ebz_farb.gif (1473 Byte)

EBZ Beratungszentrum GmbH   
- Betriebsorganisation und Technologietransfer-
Wurmlinger Straße 33, D-70597 Stuttgart,
Telefon: 0711/8266-911

e-mail: info@ebz-beratungszentrum.de

 

zurück zur EBZ-Homepage

Ihr Nutzen

bisherige Themen des Monats

Beiträge zur
Organisation

Beiträge zur
Steuerung

Beiträge zur
Logistik

Kontakt/ Impressum  

Unser Know How ist skizziert in:
Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-41025-1

Servicedenken schlägt Kostensenken
Ein Betrag von Rainer Kämpf und Helmuth Gienke

Stand: 02.07.2008

PPS-Systeme sind in der Vergangenheit vorwiegend als Kostsenkungssysteme angesehen worden. Ziele waren, die Materialbestände zu senken, die Fertigungssteuerung mit weniger Aufwand durchzuführen und die Maschinenauslastung zu verbessern.

In der letzten Zeit treten andere Aspekte in den Vordergrund, nämlich durch bessere Information die Durchlaufzeiten und damit die Lieferzeiten zu senken (was automatisch auch die Materialbestände reduziert) und zuverlässige Liefertermine zu erhalten. Nicht mehr der Preis und die Produktqualität stehen im Vordergrund, sondern die Erfüllung aller Kundenwünsche, als Basis des Total-Quality-Management-Konzeptes.

Diese Strategie verlangt eine Flexibilität im Angebot und in der Produktion, die nur mit modernen Informationssystemen erreicht werden kann. Dadurch gewinnt die Komponente "Information" einen neuen Stellenwert.

Fünf Anforderungen an PPS-Systeme

Für den Aufbau zukünftiger Produktionssysteme lassen sich daraus Anforderungen an das Informationssystem ableiten, die auf einer ablauforientierten Betrachtungsweise aufbauen und die Integrationsmöglichkeit der Informationsverarbeitung als Grundlage verstehen, um aufgabenbezogen die Verantwortung für die technischen Probleme sowie Kosten und Termine in integrierte - heute noch funktionell getrennte - Bereiche zu übertragen. Diese Anforderungen umfassen:

  • bessere Synchronisation der Auftragsabwicklung, besonders in den der Fertigung und Montage vorgelagerten Bereichen
  • fortlaufende Ergänzung der Auftrags-, Technologie- und Betriebsdaten während des Auftragsdurchlaufs und keine wiederholte Grunddatenerzeugung
  • schnellen Zugriff auf alle erforderlichen Auftrags-, Geometrie-, Technologie- und Betriebsdaten durch Verdichtung der Information auf das für den jeweiligen Bereich notwendige Maß
  • Aufhebung der starren Trennung der einzelnen Bereiche der Auftragsabwicklung und Ermöglichung einer übergreifenden Arbeitsweise
  • Verbesserung der Transparenz über den aktuellen Stand von Kosten und Terminen im Vergleich zur Planung.

Wenn Information schadet

Information ist aber nur dann wertvoll, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt zur Verfügung steht und auch mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Diese Forderung kann nur ein System erfüllen, das die eingehenden Meldungen schritthaltend verarbeitet, die Konsequenzen für das Gesamtsystem ermittelt und die Ergebnisse on-line zur Verfügung stellt, und zwar benutzerindividuell. Jedes Informationssystem, das diesen Anforderungen nicht nachkommt, ist eine Fehlinvestition und richtet zusätzlich durch fehlerhafte Information Schaden an, weil Anstrengungen unternommen werden, eine Situation zu bereinigen, die in der dargestellten Form nicht existiert.

Logistische Zielkonflikte entschärfen

Die Forderungen des Marktes nach schneller Lieferfähigkeit trotz niedriger Kosten und der schnelle Wandel der Produkte geben der Qualität der Fertigungssteuerung in einem Industrieunternehmen eine neue Bedeutung. Sie wird ein Instrument der Marktstellung und verschafft einem Unternehmen Wettbewerbsvorteile dadurch, daß es schneller auf Kundenwünsche reagieren kann. Aus den Forderungen ergibt sich, wie die Systeme gestaltet sein müssen, mit denen eine moderne Fertigungssteuerung arbeitet.

