| 1 Hintergründe Der Begriff "Schlanke Produktion" wurde im Team von Jim Womack, Dan
Jones und Dan Ross im International Motor Vehicle Programm geprägt, das als "die MIT
Studie" bekannt geworden ist. In der japanischen Automobilindiustrie entspricht dem
die Bezeichnung Toyota Production System, die hier synonym verwendet wird. Das Verfahren
ist unter vielen verschiedenen Namen kopiert worden. Es zeichnet sich durch einige
revolutionäre Ausprägungen aus, die der japanischen Automobilindustrie einen derartigen
Produktivitätsschub gab, daß die übrigen Hersteller und die Zulieferer bestrebt waren,
so schnell wie möglich das System kennenzulernen und auch anzuwenden.

Bild 1: Vorteile der Schlanken
Produktion
Der zentrale Begriff ist die Vermeidung von Verschwendung (Muda),
die aber von einem auf den ersten Blick verwirrenden Umgang mit Fertigungskapazitäten
begleitet ist. So werden Vorgänge, die zur Minderung der Maschinenkapazitäten führen,
nicht sorgfältig analysiert und optimiert, sondern der bisher maximale Ausstoß als
Maßstab genommen. Es wird die Fertigung einzelner Teile angestrebt mit entsprechender
Rücksichtslosigkeit bei der Reduzierung der Rüstzahlen. Erst bei gezielter Analyse und
ganzheitlicher Betrachtung werden die Hintergründe und Auswirkungen erkennbar.
Als Originator des Toyota Production System werden Eiji Toyoda und
Taiichi Ohno angesehen. Wer immer es war, die Situation der japanischen Automobilindustrie
erzwang spezifische Maßnahmen, die überraschende Ergebnisse zeigten. Obgleich diese
Ergebnisse den herrschenden Ansichten widersprachen wurden sie akzeptiert und das
Unternehmen zog entsprechende Konsequenzen.
Kennzeichnend für die Situation des Unternehmens Toyota waren
besondere Umstände:
- Ausländische Hersteller waren vom japanischen Markt verbannt
- Der japanische Automarkt war durch die herrschende Armut sehr eng
- Um diesen engen Markt stritten sich mehrere Hersteller
- Produktionsmaschinen gab es nur für große Betriebe mit hohen Stückzahlen,
die in Japan nicht abgesetzt werden konnten
- Toyota mußte seinen Mitarbeitern eine Arbeitsplatzgarantie geben, nachdem
Überkapazitäten abgebaut waren
- Das zuständige Ministerium (MITI) verlangte, daß die Autohersteller zu einigen
wenigen Unternehmen fusionieren
Diese Situation brachte Toyoda und Ohno nicht zur Anpassung im Sinne
der Aktzeptanz und Resignation, sondern regte sie an, ihre unternehmerischen Fähigkeiten
einzusetzen und Wege zur Lösung der Situation zu suchen. Zuerst galt es, für die
überdimensionierten Anlagen eine bessere Auslastung zu bringen. Hindernis war dafür,
daß die Fertigung kleiner Lose häufiges Umrüsten erforderte. Die ersten Versuche mit
der Aufforderung an alle Mitarbeiter, die Zeiten für die einzelnen Rüstvorgänge zu
reduzieren, waren so erfolgreich, daß sich daraus eine Produktionsmethode entwickelte,
die bahnbrechende Ergebnisse hat. In der Folge wurden, aufbauend auf diesen Erkenntnissen,
neue Verfahren für Betriebe entwickelt, die nur bedingt für die schlanke Produktion
geeignet sind (Fraktale Fabrik, Vital Enterprise usw.) Die Schlanke Produktion wird aber
nach wie vor besonders im Autobau angewandt oder sogar neu eingeführt.
Für die Schlanke Produktion oder das Toyota Production System gibt
es keine geschlossene Theorie oder ein Verfahren, das man ohne eigene Kreativität
einführen kann. Es sind vielmehr die Grundsätze und Methoden, die zu den verschiedenen
Ausprägungen führen.
Die Grundsätze sind, vereinfacht ausgedrückt:
1.) Es wird nur das erarbeitet, was benötigt wird und nur zu dem
Zeitpunkt, wann es benötigt wird, das gilt für die Menge, für die Organisation und für
die Produkteigenschaften, alles andere ist Verschwendung. (Wir wollen das als abnehmerorientierte
Produktion bezeichnen).
