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skizziert in:
Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag
ISBN 978-3-446-41025-1
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Sanierung von PPS-Anwendungen
Ein Beitrag von Ute Mussbach-Winter und Helmuth
Gienke
Thema des
Monats November 1999
Stand: 02. Juli 2008
1. Einleitung
Erhebungen zum Einsatz von rechnergestützten PPS-Systemen in
Industrieunternehmen zeigen, daß zwei Drittel dieser Unternehmen ein solches System
mindestens für ausgewählte Funktionen im Einsatz haben. Am häufigsten werden die
Funktionen Bedarfsermittlung und Bestellrechnung unterstützt. Erst danach folgen mit
einigem Abstand die Terminierungsfunktionen. Des weiteren zeigen die durchgeführten
Untersuchungen, daß viele Unternehmen mit ihrem PPS-Systemeinsatz nicht zufrieden sind;
u.a. wegen der schlechten Übereinstimmung der Planungsergebnisse mit der betrieblichen
Realität, der geringen Flexibilität, der Auskunftsfähigkeit bezüglich
Arbeitsfortschritt und Ressourcenverfügbarkeit und der unzureichenden Erfüllung der
definierten PPS-Ziele. Diese Mängel bewirken in den meisten der untersuchten Unternehmen,
daß die Planungsergebnisse des PPS-Systems nicht akzeptiert und im Betrieb umgesetzt
werden. Damit werden die Erwartungen an die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des
Unternehmens durch den Einsatz von PPS nicht erfüllt, der Begriff PPS erhält ein
negatives Image.
Die für den PPS-System-Einsatz verantwortliche betriebliche Instanz sollte die Einleitung
geeigneter Maßnahmen veranlassen, sobald sie ein Nachlassen der Akzeptanz feststellt.
Mangelnde Akzeptanz ist jedoch nicht der einzige Grund für die Überprüfung eines
PPS-System-Einsatzes. Handlungsbedarf für eine solche Maßnahme besteht z.B. auch dann,
wenn sich die Ziele des PPS ändern, innerbetriebliche Umstellungen anstehen oder neue
marktseitige Anforderungen zu erfüllen sind.
Erster Schritt der Sanierung ist eine Diagnose zur Überprüfung der Situation
hinsichtlich der Ziele, die mit dem PPS-Betrieb erreicht werden sollen, der Akzeptanz bei
den Mitarbeitern, der Realitätsnähe des mit dem PPS-System erstellten Modells und der
Relation Nutzen zu Aufwand.
Aufbauend auf den Ergebnissen werden dann die Ursachen für die Abweichungen ermittelt,
besonders die Qualität der Stammdaten, der Auftragsdaten und der Rückmeldungen sowie die
Qualität der Ablauforganisation sowie Defizite im Verständnis bei den Mitarbeitern.
Als Konsequenz werden dann Maßnahmen zur Behebung der Mängel eingeleitet. Das sind
Maßnahmen zur Beseitigung funktionaler Defizite des Systems, Datenbereinigung und
Verbesserung der Rückmeldungen, Entwicklung von Methoden und Organisation sowie die
Schulung der Mitarbeiter.
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| 2. Diagnose 2.1 Zielfindung und
Zielüberprüfung
Für die erfolgreiche Durchführung eines jeden
Projekts ist ein zielorientiertes Vorgehen erforderlich. Hierbei kommt der
Zielformulierung und der Akzeptanz der Ziele eine entscheidende Rolle zu. Ausgehend von
der Grundlage unternehmensspezifischer Leitbilder und den daraus abgeleiteten Strategien
zu ihrer Operationalisierung werden Zielsetzungen für die Neuorientierung der
Organisation wesentlich durch wirtschaftlich-finanzielle und sozio-psychologische Aspekte
geprägt. Zur Formulierung des Zielsystems dient eine Zielstruktur, die im Rahmen
gemeinsamer Projektsitzungen erarbeitet, bewertet und verabschiedet wird.

Abb2.2: Ziele einer PPS-Anwendung
Der Prozeß der gemeinsamen Zielfindung bewirkt zusätzlich, daß Projektziele,
Lösungsansätze und Vorgehensweisen für alle Projektbeteiligten transparent gemacht
werden und trägt so zur Verankerung des Projekts im Unternehmen bei. Die dadurch
erreichte Erhöhung der Akzeptanz seitens der Mitarbeiter der Auftraggeber steigert
maßgeblich die Effizienz in der Projektabwicklung.
Im Anschluß an die Zielfindungs- und -verankerungsphase wird eine Analyse durchgeführt,
in der die Ursachen für die mangelhafte Nutzung des PPS-Systems aufgedeckt und bewußt
gemacht werden.
2.2 Methode zur Analyse der bestehenden
Anwendung
Im Anschluß an die Zielfindungs- und -verankerungsphase wird
eine Analyse durchgeführt, in der die Ursachen für die mangelhafte Nutzung des
PPS-Systems aufgedeckt und bewußt gemacht werden. Sie gliedert sich in folgende Schritte:
1. Betriebsstruktur erheben. Hierzu wird ein Erhebungsbogen zur
Betriebsanalyse genutzt.
