| Der Begriff Enterprise Resource Planning (ERP) umfasst die Planung,
Dokumentation und Analyse aller Unternehmensprozesse (Kernprozesse) eines Unternehmens.
Die Unternehmensprozesse: Einkauf, Lagerhaltung, Produktstammdatenhaltung, sowie der
Kundendienst werden von ERP primär erfasst. Ein ERP-System durchdringt das gesamte
Unternehmen und betrifft alle Prozesse. Es bietet die Möglichkeit Informationen mehrfach
und an verschiedenen Stellen zu nutzen. Richtig eingesetzt kann ein ERP-System zu einer
engeren Bindung mit Kunden und Lieferanten, zu kürzeren Reaktionszeiten, kleineren
Lagerbeständen und einer einfach nachvollziehbaren Auftragsabwicklung führen (Siegenthaler/Schmid
2006). Da ERP-Systeme jedoch typischerweise modular aufgebaut sind, können auch die
folgenden Unternehmensprozesse: Buchhaltung, Kostenrechnung, Controlling und die
Verwaltung des Personals abgebildet werden. Somit kann das System auf die jeweiligen
speziellen Kundenbedürfnisse angepasst werden.
Während die klassischen PPS-Systeme sich lediglich auf die Planung,
Steuerung und Überwachung der Produktionsabläufe beschränken, stellt das ERP-System
gewissermaßen eine Kombination aus PPS- und Business Software dar und kann daher als
ganzheitliches integriertes Informationssystem zur betrieblichen Steuerung eines
Unternehmens betrachtet werden. Die PPS-Systeme werden von ERP integriert, sodass
über die gemeinsame Datenbank die administrativen Unternehmensprozesse rechnergestützt
durchgeführt werden können.

Abb.1: Aufbau eines ERP-Systems
Anforderungen des Mittelstandes Allgemeine Bedürfnisse
Für den Begriff Mittelstand finden sich zahllose Definitionen
und Eingrenzungen. An dieser Stelle sind mit Mittelstand Unternehmen gemeint, die zwischen
etwa 100 und 2.000 Mitarbeiter haben und deren Anforderungen an ERP-Systeme grundlegend
von den Anforderungen von Großunternehmen abweichen. Wichtige Anforderungen von
mittelständischen Unternehmen sind eine kurze Projektdauer bei der Einführung von
ERP-Systemen sowie geringe Gesamtkosten. Insbesondere den Folgekosten der
Systemeinführung ist hier große Aufmerksamkeit beizumessen. Zusätzlich fehlt häufig
die Zeit individuelle Anpassungen durch Programmierungen vorzunehmen, so dass
Standardsysteme in der Lage sein müssen, branchenübergreifend auch komplizierte Abläufe
zufrieden stellend abzubilden. Auch die Anpassbarkeit an zukünftige Bedürfnisse ist von
großer Bedeutung, da bei Nichtvorhandensein die Weiterentwicklung des Unternehmens (z. B.
Einführung neuer Produkte oder Eröffnung neuer Standorte) erheblich eingeschränkt
werden kann.
- Technologische Anforderungen
In den letzten Jahren hat sich die Architektur von ERP-Systemen
grundlegend gewandelt. Anpassungsfähige Lösungen der so genannten ERP II-Generation sind
an die Stelle der frühen ganzheitlichen und abgeschlossenen ERP-Systeme getreten. Neue
Lösungen müssen die Integration "fremder" Anwendungen von unternehmensinterner
und externer (Kunden und Lieferanten) Seite ermöglichen und somit auch der zunehmend
serviceorientierten Neuausrichtung vieler Unternehmen Rechnung tragen.
Des Weiteren muss die Erweiterung und Veränderung der ERP-Software
aufgrund von sich verändernden Geschäftsprozessen in einem angemessenen Zeitrahmen und
ohne übermäßigen Aufwand möglich sein. So muss zum Beispiel bei Wachstum des
Unternehmens die Anzahl der Enduser (Clients) ohne Probleme erweiterbar sein.
Weiterhin muss durch den ERP-Einsatz Prozesstransparenz, zum
Beispiel durch das Nachverfolgen von Belegen, gewährleistet werden und die Wartung bzw.
das Update der Software muss effizient ablaufen (z. B. durch die Verfügbarkeit eines
Online-Supports).
