. Und dies wirkt sich direkt auf
den Gewinn im Unternehmen aus.
Fazit: Durch eine Bewertung der Prozeßverbesserungen läßt sich der
Nutzen im Unternehmen vor Projektbeginn in Euro und Cent feststellen. Unabdingbar ist
dabei, daß immer der Gesamtprozeß im Vordergrund steht Teiloptima können sich
für das Unternehmen auch negativ auswirken. Dies wird im verfügbaren Fallbeispiel ebenso
deutlich!
Das detaillierte Fallbeispiel mit Informationen zu den Auswirkungen auf
die Unternehmenskennzahlen inklusive der genauen Prozeßberechnung können Sie unter der
E-Mailadresse info@ebz-beratungszentrum.de
anfordern. Weitere Informationen zu dem Themenkomplex erhalten Sie über die
Wissensplattform http://www.agilas.org |
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