2. Analyse der Produktion in Verbindung mit einer
Betriebsbesichtigung. Anhand eines Kriterienkataloges werden die Flexibilität und die
Rahmenbedingungen für die Zielerreichbarkeit sowie die Schwachstellen in der bisherigen
PPS-Anwendung beurteilt.
3. Analyse des vorhandenen PPS-Systems auf Erreichbarkeit der Ziele.
4. Dokumentation der Schwachstellen.
Raster
der Absatzplanung : Monate ___ IST, ___ Soll
der langfristigen Produktionsplanung : Monate ___ IST, ___ Soll
der kurzfristigen Produktionsplanung : Monate ___ IST, ___ Soll
Anzahl
der Positionen der Materialbedarfsrechnung : _______ im Monat
der Positionen im Einkauf : _______ im Monat
der Positionen im Lager : _______
der Lager: ______ , Lagerbereiche: ____ der Lagerplätze: ca. _____
Abb. 2.2: Ausschnitt aus dem Erhebungsbogen
Ein wichtiger Punkt ist die Überprüfung des vorhandenen
PPS-Systems auf Erreichbarkeit der Ziele unter den gegebenen betrieblichen
Voraussetzungen, die Überprüfung der Akzeptanz und der Darstellung der Realität sowie
der Vergleich zwischen Aufwand und Erfolg.
2.3 Überprüfung der Akzeptanz
Akzeptanz ist ein subjektiver Vorgang, der aber
mit objektiven Kriterien ermittelt werden kann. Fehlende Akzeptanz bewirkt, daß die
anfallenden Arbeiten nicht oder mit anderen Methoden durchgeführt werden. Dieses sind
zwar nur Indizen für eine fehlende Akzeptanz, aber sie zeigen die Auswirkungen dieses
Mangels sehr klar. Es gilt hier noch nicht, zu beurteilen, was Ursachen und Folgen
fehlender Akzeptanz sind. Die folgenden Beispiele skizzieren Anwendungen, bei denen
infolge systemseitiger Mängel die Akzeptanz im Betrieb fehlt.
Die Mängel bewirken in den meisten der untersuchten
Unternehmen, daß die Planungsergebnisse des PPS-Systems nicht oder nicht mehr akzeptiert
und im Betrieb umgesetzt werden. Häufig wird zur Unterstützung der Planungsaufgabe ein
manuelles oder einfaches PC-gestütztes Schattensystem aufgebaut (z.B.
EXCEL-Auswertungen). Daß eine solche Doppelarbeit, die mit zusätzlichen Datenerhebungen
und redundanten Datenbeständen verbunden ist, Gefahren hinsichtlich der Datenkonsistenz
in sich birgt und Mehrkosten verursacht, bedarf keiner besonderen Erwähnung.
Ein weiteres Kriterium für die Akzeptanz eines
Systems ist der Umgang der Mitarbeiter mit dem System in Ausnahmesituationen, z. B.
Ausfall des Systems, kurzfristig eingeschobenen Aufträgen oder Terminverschiebungen. Da
solche Ereignisse in jedem Betrieb auftreten, zeigt die Wissenslücke, daß man über
solche Situationen hinweggeht. Interessant ist auch die Information, ob Beanstandungen
bekanntgegeben werden, für deren Beurteilung das gleiche gilt wie bei
Ausnahmesituationen. Die klarste Aussage ist, ob die ausgedruckten Listen benutzt werden,
zum Beispiel ob Anmerkungen eingetragen sind, was darauf hindeutet, daß man sich mit den
Ergebnissen auseinandersetzt.
Nicht ganz so klar ist die Frage zu beantworten, ob
gleichmäßig zurückgemeldet wird. Die Ursachen können unterschiedlich sein, aber ein
schlechtes, also ungleichmäßiges Rückmeldeverhalten zeigt Mängel im Gesamtsystem auf
und ist mit Sicherheit ein akzeptanzverschlechterndes Symptom.
Ein weiteres Kriterium zur Beurteilung der Akzeptanz
einer PPS-Anwendung ist der Umgang mit den Begleitpapieren. Soweit man mit Begleitpapieren
arbeitet (und die meisten Anwender machen das noch), zeigen zentral gelagerte
Begleitpapiere, daß man nicht mit dem System, sondern mit Papieren steuert, und das
System nur zur Erstellung von Papieren nutzt.
Mit diesen Symptomen erhält man eine schnelle
Information über die Nutzung des Systems und seine Akzeptanz in der Werkstatt.
2.4 Überprüfung der Realität von PPS-Modellen
Ähnlich wie bei der Überprüfung der Akzeptanz gibt
es auch für die Realität der Information Anzeichen, die aber in diesem Falle viel
aussagekräftiger sind. Wir haben darauf hingewiesen, daß Realität eine wichtige
Voraussetzung für die sinnvolle Nutzung eines PPS-Systems ist. Was sind jetzt die
Kriterien dafür?

Abb. 2.3: Auswirkungen mangelnder Realität
Die erste Analyse zeigt, ob der ausgewiesene
Arbeitsvorrat mit dem tatsächlichen übereinstimmt. Das kann man durch Stichproben an
ausgewählten Arbeitsplätzen ermitteln. Man benutzt hierzu z. B. eine Liste des
Arbeitsvorrates für verschiedene Arbeitsplätze (ca. 20), und vergleicht, ob die vor dem
Arbeitsplatz liegenden Teile im PPS als Arbeitsvorat ausgewiesen sind.
