Der Beitrag ist in ähnlicher Form erschienen in: Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Handbuch Produktion
Carl Hanser Verlag , München Wien, ISBN 978-3-446-41025-1
1 Grundlagen
1.1 Allgemeines
Ein Unternehmen hat Erfolg, wenn die
Unternehmensziele erreicht sind. Alle Aktivitäten im Unternehmen müssen darum auf die
Unternehmensziele gerichtet sein. Jedem Topmanager ist aber auch die Schwierigkeit
bekannt, die Ziele des Unternehmens so den Mitarbeitern zu vermitteln, daß sinnvolle
Aktionen daraus abgeleitet werden können. Zielmanagement ist darum ein wesentlicher
Bestandteil eines ganzheitlichen Erfolgsmanagement (TSM/ Total Success Management)
Die Unternehmensziele müssen zunächst für den
einzelnen Mitarbeiter in persönliche Ziele umgesetzt werden. Diese persönlichen Ziele
müssen von den Mitarbeitern akzeptiert sein und ihnen als Leitlinie für Entscheidungen
und Aktionen dienen.
Das erfordert drei Voraussetzungen:
akzeptierte Unternehmensziele, die auf eigene Ziele
heruntergebrochen sind einschließlich der erforderlichen Zielverfolgungssysteme, die es
jedem einzelnen Mitarbeiter erlauben, nachzuvollziehen, wieweit er und sein Team die
eigenen Ziele erreicht haben,
Zielanreizsysteme, die den Mitarbeiter dazu anreizen,
im Zweifelsfall sich im Sinne der Unternehmensziele zu entscheiden
eine Informationskultur, die zur Zusammenarbeit der
einzelnen Mitarbeiter und Teams zur Zielorientierung beiträgt.
Zielmanagement besteht darum aus drei Komponenten:
Mit der Komponente Zielvereinbarung und
Zielverankerung werden akzeptable Ziele definiert und unerreichbare Ziele schnell und
sicher erkannt.
Die Zielverfolgung zeigt den Mitarbeitern und dem
Management den Erfolg der Aktivitäten.
Das Zielanreizsystem motiviert alle Mitarbeiter,
ihren Teil in Zusammenarbeit mit den anderen Mitarbeitern zur Zielerreichung beizutragen.
Das Zielverfolgungssystem hat die Aufgabe, mehrere,
teils gegeneinander wirkende Ziele gleichzeitig zu verfolgen und den Mitarbeitern zu
ermöglichen, ihre Aktivitäten so zu bestimmen, daß die Ziele optimal erfüllt werden.
Dazu werden diese Ziele gewichtet und vergleichbar gemacht, indem für die einzelnen Ziele
Budgets erstellt werden, für die auftragsabhängige Gutschriften und je nach Abweichungen
von den Zielen Belastungen erfolgen. Zum Zielanreiz werden die Salden direkt und
anschaulich in Prämien umgerechnet. Um das Verfahren anschaulicher zu machen, kann man
statt neutrale Punkte auch Währungsbeträge wählen und die Prämien direkt darstellen.
Die Budgets in Währung können identisch mit Kostenarten sein, solange keine Ziele
verfolgt werden, die unabhängig vom Rechnungswesen sind. Für solche schwer bewertbare
Ziele werden sowohl bei Verewwendung von Punkten als auch von Währungen
Umrechnungsfaktoren definiert, die es ermöglichen, sie gemeinsam mit den Kostenzielen
entsprechend der jeweiligen Gewichtung zu steuern.
1.2 Strukturvoraussetzung
- Teamarbeit muß vorhanden sein und funktionieren,
d.h. die Selbststeuerung und Selbstoptimierung ist Grundsatz der Führungskultur.
Dieses ist Voraussetzung für die weitergehende Autonomie des Teams.
- Team bekommen Budgets zugeteilt, d.h. sie dürfen
nach eigener Verantwortung im Rahmen dieser Budgets wirtschaften und ihre Arbeit
durchführen. Dies ist die höchste Form der Teamautonomie, dies stellt eine "factory
in the factory" dar.
- Die Mitarbeiter der Teams besitzen oder erhalten
eine Qualifikation in Management-Verhalten.
1.3 Mitarbeiter
Sowohl die Kultur der Teamarbeit als auch die
Philosophie des Systems stellt relativ hohe Anforderungen an die dispositiven Fähigkeiten
und die Fähigkeit zum vernetztem Denken.
Eine Zusatzausbildung in
- Kommunikation
- Konfliktbewältigung
- Betriebswirtschaft / Kostenrechnung
- Management-Verhalten
wird empfohlen.
1.4 Budgets
Teams werden in ihrem Erfolg nur an Zielpunkten
gemessen. Zu diesem Zweck werden Zielpunktbudgets eingerichtet, deren Saldo der Differenz
zwischen Zielen und Zielerfüllung repräsentieren. Budgets sind Kontokorrentkonten für
Zielpunkte, die sich aus den Meßgrößen der Ziele durch Umrechnung in Punkte ergeben.
Die Zugänge werden zielabhängig entweder direkt
verbucht oder aus den einzelnen Teamaufträgen gutgeschrieben. Die Abgänge können zum
einen aus umgerechneten Kostenbelastungen aufgrund der Aktivitäten und dem damit
verbundenen Ressourcenverbrauch kommen, zum anderen aufgrund des Erfüllungsgrades der
Bedingungen, an die jeweils Punktbeiträge aus den Teamaufträgen gebunden sind.
Die Beiträge aus den einzelnen Teamaufträgen
können unbedingte und bedingte Beiträge sein. Unbedingte Beiträge sind aufgrund einer
Vorkalkulation ermittelt und für den geplanten Ressourcenverbrauch fest bereitgestellt.
