1. Einleitung
Radio Frequency Identification, kurz RFID, ist das
beherrschende Thema auf Logistikkongressen in den letzten Jahren. Auch Fachzeitschriften
der Logistik befassen sich hauptsächlich mit dieser Technologie. In der Berichterstattung
werden insbesondere die technologische Komponente sowie deren Einsatzmöglichkeiten
betont. Dabei wird ein wichtiger und pragmatischer Ansatz vernachlässigt. Die Frage,
welche Strategie der Unternehmer bezüglich der RFID wählen sollte, muss stärker in den
Vordergrund rücken. Ziel dieses Artikels ist es, einen Überblick über den von uns
entwickelten Leitfaden zu geben, mit dem Unternehmen über die Einführung der RFID
Technologie entscheiden können. Dazu wird eine Anleitung gegeben, wie aus den
Nutzenpotenzialen in den einzelnen Bereichen der Wertschöpfungskette und den Risiken beim
Einsatz dieser Technologie eine Strategieempfehlung abgeleitet werden kann.
2. Anwendungsmöglichkeiten der RFID-Technologie
RFID kann auf einzelnen Wertschöpfungsstufen das Zusammenspiel
von Materialfluss und Informationsfluss zwischen den einzelnen Prozessschritten
optimieren. Dies stellt hinsichtlich der zunehmenden Komplexität von Logistikketten eine
Kernbestrebung in der Logistik dar.
- Anwendungsmöglichkeiten beim Transport
- Optimierung des Behältermanagements
- Vereinfachtes Tracking&Tracing von Waren per Fernüberwachung
- Diebstahlschutz logistischer Objekte
Aus der Anwendung von RFID geht eine gesicherte Warenkette hervor.
- Anwendungsmöglichkeiten beim Wareneingang
- Wareneingangskontrolle ohne manuelles Handling
- Vollautomatische Wareneingangsbuchung, Empfangsbestätigung und
Einbuchung ins Warenwirtschaftssystem
- Vereinfachte Dokumentation des Gefahrenübergangs
Die Anwendung von RFID minimiert Fehler beim Wareneingang und
sichert den Warenübergang.
- Anwendungsmöglichkeiten bei der Lagerung
Automatische Registrierung beim Einlagern von Teilen
Transparenz über Lagermengen und Lagerorte
Effizientere Nutzung von Lagerraum
Optimierter Transportfluss innerhalb des Lagers
RFID ermöglicht das Funktionieren intelligenter Planungssysteme,
worin der Kern effizienter Lagerhaltung liegt. Daraus resultiert eine Möglichkeit zur
Lagerreduktion.
- Steuerung der Produktionsprozesse
- Überwachung der Arbeitsprozesse
RFID erschließt eine wertvolle Informationsquelle
über den Status in der Produktion.
- Anwendungsmöglichkeiten beim
Vertrieb
Optimierte Verfügbarkeit von Waren
Präzises CRM-Management
RFID stellt dem Vertrieb eine vollautomatische
Informationsbasis zur Verfügung.
RFID kann als Rationalisierungsmittel betrachtet werden, das
durch die Automatisierung ganzer Prozesse zu enormen Kostenreduktionen und
Umsatzpotenzialen führen kann.
Sollten beim Thema RFID alle relevanten Geschäftspartner über die
Unternehmensgrenzen hinweg eine einheitliche Sprache sprechen, kann dies enorme Potentiale
entlang der gesamten Wertschöpfungskette generieren.
3. Risiken und Herausforderungen beim Einsatz von RFID
Den durch die zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten entstehenden
Nutzenpotenzialen für Unternehmen stehen in der Praxis verschiedene Risiken gegenüber.
Unternehmen müssen sich derer bewusst sein, bevor sie über eine Strategie beim Einsatz
von RFID entscheiden. Aus den Erfahrungen bisheriger Praxiseinsätze lassen sich fünf
Herausforderungen bestimmen:Der Einsatz von RFID zur Optimierung des Supply Chains ist für Unternehmen nur
sinnvoll, wenn sich der Nachweis der Wirtschaftlichkeit führen lässt. Eine
Wirtschaftlichkeitsrechnung hängt, wie bei jedem Projekt, von den zu erwartenden
Cashflows bzw. Einsparungen und den Investitionen ab. Trotz einer notwendigen
Einzelfallbetrachtung der zu erwartenden Einsparungen lassen sich Trends beobachten. Zum
einen besteht durch den hohen Automatisierungsgrad der westlichen Industrie, eine geringe
Bereitschaft, Prozesse zu verändern und bestehende
Technologien abzuschreiben. Trotzdem werden im Einzelfall sowohl die lang- als auch die
kurzfristigen Potenziale quantifiziert und realisiert. Zum anderen nutzen verschiedene
Unternehmen die Technologie, um sich als Technologieführer zu positionieren.

Abbildung
1, Indexierte Kosten von RFID Chips und Scanner, eigene Darstellung nach McKinsey Akzente
33 (2004)
Bei der Identifikation von Investitionskosten müssen neben Kosten
für Transponder und Scanner auch Softwareentwicklungen, Kosten für Datenbank oder
Datawarehouse-Systeme sowie Integrations- und Beratungsleistungen berücksichtigt werden.