Die nächste Analyse umfaßt die Prüfung, ob alle
offenen Termine in der Zukunft liegen. Hier kann es einige Abweichungen geben, die man
nicht überbewerten soll, aber die große Masse der Termine soll tatsächlich in der
Zukunft liegen, oder das System ist schlecht gewartet. Das gleiche gilt, wenn die Angaben
über die Arbeitsplatzauslastung nicht plausibel sind, also unrealistische Angaben gemacht
werden, gleich ob die Auslastung unglaubwürdig hoch oder niedrig ist.
Diese Analysen sollen schnell Mängel aufzeigen und
nicht der Ursachenforschung dienen, weil die Ursachenforschung gezielt und unter
Berücksichtigung des gesamten Mängelkomplexes erfolgen muß. Es gilt also hier noch
nicht, daß man den Dingen schon auf den Grund geht.
2.4 Analyse des Aufwandes für den Betrieb dieser Anwendung
Der Aufwand für den Betrieb dieser Anwendung
muß sowohl der Akzeptanz als auch den Anforderungen angepaßt sein. Ist der Aufwand zu
hoch, auch subjektiv zu hoch, führt das dazu, daß entweder oberflächlich gearbeitet
wird, um Zeit zu sparen, daß durch Arbeiten in lastschwachen Zeiten eine Entlastung
gesucht wird, daß die Arbeit an Spezialisten delegiert wird oder daß sogar andere
Arbeiten mit dem Attribut "für PPS" versehen werden. An diesen Punkten setzt
die Analyse an. Wird der Aufwand als zu hoch angesehen, kann es aber auch bedeuten, daß
der Nutzen durch PPS noch nicht akzeptiert ist.
Eine klare Aussage kann gemacht werden, wenn es eine
eigene Organisationseinheit für die Datenpflege oder eine Stundenerfassung für den
PPS-Aufwand gibt, denn die Daten sollen dort gepflegt werden, wo sie entstehen. Dazu
gehört auch die schritthaltende Erfassung der Rückmeldungen. Ist sie nicht realisiert,
so ist das Rückmeldeverfahren zu aufwendig und muß rationalisiert werden.
2.5 Ermittlung der Ursachen für die erkannten Schwachstellen
Jeder Mensch ist im Grundsatz bestrebt, die ihm
übertragenen Aufgaben möglichst vollkommen durchzuführen. Gelingt ihm dieses nicht, so
können die Ursachen unter anderem mangelnde Motivation, falsche Hilfsmittel oder
unsachgemäßer Einsatz von Hilfsmitteln sein. Diese Erkenntnis kann auch für den Einsatz
einer PPS-Anwendung genutzt werden.
Die erkannten Schwachstellen sind häufig die
Auswirkungen von Mängeln, die im Vorfeld der Anwendung liegen und teilweise auch erst in
der Kombination mehrerer Komponenten Auswirkungen haben. Für eine erfolgreiche
Verbesserung der Organisation ist es daher entscheidend, die tatsächlichen Ursachen für
die erkannten Schwachstellen zu finden. Es ist falsch, sie auf Fehlverhalten von
Mitarbeitern zurückzuführen, es müssen vielmehr die Ursachen für diese Haltung erkannt
und beseitigt werden.

Abb. 2.4: Organisation und PPS
Dieser Prozeß wird dadurch erschwert, daß bei
einer mangelhaften Anwendung Widerstände und Vorurteile bestehen, die für eine sachliche
Betrachtung der Ursachen hinderlich sind. Einem Instrumentarium zur Aufdeckung dieser
Ursachen kommt darum besondere Bedeutung zu, denn nur, wenn diese Ursachen aufgedeckt
sind, kann man die Mängel beseitigen. In den Projekten zur Verbesserung der PPS-Systeme
wurde der Schwerpunkt auf systemtechnische Methoden, wie zum Beispiel die optimale
Parametergestaltung, gelegt. In den Veröffentlichungen des Fraunhofer-Institut für
Produktionstechnik und Automatisierung und des EBZ Beratungszentrum zu diesem Thema wurde
auf die ablauforganisatorische und humanzentrierte Komponente des Problems besonders
hingewiesen. |
| 3. Ursachen
aufdecken 3.1 Einführung
Die Diagnose der PPS-Anwendung hat aufgezeigt, in welchen
Bereichen dieses System nicht erfolgreich eingesetzt wird. Die nächste Phase wird
aufzeigen, wo die Ursachen für diese Defizite sind.
Wie bereits oben aufgeführt, ist ein wesentliches Hindernis für
eine erfolgreiche Ursachenermittlung das Beharrungsvermögen der Organisation, entweder
aus einer einseitigen Sicht, aus unterschiedlichen Zielsetzungen, aus Bequemlichkeit, aus
dem Bedarf, andere Schwachstellen zu verdecken oder aus Angst. Diese Hindernisse müssen
durch eine betont sachorientierte Analyse zumindest vermindert werden.