Dabei müssen sie nicht nur den direkten Auftragskosten, sondern können auch, wie zum
Beispiel Instandhaltungsbudgets, indirekten Aufwendungen entsprechen. Einheitlich ist,
daß diese Beiträge beschäftigungsabhängig im weitesten Sinne sein müssen. Bedingte
Beiträge sind von der Einhaltung gewisser Limits abhängig. Das können zum Beispiel
Abfallraten oder Termine sein, die einzuhalten ist. Die Umrechnungsformel kann auftrags-
oder teamspezifisch sein.
Analog gilt für die Belastungen, daß sie
verbrauchsabhängig (wobei der Verbrauch den einzelnen Aufträgen zugeordnet oder
auftragsneutral verbucht werden kann) oder an Bedingungen gebunden sind. Es ist möglich,
aus einem Auftrag einen festen Zugang für ein und aus dem gleichen Auftrag einen Abgang
in Abhängigkeit von Größen wie Terminüber- bzw. -unterschreitung oder Abfallmengen
Budget zu erhalten. Die Werte der Bezugsgrößen, wie Termine und Fehlermengen müssen
entweder manuell eingegeben oder von anderen Systemen bereitgestellt werden.
Durch dieses Verfahren ist es möglich,
Zielkonflikte in einer Einheit zu messen und zu beurteilen.
1.5 Ablauf des
Budgetierungsverfahrens
Das auslösende Ereignis für Aktivitäten im
Budgetierungsverfahren ist eine drohende Abweichung vom Zielwert.Damit würde das Team
Prämien einbüssen. Das Team sucht nach dem Gesamtoptimum aus den bestehende Budgets
unter Variationen der einzelnen Budgets durch verschiedene Maßnahmen und deren
Auswirkungen. Wenn das Optimum gefunden ist, werden die entsprechenden Maßnahmen
ergriffen und die Ergebnisse verfolgt.
1.6 Zielanreiz
Der Zweck des Zielverfolgungssystem ist, durch
Prämien die Aktivitäten der Mitarbeiter auf die Unternehmensziele zu lenken. Die
Prämien müssen auf der einen Seite attraktiv genug sein, um erhebliche Fortschritte in
der Produktivität und der Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen ( Hammer und Champy
sprechen von Verbesserungen in Größenordnungen, die anzustreben sind), auf der anderen
Seite müssen sie finanziert werden und dürfen darum nicht höher sein als die
angestrebten Vorteile.
Die Prämien sind als Kostenart in den
Personalkosten oder als gesonderte Kosten in der Kostenrechnung zu berücksichtigen.
An einem Rechenbeispiel wird die Methode mit Zahlen
unterlegt:
|
Die Qualitätskosten betragen zur Zeit 120 TDM/Monat
Als Prämie wird 40% der Einsparungen ausgelobt.
Das Ziel sind Qualitätskosten von 80 TDM/Monat
Der Saldo des Punktekontos beträgt bei Zielerreichung 100 Punkte
Die Prämie beträgt bei Erreichung des Zieles 160 DM/Punkt
Damit ergibt sich eine Prämie von 16 TDM/Monat
Die Einsparung beträgt 24 TDM/Monat
|
Als weiterer Vorteil kommt hinzu, daß das
Unternehmen wettbewerbsfähiger ist, also damit ein höherer Deckungsbeitrag
erwirtschaftet werden kann.
Zur Steuerung über Prämien gehört auch, daß die
einzelnen Prämien miteinander konkurrieren, um Zielkonflikte entscheidbar durch Bewertung
zu machen. Prämien können sich kompensieren, das bedeutet, daß eine Prämie auch
negativ sein kann, in Summe über alle Prämien darf allerdings keine Belastung des
Mitarbeiters durch einen Malus auf den Tariflohn entstehen.
1.9 Anforderungen an das System.
Zielvorgaben
Das Ziel des Zielverfolgungssystems ist die
Förderung der Selbstorganisation von produzierendenTeams in Fertigungsunternehmen. Wie
oben ausgeführt sollen sich die Teamziele an den globalen Unternehmenszielen orientieren.
Zur Auswahl von Maßnahmen, die die Zielerreichung unterstützen, werden den Teams Budgets
zur Verfügung gestellt, mit denen alle Zielvorgaben in einheitliche Größen umgerechnet
werden.
Mehrdimensionales Zielverfolgungssystem
Grundlage ist ein mehrdimensionales
Zielverfolgungssystem das die Zielerreichung der Teams lenken soll. Durch unterschiedliche
Budgets und die Entscheidungsfreiheit über die Verwendung der Budgets werden die
Potentiale der Mitarbeiter auf die optimale Auftragsdurchführung gelenkt.
Strukturierte Budgets
Vor der Bearbeitung eines Teamauftrags müssen
für die Fertigungsteams die jeweiligen Budgets eingerichtet sein, die aus mehreren
Teilbudgets bestehen können. Die Struktur der einzelnen Budgets kann für die einzelnen
Teams unterschiedlich sein. Eine Dynamisierung von Zielvorgaben unter Einbeziehung der
aktuellen Fertigungssituation und der globalen Unternehmensziele erfordert die Abkehr von
den heutigen relativ statischen Vorgaben.
Die Budgets werden in Form von Konten geführt, in
denen Zugänge (Gutschriften) den Abgängen (Belastungen) gegenübergestellt
und auf Anforderung saldiert werden.
Budgetbeiträge
Das Team erhält seine Vorgaben durch Teamaufträge,
die Beiträge zu den einzelnen Budgets liefern. Diese Beiträge können feste Beiträge
oder an Bedingungen geknüpft sein, z.B. Termineinhaltung, Qualitätsanforderungen u.ä.
