Qualität Kosten reduzieren und Qualität verbessern
Ein Beitrag von Wolfgang Dreher und Helmuth Gienke
Wer kennt nicht die Versprechungen die Qualität zu
verbessern, wenn man nur etwas mehr investiert. Intelligentere Konzepte, bessere
Prüfmethoden und zusätzliche Audits sollen uns den Weg zur besseren Qualität öffnen.
Was bleibt am Ende: Die bekannten Fehler werden abgestellt, aber aus einer anscheinend
unendlich großen, im Verborgenen liegenden Quelle sprudeln immer neu Probleme. Und
weitere Mittel werden beantragt. Neue Qualitätsoffensiven und Qualitätskampanien werden
gestartet. Das Ergebnis ist eine Verbesserung der Qualität, aber zu welchem Preis. Lassen
die Anstrengungen nach kommt es zu dem Jojo-Effekt im Qualitätsgeschehen: Die Fehlerrate
steigt wieder an und erreicht neue Höhen.
Was sind nun die Gründe für das Scheitern? Gibt es einfach
anzuwendende und kostengünstige Erfolgs-Rezepte?
Es gibt sie, aber nicht Kosten sondern die Missachtung einfacher
Grundprinzipien hindern uns daran erfolgreicher zu sein.
Das erste Grundprinzip: Übernahme der Qualitätsverantwortung
Im Produktionsbereich erfolgt dies durch den Produktionsleiter.
Bei Dienstleistern ist das Wort Produktionsleiter durch den für die Dienstleistung
verantwortlichen Manager zu ersetzen. Die QM-Manager und deren Mitarbeiter haben die
Aufgaben, die Prozesseigner /Qualitätsverantwortlichen über Qualitätsforderungen des
Kunden, gesetzliche Auflagen und die aktuelle Qaulitätssituation zu informieren. Gute
Qualitätsmanager sind den aktuellen Situationen immer einen Schritt voraus, indem sie
langfristige Entwicklungen erkennen und den Verantwortlichen Maßnahmen vorschlagen, bevor
es zu Problemen kommt. Nachdem die Prozesseigner der operativen Hektik ausgesetzt sind,
muss der Qualitätsmanager mit Geschick die zu erwartenden Probleme und Krisen in die
Gegenwart verlagern und so die Dringlichkeit der Maßnahmen vermitteln zu können.
Das zweite Grundprinzip: Standardisierung und Übersicht.
Standardisierung bedeutet nichts anderes als sich genau zu
überlegen, wie die Arbeit und die Arbeitsabläufe aussehen sollen. Nach reichlicher
Überlegung werden die Abläufe als Standard festgeschrieben. Diese Standardisierung hilft
klare Strukturen zu etablieren. Klare Strukturen und Standards bilden eine gute Grundlage
für die Überwachung von Abläufen. Die Überwachung fällt leichter, wenn
Prozesszustände, Prozessergebnisse und Ziele visualisiert werden. Hierzu gibt es Vielzahl
von Möglichkeiten. Sich auf eine zu verständigen ist der wesentliche Schritt. Die
konsequente Anwendung der Standardisierung und Visualisierung ist der zweite Schritt.
Das dritte Grundprinzip: Nachhaken
Mitarbeiter erwarten von ihrem Management Ziele, Regeln und
Anerkennung ihrer Leistung. Bei Bedarf gibt es durch das Management Unterstützung oder
aber auch Kritik und Korrektur. Dahinter verbirgt sich das Grundprinzip des Regelkreises.
Kein technischer Regelkreis sondern ein Managementregelkreis: Einen Prozess abgrenzen, ihn
gestalten, Ziele vorgeben, Zielerreichung überwachen und bei Abweichungen korrigierend
eingreifen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies, dass erteilte Aufträge nachgefragt
werden. Wenn dies nicht erfolgt kann weder auf Probleme reagiert werden, noch kann aus den
Erfolgen gelernt werden. Noch schlimmer ist es, wenn immer wieder Aufträge erteilt werden
und nie nachgefragt werden. Wird nicht durch so ein Verhalten Interessenlosigkeit
dokumentiert? Natürlich gibt es viel zu tun und man sich nicht m alles kümmern. Aber
wieso etwas beginnen ohne es zu Ende führen. Deshalb ist es für das Management
notwendig, sich auf die wesentlichen Themen zu konzentrieren und diese aber entschieden
voranzutreiben.
Das vierte Grundprinzip: Der Richtige für das Problem
Sind die wichtigen Themen erkannt und als würdig für eine
nachhaltige Lösung eingestuft worden, so müssen Personen gefunden werden, die sich
dieser Aufgaben annehmen. Doch wer ist am besten geeignet? Es gibt natürlich in jedem
Betrieb die Topleute, die immer an die Themen ran sollen. Nur irgendwann sind trotz vieler
Überstunden diese Kapazitäten nicht weiter belastbar. Und dann kann sich ein großes
Problem umgehend zu einer Krise entwickeln. Deshalb ist es notwendig diese wertvolle
Ressourcen ziel gerichtet einzusetzen. Die Folge davon ist die Notwendigkeit einer
Regelung der Zuordnung der Probleme und Problemlösung zu Mitarbeitern und Experten.