2.) Zu jedem auftretenden Fehler werden mit hoher Priorität die
Ursachen gesucht und Lösungen erarbeitet, den Fehler zu beseitigen (Diese nennen wir fehlerfreie
Produktion. Sie geht über Zero Defect hinaus).
3.) Alle Mitarbeiter und auch die externen Zulieferer sind
aufgefordert, die Produkte und Verfahren ständig zu verbessern, und partizipieren am
Betriebsergebnis (Wir verwenden hier den Begriff optimale Produktion).
Zur Realisierung dieser Grundsätze sind verschiedene Methoden
entwickelt, die ebenso Bestandteil der Schlanken Produktion sind. Diese Methoden werden in
den folgenden Beiträgen erläutert.
Die wichtigsten sind, wobei wir weitgehend die eingeführten
Ausdrücke verwenden, auch wenn sie im atlantischen Bereich häufig nicht exakt im
eigentlichen Sinn des Toyota Production System begriffen werden:
- KANBAN als Hilfsmittel zur Just in Time Production, die den
zeitlichen und
mengenorientierten Aspekt der abnehmerorientierten
Produktion betrifft.
- KAI ZEN, das zur ständigen Anpassung an die jeweilige Situation
anregt und als
permanenter Prozeß zu begreifen ist.
- Management by View, daß alle Abläufe so gestaltet werden, daß
man
Unregelmäßigkeiten durch hinsehen erkennt.
- Narrensicherheit (Poka Yoke) mit der man alle Abläufe möglichst
fehlersicher
gestaltet.
- Quality Circle, die freiwillige Bereitschaft, im Team Abläufe zu
verbessern
- Jidoka mit dem ein Vorgang gestoppt wird, wenn erkannt wird, daß
er fehlerhaft
abläuft.
2 Unterschiede zu Taylorschen Methoden
Ein wesentliches Element der Schlanken Produktion ist, daß die
einzelnen Komponenten ineinandergreifen und dadurch Sachzwänge geschaffen werden, die zur
Befolgung der Grundsätze führen. Zum Beispiel erzwingt die Just in Time Produktion
weitgehend fehlerfreie Anlieferung der Bauteile und damit höhere Qualität.
Weiterhin ist auffällig, daß die Kooperation mehrerer Instanzen
oder Organisationseinheiten ein wesentliches Element ist, was zum Abbau der Bürokratie
und zur Verteilung der Verantwortung auf die einzelnen Mitarbeiter führt. Das trägt zur
gegenseitigen Anerkennung und Verantwortungsbewußtsein bei.
Ein signifikanter Unterschied gegenüber dem Taylorismus ist, das
nicht der Output in der Menge zählt (Schubprinzip), sondern die exakte Bedienung der
Abnehmerwünsche (Zugprinzip). Grundlage hierfür ist die Erkenntnis, daß man nicht durch
Arbeit Werte schafft, sondern durch die Bedarfsdeckung.
Fehler werden bei der Schlanken Produktion in der laufenden
Produktion beseitigt, notfalls mit Anhalten der Produktion durch den Mitarbeiter, der den
Fehler entdeckt, was für eine herkömmliche Fertigung mindestens der Entscheidung der
Schichtaufsicht bedarf. Trotzdem zeigt sich auch in Europa, daß mit dem herkömmlichen
Verfahren die Ausfallzeit der Fertigung höher ist als in der Schlanken Produktion.

Bild 2: Unterschied der Grundsätze
Transportbänder, auf denen Werkstücke zu einer Reihe von
mehreren Mitarbeitern transportiert werden, damit diese sich willkürlich die Teile
nehmen, die sie bearbeiten wollen, sind absolut verpönt.
Das Toyota Production System ist als die Schlanke Produktion ohne
wesentliche Probleme im westlichen Bereich einsetzbar. Toyota hatte sich nach einer
Erprobungsphase bei Nummi, dem gemeinsamen Unternehmen von General Motors und Toyota,
entschlossen auch in Amerika Fabriken mit dem Toyota Produktionssystem zu erstellen.
Als Ergebnis bewirkt die Schlanke Produktion gegenüber
tayloristischen Verfahren
weniger Ausschuß,
geringeren Lagerbestand,
geringere Herstellungskosten und
schnellere Reaktion auf geänderte Marktänderungen.