Aus den Beiträgen werden zu den Fälligkeitsterminen die Budgetbewegungen (Zugänge und
Abgänge) ermittelt. Die Budgetbewegungen sind ausschließlich monetär bewertet. Den
Zugängen sind Belastungen durch Verbrauch von Ressourcen und durch Überschreitung bzw.
Unterschreitungen der Bedingungen für die Budgetbeiträge entgegengestellt. Diese
Budgetbeiträge repräsentieren die Ziele und bilden für das Team das Zielsystem.
Ausgangspunkt sind die teamexternen, zentralen
Planungsvorgaben (Fertigungssteuerung, Vorkalkulation usw.), aus denen sich die Gesamtheit
der Teamauftragsbeiträge ergibt. Die Daten werden in Budgets geführt, die eine
Belastungs- und Entlastungsspalte haben.
Jedes Guthaben eines Teams auf den Budgetkonten,
entweder am Ende eines Auftrags bei auftragsbezogenen Budgets oder am Ende eines
bestimmten Zeitraums bei zeitraumbezogenen Budgets bedeutet eine Kostensenkung oder
sonstige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Entsprechendes gilt für negative
Bilanzen bei Budgetkonten. Werden Budgets nicht ausgeschöpft, partizipiert das Team in
Form von Prämien, deren Verhältnis zum Budgetkonto vorher fallweise bestimmt wird. Wird
das Budgetkonto überzogen, wird auch das Prämienkonto belastet. Am Ende einer
Verrechnungsperiode wird (nach der Prämienausschüttung) das Prämienkonto wieder auf 0
gesetzt.
Prämienermittlung
Aus den saldierten Budgetkonten können Prämien
für die Teammitglieder ermittelt werden, die je nach Ergebnis des Saldos positiv oder
negativ sein können. Aus den Budgetsalden können Prämienbeiträge ermittelt werden, die
in Summe als Prämie ausgeschüttet werden. Die einzelnen Prämienbeiträge können
negativ sein, doch sollten aus tarifrechtlichen und psychologischen Gründen nur eine
positive Summen als Prämie ausgeschüttet werden. Nach der Prämienermittlung werden sie
Salden im Allgemeinen auf Null gesetzt.
Darstellungsmöglichkeiten
Die Budgetbeiträge, Formeln und Stammdaten
können angezeigt werden. Die Darstellung erfolgt in numerischen Übersichten und
graphischen Darstellungen als Projektplan. Zur Steuerung sind online-Anzeigen und
-Simulationsfunktionen erforderlich. Mit Simulationsfunktionen können die Auswirkungen
von alternativen Maßnahmen auf die Budgetentwicklung analysiert werden. Hierzu können
die Parameter, wie zum Beispiel Termine oder zusätzliche Aktivitäten variiert werden.
Kommunikationsmöglichkeiten
Die Kommunikation mit benachbarten Teams zur
Abstimmung kann durch gezielten Zugriff auf selektierte Daten des jeweiligen anderen Teams
erfolgen. Die innerbetriebliche Abstimmung zur Terminsituation und Leistungsaustausch wird
durch ein Kommunikationssystem erleichtert. Die Daten müssen der zentralen Planung und
den Kostensystemen online oder im Stapel zur Verfügung gestellt werden können.
Schnittstellen zu anderen Systemen
Die Budgetbeiträge bzw. deren Basis können
über eine Standardschnittstelle entweder direkt aus anderen Systemen übernommen werden
oder über Tastatur eigenständig eingegeben werden. Die automatische Übernahme der Daten
sowie die manuelle Eingabe erfolgen in gesonderten Modulen.
2 Fallbeispiel
2.1 Beschreibung der
Ausgangssituation
Bei den unten beschriebenen Fallbeispielen wird
folgende Ausgangssituation zugrunde gelegt:
- Dem Team "Großdrehteile" werden von der zentralen
Fertigungsplanung/-koordination Rahmentermine für die Anlieferung bzw. Ablieferung von
Bauteilen, Baugruppen bzw. Führungsteilen vorgegeben. Das Team übernimmt die Feinplanung
des Produktionsablaufs, der Produktionsplanung, dem Arbeitsbeginn und der Materialplanung
und -beschaffung .
|
Teamauftrags-ID |
Starttermin |
Liefertermin |
Zeitraum |
|
A 123 |
27.02.00 |
30.03.00 |
24 Tage |
|
A 245 |
03.03.00 |
29.03.00 |
18 Tag |
|
A 678 |
28.02.00 |
26.04.00 |
42 Tage |
|
A 901 |
25.02.00 |
17.04.00 |
32 Tage |
Tabelle 1: Beispiel für zentral vorgegebene
Planungsdaten
Das Team hat jährlich 1.000 TDM Personalkosten,
100 Aufträge /Jahr und 200 TDM Nacharbeitskosten. Außerdem sind die Aufträge im Schnitt
3 Tage zu spät fertig.
Das Ziel ist, die Personalkosten um 10 % ( = 100 TDM
) zu senken, den Nacharbeitsaufwand auf 80 TDM ( um 120 TDM ) und die
Terminüberschreitungen zu beseitigen. Alle Ziele haben die gleiche Gewichtung. Die
Prämie an die Mitarbeiter, wenn die Ziele erreicht sind, soll 30 TDM/Jahr betragen.
Im Zielverfolgungssystem werden hierfür 3 Budgets
eingerichtet, für die jeweils entsprechend der Gleichwertigkeit 10 000 Punkte als Saldo
angestrebt werden. Damit ergeben sich die Bewertungsfaktoren
Für die Personalkosten 100 Punkte / TDM.