Durch das Hervortreten des Internets seit dem Ende der 1990er Jahre,
ist außerdem die so genannte "Collaboration" eine essentielle Anforderung an
moderne ERP-Systeme geworden. Telefon und -fax stellen heute bei weitem nicht mehr die
einzigen Kommunikationswege eines Unternehmens dar. Viel mehr erfolgt diese heute in den
durch das Internet zur Verfügung gestellten Kanälen. Prozesse können somit effizienter,
Transaktionen schneller abgewickelt werden. Die Koordination von standortübergreifenden
Projekten hat sich erheblich erleichtert und verbilligt. Die Notwendigkeit diese
Kommunikationsabläufe in die Unternehmenssoftware zu integrieren ist offensichtlich.
Da in vielen Mittelständischen Unternehmen relativ lange
Innovationszyklen im Bereich der IT herrschen, ist es von großer Bedeutung, dass auch
hier Anpassungsfähigkeit seitens des Systems besteht. So ist es beispielsweise möglich
dass die Clients Computer mit verschiedenen Betriebssystemen verwenden oder dass aus
Kostengründen nicht immer die aktuell leistungsfähigste Hardware zur Verfügung steht.
Im Idealfall bietet das System eine vollständige Unabhängigkeit zwischen den Bereichen
Client, Server und Datenbank, so dass diese separat auf die individuellen Bedürfnisse und
Voraussetzungen des Unternehmens angepasst werden können.
- Betriebswirtschaftliche Anforderungen
Genauso wie sich die technologischen Anforderungen des
Mittelstandes an ERP-Systeme verändert haben, haben sich auch die
betriebswirtschaftlichen Anforderungen in den letzten Jahren gewandelt. Der
Funktionsumfang hat für Mittelständler hier höchste Priorität und nur selten wird
akzeptiert, dass nicht alle geforderten Funktionen zur Verfügung stehen bzw. erst
aufwendig angepasst werden müssen. Hieraus hat sich das bereits erwähnte Konzept des
erweiterten ERP-Systems (ERP II) entwickelt. Traditionelle Kernfunktionen und Module
müssen hierbei durch die Möglichkeit zur Eingliederung von geschäftskritischen
Prozessen sowie die Integration von externen und internen Transaktionsabläufen, die
bereits erwähnte Collaboration, ergänzt werden.
Auch das Kosten-/Nutzenverhältnis stellt einen entscheidenden
Faktor bei der Auswahl des ERP-Systems dar. Mittelständler verzichten im Vergleich zu
Großunternehmen häufig auf aufwändige Analysen wie eine Total Cost of Ownership- oder
Return on Invest-Betrachtung. Vielmehr stehen offenkundige und praktische Vorteil des
Systems, wie beispielsweise Einsparungen durch die Einführung einer beleglosen
Kommissionierung, im Vordergrund.
Die Steigerung der externen und internen
Dienstleistungsqualität ist ebenfalls von großer Bedeutung. Hier sind vor allem eine
Verringerung von Reaktionszeiten auf Anfragen von Kunden und Lieferanten (extern) sowie
die schnelle und einfach Verfügbarkeit von Berichten und Auswertungen für
Entscheidungsträger (intern) zu nennen.
Des Weiteren muss der dynamischen Organisationsstruktur vieler
Mittelständler Rechnung getragen werden. Eine IT-Infrastruktur die Umsatzwachstum oder
die Erschließung neuer Märkte unterstützt, ist daher notwendig. In Abbildung 2 werden
die erweiterten Bestandteile eines ERP II-Systems dargestellt. Es zeigt sich in der
Abbildung, dass auch Supply Chain Management und Customer Relationship
Management zumindest teilweise in einem ERP-System integriert sein können
Abb.2: Erweitertes ERP-Sysem
(ERP II)
Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg eines ERP-Systems
ist die Akzeptanz bei den letztendlichen Anwendern (Clients). Daher ist bereits bei der
Auswahl und Implementierung darauf zu achten, dass diese miteinbezogen und deren
Anforderungen beachtet werden. Insbesondere eine einfach Bedienung (intuitive
Benutzeroberfläche) sowie die Leistungsfähigkeit der Software sind für die Akzeptanz
und die Produktivität der Software entscheidend.