3 Elemente der Schlanken Produktion
3.1 Reduzierung der Verschwendung
Verschwendung und deren Reduzierung ist eines der zentralen
Anliegen der Schlanken Produktion. Als Verschwendung wir alles angesehen, was nicht
unmittelbar dem abzusetzenden Produkt dient oder dessen Kosten ohne Aussicht auf einen
adäquaten Mehrerlös erhöht. Vereinfacht wird gesagt, daß diese Aktivitäten keine
Werte schaffen. Dazu gehören neben Abfall auch Funktionen des Produktes, die vom Kunden
nicht genutzt werden, alle Tätigkeiten, die nicht zur Fertigung gehören, Lagerbestände
usw. Es wird akzeptiert, daß man Verschwendung in dieser Definition nicht vollkommen
beseitigen kann, der Druck, sie zu verringern, soll aber aufrecht erhalten werden.
Zur Vermeidung der Verschwendung gehört im ersten Schritt, daß
Verschwendung erkannt wird. Eine wichtige Methode ist hierzu das Managment by View,
mit dem aufgedeckt wird, wo Verschwendung durch fehlerhafte Produktion, Lagerbestände,
nicht synchronisierte Fertigung und Umwege entstehen.
Mehrere Methoden haben die Aufgabe, Verschwendung zu vermeiden.
Hierzu gehört in erster Linie das Konzept der sogenannten Quality Circle als
Mittel zur Ermittlung von Verbesserungen. Weiterhin dient die Methode Just in Time
dazu, Bestände zu reduzieren und Störungen im Produktionsablauf zu ermitteln.
Eine weitere, für die tayloristischen Betriebe ungewohnte Methode
ist Jidoka. Diese Methode ist dadurch gekennzeichnet, daß eine Produktionsanlage
oder ein Vorgang angehalten wird, wenn eine Unregelmäßigkeit oder ein Fehler entsteht.
Die Anlagen werden entweder automatisch gestoppt oder durch den Mitarbeiter, der den
Fehler entdeckt, z.B. durch eine Reißleine (Bei Porsche hat diese Leine den Spitznamen
Wendelinleine nach dem Vornamen des Vorstandsvorsitzenden, was zeigt, wie überraschend
diese Methode selbst für erfahrene Autobauer ist). Damit können die Ursachen von Fehlern
exakter geklärt werden. Interessant ist, daß mit dieser Methode die Ausfallraten der
Anlagen nicht steigen, sondern nach den vorliegenden Erfahrungen sogar reduziert werden.
Vor Allem kann man sich bei der Fehlersuche auf die nähere Umgebung des Punktes
konzentrieren, bei dem der Fehler entdeckt wurde.
3.2 Mitarbeiterorientierung
Die Mitarbeiter erhalten in der Schlanken Produktion erheblich
mehr Verantwortung und Freiheit als in tayloristschen Strukturen. Inbesondere ist hier
auch die Teamorientierung wichtig, nicht nur, weil die Mitarbeiter sich bei der
Ideenfindung verstärken, sondern auch aus der Erkenntnis heraus, daß der Mensch eher
geneigt ist, eine Entscheidung zu fällen, wenn sie von einem Team akzeptiert wird. Der
Koordination des Teams dient die gemeinsame Zielsetzung, die durch Zielanreizsysteme
unterstützt wird.
Zur Verringerung der Verschwendung wird angestrebt, möglichst viele
Aktivitäten in der Produktion zu konzentrieren. Das bedeutet, daß Verantwortung und
Entscheidungsbefugnis im hohen Maße auf die unteren Hierarchieebenen in der Produktion
verlagert und der planende Überbau reduziert wird. Das bedeutet aber auch, daß an die
Mitarbeiter höhere Anforderungen gestellt werden, als in der Tayloristischen Struktur.
Die Arbeitskräfte können nur erkennen, daß ihre Arbeit wertvoll ist, wenn Mitarbeiter
ausschließlich dazu eingesetzt werden, eine noch höhere Wertschöpfung der Produkte zu
erreichen.
Wichtiges Element der Schlanken Produktion ist, den
größtmöglichen Nutzen aus der aktuellen Personalsituation und den beschäftigten
Arbeitskräften zu ziehen. Es wurde ein System aufgebaut, bei dem besonderes Gewicht auf
die menschlichen Belange, insbesondere auf folgende Punkte gelegt wurde:
1.) Ausschaltung von unnötigen Tätigkeiten der Arbeiter
2.) Beachtung der Arbeitssicherheit und
3.) Selbstentfaltung der Fähigkeiten der Arbeiter durch Übertragung von größerer
Verantwortung und Autorität.