Die Ursachenanalyse erfolgt darum auf den Gebieten
- Akzeptanz,
- Stammdaten,
- Auftragsdaten,
- Rückmeldequalität,
- Ablauforganisation und
- Schulung der Mitarbeiter
3.2 Akzeptanz als Voraussetzung
Die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg
eines PPS-Systems ist die Akzeptanz durch die Beteiligten. Basis hierfür ist, daß mit
dem PPS-System das Geschehen in der Werkstatt möglichst genau abgebildet wird.
Fehlerhafte Information oder unplausible Angaben führen unweigerlich zu einer Minderung
der Akzeptanz und damit auch zu einer Minderung des Erfolges. Wenn das System über die
Funktionen eines Planungssystems hinaus für die Steuerung genutzt werden soll, muß es
den Benutzern die Möglichkeit bieten, jederzeit die erforderlichen Auskünfte korrekt und
zeitnah zu erhalten. Grund hierfür sind die im Produktionsprozeß erforderlichen
kurzfristigen Entscheidungen, die zuverlässige Informationen verlangen. Sind diese
Informationen nicht richtig, besteht die Gefahr, daß falsch entschieden wird.
Die Ursachen für fehlerhafte Informationen und den
daraus resultierenden mangelhaften Nutzen sind
- fehlerhafte Auftragsdaten,
- falsche Auswahl der eingesetzten Methoden,
- unzureichende Rückmeldungen,
- Ablauforganisation die auf Verfahren basiert, die vor der Einführung
des PPS entwickelt wurden,
- unzureichende Kenntnisse der Mitarbeiter über die Möglichkeiten des
eingesetzten Systems.
An diesen Punkten muß eine Strategie zur Sanierung
von PPS-Anwendungen ansetzen.
3.3 Fehlerhafte Stammdaten
Stammdaten beschreiben die Erzeugnisstruktur,
den Fertigungsablauf und den Ressourcenbedarf, also den Materialbedarf und Zeitbedarf an
den Arbeitsplätzen sowie den Bedarf sonstiger Fertigungsmittel und Fertigungshilfsmittel
in unterschiedlicher Genauigkeit.
Der Aufwand für die Erstellung der Daten den die
jeweilige Organisationseinheit bereit ist zu leisten, orientiert sich an den Zielen der
jeweiligen Organisationseinheit. Wenn diese Ziele mit ungenauen Daten erreicht werden
können, dann werden diese Daten auch entsprechend ungenau ermittelt und aufgegeben. In
vielen Unternehmen weisen diese Daten jedoch nicht die geforderte Qualität auf und
führen zu nicht oder nicht vollständig verwertbaren Ergebnissen und Aussagen des
PPS.Systems. Der Ansatz, diese Schwachstelle zu beseitigen, ist die Zielfindungs- und
Zielverankerungsphase, die im Vorfeld durchgeführt wurde. Die Ergebnisse dieser Phase
sind noch einmal ins Bewußtsein zu rufen und durch ein geeignetes Motivationssystem zu
untermauern.

Abb. 3.1 Stammdaten und Nebenziele
Ein weiterer Einfluß auf die Datenqualität ist,
daß es in jedem System Nebenziele gibt, die zu opportunistischen Angaben führen.
Beispielsweise werden bei der Kalkulation häufig aus marktstrategischen Gesichtspunkten
Verschiebungen in den Stammdaten vorgenommen, die für eine Fertigungssteuerung nicht
vertretbar sind.
Für richtige Datenpflege ist die Einsicht
Voraussetzung, daß die Daten von anderen Organisationseinheiten genutzt werden. Fehlt
diese Einsicht, weil z. B. die Fertigungssteuerung die Auftragslage nicht korrekt im
System abbildet, wird auf die Genauigkeit der Stammdaten auch nicht mehr geachtet als für
die eigene Arbeit erforderlich ist. Dieses kann leicht zu einem Rückkopplungsprozeß
führen: weil die Daten falsch sind, werden die anderen Organisationseinheiten ihre
eigenen Methoden nutzen und z. B. die Auftragslage nur unvollkommen im System abbilden. Da
durch das unzureichende Abbild der Auftragslage die Stammdaten nicht genutzt werden,
werden sie nur unvollkommen gepflegt und jeder fühlt sich bestätigt. Dieser Kreis wird
noch häufiger aufgezeigt und gibt interessante Ansätze für eine Verbesserung der
Situation.

Abb. 3.2 Analyse der Stamm und Bewegungsdaten
3.4 Fehlerhafte Auftragsdaten
Auftragsdaten beschreiben die einzelnen
Fertigungsaufträge, also welche Teile oder Produkte zu welchem Termin zu fertigen sind.
Aufgrund dieser Angaben wird in Verbindung mit den Stammdaten der voraussichtliche
Fertigungsablauf terminiert und damit auch die Auslastung der Arbeitsplätze und die
Termine für die Materialbereitstellung ermittelt.
Nun gibt es in der Fertigung einen
ehernen Grundsatz: nichts läuft so ab, wie es geplant ist. Daraus ergibt sich, daß diese
Auftragsdaten der Realität angepaßt werden müssen, also mit den vorhandenen
Kapazitäten abgeglichen und die Verschiebungen der Materialtermine und Störungen im
Produktionsablauf berücksichtigt werden. Es leuchtet ein, daß hier ein gewisser Aufwand
zu tätigen ist, der unterbleibt, wenn fehlerhafte Stammdaten oder Methoden den Nutzen
verhindern.