Viele technische Probleme, wie z.B. der Einsatz von RFID im
Bereich von Flüssigkeiten, sind heute noch unzureichend gelöst. Unternehmen sollten die
in ihrem Bereich notwendige Lesegenauigkeit ermitteln und davon ableiten, in welchem
technischen Stadium sie in die Technik einsteigen.
Wie bei fast jeder neuen Technologie ist die Frage der
Standardisierung von RFID Technologie umstritten. Dabei konkurrieren nationale und globale
technische Standards, industriespezifische Standards, Quasistandards führender
Technologieprovider und die Standards der Logistikindustrie. Trotz der Etablierung des
EPCglobal bleibt die Frage bestehen, in wiefern sich bereits existierende geschlossene
RFID Systeme in diesen Standard einpassen.
Die Integration von RFID in die bestehende IT-Landschaft des
Unternehmens muss sichergestellt werden. Um mögliche interne Widerstände zu überwinden,
sollten Unternehmen bei der Investition in RFID-Technologie überlegen, nicht nur auf
eigene Ressourcen zu vertrauen, sondern zusätzlich externe Hilfe zu holen. Diese kann
sicherstellen, dass nicht nur die Komplexität der IT-Systeme ausreichend berücksichtigt
wird, sondern auch die Organisation durch ein effektives Change-Management mit einbezogen
ist.
Bevor Unternehmen die RFID-Technik im direkten Kundenkontakt
einsetzen, sollten sie sich Lösungen für den Bereich Datenschutz überlegen und den
Kunden ausreichend aufklären. Damit sich die vermeintliche Innovationsführerschaft nicht
zum Marketing- GAU wandelt, sollten Unternehmen alle Aspekte des Datenschutzes beachten.
4. Strategieempfehlung
Bei der Entscheidung über die Implementierung von RFID gibt es
keine einheitliche Strategieempfehlung. Eine Empfehlung, wie mit der Technologie
umgegangen werden soll, muss auf die individuelle Situation eines jeden Unternehmen
abgestimmt werden.
Es macht Sinn, eine Nutzenbeurteilung sowie eine Risikobeurteilung
als Basis für die Strategieempfehlung zu generieren.
Die Ergebnisse der Nutzen- und Risikobeurteilung resultieren in vier
strategischen Möglichkeiten:

Die Strategie sollte daraufhin ausgerichtet sein, grosse Mengen
an Geld und Zeit in RFID zu investieren. Ziel kann eine Positionierung als
Innovationstreiber durch Marktführerschaft beim Einsatz von RFID sein.
Man sollte man sich bereits mit der Technolgie und deren
Anwendungsmöglichkeiten beschäftigen, jedoch auf geringere Kosten und Standardisierung
warten, um das Risiko minimieren zu können.
Man sollte Markt und Etwicklung beobachten und abwarten, ob sich
das Nutzenpotenzial durch Veränderungen im Unternehmen beziehungsweise Veränderungen in
den Anwendungsmöglichkeiten von RFID vergrößert.
Das Unternehmen sollte seine begrenzten Ressourcen nicht für
die Implementierung von RFID verwenden. Trotzdem ist zu empfehlen, die Entwicklung von
RFID trotzdem weiterhin zu beobachten.
Wenn sich auf Basis der Nutzen-Risikobeurteilung das entsprechende
Unternehmen zur Einsetzung von RFID entscheidet, ist es essentiell, die Implementierung
sorgfältig zu planen und durchzuführen.
5. Fazit & Ausblick
Wird also dieser Trend im Bereich RFID das Ende der bewährten
Barcode-Technik bedeuten? RFID stellt eindeutig die flexiblere und funktionalere
Alternative dar, aber laut RFID-Experten wird es auch künftig immer noch billiger sein,
auf Produkte im Low-Cost-Segment den Barcode aufzudrucken. Die komplexe Funktionalität
von RFID wird nicht in allen Bereichen erforderlich sein. Eine detaillierte Betrachtung
des einzelnen Falls ist notwendig, um über den Einsatz von RFID im Unternehmen zu
entscheiden.
Abschließend kann festgestellt werden, dass der Einsatz von RFID
eine nüchterne Analyse der wirklich zu realisierenden Wertschöpfungspotenziale
erfordert. Es wird immer Anwendungsbeispiele geben, die auf mittlere und längere Frist
kaum einen positiven Effekt erreichen können. Jedoch sollten sich Unternehmen frühzeitig
strategisch positionieren, sich überlegen, wie sie zu der Technologie stehen und wo
Nutzenpotenziale und Risiken liegen könnten, denn RFID und die Integration aller
Wertschöpfungsstufen in die Technologie wird unaufhaltsam an Bedeutung gewinnen. Das
Thema RFID zu ignorieren, ist keine Option RFID wird die Zukunft des
Supply-Chain-Managements mitbestimmen. |