Außerdem wird angestrebt, die Arbeitskräfte von manuellen
Tätigkeiten zu befreien, die physiologisch für Menschen nicht geeignet sind.
Gefährliche, gesundheitsschädigende, monoton sich wiederholende wie auch körperlich
schwere Arbeiten werden mechanisiert, automatisiert und die Mitarbeiter von dieser
Tätigkeit befreit.
Ebenso abgebaut werden Tätigkeiten des Mitarbeiters als Ergebnis
von Schwierigkeiten und Fehlern. Durch konsequentes Anwenden von Jidoka wird diese Art von
überflüssigen Aktivitäten stark reduziert.
Heute ist es ein internationales Anliegen geworden, den Mitarbeiter
aktiv am Betrieb und der Weiterentwicklung der Produktionsstätten teilnehmen zu lassen
und in die Lage zu versetzen, seine Fähigkeiten voll zu entfalten. Ein erster Schritt in
dieser Richtung ist das Recht und die Pflicht aller Arbeiter in der Produktion, die
Produktionslinie, an der sie arbeiten, anzuhalten, wenn irgendwelche Unregelmäßigkeiten
entstehen, z. B. wenn der Mitarbeiter sich außerstande fühlt, Schritt zu halten, oder
wenn er ein falsches oder fehlerhaftes Teil entdeckt. Der zweite Schritt ist, daß in
allen Produktionsstätten die Mitarbeiter über die Auftragsreihenfolge, in der die
Einzelteile hergestellt werden sollen, und über den Stand des Produktionsfortschrittes
informiert sind. Deshalb wird die tatsächliche Entscheidungsautorität über die
Arbeitseinteilung und Überstunden an das Team delegiert, und dadurch wird es jedem Team
gestattet, Produktionsaktivitäten zu entfalten ohne Anordnungen der Betriebsleitung. Der
dritte Schritt ist, daß jeder Arbeitnehmer das Recht hat eine Verbesserung eines
Nachteils, den er feststellt, vorzunehmen. Mit der Methode Just in Time werden alle
Prozeßstufen und Werkstätten so gestaltet, daß bei übersehenen Schwierigkeiten das
Band sofort stillsteht und damit die ganze Fabrik beeinträchtigt wird. Dadurch kann die
Notwendigkeit für Verbesserungen von jedem leicht eingesehen werden. Mit der Methode
Management by View werden Arbeitsplätze so eingerichtet, daß Schwierigkeiten und
Unstimmigkeiten sofort sichtbar sind. Damit erkennen die Mitarbeiter die eigenen Reserven
für Verbesserungen und die Akzeptanz für derartige Maßnahmen steigt.
Ein weitere Aspekt, nämlich die höheren Ansprüche der
Nachkriegsgeneration an die Arbeitsumgebung gegenüber der Gründergeneration ist hier
nahtlos zu integrieren.
Außerdem werden in der Erkenntnis, daß der Mensch nicht fehlerfrei
arbeitet, alle Vorgänge so gestaltet, daß sie möglichst auch bei Fehlbedienung keine
Probleme bringen.
3.3 Fertigung nach Bedarf
Fertigung nach Bedarf bedeutet, daß nur produziert, bzw.
Leistung erbracht wird, wenn ein Bedarf eines Abnehmers vorliegt. Damit wird alle
Produktion aus anderen Gesichtspunkten, z.B zur Auslastung der Anlagen, vermieden
einschließlich der damit verbundenen Probleme, wie z. B. unverkäufliche Ware.
Die erste Forderung der "Fertigung zum Bedarfszeitpunkt"
ist, daß alle Fertigungsstufen in die Lage versetzt werden, schnell genaue Kenntnis über
"erforderliche Zeit und Menge" zu gewinnen. Bei dem üblichen Produktionssystem
wird diese Forderung folgendermaßen erfüllt:
Die Produktionsvorgaben für das Produkt werden unter
Berücksichtigung der verschiedenen Einzelteil-Produktionsvorgaben und der Richtlinien
für diese Herstellungsstufen ausgearbeitet. In diesen Prozeßstufen werden die
Einzelteile in Übereinstimmung mit ihren Vorgaben hergestellt, wobei die Methode
"die vorhergehende Prozeßstufe liefert die Einzelteile an die folgende",
Anwendung findet. Hierbei wird jedoch festgestellt, daß es bei dieser Methode sehr
schwierig ist, die Produktion den Änderungen anzupassen. Um die erste Bedingung
realisieren zu können, wendet die Schlanke Produktion die umgekehrte Methode an, indem
"die nachfolgende Prozeßstufe die Teile von der vorhergehenden Stufe abruft",
anstelle daß die "vorhergehende Stufe die Teile an die nachfolgende liefert".