Sie müssen

  • dafür sorgen, daß schnell auf die Kundenwünsche reagiert werden kann. Diese Kundenwünsche können Änderungen eines bestehenden Auftrages, beispielsweise ein anderes Produkt, einen anderen Liefertermin, betreffen, aber ebenso erweiterte Funktionen, die vom Wettbewerb bereitgestellt werden.
  • Den Materialbestand niedrig halten und damit Durchlaufzeiten verkürzen. Die schnelle Reaktion auf Marktanforderungen ist heute ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil, der vom Abnehmer honoriert wird.
  • Änderungen am Produkt durch die Konstruktion oder Qualitätssicherung schnell umsetzen können. Eine kurzfristige Produktverbesserung muß der Produktion schnell mitgeteilt werden können, um sicherzustellen, daß auch der Abnehmer schnell davon profitiert.
  • Die vorhandenen Kapazitäten kostenoptimal einsetzen.

Letzteres war noch vor wenigen Jahren das primäre Ziel der PPS-Zeitwirtschaft. Aber auch heute noch ist die Auslastung der Ressourcen zur kostengünstigen Produktion wichtig, denn gerade in einem Hochlohnland wie der Bundesrepublik stehen die Unternehmen im scharfen Wettbewerb mit Ländern, die bei einer ähnlich hohen Produktivität günstigere Stücklohnkosten haben.

Diese teilweise gegenläufigen Forderungen lassen sich nur mit großem Aufwand durch Entscheidungssysteme realisieren. Wirtschaftlicher, auch für die vorhersehbare Zukunft ist der Weg, dem Disponenten die Information zu geben, die er für die Entscheidungsfindung braucht.

Im Sinne einer realistischen Planung

Jedes Unternehmen braucht eine langfristige Produktionsplanung, um das Kapazitätsangebot entsprechend einzurichten und auch für das Materialmanagement (Bestandsplanung und Beschaffungsmaßnahmen) ausreichende Grundlagen zu haben. Selbstverständlich muß diese Produktionsplanung auch mit der Umsatz- und Ergebnisplanung zusammenarbeiten. Bei jeder Planung ist die Überprüfung und die Anpassung durch Ist.-Daten obligatorisch und ganz besonders sollte dies auf die Produktionsplanung zutreffen.

Die Grobplanung ist als Budgetplanung einfach und fast immer realisiert. Eine echte Grobplanung betrachtet aber die erwarteten Aufträge nicht nur vom monetären Aspekt, sondern viel stärker vom technischen und kapazitiven Ansatz.

Problematischer ist der Übergang von der Grobplanung zur Feinplanung. Die Grobplanung beruht auf vereinfachten Kapazitätsannahmen.

Die vereinfachten Verkaufsschätzungen betrachten Verkaufsgruppen (auch wenn man sie eventuell anders benennt), die aber intern noch erhebliche Unterschiede aufweisen können.

Da die Verkaufsgruppen stärker nach Absatzgesichtspunkten gegliedert sind als nach fertigungstechnischen Kriterien, bringt deren Verteilung keine echte Aussage. Besonders in Bereichen, in denen unterschiedliche Fertigungsverfahren konkurrieren, können Verschiebungen innerhalb der Verkaufsgruppe erhebliche Kapazitätsprobleme bringen. Erst im Laufe der Jahre spielt sich bei guter Zusammenarbeit der Bereiche die Abgrenzung so ein, daß die Aussagen nutzbar sind.

Neuer Stellenwert der Fertigungssteuerung

Für diese Aufgaben der Fertigungssteuerung gibt es unterschiedliche Systeme, die dem Bedarf des jeweiligen Anwenders entsprechen. Dadurch gibt es auch unterschiedliche Anforderungen an den Datenaustausch. Ein PPS-System muß zur Integration unbedingt transparentes Schnittstellen bereitstellen, die durch entsprechende Routinen dem jeweiligen Bedarf angepaßt werden können.

Der Markt der Gegenwart und noch viel mehr der Markt der Zukunft verlangen Termintreue und kurze Lieferzeiten bei wettbewerbsfähigen Preisen. Damit erhält die Fertigungssteuerung einen ganz neuen Stellenwert. Voraussetzung ist, daß sie über ein hochwertiges Informationssystem verfügt, daß alle aufgestellten Anforderungen erfüllt und im Unternehmen vollständig akzeptiert ist. Dann ist ein PPS-System in der Lage, die Marktstellung eines Unternehmens zu verbessern und gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zur Kostensenkung zu leisten.