Die Benutzeroberfläche sollte in einer übersichtlichen Form
gestaltet werden, die dem Client idealerweise nicht vollkommen fremd ist. Der Bezug zur
Vorgängersoftware oder gängigen Produkten (wie z. B. Microsoft Office) kann hier von
erheblichem Vorteil sein. Hieraus ergeben sich die schnellere Abwicklung von Aufgaben,
eine höhere Akzeptanz der Anwender sowie geringer Schulungskosten bei der Einführung des
Systems.
Auch die aufgabenbezogene Gestaltung der Benutzeroberfläche ist in
diesem Zusammenhang zu nennen. Je nach Zugehörigkeit zu einem Funktionalbereich des
Unternehmens und den Aufgaben des Clients, müssen verschiedene Funktionen und Prozesse
schnell abrufbar sein. Auch das Anlegen von Favoriten und die Möglichkeit zur Ausblendung
nicht benötigter Felder können hierbei einen Beitrag zur Steigerung der individuellen
Arbeitsproduktivität leisten.
Die Leistungsfähigkeit des ERP-Systems muss indes ausreichen um
Arbeitsabläufe nicht zu verlangsamen oder einzuschränken. Auch bei hohen Auslastungen
muss ohne Verzögerung gearbeitet werden können. Des Weiteren gewinnt die Nachfrage nach
Online- und Echtzeitverarbeitung an Bedeutung, so dass in Zukunft die Bereitstellung einer
statischen Infrastruktur durch eine sich ständig anpassende ersetzt werden muss. Nur wenn
die Anwender mit aktuellen Daten und Informationen arbeiten können, ist der Einsatz eines
ERP-Systems wirklich vorteilhaft und sinnvoll.
Auswahl und Implementierung von
ERP-Systemen
Die Einführung eines ERP-Systems stellt keinen
Selbstzweck dar und kann letztendlich nur dann als Erfolg bezeichnet werden, wenn sie in
entscheidendem Maße zur Steigerung des Gewinns eines Unternehmens beitragen kann. Dies
kann durch Beiträge zur Kostensenkung ebenso geschehen, wie durch eine Verbesserung des
Umsatzes. Zur Reduzierung von Kosten können insbesondere effizienter gestaltete Abläufe,
niedrigere Lagerbestände sowie ein aussagekräftigeres und flexibleres Berichtswesen
beitragen. Auf der Umsatzseite kann der Einsatz von CRM-Modulen (Customer Relationship
Management) zu einer höheren Kundenbindung und Folgeaufträgen führen.
Bei IT-Verantwortlichen in mittelständischen Unternehmen stehen
außerdem kurze Projektlaufzeiten und geringe Gesamtkosten als Ziele von ERP-Projekten an
vorderster Stelle. Da Mittelständlern nicht die finanziellen und personellen Ressourcen
wie großen Unternehmen zur Verfügung stehen, IT-Projekte aber sehr hohe Kosten mit sich
bringen, kann der Fehlschlag eines solchen Projektes unter Umständen sogar
existenzbedrohend für das Unternehmen sein. Daher wird im Folgenden auf die korrekte
Durchführung einer ERP-Implementierung eingegangen.

Abb.3: Schritte zur Einführung eines
ERP-Systems
Führt ein Unternehmen eine neue Business-Software ein, so wird in
diesem System ein Abbild der Organisation geschaffen. Struktur, Abläufe und
Aufgabenverteilungen sollen möglichst realitätsnah dargestellt werden. Daher erfolgt
idealerweise die Einführung des ERP-Systems synchron mit der Gestaltung der Organisation.
(Siegenthaler/Schmid 2006)
Da es sich um einen sehr aufwendigen und kostenintensiven Ablauf
handelt laut einer Umfrage belaufen sich die Kosten für die Einführung eines
neuen ERP-Systems (Lizenzen, Implementierung) ohne Hardware auf ca. 5.000 Euro pro
Anwender muss das Projekt zunächst gut strukturiert und mit klar definierten
Zielen ausgestattet werden. Im Mittelstand ist mit drei bis sechs Kernmitarbeitern zu
rechnen, die einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit für das Projekt aufwenden.