Hierfür gibt es folgende Begründung: "Fertigung zum Bedarfszeitpunkt" ist die
Herstellung von Teilen in den verschiedenen Prozeßstufen, in den benötigten Mengen, zum
erforderlichen Zeitpunkt zur Montage eines Fahrzeugs als Endprodukt des Unternehmens. Wenn
dies richtig ist, kann festgestellt werden, daß nur die Endmontagelinie, in der das
Fahrzeug fertiggestellt wird, diejenige Prozeßstufe ist, die exakt den erforderlichen
Zeitpunkt und die Menge, der Einzelteile bestimmt.
Demzufolge werden durch die Endmontage die notwendigen Teile zum
erforderlichen Zeitpunkt von der vorhergehenden Prozeßstufe abgerufen. Die vorhergehende
Prozeßstufe produziert dann die Teile, die von der nachfolgenden Stufe abgerufen worden
sind. Für die Herstellung dieser Teile erhält die vorhergehende Stufe die erforderlichen
Teile von der jeweils davor liegenden Stufe. Durch die Verbindung aller Prozeßstufen auf
diese Weise wird es für das gesamte Unternehmen möglich sein, die " Fertigung zum
Bedarfszeitpunkt" anzuwenden, ohne die Notwendigkeit, langwierige
Produktionsaufträge für jede einzelne Prozeßstufe auszustellen.
Die zweite Forderung der "Fertigung zum Bedarfszeitpunkt"
ist, daß alle Stufen den Zustand anstreben, bei dem jede Stufe nur ein Stück herstellen
und weiterleiten kann und darüber hinaus - sowohl an der Maschine als auch zwischen den
einzelnen Stufen - nur ein Stück als Vorrat hat. Dies bedeutet, daß es den Prozeßstufen
in keinem Fall erlaubt ist, eine zusätzliche Menge herzustellen und eine Bevorratung
innerhalb der Prozeßstufen vorzunehmen. Deshalb muß jede Prozeßstufe den Zustand
anstreben, in dem sie nur ein Stück herstellt und weiterleitet, passend zu dem Produkt,
das die Endmontagelinie verlassen soll.
3.4 Stabilisierung der Produktion
Eine wichtige Komponente der Schlanken Produktion ist die
Vergleichmäßigung der Produktion. Das bedeutet, daß anzustreben ist,
- die Produktion ohne Zwischenfälle laufen zu lassen,
- alle Umstellungen zur Routine werden zu lassen,
- möglichst viele Teile zu standardisieren,
- eine gleichmäßige Abnahme zu erreichen.
Die Produktion soll ohne überraschende Aktivitäten ablaufen, die
den Mitarbeiter zu überhasteten und damit kostenerhöhenden Aktivitäten veranlassen.
Außerdem muß man bei schwankender Produktion Kapazitäten vorhalten, die nur selten
genutzt werden.
Angesichts der Forderung nach "Losgröße eins" erscheint
das widersprüchlich. Beide Ansätze sind aber vorteilhaft und damit steht die Forderung,
beide zu realisieren. Die Ansätze sind
- Standardisieren der Produkte unter weitgehender Verwendung
identischer Baugruppen,
- Reduzieren der Rüstzeiten, um schneller auf geänderte Nachfrage zu reagieren,
- Vermeidung von Störungen im Betrieb durch ständige Verbesserung der Anlagen und der
Produktionsverfahren
- Bei Fertigprodukten einen Vorrat vorhalten, daß die Nachfrage an zu fertigenden Teilen
einigermaßen konstant ist, aber nicht so groß, daß Störungen im Betrieb dadurch
verdeckt werden.
Auch hier zeigt sich wieder, daß die Anstrengungen sich ergänzen
und widersprüchliche Forderungen nicht einfach als unerfüllbar hingenommen werden. |