Für die Nacharbeit 83 Punkte / TDM.
Für Terminüberschreitungen eine Gutschrift von 100 Punkten je Auftrag und eine Belastung
von 33 Punkten je Tag Verzögerung
Diese Punkte werden bei Auftragsende entsprechend
der Vorkalkulation gutgeschrieben.
2.2 Fallbeispiel
Terminverzug
Die Auftragsfortschrittkontrolle bzw. die BDE im
Team Großdrehteile signalisiert einen Terminrückstand beim Auftrag A901 um 10 Tage. Der
Terminverzug eines Auftrags bewirkt bei einem spezifischen Abgang von 33 Punkte je Tag
Terminverzug 330 Punkte Belastung für das Terminbudget des Teams. Das Team muß die
bestehende Fertigungsplanung für den betroffenen Auftrag kurzfristig ändern um einen
Prämienverlust zu vermeiden. Denkbare Handlungsalternativen wären z.B.:
Überstunden
zusätzliche Arbeitskräfte ("Leiharbeiter"
aus anderen Teamen)
Umschichtung der Auftragsfolge/Kapazitäten
Zurückstellung eingeplanter Wartungsarbeiten
Terminänderungen von Rüstarbeiten
usw.
Die entsprechenden Budgetsalden sehen am 29.02.00 wie folgt aus:
Personalkosten |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
16000 |
14600 |
1400 |
Nacharbeit |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
13280 |
10600 |
2680 |
Terminüber-
schreitung |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
2000 |
1230 |
770 |
Gesamt |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
31280 |
26430 |
4850 |
Jede Handlungsalternative hat, abgesehen von der
Verbesserung der Terminsituation für den Auftrag A901, natürlich auch Auswirkungen auf
die anderen anstehenden Aufträge. Überstunden und zusätzliche Arbeitskräfte kosten
Geld und belasten das Budget für Arbeitskräfte. Umschichtungen der
Auftragsfolge/Kapazitäten kann zu einem Terminverzug anderer Aufträge führen. Dabei
kann es sich auch um Aufträge handeln, deren Terminverzug teurer ist als beim Auftrag
A901 und zu einer höheren Belastung des Prämienkontos führt. Die Zurückstellung von
Wartungsarbeiten führt u.U. zu einem Maschinenausfall oder einer Qualitätsminderung.
Die Handlungsalternativen, die mit Kosten bzw. mit
Auswirkungen auf die Terminplanung verbunden sind, können im Entscheidungshilfe-Modul
simuliert werden. Dem Team werden
- die Auswirkungen auf das Prämienkonto
- der Einfluß der Maßnahme auf andere Budgetkonten
- die Änderung der Terminsituation für die anstehenden
Aufträge
aufgezeigt.
Im Beispiel werden folgende Handlungsalternativen
mit dem Entscheidungshilfe-Modul bewertet:
1. Für den Auftrag A091 arbeiten 2 Mann 1 Schicht
zusätzlich: 1280.- DM Personalkosten, andere Arbeitsgänge werden ohne Auswirkungen auf
den Termin verschoben.
2. Auftrag A901 vorziehen, Aufträge A245 und A678
verspäten sich um jeweils 4 Tage
Die Simulation liefert folgende Ergebnisse:
Alternative 1 : Keine Aktivitäten
Personalkosten |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
16000 |
14600 |
1400 |
Nacharbeit |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
13280 |
10600 |
2680 |
Terminüber-
schreitung |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
2000 |
1230 |
770 |
Auftrag 901 |
|
330 |
|
| |
2000 |
1560 |
440 |
Gesamt |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
31280 |
26430 |
4850 |
Auftrag 901 |
|
330 |
|
| |
31280 |
26760 |
4520 |
Alternative 2 ( 2 Mann 1 Schicht zusätzlich:
1280.- DM Personalkosten)
Personalkosten |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
16000 |
14600 |
1400 |
Maßnahmen |
|
128 |
|
| |
16000 |
14728 |
1272 |
Gesamt |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
Ohne Maßn. |
31280 |
26430 |
4850 |
Maßnahme |
|
128 |
|
Mit Maßn. |
31280 |
26558 |
4722 |
Alternative 3: Auftrag vorziehen, 2 Aufträge
verspäten sich um jeweils 4 Tage
Terminüber-
schreitung |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
2000 |
1230 |
770 |
2 Aufträge |
|
264 |
|
| |
2000 |
1494 |
506 |
Gesamt |
Summe
Zugänge Punkte |
Summe
Abgänge Punkte |
Saldo
Punkte |
| |
31280 |
26430 |
4850 |
2 Aufträge |
|
264 |
|
| |
31280 |
26694 |
4586 |
Zusammenfassung:
Alternative 1: |
4520 Punkte |
Alternative 2: |
4722 Punkte |
Alternative 3: |
4586 Punkte |
Basierend auf diesen Informationen entscheidet das
sich Team für die Alternative 2, da sie den größten Budgetüberschuß ergibt.
3 Simulationsparameter
3.1 Zieldefinition
Die Ziele des Betriebes werden durch Budgetwerte
dargestellt. Diese Budgetwerte leiten sich von direkt meßbaren Größen ab, den direkten
Meßgrößen. Durch Umrechnung werden daraus Beträge ermittelt, die als Zu- und Abgänge
in die Budgetkonten eingehen.
Vor der Übernahme eines Zieles in das
Zielverfolgungssystem muß sichergestellt werden, daß diese Meßgrößen verfügbar sind,
entweder durch direkte Übernahme aus einem bestehenden System oder durch manuelle Eingabe
als Ausweichmöglichkeit. Ist diese Meßröße nicht verfügbar, kann das Ziel nicht in
das Zielverfolgungssystem aufgenommen werden.