Probleme werden vor allem dann schnell aufgegriffen und mit Elan beseitigt, wenn man
persönlich davon betroffen ist. Für die Mitarbeiter und die erste Führungsebene in den
Betrieben trifft dies auf jeden Fall zu. Es besteht dennoch die Gefahr, sich in
Stresssituationen der Probleme durch Delegation an andere zu erledigen. Hier müssen
Regelwerke den Bedrängten Unterstützung bieten. Die Unterstützung kommt in Form von
vorab überlegten Mechanismen zur Lösung einfacher Probleme und zum Erkennen von
komplexen Problemen, die einer Problemeskalation bedürfen. Standard
In Summe heißt dies nichts anderes als das tun was ein Manager zu
tun hat: Arbeit organisieren, Personen einsetzen und kontrollieren. Standardisierte
Problemlösungsblätter sind hier eine Hilfe.
Operative Umsetzung der Grundprinzipien:
Vorbereitung:
Der Leiter eines Produktions- oder Dienstleistungsbereiches muss
zuerst einmal seine Verantwortung für die Qualität bewusst übernehmen. Klare Statements
des persönlichen Beitrages zur Qualität , diese schriftlich abgefasst und den
Mitarbeiten bekannt gegeben sind der erste Schritt. Eindeutige Regelungen der
Verantwortlichkeiten zur Qualität folgen. Danach muss Transparenz über die
Qualitätssituation erzeugt werden. Und schließlich ermittelt das Qualitätsmanagement
eine priorisierte Liste der aktuellen Probleme. Für diese Probleme sucht das Management
nach den geeigneten Stellhebel. All diese Vorbereitungen münden ein in einen Workshop,
bei dem eine Bilanz über die anstehenden Herausforderungen und den eingeleiteten
Aktivitäten erstellt wird. Die Bilanzbetrachtung erfolgt in strukturierter und
standardisierter Form. Eine Stellhebelcheckliste ist hierbei für die systematische
Abarbeitung der Problemursachen von großem Nutzen
Stellhebel-Checkliste:
In dieser Checkliste sind die Stellhebel aufgelistet, die bedeutend
für die Erhöhung der Qualität sind. Die Checkliste umfasst Themenfelder aus dem Bereich
Fehlererfassung / -dokumentation, Berichtswesen, Kommunikation, Problem- und
Fehlereskalation, Problem-/Konfliktlösung, technische Methoden und organisatorische
Regelungen.
Hierarchie der Methoden zur Problemlösung:
Es gibt eine Reihe von erprobten Methoden zur Problemlösung. Sie
unterscheiden sich erheblich hinsichtlich des Aufwandes bei der Anwendung und bei der
Qualifizierung der Mitarbeiter diese Methoden anwenden zu können. Diese Methoden finden
bei unterschiedlichen Fragestellungen Anwendung, haben aber auch Grenzen ihres
Einsatzbereiches. Deshalb gilt hier die Faustformel: Grobe Prozessfehler brauchen grobe
Instrumente. Grob bedeutet hierbei Methoden. Die einfach in der Anwendung sind, wenig
Aufwand zur Vorbereitung benötigen, schnelle Verbesserungen bei gravierenden und an der
Oberfläche gut sichtbaren Probleme ergeben und die jederzeit anwendbar sind. Bei
komplexen Problemen scheitern diese Ansätze nach den ersten so sehr gewünschten
Sofortmaßnahmen und den heiß begehrten Quick Wins. Danach folgt eine Try und Error
Welle, die kaum noch Fortschritt bringt. Schließlich greift man dann doch auf
professionellere Lösungstechniken zurück. Der entstehende Aufwand wird nun akzeptiert.
Jedoch hätte dieser Schritt schon früh früher erfolgen sollen. Aber der Wunsch ganz
schnell die Probleme abzustellen führt zu Ungeduld und in Summe erhöhtem Aufwand die
Qualität zu verbessern. Abhilfe schafft hier eine Kommunikationsplattform, die aktuelle
Fehler, Kundenreklamationen, Problemstellungen aufgreift, screened und klassifiziert. Je
Aufgabenklasse gibt es dann speziell geeignete Methoden und Könner, die diese Methoden
ohne weitere Schulung anwenden können.
Nach dem Screening und Klassifizierung muss sich unbedingt der
Prozesseigner zum Auftraggeber weiterentwickeln. Nur Aufträge vom Prozesseiner ergeben
langfristig ein an der Prozessverbesserung interessiertes Management.

Die gründlichen Vorbereitungen reduzieren das Risiko
Themen liegen zu lassen oder die falschen Personen zu beauftragen. Sie verhindern aber
nicht, dass Mitarbeiter oder Teams an ihre Grenzen stoßen. Hierbei sind es die fachlichen
und die organisatorischen Grenzen, die uns Schwierigkeiten bereiten. Fachlich Grenzen
verlangen die Hinzuziehung von Spezialisten und eventuelle externen Experten, die mit
ihrem Wissen uns helfen unsere betriebliche Wissenslücke zu schließen. Wichtig hierbei
ist es, zu erkennen wo wir Unterstützung brauchen. Falscher Stolz hindert hier.