3.5 Mangelhafte Rückmeldequalität
Rückmeldungen geben ein Abbild des
tatsächlichen Betriebsgeschehens. Sie zeigen an, ob Abweichungen vom Plan aufgetreten und
welcher Art diese Abweichungen sind. Für eine Steuerung sind Rückmeldungen
lebensnotwendig. Unterbleiben die Rückmeldungen oder werden sie zu spät vorgenommen,
setzt die Planung auf überholte Vergangenheitsdaten auf und schreibt diese fehlerhafte
Situation so weit fort, daß keine realistische Aussage mehr möglich ist.
Rückmeldungen müssen von den Mitarbeitern
getätigt werden, die sich aber damit enttarnen. Furcht vor Nachteilen oder sogar
tatsächliche Nachteile führen dazu, daß diese Rückmeldungen verzögert oder
verfälscht (manipuliert) werden und damit nicht die Basis für eine echte Steuerung
liefern. Auch hier wird dieser Aufschaukelungsprozeß deutlich
- falsche Rückmeldungen
- falsche Auftragslage
- falsche Stammdaten
und so weiter.
3.6 Schlecht angepaßte Ablauforganisation
Neue Funktionen erfordern auch neue Abläufe.
Die bisherigen Abläufe und fast immer auch die Aufbauorganisation orientieren sich
- an den bisherigen Methoden
- an dem Aufwand, der mit den bisherigen Methoden auf die einzelnen
Stellen zukommt.

Abb.3.3 Analyse der Ablauforganisation
Neue Methoden mit Verlagerung von Aufgaben und
bessere Informationsversorgung erfordern es, Funktionen neu aufzuteilen. Es muß jedem
Beteiligten bewußt sein, daß die bisherigen Abläufe auf eine andere,
informationstechnisch schlechtere Umgebung ausgerichtet wurden. Diese Einsicht ist nicht
einfach, denn die Mitarbeiter haben in der Vergangenheit Systeme und Vorstellungen
entwickelt, mit denen sie ihre Arbeit unter den gegebenen Randbedingungen optimal
durchführen können. Es fällt schwer, sich von diesem Verhalten zu trennen. Dieses
Phänomen gilt nicht nur für die Ablauforganisation, sondern ebenso für technische
Entwicklungen. Die ersten Autos sahen aus wie Pferdekutschen ohne Pferde. In der
Ablauforganisation wirkt sich aber dieses Verhalten nachteiliger aus, weil der Anreiz
fehlt, die neuen Systeme zweckentsprechend zu nutzen und dann die Information nicht
korrekt ist.
3.7 Maßnahmen zur Schulung der Mitarbeiter
Viele Fehler bei der Ausführung von
Tätigkeiten, so auch beim Arbeiten mit PPS-Systemen, entstehen dadurch, daß der
Ausführende häufig nicht genau weiß
- wozu er letztendlich eine bestimmte Tätigkeit
ausführt,
- warum er sie in der von ihm angewandten Art und Weise durchführt und
- wie sein Arbeitsergebnis weiter verwendet wird.
Dies gilt auch für die Anwender von PPS-Systemen
und führt bei diesen dazu, daß z.B.
- Auftragsdaten und vor allem Stammdaten fehlerhaft,
unvollständig oder zu spät erfaßt bzw.
gepflegt,
- funktionsbezogen ungeeignete Methoden festgelegt oder
- PPS-Ergebnisse falsch interpretiert werden.
Fehlende oder fehlerhafte Daten sowie ungeeignete
Methoden bewirken jedoch zwangsläufig, wie bereits oben angesprochen, nicht oder nur mit
Mühen realisierbare PPS-Ergebnisse. Demzufolge sind bei einem unzureichenden Wissensstand
der Anwender über die funktional logischen Zusammenhänge des von ihnen benutzten Systems
Demotivation und Mißerfolg schon fast vorprogrammiert.
Ein besonderes Augenmerk ist deshalb der
Anwenderschulung zu widmen. Hierbei wird häufig der Fehler gemacht, nur die Bedienung
eines Instrumentariums zu trainieren und den Rest der Einsicht der Anwender zu
überlassen. Auf den Anwender kommen aber neue Abläufe zu, die er erkennen muß und die
eine Anpassung seiner Arbeitsweise erfordern. Er muß erkennen, daß er andere
Informationen hat als bisher, daß er diese Informationen anders auszuwerten hat und auch
anders reagieren kann.
3.8 Behebung der Mängel
Die abschließende Phase dient der Behebung der in der
Ursachenanalyse erkannten Mängel. Am Anfang steht eine Überprüfung, ob das eingesetzte
Paket auch in der Lage ist, die aufgedeckten Mängel zu beheben, oder ob es sinnvoll ist,
ein anderes Paket einzusetzen.
Wird entschieden, die Sanierung fortzusetzen,
erfolgt die Behebung der Fehler auf den Gebieten
- Datenbereinigung und Aktualisierung,
- Optimierung des Methodeneinsatzes,
- Organisationsentwicklung und
- Schulung der Anwender.