Die Meßgrößen sind allgemeinverständliche Werte,
die aus verschiedenen Quellen, wie zum Beispiel Kostenrechnung, Kalkulation,
Qualitätsstatistik und so weiter herangezogen werden. Die Ziele können sich in Größen
ausdrücken, die nicht unmittelbar bewertbar sind. Demgemäß unterscheiden wir
Kostenziele, leicht quantifizierbare oder bewertbare Ziele und schwer quantifizierbare
oder bewertbare Ziele. Einfach quantifizierbare Ziele sind Ziele, für die sich bezüglich
des zugrundeliegenden Mengenansatzes (Mengengerüst) verhältnismäßig leicht eine Ziele
definieren läßt. Insgesamt gesehen sind diese Ziele durch einfache Größen zu
beschreiben. Lassen sie sich auch noch durch monetäre Größen, also in DM, bewerten,
handelt es sich um leicht bewertbare Ziele.
Bei schwer bewertbaren Ziele handelt es sich um
Effekte, die sich erst aus Umrechnungen und meist auch betriebswirtschaftlich wenig
fundierten Annahmen und Schätzungen ergeben; zum Beispiel Qualifikation der Mitarbeiter
oder die Arbeitstiefe. Für die Quantifizierung dieser Ziele sind Hilfsgrößen zu
ermitteln, die teilweise sogar durch eine subjektive Einschätzung bestimmt werden. Diese
Ziele können aber wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens sein.
Zur Budgetbildung sind diese Ziele, besonders wenn
sie monetär bewertet sind, in Punkte umzurechnen. Dazu werden Umrechnungsfaktoren
gebildet, die durch die Form Meßgröße * Faktor gekennzeichnet sind.
Ziele |
direkte Meßgrößen |
Umrechnung |
Quelle der Meßgrößen |
| A.
Kostenziele: |
|
|
|
| A.1 Produktivität erhöhen |
Aufwand (DM) entsprechend Vorkalkulation |
Punkte / DM |
Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation |
| |
Aufwand (DM oder Stunden) / Umsatz (DM) |
Punkte / DM |
Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation |
| A.2
Fertigungskosten senken |
Fertigungskosten (DM) entsprechend Vorkalkulation |
Punkte / DM |
Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation |
| A.3
Materialkosten senken |
Materialkosten (DM) entsprechend Vorkalkulation |
Punkte / DM |
Nachkalkulation bzw. mitlaufende Kalkulation |
| A.4
Maschinenkosten senken |
Maschinenkosten (DM) / Stunde |
Punkte / DM |
Ermittlung der Madchinenstundensätze aus dem BAB |
| B. Auftragsbezogene, leicht quantifizierbare Ziele: |
|
| B.1
Qualität |
|
Punkte / S (DM je Stck) |
Qualitätsstatistik |
| |
Anzahl Reklamationen (Stück) der Kunden |
Punkte / S (DM je Stck) |
Qualitätsstatistik |
| |
Anzahl Reklamationen (Stück) der QC |
Punkte / S (DM je Stck) |
Qualitätsstatistik |
| |
Aufwand (DM) Nacharbeit |
Punkte / S (DM je Stck) |
Kostenstellenrechnung, extrahiert nach Perioden |
| B.2
Termintreue |
Tage Verzug |
Punkte / Tag |
Werkstattsteuerung |
| |
Tage Verzug * Kosten (DM) |
DM/(Tag* DM) |
Werkstattst. in Verbindung mit Vorkalkulation |
| |
(Tage Verzug * Kosten (DM)) aufgeholt |
DM/(Tag* DM) |
Werkstattst. in Verbindung mit Vorkalkulation |
| C. Auftragsneutrale, leicht bewertbare Ziele: |
|
| C.1 Ergebnisverbesserung |
Ergebnis (DM) je Abrechnungsperiode |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung, extrahiert nach Perioden |
| C.2 Umsatzsteigerung |
Umsatz (DM) je Abrechnungsperiode |
Punkte
/ DM |
Finanzbuchhaltung |
| C.3 Bestandssenkung |
Bestandswert (DM) pro Umsatz (DM) je Periode |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| |
Bestandswert (DM) |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| |
Bestandswert (DM) pro Wertschöpfung (DM) je Periode |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| C.4 Betriebsstoffverbrauch |
Verbrauch (DM) je Periode |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| senken (nach Art, z.B. |
Verbrauch (DM) je Umsatz |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| Schmierstoffe. Werkzeuge Maschinen, Reparaturen) |
Verbrauch (DM) je Fertigungsstunde |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| |
Verbrauch (DM) je Einheit Wert-
schöpfung (DM) |
Punkte
/ DM |
Kostenstellenrechnung |
| D. Auftragsneutrale, leicht quantifizierbare Ziele: |
|
| D.1 Durchlaufzeiten reduzieren |
Std. je Auftrag |
Punkte
/ Std. |
Werkstattsteuerung |
| |
Std. je Auftragswert (DM) |
Punkte
/ (DM * Std.) |
Werkstattsteuerung |
| D.2 Fehlzeiten senken |
Durchschnittliche Fehlzeit (Std.) je Mitarbeiter |
-
Punkte / Std. |
Personalinformations-
system |
| D.3 Rüstaufwand senken |