Es gilt dann, die Organisationsstruktur des Unternehmens
darzustellen und wichtige Prozesse abzubilden. Diese sind mit den Beteiligten auf ihre
Stärken und Schwächen hin zu untersuchen. Hieraus lassen sich verbesserte Soll-Prozesse
entwickeln, die sich wiederum in den Anforderungen an das ERP-System widerspiegeln
sollten. (Siegenthaler/Schmid 2006)
Die gegenwärtige Situation von ERP-Installationen in der Praxis
stellt sich als stark verbesserungsfähig dar, wobei die Ursachen selten alleine im
IT-Bereich liegen. Vielmehr sind hier laut Ortner Nachlässigkeiten in den
Bereichen Strategie, Projektmanagement, sowie das Fehlen von effizienten kontinuierlichen
Verbesserungsprozessen oder das mangelnde Einbinden des Faktors Mensch von entscheidender
Bedeutung. (Ortner 2005)
Nachdem man sich für eine IT-Strategie es ist hierbei
eine Verbindung zwischen der grundsätzlichen Strategie des Unternehmens und den daraus
resultierenden Anforderungen an die IT herzustellen entschieden hat, gilt es in
einer ersten Grobevaluation eine umfassende Marktübersicht zu erreichen. Hierfür eignen
sich Fachzeitschriften, der Besuch von Messen sowie Internet-Research. Aus der Vielzahl
von Anbietern sind diejenigen auszuwählen, die den Anforderungen am ehesten zu
entsprechen scheinen. Diese werden auf vorher festgelegte Kriterien wie die funktionale
Abdeckung der Bedürfnisse, die Anpassbarkeit an zukünftige Bedürfnisse, Bewertungen von
Referenzkunden und das Preis-/Leistungsverhältnis geprüft. Ein weiteres zentrales
Kriterium stellt die Investitionssicherheit dar. Dabei gilt es Anbieter auszuwählen, die
mit großer Sicherheit auch in Zukunft am Markt vertreten sein werden und somit
Serviceleistungen und Produktupdates über längere Zeit hinweg bereitstellen können.
(Siegenthaler/Schmid 2006)
Ist die Grobevaluation abgeschlossen, so folgt die
Feinevaluation. Hierbei werden Teilprozesse und deren Schritte detaillierter dargestellt
und in einem Pflichtenheft zusammengefasst. Dieses sollte neben einem ersten
Einsatzkonzept, das darlegt, welche Mitarbeiter voraussichtlich welche Funktionen nutzen
werden und welche Qualifikationen hierfür notwendig sind, auch Einschränkungen wie die
momentan vorhandene Hardware beinhalten. Darauf basierend können die in der
Grobevaluation ausgewählten Anbieter zur Abgabe eines ersten Angebotes aufgefordert
werden. Da alle Anbieter das Pflichtenheft als eine Art Leistungsverzeichnis verwenden,
sollten die abgegeben Angebote mit relativ geringem Aufwand vergleichbar sein.
(Siegenthaler/Schmid 2006)
Auf dieser Grundlage lässt sich eine erste Kostenkalkulation
erstellen und eine Auswahl von besonders interessanten Anbietern treffen. Diese können
dann aufgefordert werden, ihr Konzept anhand von Vorführungen, Workshops oder Prototypen
genauer darzulegen und zu demonstrieren wie typische Geschäftprozesse abgewickelt werden
sollen. Beim gesamten Auswahl- und Implementierungsprozess ist insbesondere darauf zu
achten, dass die späteren Anwender miteinbezogen werden und Einfluss auf die letztendlich
Auswahl des Anbieters ausüben können.
Die folgende Abbildung zeigt die Gewichtung der Kriterien, die
Unternehmen bei der Auswahl von ERP-Systemen anwenden. Diese lässt auch bereits erste
Schlüsse auf die Anforderungen zu, die Unternehmen an eine ERP-Lösung stellen.
Abb.4:
Entscheidungspräferenzen von Unternehmen zur Auswahl eines ERP-Systems
Literatur:
Siegenthaler, M.; Schmid, C.(2006). ERP
für KMU. Rheinfelden
Ortner, W. (2005). Effizienz durch
Workflowmanagement. Graz
META Group: Anforderungen an ERP-Lösungen im Mittelstand, http://www.softm.com/softm/servlet/downloads/7338 |