Diese Arbeiten können teilweise parallel erfolgen,
teilweise bauen sie aus sachlichen oder psychologischen Gründen aufeinander auf. Zu
diesem Zweck wir ein Maßnahmenplan erstellt, in dem diese Zusammenhänge berücksichtigt
werden. |
| 4. Maßnahmen
4.1 Alternative Sanieren oder Systemablösung
Viele PPS-Systeme werden heute nicht ihren
Möglichkeiten entsprechend genutzt. Der Grund hierfür ist ihre mangelnde Akzeptanz bei
den Mitarbeitern, die auf fehlerhafte oder unplausible Informationen des PPS-Systems sowie
aus der Unkenntnis der globalen Zusammenhänge im PPS-System zurückzuführen ist.
Wettbewerbsvorteile z.B. durch eine größere Kundennähe, höhere Termintreue und
Flexibilität werden dadurch verschenkt.
Wird für eine bestehende PPS-Anwendung dieser
Sachverhalt erkannt, bedarf sie einer Überarbeitung. Für eine Überarbeitung kommen
normalerweise zwei Wege in Frage. Dies ist zum einen die Überarbeitung und Optimierung
der bestehenden Anwendung, also das System-Tuning, oder die Ablösung des aktuell
eingesetzten PPS-Systems durch ein neues. Die Ablösung eines vorhandenen PPS-Systems ist
in der Regel dann zweckmäßig, wenn die Zielüberprüfung ergeben hat, daß die
angestrebten Ziele mit diesem System nicht erreicht werden können. In diesen Fällen
würden mit Zusatzaufwendungen für das installierte System, wie z.B. Softwareanpassungen
(Änderungen, Erweiterungen) oder Hardwareerweiterungen allenfalls kurzzeitige, meist mit
hohem Aufwand erkaufte Verbesserungen erzielt.

Abb. 4.1: Ansatzpunkte zur Sanierung
4.2 Datenbereinigung und -aktualisierung
4.2.1 Pflege von Stamm- und Auftragsdaten
Fehlerhafte Daten, insbesondere Stammdaten,
entstehen auf verschiedenen Wegen. Die häufigste Ursache ist, daß auftretenden Fehlern
aus Zeitmangel nicht nachgegangen wird. Man behilft sich und ein echter, erfolgreicher
Einsatz des PPS-Systems ist dadurch nicht möglich. Die Fehlerbehebung muß deshalb
systematisch angegangen werden. Dies erfordert zum einen, daß für alle gespeicherten
Daten, insbesondere für die Stammdaten, die Verantwortlichkeit hinsichtlich der
Datenpflege eindeutig geregelt ist. Diesen Verantwortlichen obliegt es, ggf. in Absprache
mit anderen Anwendern den bestehenden Datenbestand zu bereinigen und nicht mehr aktuelle
Daten zu löschen (z. B. alte Teilestämme, Stücklisten). Im Anschluß daran gilt es
fehlerhafte Daten zu korrigieren und fehlende Daten zu ergänzen. Hier stellt sich
insbesondere bei den das Planungsverhalten des PPS-Systems unmittelbar beeinflussenden
Daten, den sog. Parametern, die Frage nach den richtigen Werten. Diese Festlegung ist
häufig nicht einfach zu beantworten, da Wechselwirkungen zwischen den einzelnen
Parametern selbst und den verwendenden Verfahren bestehen. Sie muß deshalb wohl überlegt
durch gut geschulte und erfahrene Anwender, evtl. in Zusammenarbeit mit externen
Spezialisten vorgenommen werden.

Abb 4.2: Fehler und deren Folgen
Parallel zur Bereinigung und Aktualisierung der
Daten im Rahmen des Tunings muß durch organisatorische Maßnahmen sichergestellt werden,
daß die neuerliche Entstehung fehlerhafter Daten minimiert und die bereinigten Daten
aktuell gehalten werden. Dies erfordert außer der bereits angesprochenen Festlegung der
Datenpflegeverantwortung, die Festschreibung wann und wie oft die einzelnen Daten zu
pflegen sind bzw. welche Ereignisse einen Datenpflegevorgang auslösen. Diesbezüglich
gilt noch anzumerken, daß unter Aufwandsgesichtpunkten die Daten nur so genau bzw. so oft
aktualisiert werden sollten, wie dies für die geforderte Güte der dadurch beeinflußten
PPS-Ergebnisse notwendig ist. Unnötig genau oder häufig erfaßte Daten führen zu
unnötigen Kosten (Zeitaufwand für Datenermittlung/-pflege, Speicherplatz etc).
Bei entscheidungstabellen- oder wissensbasierten
Systemen gelten die hier für Daten getätigten Aussagen sinngemäß für die Pflege der
Regeln bzw. der Wissensbasis.
4.2.2 Verbesserung des Rückmeldeverhaltens
Die Rückmeldung von Ereignissen und
Mengen wird von den produzierenden Bereichen als lästiges Übel betrachtet. Der Einsatz
und die sachgemäße Nutzung von Rückmeldeverfahren ist aber für ein Steuerungs- und
Planungssystem Voraussetzung. Es ist anzustreben, den Aufwand möglichst gering zu halten.
Der Umfang ergibt sich aus der Zielsetzung des Projektes.
Es gibt außerdem einige Hindernisse, die die
Rückmeldebereitschaft negativ beeinflussen. Die Verbindung der
Auftragsfortschrittsmeldung mit der Bruttolohnermittlung erfordert besondere Maßnahmen.