Std. je Rüstvorgang (Stück) |
Punkte
/ Std. |
Betriebsstatistik |
| |
Rüstvorgänge (Stück)/ Periode |
Punkte
/ Stück |
Betriebsstatistik |
| |
Rüstkosten (DM) je Periode |
Punkte
/ DM |
Betriebsstatistik |
| D.4 Flächenbedarf senken |
m² |
Punkte
/ m² |
manuell ermittelt |
| |
m² je Mitarbeiter |
Punkte
/ m² |
manuell ermittelt |
| |
m² je Arbeitsplatz |
Punkte
/ m² |
manuell ermittelt |
| |
m² je Umsatz |
Punkte
/ m² |
manuell ermittelt |
| D.5 Ausfallzeit senken |
Ausfallzeit / Periode |
Punkte
/ Std |
Betriebsstatistik |
| (nach Art, z..B. Werkzeuge, Maschinen, |
Ausfallzeit je Betriebsstunden |
Punkte
/ Std |
Betriebsstatistik |
| Reparaturen) |
Ausfallzeit je Wertschöpfung (DM) |
Punkte
/ Std |
Betriebsstatistik |
| E Auftragsneutrale, schwerer bewertbare Ziele: |
|
|
| E.1 Erweiterung Arbeitsinhalte |
Anzahl Arbeitsplatzeinsätze (Stück) je MA |
Punkte
/ Stück |
Betriebsstatistik |
| E.2 Qualifikation verbessern |
mögliche Arbeitsplätze (Stück) je MA |
Punkte
/ Stück |
Betriebsstatistik |
| |
mögliche Punkte aus einem Qualifizierungskatalog |
Punkte
/ Punkt |
Betriebsstatistik |
| E.3 Produktionsflexiilität erhöhen |
x Tage vor Beginn kostenneutrale Änderung |
Punkte
/ Tag |
Betriebsstatistik |
| E.4 Zeitflexibilität |
Streuung der Anwesenheit (Std./Tag Anwesenheit) |
Punkte
/ (Std/Tag) |
Personalinformations-
system |
| E.5 Kontinuierliche Verbesserung |
Anzahl Vorschläge (Stück) je Mitarbeiter/ Periode/ Gruppe |
Punkte
/ Stück |
Betriebsstatistik |
| |
Anzahl angenommener Vorschläge (Stück) je Mitarbeiter und Periode |
Punkte
/ Stück |
Betriebsstatistik |
| |
Wert der angenommenen Vorschläge (DM) |
Punkte
/ DM |
Betriebsstatistik |
| E.6 Arbeitsverdichtung |
Arbeitsgänge (Stück) je Produkt |
Punkte
/ Stück |
Arbeitsplansystem |
| E.7 Arbeitszufriedenheit verbessern |
subjektive Fremdeinschätzung |
Punkte
/ Pkt. |
manuelle Ermittlung |
| E.8 Kommunikation verbessern |
subjektive Fremdeinschätzung |
Punkte
/ Pkt. |
manuelle Ermittlung |
| E.9 Motivation verbessern |
subjektive Fremdeinschätzung |
Punkte
/ Pkt. |
manuelle Ermittlung |
3.2 Einbindung der indirekten Bereiche
Um mit dem System einen ganzheitlichen Ansatz zu
verwirklichen ist es unbedingt notwendig die indirekten Bereiche (Vertrieb, Marketing,
Konstruktion, AV, F&E) mit einzubeziehen und sie am Prämiensystem partizipieren zu
lassen. Dabei werden folgende Ziele angestrebt:
- Lukrative Aufträge akquirieren (Vertrieb).
- Gestaltung innovative Produkte nach Kundenbedürfnissen
(Marketing, Konstruktion, Vertrieb, F&E).
- Optimale Produktionsplanung bzw. Auftragssteuerung (AV).
- Senkung der Fixkosten (alle Bereiche).
- Verbesserung der Kommunikation zwischen direkten und
indirekten Bereichen.
- Senken der Durchlaufzeit und Lagerkosten
Dieses Ziel kann durch folgendes Prämiensystem
erreicht werden:
Vom Preis der für einen Auftrag am Markt erzielt
werden kann, wird ein Gewinnanteil, die Materialkosten die Produktionskosten und ein
Prämienanteil abgezogen. Der restliche Betrag dient zur Deckung der Fixkosten. Wenn die
Summe der Restbeträge für einen bestimmten Zeitraum (je nach Durchlaufzeit Monat,
Quartal oder Jahr) die Fixkosten im selben Zeitraum übersteigt, können die indirekten
Bereiche Prämien aus dem Überschuß erhalten. Parameter müssen so eingestellt werden,
daß nur bestimmte Obergrenzen erreicht werden dürfen, weil sonst der ganze Gewinn
abgeschöpft wird (Schaubild über Kapitalfluß). Der Prämienanteil, der abgezogen wurde,
kann benutzt werden um z.B. Prämien für Unterschreitung der Rahmentermine zu bezahlen.
Damit wird also eine Verbesserung honoriert, die für den Betrieb erst in der Zukunft
Vorteile bringt (kürzere Durchlaufzeiten können kalkuliert werden).
Marktpreis
- Gewinnanteil
- Materialkosten
- Prämienanteil
- Produktionskosten
Restbetrag
Ziel: S Restbeträge (t) > Fixkosten (t)
Das System hat folgende Auswirkungen auf die
indirekten Bereiche:
- Vertrieb
Der Vertrieb muß Aufträge akquirieren, die einen
möglichst hohen Restbetrag ergeben. Es zählt also die Qualität eines Auftrags und nicht
die Quantität. Weiterhin steigt die Wahrscheinlichkeit von Prämien für den Vertrieb
wenn er intensiv mit der Produktionsplanung (Terminsituation) und der Marketingabteilung
(schnelle Weitergabe von Kundenwünschen, kurze Reaktionszeit, wieder lukrative Aufträge)
zusammenarbeitet.