Organisatorische Grenzen ergeben sich durch die Erkenntnis, dass die
Problembearbeitung Unterstützung von Fachbereichen braucht, die ursprünglich als nicht
relevant betrachtet worden sind. Organisatorische Barrieren tun sch einem Projekt- oder
Taskforceleiter auf, wenn die ihm zugeteilten Projektmitglieder sich wenig in der
Projektarbeit engagieren. Sei es durch persönliche Erwägungen oder durch den immer noch
bestehenden Zugriff des originären Fachbereiches auf den Mitarbeiter, der für andere
dringende Themen benötigt wird.
Hier darf der mit der Problemlösung Beauftragte nicht allein
gelassen werden. Er muss die Möglichkeit haben, übergeordnete Stellen oder Manager
ansprechen zu können, die mit zusätzlich ausgestatteter Kompetenz weiterhelfen können.
Im Falle von Interessenskonflikten unterschiedlicher Parteien hilft der in der Hierarchie
weiter oben stehende erste gemeinsame Vorgesetzte schnell unter Abwägung der
unterschiedlichen und kontroversen Gesichtspunkten eine gemeinsam zu akzeptierende
Entscheidung herbei zu führen.

Q-Vereinbarungen:
Führen Probleme zu Konflikten, die eine emotionale Belastung
darstellen, geraten fachliche Argumente leicht in den Hintergrund und es treten mehr
politische Überlegungen in Vordergrund. In Stresssituationen findet man dann kaum noch
kreative Lösungen, die alle zufrieden stellen. Es hat sich bewährt, weit im Vorfeld von
Auseinandersetzungen Regelungen zu vereinbaren, wie mit kontroversen Problemsituationen
umgegangen werden soll.
Solche Regelungen beschreiben, die gegenseitigen Erwartung der
Parteien bezüglich der Produkte oder Dienstleistungen. Im Wesentlichen geht es und
quantitative und qualitative Merkmale, die es gilt einzuhalten. Wird zu ungunsten des
Leistungsempfänger von der Forderung abgewichen, muss nachgebessert werden. Es sind somit
die Modalitäten der Nachbesserung zu regeln. Wird jedoch wiederholt oder stark von der
Vereinbarung abgewichen, müssen weiterreichende Maßnahmen ergriffen werden. Dies
beinhaltet auch die Einbeziehung höhere Managementhierarchien.
Sind schließlich auch solche Korrekturmaßnahmen und
Managementeingriffe nicht mehr ausreichend, so findet sich in den Qualitäts- und
Leistungsvereinbarungen die Regelung von Sanktionen wieder.
Da die Qualitätsvereinbarungen schon früh greifen und schnell die
Eskalationsstufen aktiviert werden, gelingt es häufig die Phase der Sanktionen zu
vermeiden. Die klar geregelte Eskalation der Probleme auf die Managementebene verhindert
das Verschleppen der Probleme oder den Versuch, an der falschen Stelle das Problem zu
lösen.
Innerhalb eines Unternehmens ist der erste gemeinsame Vorgesetzte
die wichtigste Eskalationsstufe bei unterschiedlichen Positionen der Mitarbeiter, die
überfordert sind, gemeinsam tragbare Positionen zu entwickeln.
Erfahrungen
Dieser oben beschriebene Ansatz, der aus mehreren Stufen besteht,
zeigt bereits bei teilweiser Verwendung schon positive Ergebnisse. Damit sind dem von
Qualitätsproblemen betroffenen Betrieben mehrere Wege offen. Der wichtigste Schritt sich
Klarheit über Verantwortlichkeiten und der aktuellen Problempunkte zu verschaffen. Die
Zuordnung von Problempunkten zu verantwortlichen Problemlösern und eine nachhaltige
Überprüfung des Fortschrittes bei der Problemlösung dürften die wichtigsten Elemente
sein. Damit kommen wir zu einem Punkt, der mit Fehlerkultur umschrieben werden kann. Eine
der Qualität dienliche Kultur zu fordern ist eines, sie umzusetzen aber etwas anderes. In
der obigen Darstellung taucht das Wort Kultur nicht auf, da die dort beschriebenen
Vorgehensweisen nichts anders sind als eine pragmatische Qualitätskultur, die
hauptsächlich auf der Übernahme der Qualitätsverantwortung durch die Führungskräfte
beruht. Die kurze Darstellung soll deshalb den Führungskräften nur nochmals ihre
originäre Verantwortung, ihre Stellehebel und Möglichkeit in Erinnerung rufen. Der
Aufruf wird durch eine einfache Folge von Schritten zu operativen Umsetzung durch die
Führungsaufgabe instrumentalisiert. Weitere Aktivitäten müssen nun fallweise ausgeplant
und den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden. |