Ein Stücklohnempfänger strebt danach, immer Minuten in Reserve zu haben, um gegen
Leistungsschwankungen gesichert zu sein. Diese bilden das sogenannte Vorderwasser und sind
für die Lohnzahlung duldbar. Für die Auftragsfortschrittmeldung kann man das
Vorderwasser aber nicht akzeptieren, weil man den Arbeitsgang erst bei der Rückmeldung
als durchgeführt erkennt. Dies kann, wenn ein großes Vorderwasser aufgebaut wird, erst
geraume Zeit (evtl. mehrere Tage) nach der tatsächlichen Beendigung eines Arbeitsgangs
oder Auftrags sein. Es gibt aber bewährte Verfahren, zum Beispiel Lohnkonten und
vereinbarte Leistungsgrade, um dieses Problem zu entschärfen.
Genauso gravierend in der Auswirkung ist die
Meldung fehlerhafter Teile. Diese Qualitätsdaten zwingen zur Fehlerbekennung, was jeder
gerne vermeidet. Hier hilft nur eine Bewußtseinsbildung und die Identifizierung mit den
Unternehmenszielen. Auch dieses Problem ist in mehreren Anwendungen gelöst.
Generell gilt, den Aufwand für Rückmeldungen
möglichst zu gering zu halten. Neben technischen Hilfsmitteln sollte man sorgfältig
ermitteln, was zurückzumelden ist. Zurückzumelden ist, was Bedeutung für die
Werkstattsteuerung hat, erforderliche Qualitätsdaten, Lohndaten und Daten für die
Kostenermittlung. Man sollte anstreben, möglichst viel abzuleiten. Wichtig ist, daß man
die Bedeutung der Daten für die Anwendungen herausstellt. Zusätzlich kann man mit
Sachzwängen ein richtiges Rückmeldeverhalten bewirken, zum Beispiel, daß ein
Arbeitsgang nicht begonnen oder rückgemeldet werden kann, wenn der Vorgänger nicht
zurückgemeldet ist. Die Methoden sind fallweise zu erarbeiten. Es ist wichtig, zu
erkennen, daß die Qualität der PPS-Anwendung von den Rückmeldungen abhängt.
Parallel zur Bereinigung und Aktualisierung der
Daten im Rahmen des Tunings muß durch organisatorische Maßnahmen sichergestellt werden,
daß die neuerliche Entstehung fehlerhafter Daten minimiert und die bereinigten Daten
aktuell gehalten werden. Dies erfordert außer der bereits angesprochenen Festlegung der
Datenpflegeverantwortung, die Festschreibung wann und wie oft die einzelnen Daten zu
pflegen sind bzw. welche Ereignisse einen Datenpflegevorgang auslösen. Diesbezüglich
gilt noch anzumerken, daß unter Aufwandsgesichtpunkten die Daten nur so genau bzw. so oft
aktualisiert werden sollten, wie dies für die geforderte Güte der dadurch beeinflußten
PPS-Ergebnisse notwendig ist. Unnötig genau oder häufig erfaßte Daten führen zu
unnötigen Kosten (Zeitaufwand für Datenermittlung/-pflege, Speicherplatz etc).
Bei entscheidungstabellen- oder wissensbasierten
Systemen gelten die hier für Daten getätigten Aussagen sinngemäß für die Pflege der
Regeln bzw. der Wissensbasis.
4.3 Optimierung des Methodeneinsatzes
Für jede der Funktionen eines PPS-Systems (z. B.
Bedarfsermittlung, Bestellmengenrechnung etc.) steht eine mehr oder weniger große Anzahl
unterschiedlicher Methoden zur Verfügung. Jede dieser Methoden hat ihren spezifischen
Einsatzbereich. Dort führt sie zu umsetzbaren, zielkonformen Planungsergebnissen,
während sie in anders strukturierten Unternehmen, in denen die von der Methode
geforderten Eingangsgrössen nicht oder nicht in der gewünschten Form vorliegen, versagt.
Analysekriterien:
- betriebliche Planungsphilosophie
- erforderliche, erreichbare Planungsgenauigkeit
- Verfügbarkeit von Ausgangsdaten
- Rechenaufwand
Abb. 4.3 Analyse der eingesetzten Methoden
Im Hinblick auf die Optimierung des Methodeneinsatzes sind für
die einzelnen Funktionen eines PPS-Systems die geeigneten Methoden auszuwählen und
zuzuordnen. Da das Eignungsprofil einer Methode in der Regel nicht deckungsgleich ist mit
dem betrieblichen Anforderungsprofil der verwendenden Funktion, muß vom Prinzip her die
Methode mit der größten Überdeckung ausgewählt werden. Die softwaremäßige Zuordnung
von ausgewählter Methode zu Funktion erfolgt je nach Typ des PPS-Systems z. B.
parametergesteuert oder bei regelbasierten Systemen durch die Eingabe entsprechender
Regeln.