- Marketing
Der Beitrag der Marketingabteilung zur Verbesserung
der Prämiensituation besteht in der Bemühung attraktive Produkte von hoher Qualität in
Zusammenarbeit mit Konstruktion und F&E zu konzipieren. Das Niveau von
Marketingaktivitäten trägt entscheidend zur Auftragssituation des Unternehmens bei.
- AV/Zentrale Produktionssteuerung
Je schneller Aufträge durch die Produktion
geschleust werden, desto früher trägt der Restbetrag zur Deckung der Fixkosten bei und
kann der nächste Auftrag eingelastet werden. Hauptansatzpunkt ist dabei die Vermeidung
von langen Liegezeiten und Produktionswegen. Dadurch werden gleichzeitig die Lagerkosten
und die Durchlaufzeiten gesenkt.
- Konstruktion/F&E
Konstruktion und F&E können z.B. im Bereich der
Materialkosten und Vereinfachung von Montagevorgängen zur Prämienrealisierung beitragen.
Je günstiger die Material- und Produktionskosten, desto größer der Restbetrag.
- Alle Bereiche
Jeder Bereich kann durch Verbesserungsvorschläge
zur Senkung der Gemeinkosten (z.B. Energieeinsparung, Recycling/Müllkosten etc.) die
Schwelle, ab der Prämien bezahlt werden, absenken. Durch Intensivierung der Kommunikation
zwischen allen Bereichen können bereichsübergreifend und interdisziplinär neue
Lösungen zur Verbesserung der Kosten-, Auftrags- und Produktionsablaufsituation gefunden
werden.
4 Methoden der Zielvorgabe
4.1 Ableitung der Budgetwerte
Ziele werden bevorzugt zwischen den Beteiligten
vereinbart, alternativ werden sie vom Vorgesetzten vorgegeben. Ziele werden über Formeln
und deren Koeffizienten in Budgetwerte transferiert. Die Anpassung an geänderte Ziele
erfolgt über die Änderung der Ausgangswerte (Kalkulation oder Termin u.ä.) oder über
die Änderung der Budgetfaktoren.
Zu jedem Teamauftrag gibt es eine Menge von
Beiträgen zu den einzelnen Budgets. Diese Beiträge werden von dem System mitgeliefert,
daß die Teamaufträge erstellt, oder manuell dem Teamauftrag hinzugefügt.
Für Kostenziele kann der Teamauftrag
Budgetbeiträge haben, die sich aus der Vorkalkulation ergeben, und deren Einhaltung oder
Unterschreitung direkt überprüfbar ist. Gutschriften erfolgen aus den Aufträgen,
Belastungen ergeben sich aus der eigenen Kostenrechnug. Fremdleistungen, auch von anderen
Fraktalen aus dem gleichen Betrieb, werden direkt belastet.
Bei den übrigen Komponenten kann die Gutschrift
teilweise von Bedingungen abhängig gemacht werden. Die Bedingungen sind in der Liste
enthalten und werden zum Beispiel formuliert als:
Terminüberschreitungen wirken sich in Abbuchungen vom Prämienkonto
aus, die nach einer Formel ermittelt werden, z.B. Abweichung in Tagen multipliziert mit
dem Auftragswert multipliziert mit einem Faktor.
Reklamationen wirken sich ebenfalls in Abbuchungen aus, z.B. Anzahl
der Reklamationen multipliziert mit einem Faktor.
Die Ermittlung der Budgetbeiträge erfolgt durch
Formeln, die aufgrund der Daten aus dem Teamauftrag die Beiträge ergeben. Die
Umrechnungsfaktoren repräsentieren die Rangfolge der Zielgewichtung, um für wichtige
Ziele auch die höchsten Anreize zu erhalten. Wie in der klassischen Zielvereinbarung muß
die Menge der Ziele überschaubar sein. Auch sollte der Aufwand für die Bereitstellung
der erforderlichen Daten im Zielschema berücksichtigt werden.
Ausgangsbasis ist die Definition und Quantifizierung
der Ziele aufgrund der aktuellen Situation, die durch kennzeichnende Größen beschrieben
wird. Diese kennzeichnenden Größen sind Daten, die entweder durch die Zielsetzung
beeinflußt werden, oder Rahmenbedingungen setzten.
Zur Erreichung der Ziele werden entsprechende
Budgets eingerichtet. Danach wird definiert, welche Prämien ausgeschüttet werden sollen,
wenn die Ziele erreicht werden. Diese Prämien werden aufgrund der Gewichtung der Ziele
auf die einzelnen Budgets verteilt.
Im nächsten Schritt wird ermittelt, welche
wirtschaftlichen Vorteile die einzelnen Ziele erwsarten lassen, soweit das möglich ist.
Für reine Kostenziele ist das einfach, bei anderen Zielen ist es nur angenähert
möglich. Entsprechend dieser Daten werden die Unrechnungsformeln und deren Parameter für
die Budgetwerte definiert. Danach werden die Umrechungsfaktoren für die Budgetsalden in
Prämien bestimmt. Die Formeln müssen so ausgelegt sein, daß der Saldo bei
unverändertem Zustand Null ist, bei Zielerreichung die vorgesehene Punktezahl beträgt.
