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Handbuch Produktion
Gienke/Kämpf (Hrsg.):
Carl Hanser Verlag

ISBN 978-3-446-41025-1

Die verschiedenen Sichtweisen der Stückliste
Ein Beitrag von Helmuth Gienke
Der Beitrag ist in ähnlicher Form erschienen in: Gienke/Kämpf (Hrsg.): Handbuch Produktion 
Carl Hanser Verlag , München Wien, ISBN 978-3-446-41025-1

Thema des Monats März 2006
Stand: 02.07.2008


Die ursprüngliche Stückliste ist eine Liste der Bauteile in einer Konstruktionszeichnung. Bei der wenig organisierten Produktion der Vergangenheit war diese Methode voll ausreichend. In der Zwischenzeit ist aber der Organisationsgrad in allen Gewerken der Produktion stark verbessert worden, besonders im Bereich der Logistik (z.B Materialbeschaffung, Montage und Versand) und der Qualitätssicherung. Aus dieser Tatsache ergeben sich die unterschiedlichen Betrachtungsweisen der Strukturen.

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Das fertige Produkt

Hier ist als Beispiel eine Stehlampe aus einem Baumarkt herangezogen. Die Lampe ist etwa 1,70m hoch, besteht aus einem Fuß, einer Lampenstange und dem Lampenkopf mit Stromkabel und Birnenfassung.

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Die Sicht der Konstruktion

So jedenfalls betrachtet die Konstruktion die Strukturen aus einer funktionsorientierten Sicht, wobei die mechanische Realisierung außen vor bleibt. Die Lampe wird aufgegliedert in Funktionsgruppen, die zur Erfüllung einer Funktion erforderlich sind. Sie werden unabhängig von ihrer technischen Anordnung zusammengefasst. Es kann durchaus sein, dass aus Sicht der Konstruktion Bauteile von mehreren Funktionsgruppen gestaltet werden. In diesem Fall bilden Fuß und Lampenstange eine konstruktive Einheit.

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Die Sicht der Produktion

Die Fertigung dagegen betrachtet die Struktur aus fertigungstechnischer Sicht mit starker Auflösung in einzelne Bauteile, z.B. den Fuß aus Bodenblech, Stabilitätsgewicht und Deckplatte in Einheit mit den zwei Teilen der Lampenstange und deren Laschenverbindung. Im Maschinenbau, wenn gemeinsame Bearbeitung, zum Beispiel zur Erzielung glatter Flächen oder konzentrischer Bohrungen, erforderlich ist, werden Teile gemeinsam betrachtet.

Die Montage betrachtet die Strukturen aus der Sicht der Montagereihenfolge, der Vormontage und der Funktionserprobung. Das baut meist auf der Sichtweise der Fertigung auf, aber es kann Ausnahmen geben, wenn zuerst nur Teile einer Baugruppe mit Teilen einer anderen montiert werden, z.B. die Kurbelwelle in ihre Lager gelegt wird, ehe die Pleuel montiert werden.

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Die Sicht des Versands

Analog betrachtet der Versand die Strukturen versandorientiert, also eventuell als vormontierte Einheiten in versandgerechter Form und Größe. Das kann durchaus bedeuten, dass über die Grenzen von Funktions- und Baugruppen hinweg versandfähige Bauteile durch Demontage erstellt werden, deren einziger logischer Zusammenhalt die Versandfähigkeit ist. Stücklisten, die Teilegruppen ausschließlich nach Versandgesichtspunkten strukturieren sind jedoch sehr selten. Im Fall der Lampe z.B. ist der Fuß eine Versandeinheit, die Lampenstange wird in ihren beiden Hälften getrennt betrachtet, wobei die Lasche einem der beiden Teile zugeordnet wird. Die Schrauben für die Verbindung von Fuß und Stange werden extra versandt, zusätzlich noch ein Schlüssel für die Befestigung durch die Innensechskantschrauben, denn es handelt sich um ein Produkt für den Baumarktkunden.

Für die Fertigung und die Kalkulation ist die synchronisierte Kombination aus Materiallisten (Stücklisten) und Arbeitsganglisten (Arbeitsplänen) üblich. Diese Kombination wird meist als "Fertigungsplan" bezeichnet. Die Trennung zwischen Arbeitsplänen auf der einen Seite und Stücklisten auf der anderen Seite ist überholt. Dagegen werden verschiedene Arten der Stückliste aus dem Fertigungsplan extrahiert. Allgemein üblich ist die Strukturstückliste, die detailliert die Baukastenstruktur des Produktes darstellt. Die Mengenstückliste ist eine Zusammenstellung aller Materialkomponenten des Produktes ohne Darstellung der Struktur, also der einzelnen Baukästen. Die Stücklistenarten werden im Beitrag "Informationsbasis der Produktionsplanung und –steuerung" detailliert beschrieben.