4.4 Organisationsentwicklung
Analysiert man die Schwachpunkte bei
"tuningbedürftigen" PPS-Anwendungen, dann ergibt sich in nahezu allen Fällen
Handlungsbedarf im Hinblick auf die betriebliche Ablauforganisation. Neue Aufgaben auf der
einen, entfallende Aufgaben auf der anderen Seite oder personelle Veränderungen bei den
ausführenden Instanzen führen im Laufe des Lebenszyklus auch einer anfangs optimalen
PPS-Anwendung zu einer trägen Ablauforganisation mit vielen Schleifen und Umwegen.
Eine flexible, schlagkräftige und kundenorientierte
Ablauforganisation ist jedoch gekennzeichnet durch
- kurze, einfach strukturierte Informationswege,
- klar abgegrenzte Aufgaben- und Verantwortungsbereiche mit
prozeßkettenorientierter Aufgabenzuordnung,
- unkomplizierte, einfach handhabbare Hilfsmittel,
- dezentrale Organisationsstrukturen.
Diese gilt es mit einer Anpassung der
Ablauforganisation und ggf. auch der Aufbauorganisation zu schaffen.
4.5 Schulung der Anwender hinsichtlich der
funktional logischen Zusammenhänge und der Nutzungsmöglichkeiten des PPS-Systems
Ein besonderes Augenmerk ist der
Anwenderschulung zu widmen. Hierbei wird häufig der Fehler gemacht, nur die Bedienung
eines Instrumentariums zu trainieren und den Rest der Einsicht der Anwender zu
überlassen. Auf den Anwender kommen aber neue Abläufe zu, die er erkennen muß und die
eine Anpassung seiner Arbeitsweise erfordern. Er muß erkennen, daß er andere
Informationen hat als bisher, daß er diese Informationen anders auszuwerten hat und auch
anders reagieren kann.
Die Schulung der Anwender sollte deshalb drei Ziele
verfolgen:
- Sichere Verfahrensabwicklung durch den Anwender
- Nutzung aller in dem PPS-System steckenden
Möglichkeiten
- Überzeugung des Anwenders von der
Zweckmäßigkeit des zur Verfügung stehenden Instrumentariums.
4.6 Maßnahmenplan
Klassische Kosten-/Nutzen Analysen sind bei
unternehmensstrategischen Betrachtungen nicht ausreichend. Der Aufwand ist zwar noch
relativ einfach abzuschätzen, aber bei der Ermittlung des Nutzens ist man auf die
Abschätzung schwer quantifizierbaren Nutzens und die Bewertung qualitativen Nutzens
angewiesen.
Diese Schwierigkeiten müssen aber überwunden
werden, um die beteiligten Stellen vom Sinn der resultierenden Maßnahmen zu überzeugen
und einen Maßstab zu haben, mit welcher Genauigkeit bestimmte Funktionen zu realisieren
sind. Die moderne Literatur zeigt Möglichkeiten zur Bewertung des qualitativen Nutzens.
Die bewerteten Maßnahmen sind in einer Liste
zusammenzustellen und nach ihrer zeitlichen Durchführungsreihenfolge zu ordnen. Hierbei
sind als Nebenbedingung die Ziele des Projektes, deren Gewichtung und sachlich begründete
Zusammenhänge zu berücksichtigen. Sachlich begründete Zusammenhänge sind zum Beispiel
Daten- und Funktionsvoraussetzungen verschiedener Methoden, die teilweise erst durch eine
genauere Betrachtung der Abläufe erkannt werden.

Abb. 4.4: Prioritäten im Maßnahmenplan
Da in mittelständischen Betrieben meist keine
Organisationsspezialisten beschäftigt sind, sind für diese Aufgaben entsprechende
personelle Voraussetzungen zu schaffen. Dieser Instanz kommt u. a. die Aufgabe zu bei der
Zusammenstellung und Bewertung der Maßnahmen mitzuwirken sowie die sachlich begründeten
Zusammenhänge aufzubereiten und für die Entscheidungsphase transparent zu machen.
Hierfür stehen ihr die Methoden moderner Wirtschaftsinformatik, zum Beispiel
Unternehmensdatenmodelle und Funktionsnetze zur Verfügung.
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Fazit
Viele Unternehmen sind mit ihrem PPS-Systemeinsatz nicht
zufrieden. Der Grund hierfür liegt z. B. in der schlechten Übereinstimmung der
Planungsergebnisse mit der betrieblichen Realität, der geringen Flexibilität, der
unzureichenden Auskunftsfähigkeit bezüglich Arbeitsfortschritt und
Ressourcenverfügbarkeit, dem hohem Wartungsaufwand, den Kosten und der unzureichenden
Erfüllung der definierten PPS-Ziele. Wie der Beitrag zeigt, kann die geringe
Zufriedenheit mit einer PPS-Anwendung eine Vielzahl unterschiedlicher Ursachen haben, die
es mit geeigneten Sanierungsmaßnahmen zu beseitigen sind. Mit diesem Verfahren kann man
häufig den letzten Ausweg, nämlich eine Investition in ein neues PPS, vermeiden. |
Die Autoren:
Dipl.-Ing. Ute Mussbach-Winter, Gruppenleiterin am Fraunhofer
Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung und und Lehrbeauftragte der
Universität Stuttgart.
Dipl.-Ing. Helmuth Gienke, Geschäftsführer der EBZ Beratungszentrum GmbH -
Betriebsorganisation und Technologietransfer-, Stuttgart |
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