4.2 Beispiel zu Budgetwerten
Um das Verfahren zu erläutern wird im
Musterteam "Großdrehteile" unterstellt, daß die Personalkosten 1
Millionen DM bei 100 Aufträgen betragen. Die Durchlaufzeit eines Auftrages beträgt
im Schnitt etwa 30 Tage. Die Aufträge werden meist termintreu geliefert, aber Aufträge
mit Herstellkosten von 2 Mio. DM sind im Schnitt um 10 Tage verzögert. Beschäftigt
sind 10 Mitarbeiter mit Bruttobezügen von durchschnittlich 60 TDM und Personalkosten von
100 TDM je Mitarbeiter und Jahr. Es gibt jährlich etwa 20 Reklamationen von Kunden.
Beispielhaft hat man folgende Zielrangliste
aufgebaut:
1. Senkung der Personalkosten um 10 % Wichtung 40 %
2. Termintreue keine Überschreitungen Wichtung 20 %
3. Senkung der Reklamationen auf 3 im Jahr Wichtung
20 %
4. Senkung der Durchlaufzeit um 10 % Wichtung 20 %
Die Prämien müssen Anreiz genug sein, also in
einer beachtlichen Größenordnung sein. Die Größenordnung muß den Verbesserungen
entsprechen. Außerdem müssen die einzelnen Budgetbeiträge entsprechend der Wichtung in
der Zielrangliste im ausgeglichenem Verhältnis stehen. Die Gesamtprämie sollte etwa 4500
- 5500 DM / Mitarbeiter und Jahr betragen, bei 10 Mitarbeitern also etwa 50 000 DM. Das
ist unter europäischen Verhältnissen nicht unbeträchtlich, auch wenn außerhalb Europas
teilweise wesentlich höhere Lohnanteile erfolgsabhängig sind. Hierfür wird ein
Budgetsaldo von 50 000 Punkten angestrebt.
Die Kostensenkung würde bei Personalkosten von 1
000 TDM / Jahr etwa 100 TDM pro Jahr bringen. Da die Wichtung 40 % beträgt, sollten aus
diesem Budget bei Zielerreichung 20 000 Punkte ausgeschüttet werden, das entspräche
bei 100 TDM Minderkosten gegenüber der Kalkulation. Die Minderkosten werden also mit
einem Punkt je 5 DM bewertet.
Die Terminüberschreitungen betragen, wenn Sie mit
den Herstellkosten bewertet werden, 20 Mio DM * Tage. Sie sollen auf Null gesenkt werden,
wofür 10 000 Punkte im Saldo des Budgets stehen sollen. Je 2000 DM * Tag
Terminüberschreitung ist also ein Punkt zu belasten, wofür entsprechend den
Herstellkosten der Fertigungsaufträge (10 Mio. DM) je 1000 DM jeweils 1,0 Punkte (also 10
000 Punkte ) gutgeschrieben werden
Die übrigen Komponenten werden analog ermittelt.
Die folgende Tabelle zeigt beispielhaft eine Budgetkonfiguration für diese Ziele:
Ziel |
Wich-
tung
% |
Punkte |
Meßgröße |
Ausgangs-
wert |
Differenz |
Budget-
zugangs-
formel |
Belastungs-
formel |
Kosten-
senkung |
40 |
20 000 |
Fertigungs-
kosten |
1 000 TDM |
100 TDM |
0,2 * PKkalk |
0,2 * PKist |
Termintreue |
20 |
10 000 |
HK * Tage Verzug |
20 Mio. DM * Tage |
20 Mio. DM * Tage |
je Auftrag 1 Punkt je 1000 DM HKkalk |
je Tag Verzug
0,5 Punkt je 1000 DM HKkalk |
Reklama-
tionen senken |
20 |
10 000 |
Anzahl |
20 Reklama-
tionen |
17 Reklama-
tionen |
118 Punkte je Auftrag |
590 Punkte je Reklamation |
Durch-
laufzeit
senken |
20 |
10 000 |
HK * Tage |
|
3 Mio. DM * Tage |
10 000 Punkte Gutschrift verteilt auf die Abrechnungs-
periode |
0,00333 * HKAuftrag * verspätete Tage |
4.2 Dynamische Zielanpassung
Die dynamische Zielanpassung erfolgt durch
Anpassung der Parameter zur Ermittlung der Budgtebeiträge. Die Mitarbeiter sollen dabei
am erreichten Standard profitieren. Da aber die Zielgewichtung sich ändern kann, besteht
die Gefahr, daß die alten Ansätze nicht mehr stimmen und damit zur Bestandssicherung
nicht die aktuellen Ziele verfolgt werden. Darum sollte diese Anpassung außerhalb des
Budgetsystems, z.B. durch Erfolgsbeteiligung geschehen.
Nachdem die Reklamationsrate auf 3 Reklamationen pro
Jahr gesenkt wurde, wird im nächsten Schritt angestrebt, sie weiter auf zwei
Reklamationen zu senken. Dabei soll der anzustrebende Budgetsaldo auf den halben Wert
gesenkt werden, entsprechend der nun reduzierten Bedeutung der Maßnahme. Damit ergibt
sich:
Bei drei Reklamationen soll der Budgetsaldo null
sein, bei zwei Reklamationen 5000 Punkte. Damit wird eine Reklamation mit 5000 Punkten
bewertet. Das Team bekommt 15 000 Punkte gutgeschrieben, der Budgetsalso wird auf 5000
Punkte begrenzt. Damit ergibt sich
bei drei Reklamationen:
Gutschrift: 15000 Punkte
Belastung: 3*150 TDM = 15000 Punkte
Saldo 0 Punkte
bei zwei Reklamationen:
Gutschrift: 15000 Punkte
Belastung: 2*5000 Punkte = 10000 Punkte
Saldo 5000 Punkte
Bei einem gesamten angestrebten Budgetwert von 50000
Punkte hat jede Terminüberschreitung einen erheblichen Einfluß. Das unterstützt die
Anstrengungen, den jetzigen Qualitätsstandard bei der Termineinhaltung nicht zu
vernachlässigen. |